Existenzverlust möglich?

Von: , Frage gestellt am Sa, 19. Mai 2001

Als eher naturwissenschaftlich Interessierter möchte ich auch mal einen Beitrag zu diesem Forum leisten.
Meine Gedanken kreisen eigentlich schon seit ewig langer Zeit immer wieder um die eine Frage: was ist das hier, diese Welt, diese seltsame Existenz. Das ist wahrscheinlich auch der Antrieb der meisten Naturwissenschaftler.
Jeder der sich schonmal mit den Themen der Astronomie und Physik, Stichworte "Urknalltheorie", "Heisenbers Unschärferelation" etc. beschäftigt hat, muß das alles hier äußerst "Seltsam" finden. Eine Aussage der Unschärferelation ist z.B. diese: Solange man einzelne Atome, Elektronen, Quanten, prinzipiell auch beliebig große, zusammengesetzte Objekte etc. vollkommen von jeder Wechselwirkung mit der Außenwelt abschottet, ist so ziemlich alles möglich. Sie können alle möglichen Zustände annehmen. Eine Münze kann gleichzeitig auf Kopf und Zahl liegen. Teilchen beginnen quasi erst zu existieren, wenn sie mit anderen Teilchen wechselwirken (Stichwort: "Kollaps der quantenmechanischen Wellenfunktion").
Ich will nicht weiter ausholen, denn dieses Thema ist komplex.
Seit einem ziemlich einschneidendem Erlebnis ist für mich folgende Frage wieder aktuell geworden:
Mal angenommen, unser Gehirn ist tatsächlich deterministisch, also letztendlich nichts weiter als ein sehr komplexer Rechenautomat mit einer ebenso komplexen Programmierung, welche sich über Jahrmilliarden durch den Evolutionsdruck entwickelt hat. (Hirnforscher, Soziologen, Biologen tendieren immer mehr in diese Richtung).
Mich beschäftigt da folgendes Gedankenspiel:
Angenommen, der Wissenschaft gelingt es in naher oder ferner Zukunft so etwas wie künstliches Bewußtsein zu schaffen. Eine Rechenmaschine, die genau wie wir, der Illusion des freien Willens unterliegt. Nun ziehen wir den Stecker. Aus der „Dritte-Person-Perspektive“ (Perspektive des Außenstehenden) wurde die Existenz dieses Bewußtseins ausgelöscht. Aber wie sieht das aus der „Erste-Person-Perspektive“ (Perspektive des sterbenden Bewußtseins) aus? Kann dieses einmal geschaffene Bewußtsein tatsächlich das Ende seiner Existenz erleben? Die Antwort muß doch „Nein“ lauten. Aber was „erlebt“ es dann? Wie sieht die letzte Sekunde, Millisekunde, Mikrosekunde aus der Perspektive des sterbenden Bewußtseins aus? Mein erster Ansatz war die ja auch nur begrenzte Taktfrequenz des Rechners, was bedeuten würde, daß mit dem letzen Takt die „Zeit“ des sterbenden Bewußtseins einfach stehen bleibt. Aber dieser Gedanke bringt einen auch nicht viel weiter, da der Datensatz der letzten Mikrosekunde ja nicht mehr stabil ist, sondern immer mehr und mehr von der Umgebung abhängig wird (Änderung des "letzten" Dtensatzes durch Ladungsverluste, thermisches Rauschen etc). Und wie sieht diese Abhängigkeit von der Umgebung für das sterbende Bewußtsein aus?
Wie auch immer das aussehen mag. Der "letzte Datensatz" verliert auf jeden Fall jegliche Möglichkeit, Einfluß auf seine Umgebung zu nehmen (denn er verliert ja sein Medium - den Körper). Vielmehr wird er doch immer abhängiger von der Umgebung, oder?
Tot könnte aus dieser Sicht ewige Verdammnis zur Handlungsunfähigkeit und zur Selbstbeschäftigung bedeuten, oder?
Natürlich wird der Begriff "Zeit" eine neue Bedeutung bekommen.
Aber hat dieser Gedanke nicht trotzdem etwas sehr Grausames? Und zeigt er nicht wieder einmal, wie "komisch" unsere Existenz doch ist?
Gebt mir neue Denkansätze (aber kommt mir bitte nicht mit dem lieben Gott, der alles schon richten wird)!

14 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 2 Stunden 0 hilfreich
    Re: Existenzverlust möglich?

