Re^8: zweidimensionale opernfiguren
Da muss ich schnell zu meinem Opernführer greifen. Von wegen Senta und Agathe.
Welchen hast du denn? Ich habe einen über 100 Seiten dicken, von einem Autor, der Wagner heißt. Du auch?
Das mit dem Vater find' ich auch nicht toll, aber der sieht halt den reichen Schwiegersohn...Senta allerdings find' :ich gar nicht so schlecht. Sie hat Mitleid, das ist nichts schlechtes. Ich stelle mir es so vor, als ahnte sie schon ihr :Schicksal.
Das stimmt eigentlich, jedoch ist das ein Schicksal, dass sie selbst so wollte, wenn man das so sagen darf, denn sie liebt den holländer ja selber und stürzt sich selber in die Fluten am Schluß. DIE LETZTEN WORTE VON SENTA UND DIE MUSIK DANACH SIND SOWAS VON GEIL, ich krieg da immer Tränen in den Augen, weil´s mich umhaut! Die Senta singt da nämlich "Preis´ deinen Engel und sein Gebot, hier steh´ ich, treu dir bis zum Tod!", und dann diese Musik.....
Übrigens das gleiche wie in "Der Freischütz", da habe ich die gleichen "Symptome" wie beim Holländer, nämlich während der berühmten Wolfschluchtszene, wo Kaspar sieben Kugeln gießt und dabei immer mitzählt, dann kommt ein Echo, dass das Gezähle wiederholt, und dann passiert irgendwas gruseliges. Besonders am Ende, wenn Kaspar die letzte Kugel gießt, und laut ruft "Samiel, Samiel! Hilf! Sieben! Wehe!" und dann der Teufel selber erscheint und nach Max greift, der ohnmächtig auf die Erde sinkt und dann der Vorhang zugeht und man die Musik zum dritten Akt, diesen fröhlichen Jägerchor (ohne Chor, nur Musik) hört, da bin ich immer sowas von angespannt; sogar jetzt, wo ich das hier schreibe, habe ich diese Szene in meinen Ohren und bin ganz aufgeregt!
Kann doch nichts schlechtes sein, wenn Musik sowas bewirkt, denn wissenschaftlich gesehen sind das ja alles nur Noten auf dem Papier, die man erst hört, wenn sie gespielt werden. Es muss natürlich (meiner Ansicht nach) nicht so sein, dass eine Oper unbedingt solche Momente hat (bei Hänsel und Gretel bekomme ich keine Gänsehaut, zumindest nicht vom Hören, und bin auch nicht angespannt, trotzdem ist das einer meiner Lieblingsopern), aber wenn ich mir Sachen wie Mozarts Figaro anhöre, dann finde ich die Musik (ist das eigentlich noch Musik, wenn ab und zu ein Instrument ein paar Töne spielt und minutenlang wieder Ruhe ist?) ziemlich langweilig. Beim Hören von Verdis Falstaff oder besagtem Figaro z.B. habe ich das Gefühl, dass das ganze ein einziges Rezitativ ist. Ich sage das alles nicht um zu beleidigen, denn Geschmäcker sind ja verschieden, aber für mich hört sich das leider so an.
Jetzt kann freilich der Eindruck entstehen, dass mir Opern nur gefallen, wenn sie laut und fetzig sind. Irrtum! "Non piu andrai" vom Figaro, der ist weder fetzig noch laut, aber trotzdem finde ich das Lied sehr schön! Oder die große Arie "Wie nahte mir der Schlummer" der Agathe im Freischütz. Keine Spur von fetziger Musik, womöglich mit Paukenschlägen bereichert. Und trotzdem geht mir das ins Ohr.
