Jetzt ist er Präsident

Von: , Frage gestellt am So, 21. Jan 2001

Was weiß man von Herrn Bush? Glühender Todesstrafen-Verfechter, Abtreibungsgegner, gläubiger Katholik, Raketenabwehr-Förderer. Cowboystiefel-Liebhaber ist er, verfügt er wenigstens über so viel Verstand wie ein Kuhhirte oder ist dieser Mann nur eine Neuauflage von Ronald Reagan, bloß ohne Erfahrung als Schauspieler?

Zu viel law and order, zu viel Glaube, zu wenig Hirn - ich ahne wenig Gutes. Andererseits wollte die Hälfte der Amerikaner dieses Kaliber haben. Ist alles weit genug weg oder wird das Einfluß auf Europa haben? Was meint Ihr?

Gruß
Wolfgang

10 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 2 Stunden hilfreich
    und zwar der 43., juhuu!

    Hi Wolfgang,

    es sei vorab angemerkt, daß Bush bereits alle Anordnungen Clintons stoppen ließ, die noch nicht rechtskräftig waren. Na ja, hätte ich vielleicht auch so gemacht.

    Ich gebe ja gerne zu, daß nicht DER Insider bzgl. der amerikanischen Politik bin. Der Eindruck, den ich bisher von Bush habe, ist nicht gut. Der Mann ist das, was ich als Macher bezeichne: Partielle Wahrnehmung, aber voller Einsatz zwecks Erreichung des aufgrund der partiellen Wahrnehmung selbst unverrückbar festgelegten Ziels. Schlimm wirds dann, wenn bei Machern Macht und Dummheit zusammenkommen. Dumme Menschen sind leicht so zu manipulieren, daß sie es gar nicht merken bzw. fest davon überzeugt sind, selbst die Riesenideen zu haben.

    Daß Bush die Berater seines Vaters hat, macht mich auch nicht viel glücklicher. Die haben schon Politikerfahrung (und jetzt sage keiner, Gouverneur in Texas zu sein diene der Erzielung von Politikerfahrung), Kontake und Ziele.

    Das amerikanische Regierungssystem ist sehr personenfixiert. Ich denke, wir werden mitunter einen gesteuerten Präsidenten erleben. Das gilt natürlich nicht für die Bereiche, bei denen er schon Meinungen hat. Es ist anzunehmen, daß die, falls mit dem Kongreß möglich, gnadenlos durchgesetzt werden. In dem Zusammenhang erinnere ich mich an eine Karrikatur aus der Zeit um den Regierungswechsel Reagan/Bush. Beide standen vor einer Zielscheibe, die mit Israel beschriftet war. Reagan ballerte wie ein Irrer in alle Richtungen, während Bush eine "Päng!"-Fähnchen-Pistole hatte. Untertitel: Wer trifft besser?

    Da sind wir auch schon bei den Problemfeldern: Außenpolitik und Handelspolitik. Da kamen ja schon die ersten Ankündigungen, daß in Zukunft mehr auf die Vorteile der USA geachtet werden soll. Die Handelstreitigkeiten sind unter Clinton auf ein bisher unbekanntes Niveau zurückgegangen. Das kann sich schnell ändern, wenn die Geschäfte mal nicht so gut laufen. Andererseits hat Greenspan (eigentlich auch Republikaner) Bush ja schon zwei kleine Antrittsgeschanke gemacht. Allerdings brauchen geldpolitische Impulse 18-24 Monate bis sie Auswirkungen in der Realwirtschaft haben. In der Zeit kann ein Macher viel anrichten.

    Wie es aussieht, mischt Bush erstmal sein eigenes Land auf. Ich hoffe nur, daß er auf internationaler Ebene von seinen Beratern zurückgepfiffen wird. Warten wir Bush´s Auftreten auf internationaler Ebene mal ab. Bleibt zu hoffen, daß er sein Verhalten an seine neue Rolle anpaßt. Ein "major-league asshole" als Präsident wäre mit Sicherheit kein Fortschritt und führte ruckzuck zu einer Veränderung des internationalen politischen Klimas, das sich ja in den letzten Jahren nicht zuletzt durch einen umsichtigen US-Präsidenten verbessert hat. Das meteorologische Klima hat hingegen noch nie ein US-Präsident nachaltig verbessert. Und um den Kreis zu schließen: Unter den Verordnungen, die jetzt erstmal von Bush gestoppt wurden, waren
    1. 100 Mio. USD zur Bezahlung von einigen tausend "neuen" Polizisten.
    2. Begnadigung von 100 Häftlingen
    3. Freigabe von Mitteln für irgendwelche Umweltprojekte.