    Hallo Markus,

    ich kann Dir Deine Fragen letztlich auch nicht beantworten, möchte aber ein paar Denkanstöße geben: Meine Gedanken kreisen eigentlich schon seit ewig langer Zeit
    immer wieder um die eine Frage: was ist das hier, diese Welt,
    diese seltsame Existenz. Das ist wahrscheinlich auch der
    Antrieb der meisten Naturwissenschaftler.
    Dann haben die meines Erachtens Ihren Beruf verfehlt. Die Naturwissenschaften werden diese Frage nie beantworten können, da es sich nicht um eine naturwissenschaftliche Frage handelt.

    Naturwissenschaftler entwicklen Modelle zur Beschreibung unserer Welt, stellen damit letztlich die Frage "wie ist diese Welt? - welche Gesetze gelten in Ihr?". Die Frage "was ist dieses Welt?" oder schlimmer "warum ist diese Welt?" sind keine naturwissenschaftlichen Fragen und mit naturwissenschaftliche Methoden nicht zu beantworten.

    Meine These: Diese Fragen sind für Menschen prinzipiell nicht beantwortbar. Zur Beantwortung dieser Frage müßte man die Welt von außen sehen, d.h. die Welt verlassen. Das ist aber unmöglich.

    Das ist auch der Grund, warum so viele Menschen, auch Naturwissenschaftler (!) in Religionen ausweichen. Angenommen, der Wissenschaft gelingt es in naher oder ferner
    Zukunft so etwas wie künstliches Bewußtsein zu schaffen. Eine
    Rechenmaschine, die genau wie wir, der Illusion des freien
    Willens unterliegt.
    Dann wird diese Maschine die Menschenrechte für sich beanspruchen... Nun ziehen wir den Stecker.
    Das ist Mord! Tot könnte aus dieser Sicht ewige Verdammnis zur
    Handlungsunfähigkeit und zur Selbstbeschäftigung bedeuten,
    oder?
    Natürlich wird der Begriff "Zeit" eine neue Bedeutung
    bekommen.
    Aber hat dieser Gedanke nicht trotzdem etwas sehr Grausames?
    Warum grausam? Du warst ursprünglich von der Überlegung ausgegangen, daß unsere Hirne deterministisch seien. Mit der Handlungsfreiheit war das also im Leben schon Essig, wozu brauch' ich dann Handlungsfähigkeit?

    Wie gesagt, alles nur Denkanstöße - auch von mir bei weitem noch nicht zu Ende gedacht. Einfach das was mir spontan zu Deiner Frage einfiel.

    Gruß
    Werner

    • Antwort von nach 2 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Existenzverlust möglich?

      Naturwissenschaftler entwicklen Modelle zur Beschreibung
      unserer Welt, stellen damit letztlich die Frage "wie ist diese
      Welt? - welche Gesetze gelten in Ihr?". Die Frage "was ist
      dieses Welt?" oder schlimmer "warum ist diese Welt?" sind
      keine naturwissenschaftlichen Fragen und mit
      naturwissenschaftliche Methoden nicht zu beantworten.

      Diese Aufspaltung ist Blödsinn. Die Frage nach dem "was" und "warum" ist doch letztlich genauso interessant wie die Frage nach dem "wie". Und sie sind doch eng miteinander verknüpft. Die Philosophie und Theologie geben meines Erachtens gar keine Antworten wo hingegen die Naturwissenschaft wenigstens ein Gefühl dafür vermittelt, "was" diese Welt auf jeden Fall nicht ist (Annäherung an die Antworten nach dem Ausschlußverfahren, sozusagen).
      Die Naturwissenschaft gibt sehr wohl Antworten und eine engere Verknüpfung mit den anderen Geisteswissenschaften würde sicherlich allen gut tun. Meine These: Diese Fragen sind für Menschen prinzipiell nicht
      beantwortbar. Zur Beantwortung dieser Frage müßte man die Welt
      von außen sehen, d.h. die Welt verlassen. Das ist aber
      unmöglich.

      Schon richtig, aber auch nur bedingt. Gewisse Erkenntnisse über das Wesen dieser Welt kann man aber auch "von innen" erlangen. Die ganze "Wahrheit" sicherlich nicht. Das ist auch der Grund, warum so viele Menschen, auch
      Naturwissenschaftler (!) in Religionen ausweichen.

