zweidimensionale opernfiguren

Von: , Frage gestellt am So, 14. Jan 2007

hallo

immer wieder höre und lese ich in rezensionen, über caruso etwa, dass bestimmte sängerInnen ihre figuren tiefe verleihen und leben einhauchen etc.

caruso wird so gerühmt, weil er nicht nur toll gesungen hat, sondern weil er auch die psychologie der figur verstanden hat usw.

nur, wie soll ich spass haben an zweidimensionalen figuren? prinzipiell sind opern doch keine ernstzunehmenden geschichten und auch ein wenig unsinn, trotzdem sie toll komponiert sein können, was ausser frage steht.

ich glaube kaum, dass irgendeine frau (die aghate im freischütz, die senta im holländer) sich gerne vom vater vermählen lässt und das auch noch gut findet. Solche geschichten wie der freischütz erwecken nur das bild, dass frauen keinen anderen sinn im leben sehen, als verheiratet zu werden und alles zu tun, was der mann sagt) das ist nur ein beispiel von vielen.

jemand hat mal gesagt, dass der reiz der oper in der psychologie der figuren liegt. was für eine psychologie denn? diese figuren sind alle unecht in an den haaren herbeigezogenen geschichten, die der unterhaltung dienen!

Nur weil ein großer Sänger wie caruso herum schluchzt, schmachten gleich alle dahin und schwärmen vom sänger, und reden davon, dass er die figur super darstellt.

ich bin ratlos.

PS: dieser thread soll bitte nicht als polemik aufgefasst werden (obwohl polemik durchaus die würze in der faden suppe sein kann, wenn alle einer meinung sind), sondern nur eine frage, wie man von psychologie reden kann, wenn es sich um eine oper/operette handelt.

27 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach einer Stunde 1 hilfreich
    Re: zweidimensionale opernfiguren

    Hi, nur, wie soll ich spass haben an zweidimensionalen figuren?
    prinzipiell sind opern doch keine ernstzunehmenden geschichten
    und auch ein wenig unsinn, trotzdem sie toll komponiert sein
    können, was ausser frage steht.
    M.E sind die Geschichten nicht alle an den Haaren herbeigezogen. La Bohème ist ziemlich realistisch...aber das kann auch eine persönliche Meinung sein. jemand hat mal gesagt, dass der reiz der oper in der
    psychologie der figuren liegt. was für eine psychologie denn?
    Ich bin voreingenommen, aber La Traviata ist ein gutes Beispiel. Da brodelts nur so von Charakerbildern und der Psychologie dahinter. Violetta ist ein richtiger Charakter, das zeigt sich in der Musik - psychologisch spannend ist es, sie mit ihrem Alfredo zu vergleichen. Oder man vergleiche, wie Violetta sich in der Gesellschaft verhält, und wie sie wirklich ist, wie sich ihre psychologische Tiefe am Anfang unter der Society-Maske versteckt, dann aber hervorkommt...und und und. :) diese figuren sind alle unecht in an den haaren
    herbeigezogenen geschichten, die der unterhaltung dienen!
    Kann ich teils verstehen, darum mag ich keine Operette, dabei habe ich dieses Gefühl, gerade weil es mir da an der Psychologie fehlt.
    Gerade bei der Oper aber finde ich das überhaupt nicht. Wenn ich eine literarische Vorlage kenne und dann die Oper höre, bin ich überrascht, wie da vieles mitreinkommt, wie das Charakterportrait stimmt, obwohl viel weniger Text vorhanden ist.
    Die Opernfiguren sind ihren literarischen Vorlagen zumeist sehr ähnlich (je nach Komponist...), man müsste also auch die Literatur dahinter anschauen.

    Dies nur einige Gedanken.
    Liebe Grüsse,
    Monika

    • Antwort von nach 3 Tagen 0 hilfreich
      Re^2: zweidimensionale opernfiguren

      hallo!

      ich finde das sind sehr interessante gedanken. leider kann ich die meinigen bei weitem nicht so geschickt und gut formuliert ausdrücken, ich probiers trotzdem mal:

      was mich persönlich stört, ist z.b. folgendes:

      ich lese in einer rezension, wie toll die agathe im freischütz gesungen wird. ok.
      dann lese ich verschiedenes über die psychologie der figuren, wie gut die herausgestellt werden in der und der einspielung. und dass die sängerin (in dem fall) eben die psyche der figur versteht.

      UND DANN auf der anderen seite ist es doch so, dass diese agathe eigentlich nichts anderes macht, als mit ihrer freundin in einer hütte im wald zu sitzen, über herabfallende bilder und das wetter zu singen und zu jeder zeit von ihrem max schwärmt, den der vater, Kuno, auch bevorzugt.

      Wenn eine figur so unecht und unlogisch ist (auch wenn sie in einer anderen zeit gesungen wurde), wie kann ich dann die psyche derselben verdeutlichen?
      Wie soll ich dann eine rezension werten, wo gesagt wird "ich habe selten eine so glaubwürdige agathe gehört?"

      da sind mir opern wie "fidelio" mit echten figuren, oder halt auch "hänsel und gretel" viel lieber, wo nicht am schluß alle heiraten oder tot sind. [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

      • Antwort von nach 3 Tagen 0 hilfreich
        Re^3: zweidimensionale opernfiguren

        hallo!

        ich finde das sind sehr interessante gedanken. leider kann ich
        die meinigen bei weitem nicht so geschickt und gut formuliert
        ausdrücken, ich probiers trotzdem mal:

        was mich persönlich stört, ist z.b. folgendes:

        ich lese in einer rezension, wie toll die agathe im freischütz
        gesungen wird. ok.
        dann lese ich verschiedenes über die psychologie der figuren,
        wie gut die herausgestellt werden in der und der einspielung.
        und dass die sängerin (in dem fall) eben die psyche der figur
        versteht.

        UND DANN auf der anderen seite ist es doch so, dass diese
        agathe eigentlich nichts anderes macht, als mit ihrer freundin
        in einer hütte im wald zu sitzen, über herabfallende bilder
        und das wetter zu singen und zu jeder zeit von ihrem max
        schwärmt, den der vater, Kuno, auch bevorzugt.
        Gerade den Freischütz kenne ich nicht... ;) Wenn eine figur so unecht und unlogisch ist (auch wenn sie in
        einer anderen zeit gesungen wurde), wie kann ich dann die
        psyche derselben verdeutlichen?
        Wie soll ich dann eine rezension werten, wo gesagt wird "ich
        habe selten eine so glaubwürdige agathe gehört?"
        Ich denke, es geht da um zwei verschiedene Levels. Das eine ist die Figur, die ist gegeben. Das andere ist die sängerische Interpretation, die ist frei, von SängerIn zu SängerIn verschieden. Das geht mir sehr oft so, dass ich jemanden nicht glaubwürdig in einer Rolle finde, irgenwie stimmen Gesang und Charakter nicht. Wenn das stimmt, dann ist es eine "überzeugende Agathe", auch wenn man Agathe als Charakter vielleicht nicht an sich überzeugend findet. da sind mir opern wie "fidelio" mit echten figuren, oder halt
        auch "hänsel und gretel" viel lieber, wo nicht am schluß alle
        heiraten oder tot sind.
        Fidelio ist ein Meisterwerk! Leonore, zB, da ist sehr viel Psychologie drin, das hört man richtig heraus.
        Hänsel und Gretel ist auch toll, aber das ist irgendwie eine andere Dimension. Man hat nicht das Gefühl, dass es da um eigenständige Charakteren geht, es ist halt ein Märchen da ist das immer so.

        Das hat die Oper so an sich, sie müssen entweder sterben (oder nur einer von beiden...) oder dann gibts Hochzeit.
        Die Oper hat schon einen gewissen Hang zum teils übertriebenen Pathos...

