ausweg aus der demokratie

Von: , Frage gestellt am Do, 8. Feb 2001

um mich nicht falsch zu verstehen; ich hab beileibe nichts gegen unseren staat und seine gesellschaftliche ordnung. mir geht es nur um die theoretische frage.

heisst demokratie nicht, dass die mehrheit entscheidet?

wenn sich aber nun die mehrheit gegen eine demokratische gesellschaftsordnung entscheiden würde, was wäre dann?
unsere verfassung, die sich auf demokratische grundwerte
beruft, sieht doch keinen ausstieg daraus vor. wäre das
nicht wieder eine diktatorische form und somit ein paradox?

wie seht ihr das so?

gruss marian

22 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 2 Stunden hilfreich
    Re: ausweg aus der demokratie

    Gute Frage. Was ist, wenn die Mehrheit nicht will???

    Theoretisch müßte die Sache eigentlich klar sein. Wenn die Mehrheit entscheidet, nicht mehr demokratisch entscheiden zu wollen, müßte dies respektiert werden, finde ich.
    Praktisch wüprde das schwieriger. Das Grundgesetz hat ja wohl noch den alten Schlußartikel. Dieses Gesetz tritt außer Kraft, wenn sich das deutsche Volk in freier Entscheidung eine Verfassung gibt, oder so ähnlich war das wohl. Auf dieser Grundlage wurde ja 1990 mal diskutiert.
    Meiner Meinung nach (und nicht nur meiner) hätte ja nach der Wiedervereinigung die Möglichkeit und aus diesem Artikel heraus auch die moralische Pflicht bestanden, nun endlich eine Diskussion über eine gesamtdeutsche Verfassung zu führen und das deutsche Volk über seine Verfassung abstimmen zu lassen. Aber der bundesdeutsche Beamtenapparat hatte wohl keine Lust, die ganzen nachgeschalteten Gesetze abzuändern und neue Paragrafen zu lernen. Da ist dann die deutsche Verfassung dem deutschen Büroschlaf zum Opfer gefallen.
    Nicht geklärt ist nur, wer eine solche Verfassung fordern oder vorschlagen müßte. Volksentscheide darüber sind ja in unserer Voksdemokratie nicht vorgesehen, aus irgend einem Grund hat der gesetzgeber offensichtlich Angst, sein Volk um seine Meinung zu fragen. Insofern besteht da theoretisch wohl wirklich ein leerer Raum.


    Gernot Geyer

    • Antwort von nach 5 Stunden hilfreich
      Re^2: ausweg aus der demokratie

      hi gernot! Gute Frage. Was ist, wenn die Mehrheit nicht will???
      ;o) die will ja nicht! meine theoretische frage ist ja, wenn die mehrheit wollte. Theoretisch müßte die Sache eigentlich klar sein. Wenn die
      Mehrheit entscheidet, nicht mehr demokratisch entscheiden zu
      wollen, müßte dies respektiert werden, finde ich.
      wird es aber nicht !!! Praktisch wüprde das schwieriger. Das Grundgesetz hat ja wohl
      noch den alten Schlußartikel. Dieses Gesetz tritt außer Kraft,
      wenn sich das deutsche Volk in freier Entscheidung eine
      Verfassung gibt, oder so ähnlich war das wohl. Auf dieser
      Grundlage wurde ja 1990 mal diskutiert.
      soweit ich das mitbekommen hab, war das 1990 die letzte chance, da nun die einheit deutschlands vollendet ist, trifft das wohl nicht mehr. Meiner Meinung nach (und nicht nur meiner) hätte ja nach der
      Wiedervereinigung die Möglichkeit und aus diesem Artikel
      heraus auch die moralische Pflicht bestanden, nun endlich eine
      Diskussion über eine gesamtdeutsche Verfassung zu führen und
      das deutsche Volk über seine Verfassung abstimmen zu lassen.
      ohh, da hatten aber welche bammel vor! Aber der bundesdeutsche Beamtenapparat hatte wohl keine Lust,
      die ganzen nachgeschalteten Gesetze abzuändern und neue
      Paragrafen zu lernen. Da ist dann die deutsche Verfassung dem
      deutschen Büroschlaf zum Opfer gefallen.
      Nicht geklärt ist nur, wer eine solche Verfassung fordern oder
      vorschlagen müßte. Volksentscheide darüber sind ja in unserer
      Voksdemokratie nicht vorgesehen, aus irgend einem Grund hat
      der gesetzgeber offensichtlich Angst, sein Volk um seine
      Meinung zu fragen. Insofern besteht da theoretisch wohl
      wirklich ein leerer Raum.
      das denke ich auch!

