Kirchenmusik für Hochzeit

Tach Christoph,

ich heirate im Juli kirchlich

Glückwunsch.

und suche noch schöne
Kirchenmusik, sowohl Lieder zum singen als auch Solostücke für
Gesang und nur instrumental. Zum singen soll es eher schnell
und fröhlich sein, nicht so getragen und melancholisch. Als
Beispiel mag das Lied gelten: „Herr Deine Liebe ist wie Gras
und Ufer“. Dieser Stil gefällt uns ganz gut.

Im einzelnen suchen wir Musik für;

  • den Einzug (Instrumental)

Naja, da bieten sich doch die Klassiker an (auch wenn keine eigentlich Kirchenmusik):

-„Treulich geführt“, Wagner, Lohengrin - vielleicht auch gesungen:
Das lustige an dem Stück ist eigentlich nur, daß es in der Oper nicht gespielt wird, während die Braut zum Traualtar geührt wird, sondern während sie zum Ehebett (zum „minnigsten“ Vollzug der Ehe, der dann aber aufgrund räuberischer Eingriffe doch unterbleibt) gebracht wird.
Diesen Umstand ignoriert man aber weltweit (zumindest in der westloichen Welt) geflissentlich.

  • zweite Möglichkeit: „Hochzeitsmarsch“, Mendelssohn Bartholdy:
    DER Hochzeitsmarsch schlechthin.

  • was ich auch schon gesehen habe: das langsame Stück aus Elgars „Pomp and Circumstance March No. 1“. Das Stück klingt natürlich sehr erhaben, ich würde es aber aus politischen Gründen eher nicht verwenden, es ist ja immerhin die (inoffizielle) englische (nicht britische - das ist „God save the Queen/King“) Nationalhymne „Land Of Hope And Glory“. Das peinliche an der Sache bei der besagten Hochzeit, die ich erlebt habe, war, daß das Stück im „Programmheft“ als „Pomp and circus dance“ angekündigt war und unter den Gästen auch Engländer waren.

  • wo wir Wagner schon mal da hatten: Vielleicht der Einzug der Gäste auf der Wartburg aus dem Tannhäuser (das was sie immer bei der Bierwerbung mit der Semperoper spielen). Klingt fröhlicher als das bisher genannte, ich weiß aber nicht, wie sich das auf Orgel anhört.

  • zwischen Begrüßung und Gebet (Gesang alle)
  • zwischen Lesung und Evangelium (Gesang solo)
  • Zwischen Trauung und Segen (INstrumental)
  • Nach Vater unser (Gesang alle)

Heiratet ihr katholisch oder evangelisch? Im Prinzip ist das ja egal, nur meine Erfahrung ist, daß bei so einer Hochzeit auch immer viel ältere Verwandschaft zugegen ist, die dann die Lieder, die sie kennt, viel eher überhaupot und einigermaßen richtig mitsingt.
Von irgendwelchen „modernen Kirchenliedern“ rate ich generell ab, weil sich sowas erfahrungsgemäß in einer nicht sehr vollen Kirche (also alles unter sagen wir mal Drei- bis vierhundert Gästen) meist erbärmlich anhört.

Jetzt bin ich als Atheist relativ selten in Kirchen anzutreffen (außer eben bei Hochzeiten und Beerdigungen), aber als fröhliches Lied fällt mir spontan „Nun danket all und bringet Ehr“ (katholisch, kann aber sein, daß es das auch bei den Evangelen gibt, ist schon über vierhundert Jahre alt) ein. Dazu gibt es auch einen neueren Text, den alten finde ich aber schöner. Das paßt gut hinter das Vater Unser.

  • Auszug (Instruental)

Wenn ihr in einer Kirche mit mächtiger Orgel heiratet, sagt einfach dem Organisten, er soll mal so richtig Stoff geben, vielleicht irgend was barockes: Bach, Telemann.
Konkrte Tipps hab ich da aber leider keine,

Gruß
L.

Hallo Christoph!