Ich will jetzt einmal ganz ehrlich aber nicht beleidigend sein: (ich beziehe mich jetzt nur auf Opern die ich schon mal ganz gehört habe, denn ich schimpfe nicht auf Sachen, die ich nicht kenne): Falstaff oder Walküre oder Figaro oder Zauberflöte bestehen für mich nur aus monotonem, unmelodiösem Gesang, und ab und zu spielt das Orchester mal irgendwas, um zu zeigen, dass es noch nicht eingeschlafen ist. Ich habe schon einmal gesagt, dass ich oft irgendeine Melodie, eine Strophe, einen Chor aus einer Oper gehört habe, der mir nicht mehr aus dem Kopf gegangen ist, auch Tage später, aber als ich den Falstaff durch hatte (ich habe eine Einspielung vom Karajan, u.a. mit Christa Ludwig) ist mir überhaupt nichts im Gedächtnis geblieben! Ich konnte keine einzige Gesangsmelodie nachpfeiffen, und Orchestermelodien gleich überhaupt nicht, weil da eigentlich keine waren, und wenn, dann für mich so langweilig, dass ich sie gleich vergessen habe. Nach dem Anhören war ich richtig gefrustet, schade um die Zeit dachte ich mir. Und ich habe mich gefragt, was Menschen, denen SOWAS gefällt, denken, wenn sie sich das anhören. Wie kann man sowas toll finden? Ich habe mir vorgenommen, dass ich mir die Aufnahme nochmal anhöre, aber bis jetzt hatte ich keine Lust dazu. Ist doch auch Mist oder? Beim Freischütz habe ich schon während dem ersten Mal hören den ganzen ersten Akt wiederholt.... ok, der text wird jetzt schon zu lang, ich bin leider kein Kritiker, dass ich meine Gefühle und Gedanken so gut formulieren kann. Ich rede (besser gesagt, schreibe) einfach drauflos und hoffe, dass irgendwann der perfekte Satz rauskommt, der alles was ich sagen will super verpackt. Leider ist er nicht gekommen. Aber ich hoffe, dass du mich diesbezüglich verstehst und ich nicht zu wirr gequasselt habe. Ich finde es halt schade, dass man eine Oper, auf die man sich gefreut hat, dann schlecht in Erinnerung hat, sodass man keine Lust hat, sie sich nochmal zu geben, und in der es auch nichts gibt, dessen man sich erinnert und auf das einem nicht mehr aus dem Kopf gibt und das einem einen Anreiz gibt, sie nochmal zu hören (ICH GLAUBE, das war jetzt der perfekte Satz!) naja.
Andere Zeiten, andere Sitten. Ich müssts nicht haben, dass mein Verlobter irgendwas abknallt, um mich heiraten zu :dürfen. Aber wir dürfen diese Geschichten nicht von heute aus betrachten, sie spielen in einer anderen Zeit und :wurden noch in einer anderen Zeit geschrieben.
Aber ich weiss natürlich, was Du meinst, aus heutiger Perspektive fällt es einem manchmal schwer, so etwas zu :mögen.
Ich glaube, genau DAS ist das grundlegende Problem der Oper: Sie ist nicht zeitgemäß, sie veraltet! Obwohl es auch welche gibt, die zeitlos sind bzw. in denen es keine Rituale, Ansichten, Äußerungen, Geschichten gibt, wie z.b. Fidelio (ok, das mit dem "holden Weib errungen" will ich jetzt mal aussen vor lassen), Märchenopern (es gibt nicht nur H&G!) und ein paar andere. Was ich aber weiss, die Oper hatte einen anderen Stellenwert als heute, damals hatte man sich noch während der Vorstellung unterhalten, während die Sängerinnen und Sänger sangen (was für ein Satz!), und nur während der Arien hörte man auch zu. Das ist ja heute bekanntermaßen anders. Alles verändert sich. Grob genommen könnte man sagen, dass die Oper scheiße ist, weil auch der dreißigjährige Krieg scheisse ist, und Krieg überhaupt scheiße ist und alles andere, was damals scheiße war, auch scheiße war. Der Krieg und Frauenunterdrückung etc. war damals, und die Oper war damals.
Und am schluss diese carmen: nichts gegen emanzipation, aber
diese figur ist auch ein klischee, das man schon so oder so
ähnlich tausend mal gesehen hat. Es ist einfach nur ermüdend,
da zuzuschauen und zu hören.
Geht mir auch so.
Ich dachte, dir gefällt die Carmen?
Leonore ist wohl eine der besten in der ganzen Gilde. Ist ja auch keine Hosenrolle. Sie IST ja eine Frau, aber als :Mann verkleidet, wohl aber sind Hänsel und Cherubino und weitere (Idamante, Orpheus...) im Stück Männer - :gesungen von Frauen, find ich fürchterlich, aber darum gehts nicht.