      Viele von Ihnen sind sicherlich auch von der Angst getrieben. Angst vor dem Gedanken, "irgendwann" nicht mehr zu existieren. Das ist Mord!

      Richtig! Aber darum gings mir in dem Moment weniger. Tot könnte aus dieser Sicht ewige Verdammnis zur
      Handlungsunfähigkeit und zur Selbstbeschäftigung bedeuten,
      oder?
      Natürlich wird der Begriff "Zeit" eine neue Bedeutung
      bekommen.
      Aber hat dieser Gedanke nicht trotzdem etwas sehr Grausames?
      Warum grausam? Du warst ursprünglich von der Überlegung
      ausgegangen, daß unsere Hirne deterministisch seien. Mit der
      Handlungsfreiheit war das also im Leben schon Essig, wozu
      brauch' ich dann Handlungsfähigkeit?

      Die Illusion der Handlungsfreiheit ist auf jeden Fall real. Wenn uns diese Abhanden kommen könnte wäre das do ein grausamer Gedanke, oder?! Wie gesagt, alles nur Denkanstöße - auch von mir bei weitem
      noch nicht zu Ende gedacht. Einfach das was mir spontan zu
      Deiner Frage einfiel.

      Gruß
      Werner
      Schönen Dank. War interessant.
      Gruß
      Markus

      • Antwort von nach 3 Stunden 0 hilfreich
        Re^3: Existenzverlust möglich?

        Hi Ihr zwei
        nachdem ich sozusagen "an der Forschunsfront" stehe, gebe ich auch mal meinen Senf dazu Naturwissenschaftler entwicklen Modelle zur Beschreibung
        unserer Welt, stellen damit letztlich die Frage "wie ist diese
        Welt? - welche Gesetze gelten in Ihr?".
        Korrekt! Die Frage "was ist
        dieses Welt?" oder schlimmer "warum ist diese Welt?" sind
        keine naturwissenschaftlichen Fragen und mit
        naturwissenschaftliche Methoden nicht zu beantworten.
        Vollkommen Richtig!! Diese Aufspaltung ist Blödsinn. Die Frage nach dem "was" und
        "warum" ist doch letztlich genauso interessant wie die Frage
        nach dem "wie". Und sie sind doch eng miteinander verknüpft.
        eigentlich nicht. Die frage nch dem warum = Sinnfrage ist von der Frage nach dem "wie funktioniert das" durchaus abgekoppelt.
        Ich kann versuchen, die sinnfrage zu beantworten, ohne auf die reale Struktur der Welt bezug zu nehmen. Die Philosophie und Theologie geben meines Erachtens gar keine
        Antworten wo hingegen die Naturwissenschaft wenigstens ein
        Gefühl dafür vermittelt, "was" diese Welt auf jeden Fall nicht
        ist (Annäherung an die Antworten nach dem Ausschlußverfahren,
        sozusagen).
        Aber leider nicht auf die Frage nach dem Sinn und Zweck! Die Naturwissenschaft gibt sehr wohl Antworten und eine engere
        Verknüpfung mit den anderen Geisteswissenschaften würde
        sicherlich allen gut tun.
        Die Antwort auf die Fragen nach dem warum und wieso wäre die Antwort auf die Sinnfrage. Sprich, hat das Leben einen Sinn, der über die blose Reproduktion hinausgeht. Wenn ja, welchen?
        Darauf kann die Naturwissebschaft keine Antwort finden.
        Allerdings ist es richtig, das eine bessere Verbindung zwischen Geisties und Natwisslern sehr wünschenswert wäre... Das ist auch der Grund, warum so viele Menschen, auch
        ... und gerade ... Naturwissenschaftler (!) in Religionen ausweichen.

        Viele von Ihnen sind sicherlich auch von der Angst getrieben.
        Angst vor dem Gedanken, "irgendwann" nicht mehr zu existieren.
        Der Grund ist auch ein anderer. Naturwissenschaftler sind sich der Grenzen der Naturwissenschaften sehr wohl bewusst.
        Ich weiss (!) auch nicht, was danach ist... (sofern die Frage nach dem danach überhaupt zulässig ist... Siehe Diskussion "was war vor dem Urknall, was ist nördlicher als der Nordpol...)
        Unter Natwisslern ist eigentlich alles vertreten... vom Tiefgläubigen bis zum Atheisten...