        Liebe Grüsse,
        Monika

        • Antwort von nach 4 Tagen 0 hilfreich
          Re^4: zweidimensionale opernfiguren

          hallo!

          ich finde das sind sehr interessante gedanken. leider kann ich
          die meinigen bei weitem nicht so geschickt und gut formuliert
          ausdrücken, ich probiers trotzdem mal:

          was mich persönlich stört, ist z.b. folgendes:

          ich lese in einer rezension, wie toll die agathe im freischütz
          gesungen wird. ok.
          dann lese ich verschiedenes über die psychologie der figuren,
          wie gut die herausgestellt werden in der und der einspielung.
          und dass die sängerin (in dem fall) eben die psyche der figur
          versteht.

          UND DANN auf der anderen seite ist es doch so, dass diese
          agathe eigentlich nichts anderes macht, als mit ihrer freundin
          in einer hütte im wald zu sitzen, über herabfallende bilder
          und das wetter zu singen und zu jeder zeit von ihrem max
          schwärmt, den der vater, Kuno, auch bevorzugt.
          Gerade den Freischütz kenne ich nicht... ;)
          nachholen!!! :-) Wenn eine figur so unecht und unlogisch ist (auch wenn sie in
          einer anderen zeit gesungen wurde), wie kann ich dann die
          psyche derselben verdeutlichen?
          Wie soll ich dann eine rezension werten, wo gesagt wird "ich
          habe selten eine so glaubwürdige agathe gehört?"
          Ich denke, es geht da um zwei verschiedene Levels. Das eine
          ist die Figur, die ist gegeben. Das andere ist die sängerische
          Interpretation, die ist frei, von SängerIn zu SängerIn
          verschieden. Das geht mir sehr oft so, dass ich jemanden nicht
          glaubwürdig in einer Rolle finde, irgenwie stimmen Gesang und
          Charakter nicht. Wenn das stimmt, dann ist es eine
          "überzeugende Agathe", auch wenn man Agathe als Charakter
          vielleicht nicht an sich überzeugend findet.
          und genau jetzt habe ich den perfekten satz gefunden, der mein dilemma beschreibt: wie kann man eine unglaubwürdige figur glaubwürdig darstellen? da sind mir opern wie "fidelio" mit echten figuren, oder halt
          auch "hänsel und gretel" viel lieber, wo nicht am schluß alle
          heiraten oder tot sind.
          Fidelio ist ein Meisterwerk! Leonore, zB, da ist sehr viel
          Psychologie drin, das hört man richtig heraus.
          stimmt, das gefällt mir auch von der geschichte: die frau will halt ihrem mann helfen, der im gefängnis sitzt. Hänsel und Gretel ist auch toll, aber das ist irgendwie eine
          andere Dimension. Man hat nicht das Gefühl, dass es da um
          eigenständige Charakteren geht,
          wie verstehst du "eigenständig"? auf jeden fall sind mir zwei arme kinder, die hunger haben, zwei eltern, die hunger haben und eine hexe, die hunger hat viel realistischer als irgendwelche klischeefrauen, die sich verheiraten lassen und sonst an nichts anderes denken.

          es ist halt ein Märchen da ist das immer so.
          naja. ok.
          Das hat die Oper so an sich, sie müssen entweder sterben (oder
          nur einer von beiden...) oder dann gibts Hochzeit.
          ich hasse CARMEN! auch wenn er schöne chöre hat, aber die geschichte ist sowas von zum kotzen: mann verliebt sich in unantastbare frau, frau will mann nicht, mann ersticht frau, mann wird eingesperrt, vorhang geht zu, alle applaudieren. was soll das? wer denkt sich sowas aus?

          auch wenn ich die musik von "le nozze di figaro" in keinster weise mag, (bis auf die geile ouvertüre und ein stück, titel entfallen), gefällt mir die handlung viel besser, weil es geht zwar ums heiraten, aber da ist WITZ dabei, da wird das ganze nicht so ernst genommen. da wird dieser graf, der die finger nicht lassen kann von anderen frauen, reingelegt. (obwohl auch hier in einer arie die aaaaarme gräfin von ihrer trauer darüber singt). Die Oper hat schon einen gewissen Hang zum teils
          übertriebenen Pathos...
          jawohl. ein bisschen davon kann ja nicht schaden, aber wenn es immer nur um liebesgeschichte geht, dann macht es doch keinen spass mehr. in fidelio SIND die beiden bereits verheiratet, da gibts keine schwärmereien. und politisch ist das ganze auch noch.

          ich denke da mal an aida, wo sich die frau freiwillig mit einmauern lässt zum schluss. ist mir zehnmal lieber als schmachtereien bis an die schmerzgrenze.
          Liebe Grüsse,
          Monika
          liebe grüße zurück, liebe monika!

          • Antwort von nach 5 Tagen 0 hilfreich
            Re^5: zweidimensionale opernfiguren

            Hi, Gerade den Freischütz kenne ich nicht... ;)
            nachholen!!! :-)
            Aye, aye! Wenn eine figur so unecht und unlogisch ist (auch wenn sie in
            einer anderen zeit gesungen wurde), wie kann ich dann die
            psyche derselben verdeutlichen?
            Wie soll ich dann eine rezension werten, wo gesagt wird "ich
            habe selten eine so glaubwürdige agathe gehört?"
            Ich denke, es geht da um zwei verschiedene Levels. Das eine
            ist die Figur, die ist gegeben. Das andere ist die sängerische
            Interpretation, die ist frei, von SängerIn zu SängerIn
            verschieden. Das geht mir sehr oft so, dass ich jemanden nicht
            glaubwürdig in einer Rolle finde, irgenwie stimmen Gesang und
            Charakter nicht. Wenn das stimmt, dann ist es eine
            "überzeugende Agathe", auch wenn man Agathe als Charakter
            vielleicht nicht an sich überzeugend findet.
            und genau jetzt habe ich den perfekten satz gefunden, der mein
            dilemma beschreibt: wie kann man eine unglaubwürdige figur
            glaubwürdig darstellen?
            Das ist eine sehr gute Frage. Gar nicht? Das ist ein Dilemma, in der Tat. Vielleicht sich nur an der Musik erfreuen? Als Zuhörer, mein ich. Als Sänger...ich weiss nicht, vielleicht, wenn man der Figur alles an Natürlichkeit und Menschlichkeit abringt, die vorhanden ist. An was für Figuren denkst Du denn? da sind mir opern wie "fidelio" mit echten figuren, oder halt
            auch "hänsel und gretel" viel lieber, wo nicht am schluß alle
            heiraten oder tot sind.
            Fidelio ist ein Meisterwerk! Leonore, zB, da ist sehr viel
            Psychologie drin, das hört man richtig heraus.
            stimmt, das gefällt mir auch von der geschichte: die frau will
            halt ihrem mann helfen, der im gefängnis sitzt.
            Ja, das ist super! V.a. weil man richtig den Zwiespalt sieht, einerseits ist sie so heroisch, so stark, aber dann kommt plötzlich die Kehrseit, und sie ist halt "nur" ein Mensch, der einen geliebten Menschen retten will. Hänsel und Gretel ist auch toll, aber das ist irgendwie eine
            andere Dimension. Man hat nicht das Gefühl, dass es da um
            eigenständige Charakteren geht,
            wie verstehst du "eigenständig"? auf jeden fall sind mir zwei
            arme kinder, die hunger haben, zwei eltern, die hunger haben
            und eine hexe, die hunger hat viel realistischer als
            irgendwelche klischeefrauen, die sich verheiraten lassen und
            sonst an nichts anderes denken.
            Nun gut, ja. Ich meinte mit eigenständig wohl was anderes, schlechte Wortwahl. Ich finde Hänsel und Gretel keine "plastischen" Figuren, man vergleiche Gretel mit Tosca. Tosca ist ein Mensch - Gretel ist eine Stereotype. Sie hat keine Charakterzüge. Aber das brauchen die Leute in Märchen auch nicht.
            Irgendwie sind Hänsel und Gretel ein wenig wie Gounod's Roméo et Juliette. Es sind wunderschöne Opern, aber die Charaktere sind (wohl gewollt) nicht wirkliche Charakteren.
            Was die Klischeefrauen anbelangt - ich finde, in der Oper gibts sehr viele tolle Frauen, ja, meist sind die Frauen viel "heldenhafter" als die Männer, viele von ihnen sind sehr emanzipiert, und viele von ihnen sind die wahren Helden der Geschichte. Ich mag die Opernfrauen. Das hat die Oper so an sich, sie müssen entweder sterben (oder
            nur einer von beiden...) oder dann gibts Hochzeit.
            ich hasse CARMEN! auch wenn er schöne chöre hat, aber die
            geschichte ist sowas von zum kotzen: mann verliebt sich in
            unantastbare frau, frau will mann nicht, mann ersticht frau,
            mann wird eingesperrt, vorhang geht zu, alle applaudieren. was
            soll das? wer denkt sich sowas aus?
            Ich weiss nicht, ich mag Carmen auch nicht. Wegen der Geschichte. Die Leute, die Carmen anhimmeln sagen mir immer, dass sie halt die Carmen toll finden (zumeist sinds Frauen...), weil sie halt eine richtige Emanze ist, sich ihren Mann selbst aussucht und sich seiner entledigt, wenn sie genug davon hat. Eigentlich ist Carmen genau das Gegenteil der Klischeefrauen, die nur heiraten wollen.
            auch wenn ich die musik von "le nozze di figaro" in keinster
            weise mag, (bis auf die geile ouvertüre und ein stück, titel
            entfallen), gefällt mir die handlung viel besser, weil es geht
            zwar ums heiraten, aber da ist WITZ dabei, da wird das ganze
            nicht so ernst genommen. da wird dieser graf, der die finger
            nicht lassen kann von anderen frauen, reingelegt. (obwohl auch
            hier in einer arie die aaaaarme gräfin von ihrer trauer
            darüber singt).
            Ich liebe die Musik! Die Geschichte mag ich genau aus dem Grund, wie Du sie magst. Wahrscheinlich gibts genug solche "Conte Almaviva" in der Realität. Und der wird richtig reingelegt. Die Oper hat schon einen gewissen Hang zum teils
            übertriebenen Pathos...
            jawohl. ein bisschen davon kann ja nicht schaden, aber wenn es
            immer nur um liebesgeschichte geht, dann macht es doch keinen
            spass mehr. in fidelio SIND die beiden bereits verheiratet, da
            gibts keine schwärmereien. und politisch ist das ganze auch
            noch.
            Fidelio ist wohl die einzige Oper, die zeigt, was nach einem Happy End einer anderen Oper passieren könnte. Die Basis ist sehr spannend.
            Don Carlo ist auch sehr politisch (gut, hat halt auch ne Liebesgeschichte), auch Il trovatore hat viel mehr als nur Liebesgeschichte. Aber eine Oper ohne Amor...fällt mir irgendwie nicht ein. ich denke da mal an aida, wo sich die frau freiwillig mit
            einmauern lässt zum schluss. ist mir zehnmal lieber als
            schmachtereien bis an die schmerzgrenze.
            Ach ja, Aida!
            Wo gehts denn für Dich über die Schmerzgrenze?
            Roméo et Juliette ist so ein Fall...die brachen eine viertel Stunde, um sich "adieu" zu sagen. Die Musik ist aber wunderschön. Aber das wäre wohl die Schmerzgrenze. ;)

