hi
kleine begriffserklärung:
wenn die software noch in entwicklung ist, aber teile schon laufen, nennt man es eine alpha-version. von alpha-versionen sollte man als normaler anwender die finger lassen, da hier durchaus noch sehr grobe fehler drinnen können. ausserdem sind meist sehr wichtige funktionen noch nicht implementiert. an alpha-versionen kommt man eh nicht so häufig ran - ausser in der opensource-szene.
sobald alle funktionen integriert aber noch nicht vollständig getestet sind, nennt man das ganze dann beta-version. mit etwas glück funktioniert so eine beta-version schon ganz gut und ist auch schon recht stabil. garantieren kann es aber niemand. gerade bei sehr umfangreichen softwarepaketen ist es aber eher unwahrscheinlich, dass eine beta-version reibungslos funktioniert.
ein release-candidate ist dann eine version, die schon im kleinen umfeld getestet wurde. d.h. eine hand voll tester hat die meisten funktionen durchgetestet und keine fehler gefunden, die grob funktionseinschränkend sind. diese version wird dann an eine grössere gruppe von testern gegeben, die weniger geschult sind, dafür aber die software meist auch im grenzbereich testen.
im optimalfall unterscheidet sich der release-candidate nicht mehr von der tatsächlichen release (man sagt manchmal auch, die software hat gold-status erreicht). das ist dann die software, die tatsächlich verkauft wird.
leider hat sich in der letzten zeit trend zur „bananensoftware“ verstärkt. bananensoftware als analogie zur banane, die unreif gepflückt wird und erst beim transport nach europa nachreift. auf software umgemünzt heisst dass, dass beta-versionen (bei neueren spielen sogar alpha-versionen) verkauft werden und die gröberen fehler erst im nachhinein mit patches behoben werden. die software reift damit erst beim anwender, was dem anwender sowohl zeit, geld und jede menge nerven kostet. aber da die anwender das offenbar akzeptieren, wird sich so schnell nichts mehr daran ändern, da das vorgehen für die softwareproduzenten natürlich viel billiger ist (minimaler testaufwand, früheres releasedatum, weniger personal etc.).
in diesem zusammenhang: JEDE software hat fehler. fehlerfreie software gibt es nicht und wird es auch nicht geben. beispiel: das von donald e. knuth entwickelte textsatzsystem tex gilt in fachkreisen als musterbeispiel für sauberes und fehlerfreies programmieren. trotzdem gibt es auch dort fehler (wenn auch zugegebenermassen extrem wenige). stabile software unterscheidet sich nicht durch die anzahl der fehler von instabiler sondern lediglich dadurch, wie schwerwiegend die fehler sind bzw. wie auf fehler reagiert wird - z.b. instabile software stürzt bei dateninkonsistenz einfach ab, stabile software erkennt das problem und bringt eine entsprechende fehlermeldung, gute software bietet die möglichkeit, die dateninkonsistenz zu bereinigen.
langer rede kurzer sinn: wundere dich nicht, wenn dir office 12 beta öfters als normal um die ohren fliegt oder wenn dein letztes dokument einfach mal im nirvana verschwindet - damit muss man bei beta-versionen rechnen. und dann ist nicht mal microsoft schuld sondern der anwender!
erwin