      gruss marian

  2. Antwort von nach 13 Stunden hilfreich
    Re: ausweg aus der demokratie

    Hi Marian,
    Mehrheitsentscheidungen sind verlockend, weil es den Anschein hat, dass eben die Mehrheit des Volkes (oder des entsprechenden Wahlgremiums) für das zu entscheidende Ergebnis ist.
    Wir wissen aber heute, dass eine solche Entscheidung nicht immer den tatsächlichen Willen des Volkes ausdrückt. Massive Manipulationen beeinflussen eine solche demokratische Abstimmung. Und derartige Manipulationen sind heute im Zeitalter der Medien viel häufiger zu beobachten als in früheren Zeiten.
    Wir kennen nicht zuletzt das Problem der Massenbeeinflussung in der Hitler-Diktatur. Politiker benutzen Medienauftritte werbewirksam für sich und für ihre Partei, populistische Darstellungen verwischen die sachliche Auseinandersetzung mit den anstehenden Themen usw.
    Ist das noch Demokratie, so wie die Väter des Grundgesetzes sich das vorgestellt hatten?
    Wenn wir davon überzeugt sind, Demokratie ist nicht die beste Form der Politik, dann stellt sich die Frage, welche Alternative hierzu gibt es?
    Und das ist der Haken an der Sache.
    Gruß,
    Francesco

    • Antwort von nach 18 Stunden hilfreich
      Re^2: ausweg aus der demokratie

      Hi Francesco, Mehrheitsentscheidungen sind verlockend, weil es den Anschein
      hat, dass eben die Mehrheit des Volkes (oder des
      entsprechenden Wahlgremiums) für das zu entscheidende Ergebnis
      ist.
      anschein? ist die wahl ohne manipualtion durchegführt, davon gehe ich aus, ist es so und hat nicht nur den anschein!!! Wir wissen aber heute, dass eine solche Entscheidung nicht
      immer den tatsächlichen Willen des Volkes ausdrückt.
      das ist klar, aber es kommt ihm nun mal am nächsten. Manipulationen beeinflussen eine solche demokratische
      Abstimmung. Und derartige Manipulationen sind heute im
      Zeitalter der Medien viel häufiger zu beobachten als in
      früheren Zeiten.
      das bezweifle ich, die formen sind bloss anders und sie sind uns allgegenwärtiger als früher. wir nehmen das heute bewusster war. Wenn wir davon überzeugt sind, Demokratie ist nicht die beste
      Form der Politik, dann stellt sich die Frage, welche
      Alternative hierzu gibt es?
      das weiss ich auch nicht, das war aber auch nicht meine frage.

      gruss marian

      • Antwort von nach 18 Stunden hilfreich
        Re^3: ausweg aus der demokratie

        Mehrheitsentscheidungen sind verlockend, weil es den Anschein
        hat, dass eben die Mehrheit des Volkes (oder des
        entsprechenden Wahlgremiums) für das zu entscheidende Ergebnis
        ist.
        anschein? ist die wahl ohne manipualtion durchegführt, davon
        gehe ich aus, ist es so und hat nicht nur den anschein!!!
        Das stimmt aber auch nur, wenn wirklich 100% der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben haben, oder nicht?! Aber einen solchen Fall hab ich noch nicht mal zu meiner Schulzeit bei den jährlichen Klassensprecher-Wahlen erlebt, geschweige denn bei "bedeutenderen" Wahlen...

        • Antwort von nach 19 Stunden hilfreich
          Re^4: ausweg aus der demokratie

          Das stimmt aber auch nur, wenn wirklich 100% der
          Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben haben, oder nicht?!
          Aber einen solchen Fall hab ich noch nicht mal zu meiner
          Schulzeit bei den jährlichen Klassensprecher-Wahlen erlebt,
          geschweige denn bei "bedeutenderen" Wahlen...
          hi orestes,

          die ursprüngliche fragestellung war eine fiktive, von daher hab ich eine optimale vorraussetzung angesetzt.

          dass nicht alles mit rechten dingen zugeht, und wie tatsächlich gezählt wird, hat uns ja die bush/gore entscheidung zur genüge vor augen geführt. unterschiedliche wahlzettel, maschinelle auswertung. wer hätte das in der tiefe gedacht ???


          gruss marian

  3. Antwort von nach 15 Stunden hilfreich
    Re: ausweg aus der demokratie

    Hallo!

    Kann mich meinen Vorpostern im Prinzip nur anschließen.

    Karl Popper hat ja einmal erkannt, dass die Toleranz an und für sich schon ein Widerspruch ist, da es bedeutet, Intoleranz nicht zu tolerieren. Hängt ein bißchen mit deiner Erkenntnis zusammen.

    Ich glaube es war Winston Churchil der gesagt hat, daß die Demokratie eine beschissene Staatsform ist, es halt nur keine bessere gibt. Ich glaube er war es auch, der gemeint hat, der nächste Faschismus wird nicht sagen, hier bin ich und ich bin der Faschismus, sondern wird die anderen als Faschisten hinstellen und sich als den Heiland! So ähnlich wie es die FPÖ in Österreich zur Zeit macht. In den aktuellen Umfragen haben sie gottseidank keine 20 %, trotzdem sind die Leute, die sie noch immer wählen würden, voll auf der Führerwelle. Haier & Co erzeugen mit den Linken (ein schlimmes Wort, man denke mal an linkisch, linker Agent etc. Da klingt Rechts, rechtschaffen, gerecht einfach viel besser) ein Feindbild bei den Leuten, ähnlich wie Hitler mit den Bolschewiken. Die dauernden Demos gegen die Regierung helfen ihnen dabei, sowie vor allem 2 eher rechte Zeitungen. Furchtbar! Auch diese Leuten würden prinzipiell den Faschismus ablehnen, die Frage ist nur ob sie den Unterschied merken bevor es zu spät ist!