            Liebe Grüsse,
            Monika

            • Antwort von nach 6 Tagen 0 hilfreich
              Re^6: zweidimensionale opernfiguren

              Das ist eine sehr gute Frage. Gar nicht? Das ist ein Dilemma, in der Tat. Vielleicht sich nur an der Musik erfreuen? :Als Zuhörer, mein ich. Als Sänger...ich weiss nicht, vielleicht, wenn man der Figur alles an Natürlichkeit und :Menschlichkeit abringt, die vorhanden ist. An was für Figuren denkst Du denn?
              DAS ist mal eine frage: in erster linie an die senta im holländer, die aghate im freischütz, die carmen in carmen. Die drei stören mich besonders, ich muss allerdings gestehen, dass ich selber nicht allzuviele opern (von der handlung her) kenne, die drei sind mir spontan eingefallen. Schau dir die senta mal an: ohne weiteres hat sie mitleid mit dem holländer, den sie nur von der sage her kennt etc. ihr vater trifft denselben und verspricht ihm senta als frau, und da hätte ich beim ersten mal angenommen, dass senta das nicht gerne sieht, wenn der vater einfach seine tochter da verschenkt. Und dann singt sie eine ballade über den holländer und findet ihn toll und alles.
              In meinen augen ist diese figur ein klischee, das unrealistisch ist und mir keinen spass macht.

              Oder diese aghate: sitzt in der stube, findet nichts dabei, wenn irgendwelche tiere abgeknallt werden (probeschuss!), eigentlich ist sie ja der gewinn für den gewinner des probeschusses, also nicht wirklich mehr als ein gegenstand, wenn man es so sehen will. Und DAS findet die aghate auch noch gut????

              Und am schluss diese carmen: nichts gegen emanzipation, aber diese figur ist auch ein klischee, das man schon so oder so ähnlich tausend mal gesehen hat. Es ist einfach nur ermüdend, da zuzuschauen und zu hören. Ja, das ist super! V.a. weil man richtig den Zwiespalt sieht, einerseits ist sie so heroisch, so stark, aber dann kommt :plötzlich die Kehrseit, und sie ist halt "nur" ein Mensch, der einen geliebten Menschen retten will.
              GENAU! Das gefällt mir, keine frauen, die allen zeigen, wie toll sie ausschauen und andere leute verarscht und außerdem total asozial ist (und zwar nicht nur gegenüber männern, auch frauen, man denke nur an den grund, warum carmen überhaupt im gefängnis gelandet ist.) sondern welche, die sich halt hier als männer verkleiden (dazu muss ich aber sagen, dass ich mich keineswegs an solchen hosenrollen, sei es der cherubino, sei es der hänsel oder der fidelio aufgeile) und keine zarten, zerbrechlichen und klischeehaften objekte der begierde, gegenstände, sind, die verschenkt (freischütz) oder verkauft (holländer) werden.



              Nun gut, ja. Ich meinte mit eigenständig wohl was anderes, schlechte Wortwahl.
              wenn da wer eine schlechte wortwahl hat, dann bin das schon ich ;-) Ich finde Hänsel und Gretel keine :"plastischen" Figuren, man :vergleiche Gretel mit Tosca. Tosca ist ein Mensch - Gretel :ist :eine Stereotype. Sie hat :keine Charakterzüge.
              Das kann ich so nicht stehen lassen, die gretel hat einen anderen charakter als der hänsel (oder die hexe *lol*), sie ist mehr positiv, aber auch ängstlicher als der hänsel. Man muss aber auch bedenken, dass in dieser oper, abgesehen von den kuchekindern, mit denen aber nicht geredet wird, gerade mal 7 personen vorkommen: Vater, Mutter, Hänsel, Gretel, Taumann, Sandmann, Hexe. Und jeder dieser figuren hat keine 20 anderen (ich denke da ganz stark an die fledermaus) mit denen er jeweils anders umgeht und zu jedem in einer anderen beziehung steht. Viele leute hat die gretel nicht zum reden. Aber das brauchen die Leute in Märchen auch nicht.
              Irgendwie sind Hänsel und Gretel ein wenig wie Gounod's Roméo et Juliette. Es sind wunderschöne Opern, aber :die Charaktere sind (wohl gewollt) nicht wirkliche Charakteren.
              Wieso nicht? zwei geschwister die hunger haben, in den wald geschickt werden wo sie sich in der nacht verirren, dort angst haben, dann zu einem lebkuchenhaus kommen und wegen des hungers ("seit wochen nichts als trocken brot (...)", jeder der einen tag lang mal nichts gegessen hat, weiss, wie das ist wenn der magen knurrt und man bauchschmerzen hat) einfach davon essen, was ist da nicht wirklich? Ich kann das verhalten der zwei sehr gut nachvollziehen, viel viel mehr als das verhalten einer aghate oder einer senta. Was die Klischeefrauen anbelangt - ich finde, in der Oper gibts sehr viele tolle Frauen, ja, meist sind die Frauen viel :"heldenhafter" als die Männer, viele von ihnen sind sehr emanzipiert, und viele von ihnen sind die wahren Helden :der Geschichte.
              Nenn mir eine einzige oper (ausser fidelio) wo das so ist. Ich mag die Opernfrauen.
              Ich mag realistische opernfrauen.