        Noch ein paar Gedanken zum Determinismus.
        der strikte Determinismus (alles ist vorherbestimmt) lehne ich aus naturwissenschaftlicher Sicht ab.
        Begründung: Unsere Gesamten Stoffwechselfunktionen, auch der denkprozess, funktionieren auf Molekularer Ebene.
        Damit kommen unberechenbare, zufällige Momente ins Spiel.
        Das bedeutet, das selbst bei den gleichen Startbedingungen bei zwei Personen ein im Endeffekt unterschiedliches Handlungsergebniss herauskommt.
        das gilt selbst für instinktgesteuertes Verhalten....
        der Totale Determinismus ist ein Überbleibsel der naturwissenschaftlichen Ideologien, die im 19 Jh. wurzeln. Mit der Quanten- und Chaostheorie sind diese Gedankengebäude obsolet.
        (aber schwer zu töten...)
        Ich bin der Ansicht, das es zumindest einen relativen freien Willen gibt. Wir sind in der Lage, uns im Rahmen unserer Möglichkeiten tatsächlich frei zu entscheiden, und müssen dafür auch die Konsequenzen tragen.

        Den absoluten Freien Willen gibt es natürlich nicht. Wir können nicht einfach beschließen, 20 cm größer zu sein. oder so...

        Gruß
        Mike

        • Antwort von nach 4 Stunden 0 hilfreich
          Re^4: Existenzverlust möglich?

          Die Frage "was ist
          dieses Welt?" oder schlimmer "warum ist diese Welt?" sind
          keine naturwissenschaftlichen Fragen und mit
          naturwissenschaftliche Methoden nicht zu beantworten.
          Vollkommen Richtig!!

          Warum hat sich die Intelligenz in dieser Welt als Erfolgsmodell herauskristallisiert (zumindest im Moment). Da hilft die Evolutionstheorie sehr wohl weiter und bietet auch den Philosophen neue Denkansätze. Diese Aufspaltung ist Blödsinn. Die Frage nach dem "was" und
          "warum" ist doch letztlich genauso interessant wie die Frage
          nach dem "wie". Und sie sind doch eng miteinander verknüpft.
          eigentlich nicht. Die frage nch dem warum = Sinnfrage ist von
          der Frage nach dem "wie funktioniert das" durchaus
          abgekoppelt.
          Ich kann versuchen, die sinnfrage zu beantworten, ohne auf die
          reale Struktur der Welt bezug zu nehmen.

          Was dabei herauskommt ist aber dann nur weltfremder Idealismus (=Religion) Die Philosophie und Theologie geben meines Erachtens gar keine
          Antworten wo hingegen die Naturwissenschaft wenigstens ein
          Gefühl dafür vermittelt, "was" diese Welt auf jeden Fall nicht
          ist (Annäherung an die Antworten nach dem Ausschlußverfahren,
          sozusagen).
          Aber leider nicht auf die Frage nach dem Sinn und Zweck!

          "Sinn" und "Zweck" sind innere Begriffe (und keine absoluten), die stets einen Bezug benötigen. Einen globalen "Sinn" gibt es eh nicht. Die Frage nach demm Sinn war mir hier aber eh egal. Ursprünglich umtrieb mich hier die Frage nach dem "was" und eigentlich noch nicht mal das. Eigentlich wollte ich nur mal hören, ob auch andere das "Komische" an dieser Welt und unserer "Existenz" in diesem seltsam "sinnfreien" Universum erkennen. Die Naturwissenschaft gibt sehr wohl Antworten und eine engere
          Verknüpfung mit den anderen Geisteswissenschaften würde
          sicherlich allen gut tun.
          Die Antwort auf die Fragen nach dem warum und wieso wäre die
          Antwort auf die Sinnfrage. Sprich, hat das Leben einen Sinn,
          der über die blose Reproduktion hinausgeht. Wenn ja, welchen?
          Darauf kann die Naturwissebschaft keine Antwort finden.
          Allerdings ist es richtig, das eine bessere Verbindung
          zwischen Geisties und Natwisslern sehr wünschenswert wäre...