    Jetzt raten wir gemeinsam (abgesehen davon, daß wir es aus den Medien nie erfahren werden (noch ein Kreis geschlossen, s. Diskussion n-tv/Daum): 1, 2 oder 3? Was wird als erstes wieder inkraft gesetzt?

    Der langen Rede kurzer Sinn: Schaun mer mal. Oder wie ich es bei der Machtergreifung der bunten Regierung sagte: Sei froh, es könnte schlimmer kommen. Und ich war froh, und es kam schlimmer.

    Gruß
    Christian

    P.S.
    Sicherheitshalber noch eine Rechtsbehelfsbelehrung, die sich an die richtet, die schon wissen, daß sie gemeint sind.
    1. Alles meine Meinung. Die war hier gefragt und hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit, Richigkeit oder alleinseligmachende Weisheit.
    2. Der Text zur bunten Regierung war offtopic und lädt daher nicht zur Diskussion ein.

    • Antwort von nach 19 Stunden hilfreich
      Re: und zwar der 43.,/ Total Egal..juhuu!

      Hallo,

      es ist doch wohl total egal wer den Präsidenten spielt. Die "reale" Macht hat das Kapital. Dies ist normal in einem kapitalistischen Wirtschaftssystem.

      Gruß Kirst

      • Antwort von nach 23 Stunden hilfreich
        Frag doch mal,

        ob die Wer-Weiss-Was-Truppe ein Board für Ideologen aus Leidenschaft aufmachen kann. es ist doch wohl total egal wer den Präsidenten spielt. Die
        "reale" Macht hat das Kapital. Dies ist normal in einem
        kapitalistischen Wirtschaftssystem.
        Ist da jetzt irgendwie negativ gemeint, oder so? Vielleicht sollten wir bei einer Tasse Tee auf den Ruinen der DDR mal darüber reden.

        Unser Wirtschaftssystem heißt Marktwirtschaft und nicht Kapitalismus. Als Alternative kann ich Dir die ausführlich getestete Planwirtschaft empfehlen.

        Mal ganz davon abgesehen, daß es auch die Ausprägung der sozialen Marktwirtschaft gibt. Da gibts dann auch gleich eine Faustregel: Je sozialer die MW, desto verschuldeter der Staat und desto gleichmäßiger die Vermögensverteilung. Das wiederum führt zu einem Anstieg des Anteils der faulen und dummen Bürger und in letzter Konsequenz zu einem Staat der pleite ist.

        Noch Fragen?

        Christian

        • Antwort von nach 23 Stunden hilfreich
          Re: Und das Gegenteil sieht so aus

          Hallo Christian! Mal ganz davon abgesehen, daß es auch die Ausprägung der
          sozialen Marktwirtschaft gibt. Da gibts dann auch gleich eine
          Faustregel: Je sozialer die MW, desto verschuldeter der Staat
          und desto gleichmäßiger die Vermögensverteilung. Das wiederum
          führt zu einem Anstieg des Anteils der faulen und dummen
          Bürger und in letzter Konsequenz zu einem Staat der pleite
          ist.
          Das Gegenteil sieht dann so aus: Je kapitalistischer die Marktwirtschaft ist, desto mehr Menschen haben wenig bis nichts, während einige im Reichtum ertrinken. Dies hat zur Folge, dass die Bürger faul und dumm, oder sagen wir besser: unmotiviert sind, da sie sich noch so sehr anstrengen können und nicht auf einen grünen Zweig gelangen. So ist es ja auch vorgesehen, denn wenn jeder dies schaffen könnte, wäre das Vermögen wieder gleichmässiger verteilt. Zum Fortgang siehe Deine Aussage.
          Wie meinte doch der Kabarettist Volker Pispers: "Nun müssen alle Opfer bringen (...) und werden zur Kasse gebeten. Es stellt sich nur die Frage, ob man abhebt oder einzahlt."