Leonore tuts auch Leid, was mit Marzelline passiert - sie benutzt die anderen nicht für ihre eigenen Ziele.
Ist das eigentlich genau definiert, was eine Hosenrolle ist? Muss eine Hosenrolle "echt" männlich sein, oder geht es auch, wenn eine weibliche FIGUR Männerkleidung anhat?
Egal, ich geile mich weder an Frauen, die echte Männer spielen, noch an Frauen, die Frauen, die sich als Männer verkleiden spielen, auf. Das hatte ich gemeint!
Das kann ich so nicht stehen lassen, die gretel hat einen
anderen charakter als der hänsel (oder die hexe *lol*), sie
ist mehr positiv, aber auch ängstlicher als der hänsel.
Stimmt. Brüderchen tröstet Schwesterchen. ;) Nein, ich weiss schon, was Du meinst.
Wirklich?
Das stimmt natürlich, aber sie zeichnet sich auch nciht durch irgendetwas bestimmtes aus - oder ich hatte nicht das :Gefühl, dass dem so ist. Habs aber nur einmal gesehen und gehört.
Nein, im Prinzip hast du Recht, leider. Nur bietet die Geschichte keine wirklichen Möglichkeiten, sich zu entfalten. WOBEI mir gerade einfällt, dass die Gretel ja die Hexe reinlegt und sie in den Ofen wirft, die gleiche, die am Anfang "Suse, liebe Suse" singt, im dunklen Wald Angst hat und am Anfang des dritten Bildes Hänsel warnt, vom Haus zu essen. Eigentlich ist sie die vernünftigere von beiden.
Verhaltensmässig schon, ganz klar. Wie sie reagieren, das ist realistisch, wunderbar gestaltet (hatte ich den :Eindruck) - das ist jetzt schwierig zu erklären, was ich meine...
Willkommen in meiner Welt....
ich habe nicht das Gefühl gehabt, als ginge es um musikalisch und charakteristisch plastische Figuren
charakteristisch ok, aber musikalisch plastische Figuren? Das musst du mir aber erklären.
Aber wie gesagt, nur einmal gehört. Aber in dem Sinne ist das auch völlig in Ordnung, es sind zwei Kinder, die im :Wald verloren gehen und es wäre wohl, wenn es anders wäre, in keiner Weise "besser", weil es so realistisch ist.
Ich sage dir was, ich finde es total unrealistisch, dass zwei Kinder, die nichts zum Fressen haben, herumtanzen und Spaß haben. Obwohl das musikalisch (für mich) supermegageil klingt (wenn schon nicht die Handlung passt, dann zumindest bitte die Musik, siehe weiter oben beim Falstaff...), ist es unlogisch. Ok, es gibt auch keine Hexen... ist ja auch ein Märchen. Egal.
Aber was anderes: Weißt du was mir besonders an der Geschichte von H&G gefällt? Der Aufbau!!! Im ersten Bild sind die Kinder allein, tanzen, werden in den Wald geschickt, der Vater kommt, war im Wirtshaus, ist leicht angeschwipst, erzählt der Mutter woher er das Essen hat, dass drüben hinterm herrenwald große Feste stattfinden etc. UND NICHT MIT EINEM WORT WIRD EINE HEXE ERWÄHNT! Das alles hat nichts mit der Hexe zu tun. Selbige hat keinen Einfluss auf das ganze.
Und wenn wir dann schlussendlich bei der Hexe sind, ist es WIEDERUM EGAL; WAS hinterm Herrenwald stattfindet, was der Vater für Essen nach Hause gebracht hat, was mit dem Milchtopf passiert ist, dass der Vater im Wirtshaus war, und dass die Kinder Suse liebe Suse gesungen haben.
Hat keine Bedeutung mehr, sobald wir bei der Hexe sind. Der Hexe ist das egal, sie will nur die Kinder fressen, und ihr ist es egal dass es arme und reiche Menschen gibt, welche die Hungern und welche, denen es besser geht, die Hochzeit feiern etc.
