Re^4: Theater, Kultur und das liebe Geld
zu Subventionen gibt es unterschiedliche Meinungen, die
Größenordnung ist es aber, die eine breite, öffentliche
Diskussion erforderlich macht.
Also die Größenordnung. Wie viele Theater wieviel Subvention bekommen. Und wofür.
Die große Theaterkultur der nach-Shakespeare-Zeit ist aus der Hofkultur entstanden. Bürgerliche Instituten machten nach, was kein Hof mehr kann. Die Städte wollten es übernehmen, der Staat auch. Warum? Weil es ein Konsens in der Gesellschaft darüber herrschte.
Es waren aber früher die Geldgeber, die die Kunstaufträge bestimmten, die einen entlassen und ein Werk verbieten konnten.
Heute sind es meist Intendanten, die Insitution hat sich verselbständigt, wie auch viele andere.
Es wird nicht nach der Qualität der Kunst gerechnet, sondern nach dem Betriebsprinzip. Eigentliche Geldgeber - die Politiker - haben kein Verständnis für die Kunst und wagen es nicht, auf sich eine Entscheidung zu nehmen, was bleibt und was geschlossen wird. Alle andere Hintergründe kennt man, ich muß hier nicht alles referieren.
Teils offen, teils unterschwellig schwang seit Jahrzehnten
immer die gleiche Lobby die Argumentationskeule, daß im
Dritten Reich ja auch die Theater und die Freiheit der Kunst
zurecht gestutzt wurden. In die Nähe solchen Verdachts möchte
niemand kommen und so ließ man lieber eine abgehoben arrogante
Kaste gewähren, der es völlig gleichgültig zu sein scheint, wo
das angeblich erforderliche Geld letztlich erwirtschaftet
werden muß.
Aus meiner Sicht lässt es sich eher mit der allgemeinen Entwicklung der Kultur erklären. Deine Idee finde ich zu weit geholt und zu ideologisch. Es ist keinesfalls nur innerdeutsches Problem.
Um ein paar Millionen in einem Landeshaushalt braucht man
nicht lange zu diskutieren. Aber hier geht es um 3
Zehnerpotenzen höhere Beträge, die in jedem einzelnen
Landesetat einfach verschwinden. Wer sich darüber aufregt, muß
sich anhören, das sei alles nötig, um den einfachen Leuten den
Theaterbesuch zu ermöglichen. So wursteln sie dann weiter und
halten einen 1000-Mann-Betrieb aufrecht, um Theater zu
spielen.
Darüber hätte man auch streiten können. Ein Theaterbesuch soll für einfache Leute erst dann möglich sein, wenn ihr Bildungsniveau (=schulische Vergangenheit) sie daran teilnehmen lässt, was eine Kunst ist. Es betrifft Regisseuere genauso. Die Kunst ist an sich elitär. Strassentheater (OFF etc.) sind auch gut, und Kasperl auch, und sie leben auch ohne Subvention. Andererseits für Wagner brauchst du wirklich Hunderte von Mitarbeiter. Und die kannst du nicht nur einmal im Jahr beschäftigen. Und so schwebt es schon vor, daß alle Elemente der Kultur zusammenhängen. Und wenn ein Teil runter geht, dann gehen auch die anderen, nur ganz bisschen später.
Und dann bleibt genug Geld für alles , nur nicht für Kultur. Dann werden wir auch nicht mehr streiten. :-)