          Wieso ist die Reproduktion "sinnvoll"? Ist sie sinnvoller als das leben und sterben von Sternen und Sonnensystemen um uns herum?
          Wie gesagt - darauf gibt es eh keine Antworten. Aber die Frage ob es letztlich Anfang und Ende gibt ist doch für uns kleine Existenzen sehr wohl interessant. Und jede Theorie hierzu müsste sich meiner Meinung nach in irgend einer Weise mit unseren Naturgesetzen decken. Der Grund ist auch ein anderer. Naturwissenschaftler sind sich
          der Grenzen der Naturwissenschaften sehr wohl bewusst.
          Ich weiss (!) auch nicht, was danach ist... (sofern die Frage
          nach dem danach überhaupt zulässig ist... Siehe Diskussion
          "was war vor dem Urknall, was ist nördlicher als der
          Nordpol...)
          Naja. Die Frage, was nach dem Ableben eines Menschen "aus der Sicht des Verstorbenen" kommt läßt sich nicht gleichsetzen mit der Frage, was vor dem Anbeginn der Zeit war (zumindest stelle ich hier diese These mal auf). Der Rest der Welt existiert ja - zumindest für den Rest der Welt - weiter. Noch ein paar Gedanken zum Determinismus.
          der strikte Determinismus (alles ist vorherbestimmt) lehne ich
          aus naturwissenschaftlicher Sicht ab.
          Begründung: Unsere Gesamten Stoffwechselfunktionen, auch der
          denkprozess, funktionieren auf Molekularer Ebene.
          Damit kommen unberechenbare, zufällige Momente ins Spiel.
          Das bedeutet, das selbst bei den gleichen Startbedingungen bei
          zwei Personen ein im Endeffekt unterschiedliches
          Handlungsergebniss herauskommt.
          Ach ne... Wenn Du zwei Roboter baust, mit einer flexiblen Struktur (d.h. mit einer hohen Anzahl an Handlungsmöglichkeiten und ausreichendem "Input") dann wird ihr Handlungsablauf auch immer unbestimmter (unschärfer). Hier gehts aber nur ums Prinzip. Der Roboter bleibt schließlich immer noch ein Roboter. Und meine These ist (und nicht nur meine), daß ein weiteres Erhöhen der Rechenleistung letztlich etwas ähnliches wie unser Gehirn hervorbringen könnte, welches dann von außen natürlich genauso unvorhersehbar reagieren wird und aber auch in der Lage sein könnte, etwas ähnliches wie einen "freien Geist" zu entwickeln.
          Nur darauf kam es mir an (daß also der Vergleich Tot=Stecker ziehen, zulässig ist) Ich bin der Ansicht, das es zumindest einen relativen freien
          Willen gibt. Wir sind in der Lage, uns im Rahmen unserer
          Möglichkeiten tatsächlich frei zu entscheiden, und müssen
          dafür auch die Konsequenzen tragen.

          Keine Frage. Aber darum ging es mir nicht.
          Gruß
          Markus

          • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
            Re^5: Existenzverlust möglich?

            Hallo Markus, Warum hat sich die Intelligenz in dieser Welt als
            Erfolgsmodell herauskristallisiert (zumindest im Moment). Da
            hilft die Evolutionstheorie sehr wohl weiter und bietet auch
            den Philosophen neue Denkansätze.
            Klar, in einer Welt, in der die Gesetze der Evolutionstheorie gelten wird sich Intelligenz als Erfolgsmodell herausstellen. Das ist eine Prognose, die im Rahmen der Naturwissenschaften sehr wohl aufgestellt werden kann. Wenn ich ein Modell habe, das mir Gesetze an die Hand gibt, nach denen Dinge in der Natur ablaufen (d.h. beschreiben kann "wie unsere Welt funktioniert") kann ich solche Prognosen natürlich ableiten - das ist Naturwissenschaft.

            Wir wollen die Bedeutung der Naturwissenschaften ja auch sicher nicht kleinreden.

            Das führt uns aber keinen Schritt weiter bei den Fragen "was ist diese Welt?" und "warum ist diese Welt?". Von "Wozu", d.h. der Sinnfrage im engeren Sinn (sic!) will ich gar nicht reden.
            Möglicherweise, aber keinesfalls sicher, könnten wir die Frage des "Wozu" klären, wenn wir denn das "Was" und "Warum" beantworten könnten. Diese Aufspaltung ist Blödsinn. Die Frage nach dem "was" und
            "warum" ist doch letztlich genauso interessant wie die Frage
            nach dem "wie".
            Sicher sind diese Fragen genau so interessant, aber mit naturwissenschaftlichen Methoden halt definitiv nicht zu beantworten. Ich kann versuchen, die sinnfrage zu beantworten, ohne auf die
            reale Struktur der Welt bezug zu nehmen.