    Gruß,
    Herbert [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

    • Antwort von nach 18 Stunden hilfreich
      Re^2: ausweg aus der demokratie

      hi herbert,

      ich denke, dass mit karl propper trifft es schon ganz gut. für mich gibt es halt einige widersprüche, die ich einfach nicht begreifen kann. zb was mir am gottesbegriff nicht erklärbar ist, was ich nicht akzeptieren, begreifen kann, dass es da ein immer vorhandenes wesen geben soll. ich frag mich immer, was davor war, wer es erschaffen hat, wie es geworden ist. dann müsste die zeit ja auch endlich sein. einfach nicht begreifbar. So ähnlich wie es die FPÖ
      in Österreich zur Zeit macht. In den aktuellen Umfragen haben
      sie gottseidank keine 20 %, trotzdem sind die Leute, die sie
      noch immer wählen würden, voll auf der Führerwelle. Haier & Co
      erzeugen mit den Linken (ein schlimmes Wort, man denke mal an
      linkisch, linker Agent etc. Da klingt Rechts, rechtschaffen,
      gerecht einfach viel besser)
      das ist in der tat wirklich schlimm.


      ein Feindbild bei den Leuten,
      ähnlich wie Hitler mit den Bolschewiken.
      stimmt auch. in der beziehung frage ich mich immer wieder, wieviele leute eigentlich überhaut die übersetzung des begriffes bolschewiki kennen!


      gruss marian

      • Antwort von nach einem Tag hilfreich
        Re^3: ausweg aus der demokratie


        Hallo Marian! hi herbert,

        ich denke, dass mit karl propper trifft es schon ganz gut. für
        mich gibt es halt einige widersprüche, die ich einfach nicht
        begreifen kann. zb was mir am gottesbegriff nicht erklärbar
        ist, was ich nicht akzeptieren, begreifen kann, dass es da ein
        immer vorhandenes wesen geben soll. ich frag mich immer, was
        davor war, wer es erschaffen hat, wie es geworden ist. dann
        müsste die zeit ja auch endlich sein. einfach nicht
        begreifbar.
        Gib den Gedanken an einen Gott wie du ihn aus irgendwelchen Buchreligionen kennst einfach auf. Die Religionen sind aus psychologischer Notwendigkeit entstanden, als der Mensch begann zu denken. Es ist ziemlich gut nachvollziehbar, dass zum gleichen Zeitpunkt wie die Menschen mit dem Ackerbau begonnen, und die Erde begannen zu erobern auch die ersten Religionen entstanden. Nach heutigem Stand der Wissenschaft gibt es vielleicht 2 Gründe etwas göttliches anzunehmen. Das eine wäre die Frage woher das Universum kommt, dies mit einem Gott zu erklären verschiebt aber nur die Frage wer alles (=Universum und dazu würde auch Gott zählen) erschaffen hat. Was wäre dann das erste woran sich Gott erinnert? Die andere wäre die Frage nach dem menschlichen Bewußtsein. Meiner persönlichen Meinung nach wird das überschätzt. Jedenfalls ist der Unterschied zwischen Mensch und Tier was das Bewußtstein betrifft nur ein gradueller, uns somit vermutlich einfach evolutionäre Notwendigkeit. So ähnlich wie es die FPÖ
        in Österreich zur Zeit macht. In den aktuellen Umfragen haben
        sie gottseidank keine 20 %, trotzdem sind die Leute, die sie
        noch immer wählen würden, voll auf der Führerwelle. Haier & Co
        erzeugen mit den Linken (ein schlimmes Wort, man denke mal an
        linkisch, linker Agent etc. Da klingt Rechts, rechtschaffen,
        gerecht einfach viel besser)
        das ist in der tat wirklich schlimm.
        Ja. Die haben mich ein anderes Paradoxon an der Demokratie erkennen lassen. Politik ist etwas gescheites zu machen, und es den durchschnittlich Intelligenten zu verkaufen. Die FPÖ tut allerdings nicht einmal das, sondern ist noch viel schlimmer... ein Feindbild bei den Leuten,
        ähnlich wie Hitler mit den Bolschewiken.
        stimmt auch. in der beziehung frage ich mich immer wieder,
        wieviele leute eigentlich überhaut die übersetzung des
        begriffes bolschewiki kennen!
        Ich kenne ihn auch nicht, würde mich aber interessieren!
        Die wahre Bedeutung war ja auch nicht wirklich wichtig, hauptsache es klingt gefährlich. Auf dem Psychologie Brett war unlängst ein Posting von Gwnlth über eine Frau, die noch immer an einem Verfolgungswahn leidet und sich vor den Bolschewisten fürchtet. Tatsächlich funktioniert sowas noch immer. In Österreich werden sich in ein paar Jahren die Leute vor den linkslinken Kommunisten fürchten, ohne zu wissen warum! gruss marian
        Servus,
        Herbert



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