Hi Goosi,
war vielleicht ein kleiner Verständigungsfehler, das mit der Voll- und der Lokalanaesthesie.
Jetzt schreibe ich ein bisschen vollständiger.
Lokalanaesthesie meint tatsächlich eine Schmerzblokade, die nur lokal, also um die Wunde (OP-Gebiet) herum wirkt. Dazu muss man mit mehreren Stichen einer Spritze die oberflächlichen (Haut und Unterhaut) und die tieferen (Muskel, Faszien) Schichten der Bauchwand möglichst lückenlos mit einem Lokalanaesthetikum anspritzen. Das Problem ist nur, die Bauchwand ist ja kaputt und unter der Haut kann schon Darm lauern. Falls man das nicht merkt und hier spritzt, ist der Patient zwar die Hernie los, hat aber eeine Darmverletzung. Der Darm läßt sich aber während der Operation nicht überprüfen, da er sofort nach Eröffnung der oberflächlichen Schichten wieder im Bauch verschwindet. So ganz komplikationslos ist die lokale Betäubung also nicht. Dazu kommt, dass man für eine wirklich schmerzarme Operation mindestens 40 ml des Betäubungsmittels benötigt. daß diese Menge jedoch bei herzkranken Patienten bereits einen Herzstillstand auslösen kann, wenn das Mittel zu schnell aufgenommen wird. Bei 40 ml besteht aber oft noch ein erheblicher Schmerz in der Tiefe, der oft nicht ausreichend bekämpft wird, da ... (s.o.)
Als Nebeneffekt der Lokalanaesthesie quillt das Gewebe auf und die Strukturen, dia man sicher erkennen und operieren soll verändern sich, es ist also durchaus anspruchsvoller, so zu operieren. Der Chirurg, der das so macht, muss also viel Erfahrung haben, oder er muss ein Kunststoffnetz verwenden.
Weit verbreitet ist die Spinalanaestehsie, bei der eine Nadel in den Rückenmarkkanal gestochen wird, über die ein Schmerzmittel gegeben wird und so eine Schmerzausschaltung der unteren Körperhälfte erzeugt wird. Auch diese Methode hat Nebenwirkungen, die sich oft in Kopfschmerzen und Schwindel nach der OP äußern und in sehr seltenen Fällen auch mal eine Verletzung der Rückenmarkfasern oder eine Atemlähmung sein können. Außerdem tun die behandelnden Ärzte sich schwer, die Patienten am gleichen Tag nach hause zu lassen (aus verständlichen Gründen - oder ?)
Was bleibt, weil praktikabel und nach 4 bis 6 Stunden abgeklungen, ist die Vollnarkose. Natürlich hat die auch ihre Nebenwirkungen, die aber in den letzten Jahren mehr und mehr reduziert wurden. Für den Patienten besteht der Vorteil darin, dass man alle OP-Methoden, auch die endoskopischen, anwenden kann. Der Chirurg kann mit dem Patienten präoperativ sehr genau planen und kann immer ein Ausweichkonzept anwenden, falls das vorgesehene Konzept sich in der Operation als untauglich herausstellt, das geht bei der Lokalanaestehesie nur bedingt.
Zum Thema Schmerzmittel im Krankenhaus und zu Hause: Natürlich kann der ambulant tätige Arzt die gleichen Schmerzmittel anwenden, wie in der Klinik. Aber erst muss der Patient die mal haben (vor oder nach der OP in die Apotheke). Wenn sie dann nicht reichen, ruft er den Arzt, der vielleicht gerade in einer nächsten OP ist und nicht weg kann. Bis dieser dann kommt, hat der Patient weiter Schmerzen. Im Krankenhaus klingelt der Patient, die Schwester kommt, gibt eine Spritze und der Schmerz ist weg, ehe er richtig begonnen hat.
Ausserdem habe ich mich auch schon ambulant operieren lassen, man muss es ja mal probieren. Ich habe also Schmerzmittel zuhause genommen, auch diese haben Nebenwirkungen, und ich hatte so starken Schwindel und Gleichgewichtsstörungen, dass meine Frau neben der Versorgung der Kinder auch noch Probleme hatte, mich auf die Toilette zu bekommen, auch das Problem ist im Krankenhaus gelöst.
Falls mich also jemand fragen würde:
Leistenbruch endoskopisch, in Vollnarkose und zwei bis vier Tage im Krankenhaus.
Ich hoffe das reicht als Erklärung.
Jörg