            Was dabei herauskommt ist aber dann nur weltfremder Idealismus
            (=Religion)
            Kann sein, kann sein auch nicht. Naturwissenschaft als Ersatzreligion ist jedenfalls auch nicht besser. Einen globalen "Sinn" gibt es eh nicht.
            Eine gewagte These. Kannst Du Argumente dafür liefern, außer der bekannten Tatsache, daß wir den "Sinn" nicht (er-)kennen? Eigentlich wollte ich nur mal
            hören, ob auch andere das "Komische" an dieser Welt und
            unserer "Existenz" in diesem seltsam "sinnfreien" Universum
            erkennen.
            Wenn Du über Deine eigene Argumentation mal genauer nachdenkst, wirst Du erkennen, daß das "Komische" und "Seltsame" an unserer Existenz darin liegt, daß wir offensichtlich existieren, aber nicht wissen, was da eigentlich existiert und war da was existiert. Die Naturwissenschaft gibt sehr wohl Antworten und eine engere
            Verknüpfung mit den anderen Geisteswissenschaften würde
            sicherlich allen gut tun.
            Richtig! Übrigens: Alle wirklich großen Naturwissenschaftler
            haben sich auch mit den wichtigen Geisteswissenschaften (Mathematik und Philosophie) auseinandergesetzt.
            Und auch die Sozialwissenschaften (die ja von laien gerne unter Geisteswissenschaften subsumiert werden) sollten wir nicht geringschätzen. hat das Leben einen Sinn,
            der über die blose Reproduktion hinausgeht. Wenn ja, welchen?
            Darauf kann die Naturwissebschaft keine Antwort finden.
            Wieso ist die Reproduktion "sinnvoll"? Ist sie sinnvoller als
            das leben und sterben von Sternen und Sonnensystemen um uns
            herum?
            Wieder in die beschriebene Falle getappt: Aus einer naturwissenschaftlichen Beobachtung (Lebenwesen verfolgen während Ihres gesamten Lebens eine Strategie, die im wesentlichen auf die Reproduktiun der eigene Gene zielt).
            Folgerung: Reproduktion ist der Sinn des Lebens.
            Diese Folgerung ist nicht zulässig: Aus der Tatsache das etwas ist, lässt sich nicht ableiten das dies auch sinnvoll ist.

            Wenn dieser einfache Schluß zulässig wäre, würde aus der Tatsache, daß Autounfälle passieren, folgen daß Autounfälle sinnvoll sind. Wie gesagt - darauf gibt es eh keine Antworten. Aber die Frage
            ob es letztlich Anfang und Ende gibt ist doch für uns kleine
            Existenzen sehr wohl interessant. Und jede Theorie hierzu
            müsste sich meiner Meinung nach in irgend einer Weise mit
            unseren Naturgesetzen decken.
            Wie beschrieben werden sich die Antworten nicht aus den Naturgesetzen ableiten lassen - weil die Fragestellungen einfach nicht zusammenpassen. Allerdings ergäben sich für mich massive Probleme, wenn sich aus den Antworten Widersrüche zu den Naturgesetzen ergäben. Der Grund ist auch ein anderer. Naturwissenschaftler sind sich
            der Grenzen der Naturwissenschaften sehr wohl bewusst.
            ... während viele Laien diese Grenzen nicht sehen und versuchen sich aus pseudonaturwissenschaftlichen Versatzstücken eine Ersatzreligion zu basteln.

            (Damit wir uns nicht mißverstehen: Dieser Vorwurf richtet sich nicht gegen Dich. Du versuchst ja, das beweist die Diskussion hier, richtige Antworten zu finden) Noch ein paar Gedanken zum Determinismus.
            der strikte Determinismus (alles ist vorherbestimmt) lehne ich
            aus naturwissenschaftlicher Sicht ab.
            Begründung: Unsere Gesamten Stoffwechselfunktionen, auch der
            denkprozess, funktionieren auf Molekularer Ebene.
            Damit kommen unberechenbare, zufällige Momente ins Spiel.
            Das bedeutet, das selbst bei den gleichen Startbedingungen bei
            zwei Personen ein im Endeffekt unterschiedliches
            Handlungsergebniss herauskommt.
            Sehe ich genauso... Und meine These ist (und nicht nur
            meine), daß ein weiteres Erhöhen der Rechenleistung letztlich
            etwas ähnliches wie unser Gehirn hervorbringen könnte, welches
            dann von außen natürlich genauso unvorhersehbar reagieren wird
            und aber auch in der Lage sein könnte, etwas ähnliches wie
            einen "freien Geist" zu entwickeln.
            Glaube ich auch, aber das hat mit Determinisums wieder gar nichts zu tun. Das wirft übrigens dann wieder einige interessante ethische Fragen auf. Die sollten wir aus Gründen der Übersichtlichkeit, wenn, dann in einem eigen Thread diskutieren. Ich bin der Ansicht, das es zumindest einen relativen freien
            Willen gibt. Wir sind in der Lage, uns im Rahmen unserer
            Möglichkeiten tatsächlich frei zu entscheiden, und müssen
            dafür auch die Konsequenzen tragen.
            Sehr richtig!!!!!!!