              Ich weiss nicht, ich mag Carmen auch nicht. Wegen der Geschichte. Die Leute, die Carmen anhimmeln sagen mir :immer, dass sie halt die Carmen toll finden (zumeist sinds Frauen...), weil sie halt eine richtige Emanze ist, sich :ihren Mann selbst aussucht und sich seiner entledigt, wenn sie genug davon hat. Eigentlich ist Carmen genau das :Gegenteil der Klischeefrauen, die nur heiraten wollen.
              Sie ist zwar das gegenteil, aber ein gutes bild von frauen macht die carmen eigentlich auch nicht...




              Ich liebe die Musik!
              ist natürlich geschmackssache, deswegen will ich mich auch nicht streiten diesbezüglich, möchte nur sagen, dass mich an der musik im figaro (ausser das lied "Non più andrai", habe nachgesehen wie das stück heißt) überhaupt nichts angesprochen hat. mir ist KEINE einzige gesangsmelodie oder musikmelodie in den ohren hängen geblieben! ich habe mir keine einzige melodie gemerkt. und wirkliche melodien habe ich eigentlich auch nicht vernommen, oft wird da nur gesungen, und ab und zu spielt das orchester ein paar akkorde drüber. wahrscheinlich bin ich ein riesenbanause, aber ich kann mir halt nicht aussuchen was mir gefällt. musik kann ja super toll geschrieben sein und mathematisch und alles, aber wenn sie für mich nicht klingt, dann gefällts mir halt nicht. ich kann mit keinem einzigen klavierkonzert vom bach was anfangen, auch wenn da noch so viele kontrapunktischen finessen drin sind. leider.

              als ich den holländer noch nicht kannte, habe ich eine schallplatte bekommen, auf der "steuermann, lass die wacht!" oben war. nach dem ersten hören habe ich mich sofort in das stück verliebt und wollte eine gesamtaufnahme haben. mir ist diese melodie nicht mehr aus den ohren gegangen, auch jetzt noch nicht, und ich habe sie mir gleich gemerkt. genauso war es beim freischütz ("was gleicht wohl auf erden", dass der harald schmidt in seiner show gespielt hat), auch gehört, geht genauso nicht mehr raus. oder halt hänsel und gretel, dieses "mit den füßchen tapp, tapp, tapp, mit den händchen..." usw, das war das erste, was ich davon gehört habe, und das geht auch nicht mehr raus bei mir, der pizzicato gespielte kontrabass, der zu diesem gesang spielt.... herrlich. und das gleiche spiel bei carmen ("toreador") und aida uva.

              aber beim figaro geht mir das ab, und ich habe ihn mittlerweile schon 2 mal live erlebt, in einer sehr schönen inszenierung, jedes mal in der hoffnung, ich sehe (oder besser: höre) die dinge diesmal anders, aber leider war das nichts. ich finde, man sollte stücke nicht nach dem erstenmal hören gleich abtun, deswegen sag ich nicht gleich nach dem ersten hören "das ist scheiße", aber die meisten opern habe ich durch irgendein stück kennengelernt, und nicht gleich als gesamtaufnahme, und wenn was hängenbleibt, macht das guster auf mehr und siehe oben.



              Die Geschichte mag ich genau aus dem Grund, wie Du sie magst. Wahrscheinlich gibts genug :solche "Conte Almaviva" in der Realität. Und der wird richtig reingelegt.




              Fidelio ist wohl die einzige Oper, die zeigt, was nach einem Happy End einer anderen Oper passieren könnte. Die :Basis ist sehr spannend.
              Weißt du was mich am fidelio aber stört? Die leonore, als fidelio verkleidet, dringt in das gefängnis ein und kann verhindern, dass ihr mann erschossen wird, wenn ich das richtig in erinnerung habe (habe nur die geschichte gelesen, dieses jahr schau ich ihn mir in der wr. Staatsoper an), aber dann kommt wieder ein mann und rettet den florestan und die ganzen anderen gefangenen endgültig. ALSO WIEDER EIN MANN! Wieso darf die leonore nicht der held sein? Wozu schleicht sie sich dann noch ins gefängnis ein, wenn am schluss sowieso dieser adelige gekommen wäre? wieso wird der mut dieser frau so zunichte und unbedeutend gemacht?

              Verdammt! Don Carlo ist auch sehr politisch (gut, hat halt auch ne Liebesgeschichte), auch Il trovatore hat viel mehr als nur :Liebesgeschichte. Aber eine Oper ohne Amor...fällt mir irgendwie nicht ein.
              Mir schon :-)



              Ach ja, Aida!
              Wo gehts denn für Dich über die Schmerzgrenze?
              Wenn unrealistische, klischeehafte figuren durch zu lange arien mir ihre unrealistische, klischeehafte art noch richtig reindrücken und aufdringlich werden.... Roméo et Juliette ist so ein Fall...die brachen eine viertel Stunde, um sich "adieu" zu sagen. Die Musik ist aber :wunderschön. Aber das wäre wohl die Schmerzgrenze. ;)
              hab ich leider noch nicht gehört die oper, aber im freischütz gibt’s auch so eine abschiedsszene (ein wunderschönes terzett), wo die ganze zeit nur lebe wohl gesungen wird. und das aber, obwohl klar ist, dass der max bald wieder zurückkehrt. Naja.

              PS: diese antwort wurde eine dreiviertel stunde in WORD vorbereitet. bitte um rücksichtnahme ggg

            • Antwort von nach 7 Tagen 0 hilfreich
              Re^7: zweidimensionale opernfiguren