Viel Spaß beim Heiraten schonmal vorab… - Hättest Du schon vor zwei, drei Wochen gefragt, hätt ich meine Kirchenheftsammlung (von Hochzeiten) ausgekramt und Dich mit Ideen „zuschmeißen“ können, aber jetzt sind die leider alle in Umzugskartons verschwunden, daher nur das, woran ich mich so erinnere…

  • den Einzug (Instrumental)

Dazu fällt mir spontan wie mein Vorredner schon sagte, Wagner und Mendelssohn-Bartholdy ein. Die sind meines Erachtens nach beide schon abgegriffen, aber wir hatten vor zwei Jahren trotzdem den einen zum Ein- und den anderen zum Auszug… So richtig kitschig eben, aber wir heiraten hoffentlich nur einmal und ich fand’s schön!

Zu „Gesang alle“ fällt mir ein:

  • Herr Deine Liebe
  • Herr vor Dein Antlitz treten zwei (bekanntes Lied (*grübel* welches?) mit Hochzeitstext
  • Danke (gibt’s auch mit Hochzeitstext)
  • Lobe den Herren (das kennen immerhin viele)
  • Dona nobis (läßt sich bei singfähigen Gästen sogar wirklich als Kanon singen!)
  • Die Sache Jesu braucht Begeisterte

Hmm, und als Soli…

  • Amazing Graze
  • Ave Maria
  • I will follow him aus „Sister Act“

Soviel an spontanem Brainstorming…
Viele Grüße
Kari

Lanze für den Organisten…
Hallo Christoph,

auch von mir Gratulationen zum großen Vorhaben! :smile:

Nun möchte ich hier für die Organistengilde sprechen, die manchmal
eigene Vorstellungen von der Gestaltung der Hochzeitsmusik hat
(bin selber Organist…).

Es gibt bestimmte Don’ts, mit denen man einen Kirchenmusiker unzufrieden machen kann. Mal liegt es an der Qualität der Komposition, mal am Symbolgehalt.

  1. Ave Maria von Gounod
    -> dieses Stück wird echt bei *jeder* Gelegenheit gewünscht und gespielt, auch bei Beerdigungen.
    Außerdem verschandelt es das zugrunde liegende Präludium von Bach.

  2. Brautmarsch aus Lohengrin
    -> wie schon in einem anderen Posting erwähnt, wird es in der Oper an einer „falschen“ Stelle gespielt; die Ehe hält nur eine Nacht, dann wird der Bräutigam ermordet.

  3. Hochzeitsmarsch aus Sommernachtstraum
    -> es handelt sich um eine Elfenhochzeit, die eher virtuellen Charakter hat

Aus eigener Erfahrung rate ich ab,

  1. die Toccata d-Moll von JS Bach

zu spielen, das Stück scheint tatsächlich so gewaltig zu sein, daß die
Leute mucksmäuschenstill erschüttert dasaßen, was ich für eine fröhliche Trauung eher hinderlich fand.

Es gibt so viele gute Stücke, die auch nicht schwer anzuhören sind;
da kann der Organist mal ein paar Vorschläge machen.

Von JS Bach z.B. den 1. Satz der Pastorale, am Schluß (wenn es die Orgel und der Organist hergeben) die große Fantasie G-Dur

Wenn die Orgel eher kleiner ist, kann es sich lohnen, einen Trompeter zu engagieren, das wirkt gut beim Vorspiel und beim Mitspielen der Gemeindelieder.

Als Nachspiel empfehle ich aber trotzdem „nur“ das volle Orgelwerk,
die Leute fühlen sich beim Rausgehen wohler, wenn sie vom Orgelplenum rausgetrieben werden :wink:

Der Organist freut sich über starke Sänger!! gerade bei Trauungen, wo viele Kirchenunerfahrene sitzen, ist schwacher Gesang ein Frustfaktor.

Wenn es eine katholische Trauung ist, empfehle ich dann, nicht viele
neue Lieder (sog. Neue Geistliche Lieder) singen zu wollen (vielleicht
eines oder zwei), weil die Texte und die Rhythmen schwierig sind. Das schaffen nur geübte Katholiken! Ich als singender Evangele war trotz
20 Jahren Singerfahrung (auch mit neuen Liedern) ganz schön aufgeschmissen bei so einer katholischen Trauung, wo von fünf Liedern vier NGLs waren…und schöne Musik waren die auch nicht unbedingt.