Sie macht einfach ihr ding, und es ist ihr auch egal, wen sie als Opfer bekommt, auch wenn es arme Kinder sind. Und der Höhepunkt dieser Gemeinheit ist für mich ihr Hexenritt "Hurr hopp hopp hopp", denn die Hexe freut sich wahnsinnig auf das Essen, alles was im ersten Akt passiert ist hat jetzt keine Bedeutung mehr, die Hexe weiss ja auch nichts davon! Und das geniale ist für mich bei dem lied, dass, obwohl es eine Lied der gemeinen, bösen Hexe ist, hat Humperdinck eine fröhliche, lustige Melodie geschrieben. Diese Ambivalenz! Den Kindern geht es schlecht, die Hexe schert sich nichts um die Eltern oder das Leben der Kinder daheim, oder dass die Mutter den beiden Schläge angedroht hat, und singt ein Lied, dass FRÖHLICH ist, und das zeigt uns das ganze vom Standpunkt der Hexe aus, und wir verstehen ihre Freude quasi, obwohl wir die hexe überhaupt nicht mögen, eben weil ihr das alles egal ist und sie ausserdem böse ist. Und weil einem das Lied gefällt, ob seiner schönen Melodie, ertappt man sich dabei, dass man darauf vergessen hat, dass die zwei Kinder, die vorher noch den Abendsegen gebetet haben und alles, bald tot sein werden. Der Komponist schreibt was schönes, und wir vergessen gleich, worums eigentlich geht.
Nozze di figaro hat sehr schöne Musik, aber ich musste es auch mehrmals sehen, um wirklich hängenzubleiben.
Ist doch schade, oder, wenn solche Maßnahmen notwendig sind.
Schön ist auch "Abends wenn ich schlafen geh" aus Hänsel und Gretel.
ÄHHEEEMmmmmmm....hüstel hüstel "will ich schlafen" hüstel hüstel hust räusper äheem
Oder das Lied vom Sandmann. Das ist mir geblieben, obwohl ichs nur das eine mal gehört habe.
Ausgerechnet das? Nicht Brüderchen komm tanz mit mir, oder hurr hopp hopp hopp? Willst du was wissen? Nach dem 2. Akt war ich kurz bevor es weiterging auf dem WC zum Händewaschen, hatte die halbe Stunde vorher was fettiges gegessen. Da war ein kleiner Junge, der seine Oma gefragt hat, wer das am Schluss war, mit dem Glitzerstaub. Und die Oma sagt dem Jungen tatsächlich, dass das das Rumpelstilzchen war. Musste mich zurückhalten!
Zumindest hielt sich der Junge, der ein paar Reihen vor mir saß, nicht immer die Ohren zu, wenn die Mutter heimkam, oder die Hexe aus dem Fenster schoss.
(mit dem etwas schickanierenden Titel "Wer ein solches Weib errungen...").
ÄHHEEEMmmmmmm....hüstel hüstel "ein holdes Weib" hüstel hüstel hust räusper äheem
Don Carlo ist auch sehr politisch (gut, hat halt auch ne Liebesgeschichte), auch Il trovatore hat viel mehr als nur :Liebesgeschichte. Aber eine Oper ohne Amor...fällt mir irgendwie nicht ein.
Mir schon :-)
Hänsel und Gretel. ;)
ach wie lustig, das hätte ich jetzt aber nicht erwartet.... gg
Weitere Beispiele?
Was ist mit klischeehaften Männern? Strotzende Helden voller Manneskraft à la Manrico im Troubadour, die den :Kampf glorifizieren und "heldenhaft" ihre Gegner morden...? Find ich jeweils auch zum kotzen.. ;)
da werden die Putzfrauen in den Opernhäusern aber keine Freude mit dir haben.... lol
im ernst, ich halte da auch nichts von.
Vielleicht muss ich mich trotzdem mal an den fliegenden Holländer oder den Freischätz wagen.
ÄHHEEEMmmmmmm....hüstel hüstel "freischütz" hüstel hüstel hust räusper äheem
Also, ich glaube, schöner kann man jemanden nicht auf seine Fehler aufmerksam machen gggggg
Nein, ist natürlich nur Spass, auch ich mache Fehler (mehr als mir lieb sind).
PS: Dieses Posting wurde innnerhalb von 2 STUNDEN geschrieben, nicht in 3/4 stunde. Bitte um liebevolle Rücksichtnahme!
Ich freu mich auf deine Antwort und wünsche ausserdem noch ein schönes, geruhsames Wochenende!