              Das ist eine sehr gute Frage. Gar nicht? Das ist ein Dilemma, in der Tat. Vielleicht sich nur an der Musik erfreuen? :Als Zuhörer, mein ich. Als Sänger...ich weiss nicht, vielleicht, wenn man der Figur alles an Natürlichkeit und :Menschlichkeit abringt, die vorhanden ist. An was für Figuren denkst Du denn?
              DAS ist mal eine frage: in erster linie an die senta im
              holländer, die aghate im freischütz, die carmen in carmen. Die
              drei stören mich besonders, ich muss allerdings gestehen, dass
              ich selber nicht allzuviele opern (von der handlung her)
              kenne, die drei sind mir spontan eingefallen.
              Da muss ich schnell zu meinem Opernführer greifen. Von wegen Senta und Agathe. Schau dir die
              senta mal an: ohne weiteres hat sie mitleid mit dem holländer,
              den sie nur von der sage her kennt etc. ihr vater trifft
              denselben und verspricht ihm senta als frau, und da hätte ich
              beim ersten mal angenommen, dass senta das nicht gerne sieht,
              wenn der vater einfach seine tochter da verschenkt. Und dann
              singt sie eine ballade über den holländer und findet ihn toll
              und alles.
              Das mit dem Vater find' ich auch nicht toll, aber der sieht halt den reichen Schwiegersohn...Senta allerdings find' ich gar nicht so schlecht. Sie hat Mitleid, das ist nichts schlechtes. Ich stelle mir es so vor, als ahnte sie schon ihr Schicksal. In meinen augen ist diese figur ein klischee, das
              unrealistisch ist und mir keinen spass macht.
              Hm..ich kenne das Stück nicht, ich kenne das Libretto und die Musik nicht (kein Wagner-Fan...), das spielt schon noch eine Rolle. Aber so vom Lesen finde ich sie nicht schlecht. Oder diese aghate: sitzt in der stube, findet nichts dabei,
              wenn irgendwelche tiere abgeknallt werden (probeschuss!),
              eigentlich ist sie ja der gewinn für den gewinner des
              probeschusses, also nicht wirklich mehr als ein gegenstand,
              wenn man es so sehen will. Und DAS findet die aghate auch noch
              gut????
              Andere Zeiten, andere Sitten. Ich müssts nicht haben, dass mein Verlobter irgendwas abknallt, um mich heiraten zu dürfen. Aber wir dürfen diese Geschichten nicht von heute aus betrachten, sie spielen in einer anderen Zeit und wurden noch in einer anderen Zeit geschrieben.
              Aber ich weiss natürlich, was Du meinst, aus heutiger Perspektive fällt es einem manchmal schwer, so etwas zu mögen. Und am schluss diese carmen: nichts gegen emanzipation, aber
              diese figur ist auch ein klischee, das man schon so oder so
              ähnlich tausend mal gesehen hat. Es ist einfach nur ermüdend,
              da zuzuschauen und zu hören.
              Geht mir auch so. Ja, das ist super! V.a. weil man richtig den Zwiespalt sieht, einerseits ist sie so heroisch, so stark, aber dann kommt :plötzlich die Kehrseit, und sie ist halt "nur" ein Mensch, der einen geliebten Menschen retten will.
              GENAU! Das gefällt mir, keine frauen, die allen zeigen, wie
              toll sie ausschauen und andere leute verarscht und außerdem
              total asozial ist (und zwar nicht nur gegenüber männern, auch
              frauen, man denke nur an den grund, warum carmen überhaupt im
              gefängnis gelandet ist.) sondern welche, die sich halt hier
              als männer verkleiden (dazu muss ich aber sagen, dass ich mich
              keineswegs an solchen hosenrollen, sei es der cherubino, sei
              es der hänsel oder der fidelio aufgeile) und keine zarten,
              zerbrechlichen und klischeehaften objekte der begierde,
              gegenstände, sind, die verschenkt (freischütz) oder verkauft
              (holländer) werden.
              Leonore ist wohl eine der besten in der ganzen Gilde. Ist ja auch keine Hosenrolle. Sie IST ja eine Frau, aber als Mann verkleidet, wohl aber sind Hänsel und Cherubino und weitere (Idamante, Orpheus...) im Stück Männer - gesungen von Frauen, find ich fürchterlich, aber darum gehts nicht.
              Leonore tuts auch Leid, was mit Marzelline passiert - sie benutzt die anderen nicht für ihre eigenen Ziele. Ich finde Hänsel und Gretel keine :"plastischen" Figuren, man :vergleiche Gretel mit Tosca. Tosca ist ein Mensch - Gretel ist eine Stereotype. Sie hat keine Charakterzüge.
              Das kann ich so nicht stehen lassen, die gretel hat einen
              anderen charakter als der hänsel (oder die hexe *lol*), sie
              ist mehr positiv, aber auch ängstlicher als der hänsel.
              Stimmt. Brüderchen tröstet Schwesterchen. ;) Nein, ich weiss schon, was Du meinst. Man
              muss aber auch bedenken, dass in dieser oper, abgesehen von
              den kuchekindern, mit denen aber nicht geredet wird, gerade
              mal 7 personen vorkommen: Vater, Mutter, Hänsel, Gretel,
              Taumann, Sandmann, Hexe. Und jeder dieser figuren hat keine 20
              anderen (ich denke da ganz stark an die fledermaus) mit denen
              er jeweils anders umgeht und zu jedem in einer anderen
              beziehung steht. Viele leute hat die gretel nicht zum reden.
              Das stimmt natürlich, aber sie zeichnet sich auch nciht durch irgendetwas bestimmtes aus - oder ich hatte nicht das Gefühl, dass dem so ist. Habs aber nur einmal gesehen und gehört. Aber das brauchen die Leute in Märchen auch nicht.
              Irgendwie sind Hänsel und Gretel ein wenig wie Gounod's Roméo et Juliette. Es sind wunderschöne Opern, aber die Charaktere sind (wohl gewollt) nicht wirkliche Charakteren.
              Wieso nicht? zwei geschwister die hunger haben, in den wald
              geschickt werden wo sie sich in der nacht verirren, dort angst
              haben, dann zu einem lebkuchenhaus kommen und wegen des
              hungers ("seit wochen nichts als trocken brot (...)", jeder
              der einen tag lang mal nichts gegessen hat, weiss, wie das ist
              wenn der magen knurrt und man bauchschmerzen hat) einfach
              davon essen, was ist da nicht wirklich? Ich kann das verhalten
              der zwei sehr gut nachvollziehen, viel viel mehr als das
              verhalten einer aghate oder einer senta.
              Verhaltensmässig schon, ganz klar. Wie sie reagieren, das ist realistisch, wunderbar gestaltet (hatte ich den Eindruck) - das ist jetzt schwierig zu erklären, was ich meine...ich habe nicht das Gefühl gehabt, als ginge es um musikalisch und charakteristisch plastische Figuren - vom Verhalten, wie gesagt, schon, in den Grundzügen auch, aber nicht so, dass man sich unter einem von beiden eine richtige Person vorstellen könnte. Aber wie gesagt, nur einmal gehört. Aber in dem Sinne ist das auch völlig in Ordnung, es sind zwei Kinder, die im Wald verloren gehen und es wäre wohl, wenn es anders wäre, in keiner Weise "besser", weil es so realistisch ist. Vielleicht ist Roméo und Juliette (von Gounod) das bessere Beispiel für das, was ich meine. Was die Klischeefrauen anbelangt - ich finde, in der Oper gibts sehr viele tolle Frauen, ja, meist sind die Frauen viel "heldenhafter" als die Männer, viele von ihnen sind sehr emanzipiert, und viele von ihnen sind die wahren Helden der Geschichte.
              Nenn mir eine einzige oper (ausser fidelio) wo das so ist.
              Elisabeth von Valois (Verdi, Don Carlos), Violetta (Traviata).
              Man vergleiche Elisabeth mit ihrem Carlos und Violetta mit ihrem Alfredo - sieht schlecht aus für die Männer. ;) Ich mag die Opernfrauen.
              Ich mag realistische opernfrauen.
              Ditto. Ich weiss nicht, ich mag Carmen auch nicht. Wegen der Geschichte. Die Leute, die Carmen anhimmeln sagen mir :immer, dass sie halt die Carmen toll finden (zumeist sinds Frauen...), weil sie halt eine richtige Emanze ist, sich ihren Mann selbst aussucht und sich seiner entledigt, wenn sie genug davon hat. Eigentlich ist Carmen genau das Gegenteil der Klischeefrauen, die nur heiraten wollen.
