Zivi oder Uni?

Hallo,
ich mache dieses Jahr, mit aller Wahrscheinlichkeit, mein Abi.
Habe mich aber noch nirgens beworben oder so.
Ich habe mir so gedacht,du machst erst dein Abi und während deines Zividienstes sucht du dir einen Beruf bzw. eine Studienfach aus, du hast ja noch ein Jahr Zeit.
Heute rief mein „Zivivorgesetzter“ (Chef während des Zivildienstes)an, ich währe nach dem neuen so tollen „Heranziehungsregeln dür den Bereich des Zivildienstes“ ausgemustert, da ich „T 3“ bin.
Entweder würde ich den Dienst freiwillig ableisten oder wäre ausgemustert.
Natürlich hab ich mich noch nicht bei einer guten Firma beworben, hatte das während des Zividienstes vor.
(man muß sich ja ein Jahr vorher bewerben)

So bin ich jetzt am überlegen, ob ich studiere oder doch freiwillig Zivi mache.
Beides hat Vorteile, denke ich.
Wenn ich freiwillig Zivi mache verdiene ich mir schon ein kleines Polster für mein Studium und habe viele neue Erfahrungen.
Wenn ich nicht freiwillig Zivi mache spare ich ein Jahr zu studieren und bekomme am Ende vielleicht einmal mehr Geld, als ich es beim Zivi verdient habe.

Ich bin schwer am überlegen was ich machen soll, ein jahr später oder eher studieren?

Was würdest Du mir raten?

MfG Martin

Hallo Martin,

erstmal Glückwunsch zu der Möglichkeit, nicht eingezogen zu werden!

Wenn ich freiwillig Zivi mache verdiene ich mir schon ein
kleines Polster für mein Studium und habe viele neue
Erfahrungen.

Das mit dem Verdienst kannst Du getrost vergessen. So viel ist das nicht. Da verdienst Du deutlich mehr, wenn Du Dir einen Job in irgendeiner Kneipe an Land ziehst.

Mit den Erfahrungen sieht es natürlich ganz anders aus. Ich weiß ja nicht, was Du im Dienst machen wolltest, und was Du beruflich vorhast. Gerade, wenn Du im Pflegebereich eingesetzt wirst, kann ich Dir versprechen, dass Du sehr viele neue Erfahrungen machen wirst, vielleicht auch Erfahrungen, die Dich ziemlich umhauen, Dich auf der anderen Seite verändern und auch persönlich weiterbringen können.

Wenn ich nicht freiwillig Zivi mache spare ich ein Jahr zu
studieren und bekomme am Ende vielleicht einmal mehr Geld, als
ich es beim Zivi verdient habe.

Das ist auch wahr. Und ein Jahr früher anzufangen und schnell ein Studium durchzuziehen, erhöht auch die Karrierechancen und damit die Verdienstmöglichkeiten. Auf der anderen Seite habe ich in meinem Studium festgestellt, dass es einen großen Unterschied gab zwischen den Leuten, die direkt von der Schule kamen und jenen, die vorher gearbeitet haben, ob nun Zivi oder Lehre (da gab’s auch noch einen Unterschied :wink:. Die Art zu studieren war unterschiedlich. Diejenigen von der Schule haben sich in die Bank gedrückt und reingepaukt, was ihnen erzählt wurde. Diejenigen, die vorher bereits andere Erfahrungen gemacht hatten, sind das Studium selbstbewusster und zielgerichteter angegangen (ist natürlich alles nur tendenziell), wobei das nicht heißen sollen, dass sie deswegen schneller fertig gewesen wären *räusper*.

Überlege mal dagegen: Du bekommst ein Jahr geschenkt. Das passiert Dir in Deinem Leben erst wieder in der Rente, dann bist Du aber wieder anders eingebunden. Da gibt es außer Zivildienst doch noch weitere Möglichkeiten: Studium (klar), vielleicht ein ausgedehntes Praktikum in Deinem gewünschten Berufsfeld (dann kannst Du auch checken, ob Du Dich wirklich dafür interessierst), jobben und anschließend ein paar Monate durch die Welt reisen, oder im Ausland jobben (Infos gibt es bei einer Zentralstelle vom Arbeitsamt in Frankfurt glaube ich, das wissen die beim örtlichem Amt aber), und und und.

Was würdest Du mir raten?

Ich kann Dir nix raten, die Entscheidung musst ganz allein Du selbst treffen!