Übrigens so ein Don’t: „Herr deine Liebe ist wie Gras und Ufer“ ist absolut verschrien bei Pfarrern und bei Kirchenmusikern, das steht m.W. auch nicht in den „offiziellen“ Gesangsbüchern (Gotteslob und Evangelisches Gesangbuch). Dann lieber „Geh aus mein Herz und suche Freud“ (das sog. Psychologen-Lied :wink: ): das ist ein besseres Lied, das die Natur betrachtet, sowohl textlich als auch melodisch.

Nach dem Ringwechsel (kommt gleich nach den Ja-Worten) ist ein Musikstück sehr angebracht - idealerweise Gesang, aber auch sanfte Melodieinstrumente (Querflöte, Geige; Cello ist von der Empore schwer zu hören!) oder ein interessantes Orgelstück solo (z.B. ein sog. „Trio“, das versteht der Organistenkollege :wink: ).

Für geübte Sänger, die auch mal andere Lieder als die Evergreens
(Nun danket alle Gott; Nun saget Dank und bringet Ehr; Lobet den Herren, den mächtigen König) singen wollen; besteht bei den Gemeindeliedern das Problem, daß es keine richtige Tradition von „alten“ Trauungsliedern (wie übrigens auch für Beerdigungen) gibt - es gibt nur ganz wenige alte Lieder. Deshalb greift man auf neues Liedgut zurück, wenn man explizit die Hochzeit thematisieren will. Das kann ja gut gehen, das Problem ist eben die Singbarkeit für weniger Geübte (s.o.) :wink:

Also, war ne ganze Menge, aber ich habe es auch für den lieben Orgelkollegen niedergeschrieben. Was ich oben erzähle, ist zum größten Teil Konsens in der Kirchemusikerschaft, ist also nicht einfach nur meine abweichende Privatmeinung.

Viel Spaß bei der Vorbereitung!!

Beste Grüße
Stefan

Nochmal hallo zurück!

auch Dir herzlichen Dank für Deine Tips.

Da nich für!

Die Kirchenheftchen haben wir auch schon konsultiert, aber da
ist ausser Großer Gott und Lobet den Herrn nicht viel gewesen,

Ich meinte damit die Heftchen, die mir bekannte Brautpaare als Leitfaden durch ihren Gottesdienst erstellt haben… Da wär also schon was drin gewesen… - Ich denke, Du sprichst von den Gesangbüchern, oder?

Ach ja, und noch ein Tip: Unterhalte Dich einfach mal mit Eurem Organisten, denn der hat evtl. auch die eine oder andere Idee (unsere hat uns zum Bleistift das Instrumentalstück nach dem Ringwechsel ausgesucht…)

Grüße
Kari

Tach,

  • zweite Möglichkeit: „Hochzeitsmarsch“, Mendelssohn
    Bartholdy:
    DER Hochzeitsmarsch schlechthin.

Wenn das der Ta ta tata ist dann fällt das flach, zu
abgegriffen.

Nö, das „Ta ta tata“ war „Treulich geführt“. Weil das nur gespielt so abgegriffen ist, war ja mein Vorschlag, das Stück auch einmal zu singen (Das hab ich bei Hochzeiten nämlich noch nie gehört).

Wir heiraten katholisch, aber nur als Wortgottesdienst. Wir
sind aber alle starke Sänger :smile:

War ich auch mal - also katholisch. Insofern käme zumindest das eine Lied „Nun danket all“ noch in Frage.

Wir werden wohl so eher um die 500 werden. Richtig modernes
wollen wir auch gar nicht, nur eben etwas was etwas mehr Tempo
hat als das durchschnittliche Kirchenlied.

Das ist groß.
Es ist übrigens erstaunlich, wieviel die Tempogestaltung des Organisten ausmacht (Ich war mal meinen großeltern zuliebe mit in der Christmette und der Orgeldudeler hat es sogar geschafft bei „O du fröhliche“, was ja für kirchenverhältnisse schon ziemlich flott ist, die leute zum Einschlafen zu bringen). Es gibt ja für den kein Metronom oder Dirigenten, an dem er sich orientiert.

Gruß
L.