              Sie ist zwar das gegenteil, aber ein gutes bild von frauen
              macht die carmen eigentlich auch nicht...
              Finden die anderen Frauen meist nicht, weil die lieber die völlige Lösung von standardisierten Frauenbildern sehen - ich mag sie auch nicht, gerade weil sie so ein Bild vermittelt. Ich liebe die Musik!
              ist natürlich geschmackssache, deswegen will ich mich auch
              nicht streiten diesbezüglich, möchte nur sagen, dass mich an
              der musik im figaro (ausser das lied "Non più andrai", habe
              nachgesehen wie das stück heißt) überhaupt nichts angesprochen
              hat. mir ist KEINE einzige gesangsmelodie oder musikmelodie in
              den ohren hängen geblieben! ich habe mir keine einzige melodie
              gemerkt. und wirkliche melodien habe ich eigentlich auch nicht
              vernommen, oft wird da nur gesungen, und ab und zu spielt das
              orchester ein paar akkorde drüber. wahrscheinlich bin ich ein
              riesenbanause, aber ich kann mir halt nicht aussuchen was mir
              gefällt. musik kann ja super toll geschrieben sein und
              mathematisch und alles, aber wenn sie für mich nicht klingt,
              dann gefällts mir halt nicht. ich kann mit keinem einzigen
              klavierkonzert vom bach was anfangen, auch wenn da noch so
              viele kontrapunktischen finessen drin sind. leider.
              Ich weiss genau, was Du meinst. Geht mir mit Mozart und Bach oft so, ich kanns mir nicht merken. Mozart mag ich aber zumeist, mit dem lieben Herr Bach hadere ich noch.
              Nozze di figaro hat sehr schöne Musik, aber ich musste es auch mehrmals sehen, um wirklich hängenzubleiben. Ein richtiger Schlager gibts aber schon in der Oper: Voi che sapete, von Cherubino. als ich den holländer noch nicht kannte, habe ich eine
              schallplatte bekommen, auf der "steuermann, lass die wacht!"
              oben war. nach dem ersten hören habe ich mich sofort in das
              stück verliebt und wollte eine gesamtaufnahme haben. mir ist
              diese melodie nicht mehr aus den ohren gegangen, auch jetzt
              noch nicht, und ich habe sie mir gleich gemerkt. genauso war
              es beim freischütz ("was gleicht wohl auf erden", dass der
              harald schmidt in seiner show gespielt hat), auch gehört, geht
              genauso nicht mehr raus. oder halt hänsel und gretel, dieses
              "mit den füßchen tapp, tapp, tapp, mit den händchen..." usw,
              das war das erste, was ich davon gehört habe, und das geht
              auch nicht mehr raus bei mir, der pizzicato gespielte
              kontrabass, der zu diesem gesang spielt.... herrlich. und das
              gleiche spiel bei carmen ("toreador") und aida uva.
              Weiss voll und ganz, was Du meinst. Ging mir bei Roméo et Juliette so, ich liebe die Oper, obwohl ich die Geschichte eigentlich nicht mag. Schön ist auch "Abends wenn ich schlafen geh" aus Hänsel und Gretel. Oder das Lied vom Sandmann. Das ist mir geblieben, obwohl ichs nur das eine mal gehört habe. aber beim figaro geht mir das ab, und ich habe ihn
              mittlerweile schon 2 mal live erlebt, in einer sehr schönen
              inszenierung, jedes mal in der hoffnung, ich sehe (oder
              besser: höre) die dinge diesmal anders, aber leider war das
              nichts. ich finde, man sollte stücke nicht nach dem erstenmal
              hören gleich abtun, deswegen sag ich nicht gleich nach dem
              ersten hören "das ist scheiße", aber die meisten opern habe
              ich durch irgendein stück kennengelernt, und nicht gleich als
              gesamtaufnahme, und wenn was hängenbleibt, macht das guster
              auf mehr und siehe oben.
              Geht mir genau so. Es fängt immer mit etwasem an, dass zum Beispiel auf einem "Sampler" drauf ist, oder irgendwer an einem Konzert singt - dann höre ich jeweils alle ersten 60 Sekunden bei Amazon, und dann wird die cd meist gekauft. :)
              Nozze leider noch nie live erlebt, läuft hier nicht im Opernhaus. Dafür mehrmals im Fernsehen gesehen (Salzburger Festspiele 2005), und mich doch ziemlich über die Inszenierung entsetzt. ;) Fidelio ist wohl die einzige Oper, die zeigt, was nach einem Happy End einer anderen Oper passieren könnte. Die Basis ist sehr spannend.
              Weißt du was mich am fidelio aber stört? Die leonore, als
              fidelio verkleidet, dringt in das gefängnis ein und kann
              verhindern, dass ihr mann erschossen wird, wenn ich das
              richtig in erinnerung habe (habe nur die geschichte gelesen,
              dieses jahr schau ich ihn mir in der wr. Staatsoper an), aber
              dann kommt wieder ein mann und rettet den florestan und die
              ganzen anderen gefangenen endgültig. ALSO WIEDER EIN MANN!
              Wieso darf die leonore nicht der held sein? Wozu schleicht sie
              sich dann noch ins gefängnis ein, wenn am schluss sowieso
              dieser adelige gekommen wäre? wieso wird der mut dieser frau
              so zunichte und unbedeutend gemacht?
              Ach, die Wiener Staatsoper...*seufz* Wie schön!
              Leonore ist die uneingeschränkte Heldin, find' ich. Sie rettet Florestan mit dem herrlichen "Töt erst sein Weeeeeeeib!!" und stellt Pizarro (wow!) und dann, das stimmt, kommt halt der Minister und Pizarro wird verhaftet und die Gefangenen befreit. Florestan wäre gestorben, wäre Leonore nicht dagewesen. Es ist ein Hoch auf die Gattenliebe. Der ganze Schluss ist eine "Hohelied" auf Leonore (mit dem etwas schickanierenden Titel "Wer ein solches Weib errungen..."). Der Minister wird nicht einmal erwähnt.
              Wunderwunderschön (kann man gar nicht genug sagen), ist dieses kleine Zwischenstück, als Pizarro abgeführt wird und Florestan sagt: O meine Leonore, was hast Du für mich getan..!? Und sie sagt: Nichts, mein Florestan, gar nichts...
              Ach ja... :) Don Carlo ist auch sehr politisch (gut, hat halt auch ne Liebesgeschichte), auch Il trovatore hat viel mehr als nur :Liebesgeschichte. Aber eine Oper ohne Amor...fällt mir irgendwie nicht ein.
              Mir schon :-)
              Hänsel und Gretel. ;) Wo gehts denn für Dich über die Schmerzgrenze?
              Wenn unrealistische, klischeehafte figuren durch zu lange
              arien mir ihre unrealistische, klischeehafte art noch richtig
              reindrücken und aufdringlich werden....
              Weitere Beispiele?
              Was ist mit klischeehaften Männern? Strotzende Helden voller Manneskraft à la Manrico im Troubadour, die den Kampf glorifizieren und "heldenhaft" ihre Gegner morden...? Find ich jeweils auch zum kotzen.. ;) Roméo et Juliette ist so ein Fall...die brachen eine viertel Stunde, um sich "adieu" zu sagen. Die Musik ist aber wunderschön. Aber das wäre wohl die Schmerzgrenze. ;)
              hab ich leider noch nicht gehört die oper, aber im freischütz
              gibt’s auch so eine abschiedsszene (ein wunderschönes
              terzett), wo die ganze zeit nur lebe wohl gesungen wird. und
              das aber, obwohl klar ist, dass der max bald wieder
              zurückkehrt. Naja.
              Roméo et Juliette, genau dasselbe. Aber irgendwie störts einfach nicht, wenn man die Musik schön findet. Wärs ein Film, wärs fürchterlich...
              Vielleicht muss ich mich trotzdem mal an den fliegenden Holländer oder den Freischätz wagen. PS: diese antwort wurde eine dreiviertel stunde in WORD
              vorbereitet. bitte um rücksichtnahme ggg
              Meine Hochachtung. :-)
              Liebe Grüsse...