Gruß
Oskar van de Kaalstraat

Lieber Martin,
stell dir folgende Frage und gib dir eine ehrliche Antwort:

=> Hast du eine gute Idee, was du jetzt anfangen könntest, wohin dein Weg beruflich gehen soll?
(Gut = dich selbst überzeugend und motivierend)

Ein Studium „auf Verdacht“ zu beginnen, dürfte kosten-nutzen-mäßig auch nicht besser abschneiden als Zivi zu machen, wenn du an deine Persönlichkeitsformung denkst.

Wenn du nicht ruhigen Gewissens und mit etwas Begeisterung vertreten kannst, gerade DAS jetzt machen zu wollen, gönn dir die Zivisache oder eben etwas anderes „Unverbindliches“ (wie von Oskar genannt)und kümmere dich in der Zeit dann intensiv um Zukunftspläne.
Ich empfehl dir das, weil ich aus meinem Bekanntenkreis weiß, dass einmal begonnene „Notlösungen“, geboren aus solchen Situationen, sehr schnell schief gehen können.Und zurück bleibt dann das Gefühl, etwas nicht gepackt zu haben, und die Hemmschwelle, wieder neu zu beginnen, steigt. Dann „verlierst“ du echt Zeit.

Ansonsten gilt natürlich der Oskar:

Die Entscheidung musst ganz allein Du
selbst treffen!

Einen klaren Kopf wünscht dir:
Flora

… und bekomme am Ende :vielleicht einmal mehr Geld, :als ich es beim Zivi verdient :habe.

Hallo Martin,

das Thema Geld tauchte in Deinem Posting mehrfach auf. So verständlich solche Gedanken am Ende einer langen Schulzeit auch sein mögen, sollte Geld im Moment nicht im Vordergrund stehen. Geld, Polster schaffen und Zivildienst passen ganz und gar nicht zusammen. Je nach Bereich kann der Zivi-Dienst eine prägende Zeit sein.

Überlege, zu welcher beruflichen Tätigkeit Du Lust hast und mache dabei nichts an Verdienstmöglichkeiten fest. Späterer Verdienst und die Situation am Arbeitsmarkt lassen sich vor Beginn einer Ausbildung nicht vorhersagen. Wer z. B. einen klassischen Handwerksberuf erlernt, egal ob Hufschmied oder Glasbläser, kann mit Talent, Können und Engagement zufriedener leben (und mehr verdienen) als jemand, der nur mit der Aussicht auf Verdienstmöglichkeiten studiert, um dann als lustloser Stümper zu enden.

Ich kann Dir keinen Berufsweg zeigen oder empfehlen. Nur Du selbst kannst wissen, was Dich interessiert und was Du gerne machst. Das könnte dann eine Denkrichtung abgeben, um z. B. während eines Praktikums in das Berufsfeld hinein zu schnuppern, um dann zu entscheiden, ob eine gewerbliche Ausbildung und/oder ein Studium in die Wunschrichtung führen.

Ich vermute, daß Du erstmals vor der Situation stehst, selbst entscheiden zu können, wohin die Reise geht. Der Zivildienst hätte Dir die Entscheidung für ein Jahr abgenommen. In der Vielfalt der Möglichkeiten siehst Du den Wald vor lauter Bäumen nicht. Das macht nichts, solange Du Dich nicht von Geld fesseln läßt. Erzähle mehr von Dir, von Fähigkeiten und Interessen, vielleicht hast Du ein Hobby… Beim Erzählen zwingt man sich, die Gedanken zu ordnen, es wird manches klarer.

Gruß
Wolfgang

Hallo,

ich hatte das selbe Problem: Bin ebenfalls T3 und konnte auch selbst entscheiden was ich machen möchte. Hat dann einige Wochen gedauert bis ich mich gegen den Zivildienst entschieden hatte (Ich werde jetzt ein Studium beginnen).

Ansonsten kann ich mich nur den anderen Antworten anschließen:

  • Zivi bringt keine Geld, dann lieber Job suchen
  • Zivi bringt einen persönlich meist weiter
  • Je nach Zivijob für den eigenen Berufswunsch vorteilhaft

Und ich meine, dass du in einem Jahr (nach dem Zivi) vermutlich genau so wenig weißt was du studieren/lernen willst wie jetzt. Irgendwann muß die Entscheidung mal kommen (informier dich!!).

MfG
Timo