Hallo Hanna!
könnte ein mensch mit 50 jahren nochmal eine völlig neue
ausbildung angehn und wenn ja, in welchem berufszweig würde
das noch sinn machen?
Von wenigen Tätigkeitsfeldern abgesehen, ist es weniger eine Frage des Berufs, als vielmehr eine Frage der Person. Mit 50 ist ein Mensch zu jung, um den Rest des Lebens unzufrieden zu verbringen, verpaßten Chancen nachzutrauern und keine Ziele mehr zu haben. Wenn Du nach dem Sinn fragst, können schon die Aufgabe, die Herausforderung und das Ziel sinnstiftend genug sein. Aber damit muß man sich nicht unbedingt begnügen. Mit 50 hat man noch 15 Jahre (oder zukünftig eher länger) bis zur Rente. Da kann man noch "etwas reißen" und bringt durchaus etwas ein, nämlich mindestens einige Lebenserfahrung, Kenntnis der eigenen Stärken und Schwächen und vielleicht eine frühere Ausbildung.
Einige Menschen gehen einer Ausbildung um ihrer selbst willen nach. Da ist der Weg das Ziel. Irgendeine Perspektive nach der Ausbildung steht dabei nicht im Vordergrund. Ich gehöre zu dieser Sorte und betreibe im zarten Alter von 55 Lenzen neben meiner selbständigen Berufstätigkeit seit 3 Semestern ein Teilzeitstudium Wirtschaftswissenschaften. So ungefähr 15 Semester hab ich wohl noch vor mir - na und? Dabei gehöre ich gewiß zu den älteren Studenten, bin aber mitnichten der älteste Studi. Dann bin ich eben knapp über 60 und Volkswirt - na und? Falls ich den Abschluß je erreiche, wird er dazu taugen, hinter den Spiegel gesteckt zu werden - na und? Aber die Inhalte des Studiums nützen und helfen mir jetzt schon jeden Tag. Richtig Spaß machts auch noch. Mir begegneten im Unibetrieb inzwischen mehrere ähnlich gestrickte Naturen. Darunter sind Frauen, die früher für Mann und Kinder die eigenen Berufswünsche zurück stellten, Bankkaufleute mit schwieriger werdender Berufsperspektive, bis hin zum Mediziner mit einem Prof. Dr. vor dem Namen, der nebenbei den Horizont erweitern will.
Zu einer Hochschulausbildung ist im fortgeschrittenen Alter recht leicht zu kommen. Man schreibt sich ein und zieht die Sache durch. Ob und wie man an einen gewerblichen Ausbildungsplatz kommt, kann ich leider nicht sagen. Einen geeigneten Platz zu finden, wird jedenfalls nicht leicht. Aber: In den vergangenen Jahren kam es mehrmals vor, daß ich spezielle Kenntnisse und Fertigkeiten weitab von meinem Beruf brauchte, z. B. in der Glasbearbeitung. Ich ging also zum Inhaber einer Glasbläserei und bat ihn, ein paar Tage helfen, über die Schulter gucken und üben zu dürfen. Der Meister war ein wenig erstaunt, aber er erfüllte mir den Wunsch, was für mich von riesigem Nutzen war. Der gleiche Wunsch war bei einer Goldschmiedemeisterin und bei einem Tischlermeister überhaupt kein Problem. Ich empfand die jeweils wenigen Tage als so bereichernd, daß ich die Methode bei passender Gelegenheit bestimmt wiederhole. Ein paar Tage bei einem Hufschmied oder sowas... Wenn man sich nicht gerade zu paddelig anstellt und die persönliche Chemie stimmt, halte ich es für keineswegs ausgeschlossen, auf diesem Weg sogar zu einer regelrechten Ausbildung mit Lehrvertrag und allem Drum und Dran zu kommen.
Wer keine so exotischen Wünsche hat und irgendwann schon eine Berufsausbildung absolvierte, kann z. B. eine Techniker- oder Meisterschule besuchen. Die gibts auch in Abendform. Das alles ist auf gar keinen Fall eine Frage des Alters. Es lohnt sich immer!
Gruß
Wolfgang