            Gruß
            Werner

            • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
              Re^6: Existenzverlust möglich?

              Puh - jetzt ist es doch wieder passiert. Eine von diesen Diskussionen, wo nur darüber diskutiert wird, mit welchen Methoden man seinen Horizont erweitern kann und mit welchen nicht. Macht Euch das so einen Spaß?
              Ich kommentiere jetzt stellvertretend nur mal schnnell das Stichwort "globaler Sinn":
              Seht es doch mal etwas pragmatischer: Mal angenommen es gäbe tatsächlich einen Sinn für - meinetwegen - das ganze Universum. Hättet Ihr eine Vorstellung, wie dieser Sinn auch nur im entferntesten aussehen könnte? Und wenn es ihn tatsächlich gäbe, hätte er dann nicht auch wieder einen noch "höheren" Bezug und müßte dann nicht wieder von neuem die Sinnfrage für dieses "noch Höhere" gestellt werden?

              Egal. Wie gesagt. Darum gings mir einfach nicht.
              Der einzige Satz, der dem was ich meinte etwas näher kam war dieser hier: Wenn Du über Deine eigene Argumentation mal genauer
              nachdenkst, wirst Du erkennen, daß das "Komische" und
              "Seltsame" an unserer Existenz darin liegt, daß wir
              offensichtlich existieren, aber nicht wissen, was da
              eigentlich existiert und war da was existiert.
              Genau. Das meinte ich. Und oft wundere ich mich, wie so komische "Sinnmaschinen" wie der Mensch in einer Welt anfangen konnten zu existieren, die eigentlich von sich aus vollkommen "sinnfrei" ist (wieviel Materie in diesem Universum ist schon in der Lage die Sinnfrage zu stellen?)
              Und ich wundere mich wie klein der Unterschied oft zwischen zwei vollkommen unterschiedlichen Dingen ist (der leere Raum ist oft garnicht so leer. Das gesamte unvorstellbar große Universum war zusammengeschrumpelt auf Erdgröße. Und wie groß ist schon der Unterschied zwischen einem toten und einem lebendem Menschen - für den Angehörigen gewaltig, sicher. usw, usw...)

              Aber ich versuch es noch ein letztes Mal: Wenn wir den sich verändernden Datensatz eines "intelligenten" Computers betrachten, wie mag es wohl für diesen Computer aussehen, im thermischen Rauschen aufzugehen? (Ich verwende "Computer" und nicht "Mensch", da es dann leichter fällt, sachlich zu argumentieren) Übergangslos kann es meines Empfindens nach nicht sein. Und den Moment des "nicht mehr existieren" kann es doch irgendwie auch nicht geben, oder? Spinnt doch mal ein wenig mit.

            • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
              Re^6: Existenzverlust möglich?

              hi werner,

              kannst du mir erstmal den unterschied zwischen "wozu" und "warum" erklären ...

              danke, marian

            • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
              Wozu - Warum...?

              Hallo!

              Ohne die Vorgeschichte zu kennen - ich leiste mir auch den Luxus des diagonalen Überfliegens - also völlig "unbelastet" vom Thema meine Erklärung:

              Wozu? = Ausrichtung auf das Ziel
              Warum? = Ursache und Wirkung

              Nun bin ich mal gespannt, wie sehr ich - ohne zu wissen oder es im Nachhinein zu hinterfragen, worum es geht, daneben liege.

              Gruß!
              Tino

            • Antwort von nach 3 Tagen 0 hilfreich
              bisher haben dir sechs leute nicht wiedersprochen!

              nur nen ;o) als text!

              gruss marian



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