            • Antwort von nach 10 Tagen 0 hilfreich
              Re^8: zweidimensionale opernfiguren

              zuerst einmal danke für die antwort, monika!

              ich sitze hier gerade in der schule am laptop, normal bin ich nur jeden samstag im internet.

              eigentlich könnte ich dir jetzt schon eine antwort geben, aber das wäre dann nur eine flüchtige, nichtssagende, unüberlegte, und ich glaube, ich habe mir zeit für deine beiträge genommen, du für meine, also bin ich dir jetzt auch wieder eine gute antwort schuldig, die ich erst am samstag verfassen werde.

              danke!

              PS: das mit der dreiviertel stunde war nicht gelogen, es dauert schon ein bisschen, meinen text von deiner antwort zu trennen, nachdem man sie in word eingefügt hat, sich dann etwas dazu zu überlegen und DARAUF wiederum eine antwort zu geben. deswegen hat das gedauert. du gehst ja auch auf meine ansichten der dinge ein, also will ich das auch tun.

              die meisten hier mögen mich nämlich nicht.

            • Antwort von nach 13 Tagen 0 hilfreich
              Re^8: zweidimensionale opernfiguren

              Da muss ich schnell zu meinem Opernführer greifen. Von wegen Senta und Agathe.
              Welchen hast du denn? Ich habe einen über 100 Seiten dicken, von einem Autor, der Wagner heißt. Du auch? Das mit dem Vater find' ich auch nicht toll, aber der sieht halt den reichen Schwiegersohn...Senta allerdings find' :ich gar nicht so schlecht. Sie hat Mitleid, das ist nichts schlechtes. Ich stelle mir es so vor, als ahnte sie schon ihr :Schicksal.
              Das stimmt eigentlich, jedoch ist das ein Schicksal, dass sie selbst so wollte, wenn man das so sagen darf, denn sie liebt den holländer ja selber und stürzt sich selber in die Fluten am Schluß. DIE LETZTEN WORTE VON SENTA UND DIE MUSIK DANACH SIND SOWAS VON GEIL, ich krieg da immer Tränen in den Augen, weil´s mich umhaut! Die Senta singt da nämlich "Preis´ deinen Engel und sein Gebot, hier steh´ ich, treu dir bis zum Tod!", und dann diese Musik.....
              Übrigens das gleiche wie in "Der Freischütz", da habe ich die gleichen "Symptome" wie beim Holländer, nämlich während der berühmten Wolfschluchtszene, wo Kaspar sieben Kugeln gießt und dabei immer mitzählt, dann kommt ein Echo, dass das Gezähle wiederholt, und dann passiert irgendwas gruseliges. Besonders am Ende, wenn Kaspar die letzte Kugel gießt, und laut ruft "Samiel, Samiel! Hilf! Sieben! Wehe!" und dann der Teufel selber erscheint und nach Max greift, der ohnmächtig auf die Erde sinkt und dann der Vorhang zugeht und man die Musik zum dritten Akt, diesen fröhlichen Jägerchor (ohne Chor, nur Musik) hört, da bin ich immer sowas von angespannt; sogar jetzt, wo ich das hier schreibe, habe ich diese Szene in meinen Ohren und bin ganz aufgeregt!

              Kann doch nichts schlechtes sein, wenn Musik sowas bewirkt, denn wissenschaftlich gesehen sind das ja alles nur Noten auf dem Papier, die man erst hört, wenn sie gespielt werden. Es muss natürlich (meiner Ansicht nach) nicht so sein, dass eine Oper unbedingt solche Momente hat (bei Hänsel und Gretel bekomme ich keine Gänsehaut, zumindest nicht vom Hören, und bin auch nicht angespannt, trotzdem ist das einer meiner Lieblingsopern), aber wenn ich mir Sachen wie Mozarts Figaro anhöre, dann finde ich die Musik (ist das eigentlich noch Musik, wenn ab und zu ein Instrument ein paar Töne spielt und minutenlang wieder Ruhe ist?) ziemlich langweilig. Beim Hören von Verdis Falstaff oder besagtem Figaro z.B. habe ich das Gefühl, dass das ganze ein einziges Rezitativ ist. Ich sage das alles nicht um zu beleidigen, denn Geschmäcker sind ja verschieden, aber für mich hört sich das leider so an.
              Jetzt kann freilich der Eindruck entstehen, dass mir Opern nur gefallen, wenn sie laut und fetzig sind. Irrtum! "Non piu andrai" vom Figaro, der ist weder fetzig noch laut, aber trotzdem finde ich das Lied sehr schön! Oder die große Arie "Wie nahte mir der Schlummer" der Agathe im Freischütz. Keine Spur von fetziger Musik, womöglich mit Paukenschlägen bereichert. Und trotzdem geht mir das ins Ohr.

              Ich will jetzt einmal ganz ehrlich aber nicht beleidigend sein: (ich beziehe mich jetzt nur auf Opern die ich schon mal ganz gehört habe, denn ich schimpfe nicht auf Sachen, die ich nicht kenne): Falstaff oder Walküre oder Figaro oder Zauberflöte bestehen für mich nur aus monotonem, unmelodiösem Gesang, und ab und zu spielt das Orchester mal irgendwas, um zu zeigen, dass es noch nicht eingeschlafen ist. Ich habe schon einmal gesagt, dass ich oft irgendeine Melodie, eine Strophe, einen Chor aus einer Oper gehört habe, der mir nicht mehr aus dem Kopf gegangen ist, auch Tage später, aber als ich den Falstaff durch hatte (ich habe eine Einspielung vom Karajan, u.a. mit Christa Ludwig) ist mir überhaupt nichts im Gedächtnis geblieben! Ich konnte keine einzige Gesangsmelodie nachpfeiffen, und Orchestermelodien gleich überhaupt nicht, weil da eigentlich keine waren, und wenn, dann für mich so langweilig, dass ich sie gleich vergessen habe. Nach dem Anhören war ich richtig gefrustet, schade um die Zeit dachte ich mir. Und ich habe mich gefragt, was Menschen, denen SOWAS gefällt, denken, wenn sie sich das anhören. Wie kann man sowas toll finden? Ich habe mir vorgenommen, dass ich mir die Aufnahme nochmal anhöre, aber bis jetzt hatte ich keine Lust dazu. Ist doch auch Mist oder? Beim Freischütz habe ich schon während dem ersten Mal hören den ganzen ersten Akt wiederholt.... ok, der text wird jetzt schon zu lang, ich bin leider kein Kritiker, dass ich meine Gefühle und Gedanken so gut formulieren kann. Ich rede (besser gesagt, schreibe) einfach drauflos und hoffe, dass irgendwann der perfekte Satz rauskommt, der alles was ich sagen will super verpackt. Leider ist er nicht gekommen. Aber ich hoffe, dass du mich diesbezüglich verstehst und ich nicht zu wirr gequasselt habe. Ich finde es halt schade, dass man eine Oper, auf die man sich gefreut hat, dann schlecht in Erinnerung hat, sodass man keine Lust hat, sie sich nochmal zu geben, und in der es auch nichts gibt, dessen man sich erinnert und auf das einem nicht mehr aus dem Kopf gibt und das einem einen Anreiz gibt, sie nochmal zu hören (ICH GLAUBE, das war jetzt der perfekte Satz!) naja. Andere Zeiten, andere Sitten. Ich müssts nicht haben, dass mein Verlobter irgendwas abknallt, um mich heiraten zu :dürfen. Aber wir dürfen diese Geschichten nicht von heute aus betrachten, sie spielen in einer anderen Zeit und :wurden noch in einer anderen Zeit geschrieben.
              Aber ich weiss natürlich, was Du meinst, aus heutiger Perspektive fällt es einem manchmal schwer, so etwas zu :mögen.
              Ich glaube, genau DAS ist das grundlegende Problem der Oper: Sie ist nicht zeitgemäß, sie veraltet! Obwohl es auch welche gibt, die zeitlos sind bzw. in denen es keine Rituale, Ansichten, Äußerungen, Geschichten gibt, wie z.b. Fidelio (ok, das mit dem "holden Weib errungen" will ich jetzt mal aussen vor lassen), Märchenopern (es gibt nicht nur H&G!) und ein paar andere. Was ich aber weiss, die Oper hatte einen anderen Stellenwert als heute, damals hatte man sich noch während der Vorstellung unterhalten, während die Sängerinnen und Sänger sangen (was für ein Satz!), und nur während der Arien hörte man auch zu. Das ist ja heute bekanntermaßen anders. Alles verändert sich. Grob genommen könnte man sagen, dass die Oper scheiße ist, weil auch der dreißigjährige Krieg scheisse ist, und Krieg überhaupt scheiße ist und alles andere, was damals scheiße war, auch scheiße war. Der Krieg und Frauenunterdrückung etc. war damals, und die Oper war damals. Und am schluss diese carmen: nichts gegen emanzipation, aber
              diese figur ist auch ein klischee, das man schon so oder so
              ähnlich tausend mal gesehen hat. Es ist einfach nur ermüdend,
              da zuzuschauen und zu hören.
              Geht mir auch so.
              Ich dachte, dir gefällt die Carmen? Leonore ist wohl eine der besten in der ganzen Gilde. Ist ja auch keine Hosenrolle. Sie IST ja eine Frau, aber als :Mann verkleidet, wohl aber sind Hänsel und Cherubino und weitere (Idamante, Orpheus...) im Stück Männer - :gesungen von Frauen, find ich fürchterlich, aber darum gehts nicht.
              Leonore tuts auch Leid, was mit Marzelline passiert - sie benutzt die anderen nicht für ihre eigenen Ziele.
              Ist das eigentlich genau definiert, was eine Hosenrolle ist? Muss eine Hosenrolle "echt" männlich sein, oder geht es auch, wenn eine weibliche FIGUR Männerkleidung anhat?
              Egal, ich geile mich weder an Frauen, die echte Männer spielen, noch an Frauen, die Frauen, die sich als Männer verkleiden spielen, auf. Das hatte ich gemeint! Das kann ich so nicht stehen lassen, die gretel hat einen
              anderen charakter als der hänsel (oder die hexe *lol*), sie
              ist mehr positiv, aber auch ängstlicher als der hänsel.
              Stimmt. Brüderchen tröstet Schwesterchen. ;) Nein, ich weiss schon, was Du meinst.
              Wirklich? Das stimmt natürlich, aber sie zeichnet sich auch nciht durch irgendetwas bestimmtes aus - oder ich hatte nicht das :Gefühl, dass dem so ist. Habs aber nur einmal gesehen und gehört.
              Nein, im Prinzip hast du Recht, leider. Nur bietet die Geschichte keine wirklichen Möglichkeiten, sich zu entfalten. WOBEI mir gerade einfällt, dass die Gretel ja die Hexe reinlegt und sie in den Ofen wirft, die gleiche, die am Anfang "Suse, liebe Suse" singt, im dunklen Wald Angst hat und am Anfang des dritten Bildes Hänsel warnt, vom Haus zu essen. Eigentlich ist sie die vernünftigere von beiden. Verhaltensmässig schon, ganz klar. Wie sie reagieren, das ist realistisch, wunderbar gestaltet (hatte ich den :Eindruck) - das ist jetzt schwierig zu erklären, was ich meine...
              Willkommen in meiner Welt.... ich habe nicht das Gefühl gehabt, als ginge es um musikalisch und charakteristisch plastische Figuren
              charakteristisch ok, aber musikalisch plastische Figuren? Das musst du mir aber erklären. Aber wie gesagt, nur einmal gehört. Aber in dem Sinne ist das auch völlig in Ordnung, es sind zwei Kinder, die im :Wald verloren gehen und es wäre wohl, wenn es anders wäre, in keiner Weise "besser", weil es so realistisch ist.
              Ich sage dir was, ich finde es total unrealistisch, dass zwei Kinder, die nichts zum Fressen haben, herumtanzen und Spaß haben. Obwohl das musikalisch (für mich) supermegageil klingt (wenn schon nicht die Handlung passt, dann zumindest bitte die Musik, siehe weiter oben beim Falstaff...), ist es unlogisch. Ok, es gibt auch keine Hexen... ist ja auch ein Märchen. Egal.