          Marco

          • Antwort von nach einem Tag hilfreich
            Re^2: Und das Gegenteil sieht so aus

            Hi Marco, Das Gegenteil sieht dann so aus: Je kapitalistischer die
            Marktwirtschaft ist, desto mehr Menschen haben wenig bis
            nichts, während einige im Reichtum ertrinken. Dies hat zur
            Folge, dass die Bürger faul und dumm, oder sagen wir besser:
            unmotiviert sind, da sie sich noch so sehr anstrengen können
            und nicht auf einen grünen Zweig gelangen. So ist es ja auch
            vorgesehen, denn wenn jeder dies schaffen könnte, wäre das
            Vermögen wieder gleichmässiger verteilt. Zum Fortgang siehe
            Deine Aussage.
            Du hast vollkommen recht, das hätte ich der Vollständigkeit halber noch hinzufügen sollen. Ein Fan der Marktwirtschaft ohne "sozial" bin auch nicht. Auf die richtige Menge von "sozial" kommt es an. Leider halten es manche mit der Metzger-Devise: Darf es noch ein bißchen mehr sein? Oder nach Grönemeyer: Genug ist zuwenig.

            Ähnlichkeiten mit der bunten Bundesregierung sind rein zufällig.

            Gruß
            Christian

            • Antwort von nach einem Tag hilfreich
              Re^3: Und das Gegenteil sieht so aus

              Hallo Christian! Ähnlichkeiten mit der bunten Bundesregierung sind rein
              zufällig.
              Du weisst ja wahrscheinlich inzwischen, dass ich keiner Regierung wirklich etwas zutraue. Solange sich an den Strukturen der nur scheinbaren Demokratie nichts ändert, wird es vergeblich sein, sich überhauopt irgend etwas Vernünftiges zu erhoffen.
              Mal wieder ein kleiner Hinweis auf, neben Noam Chomsky, meinen zweiten "Favoriten", den Parteienkritiker Prof. Hans Herbert von Arnim. Das sind für mich wirkliche Demokraten, nur leider haben sie den "Fehler", die Situationen beim Namen zu nennen: http://www.jungefreiheit.de/archiv00/150yy11.htm

              Marco

        • Antwort von nach einem Tag hilfreich
          Re: Frag doch mal,

          Noch Fragen?

          Ja :-)
          Glaubst du die Firmen und Lobbyistengruppen, die den Wahlkampf von Bush teilweise mit Millionen(!)beträgen finanziert haben, haben das gemacht, weil sie sonst nicht wissen, wohin mit ihrem Geld ?
          Nene, die sitzen jetzt alle da und erwarten (vermutlich auch nicht vergeblich), dass sich ihre Investition jetzt auszahlt.

          Marktwirtschaft hin oder her, aber wir wollen doch jetzt nicht den Naivling spielen, oder ? *g*

          Gruss
          Marion

          • Antwort von nach einem Tag hilfreich
            Re^2: Frag doch mal,

            Hallöli,

            natürlich bin ich mir über die Lobbyisten und deren Vorstellungen und Bedeutung im klaren. Dennoch habe deutlich mehr Bedenken was die Berater angeht: Beratern vertraut man. Die Ziele von Lobbyisten kennt man, bei Beratern glaubt man, sie wollten immer nur das beste. Ich weiß nicht, ob Bush mit der möglichen subtilen Beeinflussung durch seine Berater umgehen kann, aber auch ein Bush weiß, daß seine Spender und die Lobbyisten ihre eigenen Ziele verfolgen.

            Gruß
            Christian



            Glaubst du die Firmen und Lobbyistengruppen, die den Wahlkampf
            von Bush teilweise mit Millionen(!)beträgen finanziert haben,
            haben das gemacht, weil sie sonst nicht wissen, wohin mit
            ihrem Geld ?
            Nene, die sitzen jetzt alle da und erwarten (vermutlich auch
            nicht vergeblich), dass sich ihre Investition jetzt
            auszahlt.

            Marktwirtschaft hin oder her, aber wir wollen doch jetzt nicht
            den Naivling spielen, oder ? *g*

            Gruss
            Marion

            • Antwort von nach einem Tag hilfreich
              Re^3: Frag doch mal,

              Hallo Christian natürlich bin ich mir über die Lobbyisten und deren
              Vorstellungen und Bedeutung im klaren. Dennoch habe deutlich
              mehr Bedenken was die Berater angeht: Beratern vertraut man.
              Tja, das ist halt das Problem, wenn man selbst nicht viel auf der Pfanne hat, dann MUSS man Beratern vertrauen. Aber was solls, jede Demokratie kriegt die Regierung, die sie verdient hat :-)

              Gruss
              Marion



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