              Aber was anderes: Weißt du was mir besonders an der Geschichte von H&G gefällt? Der Aufbau!!! Im ersten Bild sind die Kinder allein, tanzen, werden in den Wald geschickt, der Vater kommt, war im Wirtshaus, ist leicht angeschwipst, erzählt der Mutter woher er das Essen hat, dass drüben hinterm herrenwald große Feste stattfinden etc. UND NICHT MIT EINEM WORT WIRD EINE HEXE ERWÄHNT! Das alles hat nichts mit der Hexe zu tun. Selbige hat keinen Einfluss auf das ganze.
              Und wenn wir dann schlussendlich bei der Hexe sind, ist es WIEDERUM EGAL; WAS hinterm Herrenwald stattfindet, was der Vater für Essen nach Hause gebracht hat, was mit dem Milchtopf passiert ist, dass der Vater im Wirtshaus war, und dass die Kinder Suse liebe Suse gesungen haben.
              Hat keine Bedeutung mehr, sobald wir bei der Hexe sind. Der Hexe ist das egal, sie will nur die Kinder fressen, und ihr ist es egal dass es arme und reiche Menschen gibt, welche die Hungern und welche, denen es besser geht, die Hochzeit feiern etc.
              Sie macht einfach ihr ding, und es ist ihr auch egal, wen sie als Opfer bekommt, auch wenn es arme Kinder sind. Und der Höhepunkt dieser Gemeinheit ist für mich ihr Hexenritt "Hurr hopp hopp hopp", denn die Hexe freut sich wahnsinnig auf das Essen, alles was im ersten Akt passiert ist hat jetzt keine Bedeutung mehr, die Hexe weiss ja auch nichts davon! Und das geniale ist für mich bei dem lied, dass, obwohl es eine Lied der gemeinen, bösen Hexe ist, hat Humperdinck eine fröhliche, lustige Melodie geschrieben. Diese Ambivalenz! Den Kindern geht es schlecht, die Hexe schert sich nichts um die Eltern oder das Leben der Kinder daheim, oder dass die Mutter den beiden Schläge angedroht hat, und singt ein Lied, dass FRÖHLICH ist, und das zeigt uns das ganze vom Standpunkt der Hexe aus, und wir verstehen ihre Freude quasi, obwohl wir die hexe überhaupt nicht mögen, eben weil ihr das alles egal ist und sie ausserdem böse ist. Und weil einem das Lied gefällt, ob seiner schönen Melodie, ertappt man sich dabei, dass man darauf vergessen hat, dass die zwei Kinder, die vorher noch den Abendsegen gebetet haben und alles, bald tot sein werden. Der Komponist schreibt was schönes, und wir vergessen gleich, worums eigentlich geht. Nozze di figaro hat sehr schöne Musik, aber ich musste es auch mehrmals sehen, um wirklich hängenzubleiben.
              Ist doch schade, oder, wenn solche Maßnahmen notwendig sind. Schön ist auch "Abends wenn ich schlafen geh" aus Hänsel und Gretel.
              ÄHHEEEMmmmmmm....hüstel hüstel "will ich schlafen" hüstel hüstel hust räusper äheem Oder das Lied vom Sandmann. Das ist mir geblieben, obwohl ichs nur das eine mal gehört habe.
              Ausgerechnet das? Nicht Brüderchen komm tanz mit mir, oder hurr hopp hopp hopp? Willst du was wissen? Nach dem 2. Akt war ich kurz bevor es weiterging auf dem WC zum Händewaschen, hatte die halbe Stunde vorher was fettiges gegessen. Da war ein kleiner Junge, der seine Oma gefragt hat, wer das am Schluss war, mit dem Glitzerstaub. Und die Oma sagt dem Jungen tatsächlich, dass das das Rumpelstilzchen war. Musste mich zurückhalten!
              Zumindest hielt sich der Junge, der ein paar Reihen vor mir saß, nicht immer die Ohren zu, wenn die Mutter heimkam, oder die Hexe aus dem Fenster schoss. (mit dem etwas schickanierenden Titel "Wer ein solches Weib errungen...").
              ÄHHEEEMmmmmmm....hüstel hüstel "ein holdes Weib" hüstel hüstel hust räusper äheem Don Carlo ist auch sehr politisch (gut, hat halt auch ne Liebesgeschichte), auch Il trovatore hat viel mehr als nur :Liebesgeschichte. Aber eine Oper ohne Amor...fällt mir irgendwie nicht ein.
              Mir schon :-)
              Hänsel und Gretel. ;)
              ach wie lustig, das hätte ich jetzt aber nicht erwartet.... gg Weitere Beispiele?
              Was ist mit klischeehaften Männern? Strotzende Helden voller Manneskraft à la Manrico im Troubadour, die den :Kampf glorifizieren und "heldenhaft" ihre Gegner morden...? Find ich jeweils auch zum kotzen.. ;)
              da werden die Putzfrauen in den Opernhäusern aber keine Freude mit dir haben.... lol
              im ernst, ich halte da auch nichts von. Vielleicht muss ich mich trotzdem mal an den fliegenden Holländer oder den Freischätz wagen.
              ÄHHEEEMmmmmmm....hüstel hüstel "freischütz" hüstel hüstel hust räusper äheem

              Also, ich glaube, schöner kann man jemanden nicht auf seine Fehler aufmerksam machen gggggg

              Nein, ist natürlich nur Spass, auch ich mache Fehler (mehr als mir lieb sind).

              PS: Dieses Posting wurde innnerhalb von 2 STUNDEN geschrieben, nicht in 3/4 stunde. Bitte um liebevolle Rücksichtnahme!

              Ich freu mich auf deine Antwort und wünsche ausserdem noch ein schönes, geruhsames Wochenende!



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