Der perfekte Teilchenbeschleuniger

Von: , Frage gestellt am Di, 6. Feb 2001

Man hat ja folgendes Problem bei Teilchenbeschleunigern:
Man muß die Teilchen ja irgendwie kontrollieren, daher verwendet man geladene Teilchen in Verbindung mit Elektromagnetismus um sie zu fokussieren und auf eine Bahn zu lenken. Dummerweise geht dabei bekanntermaßen Energie in Form von Synchronotonstrahlung verloren. Dadurch stößt man inzwischen an Grenzen bei der Umsetzung von immer leistungsfähigeren Beschleunigern.

Folgende rein theoretische Annahme: Wäre man in der Lage, beliebig Gravitationsfelder mit einer Art "Graviton - Spule" zu erzeugen, könnte man dann nicht einfach neutrale Teilchen nehmen ( z.B. Neutronen - sind immerhin nach außen neutral ) und diese auf Kreisbahn ohne EM zu beschleunigen? Diese Teilchen bekommen zwar eine Bahnbeschleunigung, die fehlende Ladung führt aber dazu, daß kein Energieverlust durch Strahlung entsteht, oder?

Florian

29 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 16 Minuten hilfreich
    Gravitationswellen


    Folgende rein theoretische Annahme: Wäre man in der Lage,
    beliebig Gravitationsfelder mit einer Art "Graviton - Spule"
    zu erzeugen, könnte man dann nicht einfach neutrale Teilchen
    nehmen ( z.B. Neutronen - sind immerhin nach außen neutral )
    und diese auf Kreisbahn ohne EM zu beschleunigen? Diese
    Teilchen bekommen zwar eine Bahnbeschleunigung, die fehlende
    Ladung führt aber dazu, daß kein Energieverlust durch
    Strahlung entsteht, oder?

    Durch Synchrotronstrahlung entst"unde in der Tat kein Energieverlust, wohl aber durch Gravitationswellen. Dass das so ist, wurde bereits beobachtet - und zwar anhand von umeinander kreisenden Pulsaren (der erste Doppelpulsar, an dem die Abnahme der Periode beobachtet werden konnte, war PSR 1913+16). Diese verlieren n"amlich Energie (in Form von Gravitiationswellen), wodurch sich die Umlaufperiode "andert (sie wird gr"osser - -dOmega/dt ~ Omega^5).
    Also, so wie elektrisch geladene Teilchen auf Kreisbahnen Energie in Form von EM-Wellen verlieren, verliert Masse auf Kreisbahnen Energie in Form von Gravitationswellen.

    • Antwort von nach 8 Stunden hilfreich
      Re: Gravitationswellen

      Durch Synchrotronstrahlung entst"unde in der Tat kein
      Energieverlust, wohl aber durch Gravitationswellen. Dass das
      so ist, wurde bereits beobachtet - und zwar anhand von
      umeinander kreisenden Pulsaren (der erste Doppelpulsar, an dem
      die Abnahme der Periode beobachtet werden konnte, war PSR
      1913+16). Diese verlieren n"amlich Energie (in Form von
      Gravitiationswellen), wodurch sich die Umlaufperiode "andert
      (sie wird gr"osser - -dOmega/dt ~ Omega^5).
      Hm, habe ich das jetzt richtig verstanden ? Die Periodendauer wird kleiner, oder ?

      Woher weiss man eigentlich daß dieser Effekt durch Abstrahlung von Gravitationswellen entsteht ? Die Gezeitenkräfte könnten doch auch erhebliche Energieverluste verursachen.

      fragt sich Jörg

      • Antwort von nach 18 Stunden hilfreich
        Re^2: Gravitationswellen

        Hm, habe ich das jetzt richtig verstanden ? Die Periodendauer
        wird kleiner, oder ?

        Woher weiss man eigentlich daß dieser Effekt durch Abstrahlung
        von Gravitationswellen entsteht ? Die Gezeitenkräfte könnten
        doch auch erhebliche Energieverluste verursachen.

        Die Pulsare ruecken enger zusammen und vereinigen sich
        schliesslich. Bei diesem Knall (um Groessenordnungen groesser
        als eine Supernova), so meinen einige Modelle, werden die
        ueber ein viertel Jahrhundert raetselhaften Gamma-Ray-Burst
        freigesetzt.
        Warum nicht Gezeiten? Ich denke, es liegt daran, dass die
        bei Binaerpulsaren gemessenen Periodenaenderungen genau dem
        entsprechen, die durch die allgemeine Relativitaetstheorie
        infolge von Gravitationswellenstrahlung vorausgesagt wird.
        Mit anderen Worten, das Modell der Gravitationswellen beschreibt
        den beobachteten Effekt besser als die Gezeitenwechselwirkung.

        MEB

        • Antwort von nach einem Tag hilfreich
          Re^3: Gravitationswellen


          Die Pulsare ruecken enger zusammen und vereinigen sich
          schliesslich. Bei diesem Knall (um Groessenordnungen groesser
          als eine Supernova), so meinen einige Modelle, werden die
          ueber ein viertel Jahrhundert raetselhaften Gamma-Ray-Burst
          freigesetzt.
          Wieso eigentlich mit einem Knall ? Wo kommt denn da plötzlich so viel Energie her ? Warum nicht Gezeiten? Ich denke, es liegt daran, dass die
          bei Binaerpulsaren gemessenen Periodenaenderungen genau dem
          entsprechen, die durch die allgemeine Relativitaetstheorie
          infolge von Gravitationswellenstrahlung vorausgesagt wird.
          Mit anderen Worten, das Modell der Gravitationswellen
          beschreibt
          den beobachteten Effekt besser als die Gezeitenwechselwirkung.

          Kann man daraus umgekehrt schließen, daß die Gezeitenkräfte keine Rolle spielen oder daß sie so stark sind, daß sich bereits eine orbitale Resonanz eingestellt hat ?

          • Antwort von nach einem Tag hilfreich
            Re^4: Gravitationswellen

            Die Pulsare ruecken enger zusammen und vereinigen sich
            schliesslich. Bei diesem Knall (um Groessenordnungen groesser
            als eine Supernova), so meinen einige Modelle, werden die
            ueber ein viertel Jahrhundert raetselhaften Gamma-Ray-Burst
            freigesetzt.
            Wieso eigentlich mit einem Knall ? Wo kommt denn da plötzlich
            so viel Energie her ?

            Pulsare (Neutronensterne) koennen nur bis zu einer oberen
            Massengrenze existieren. Die Lage dieser Grenze (2-5
            Sonnenmassen) haengt davon ab, mit welchem Modell man das
            entartete Neutronengas eines solchen Sterns beschreibt
            (Zustandsgleichungen).
            Saugt ein Neutronenstern Materie und erhoeht damit seine Masse,
            dann kommt irgendwann der Punkt des Ueberschreitens der Massen-
            grenze. Eine Vereinigung zweier Neutronensterne ist ein sehr
            abruptes Erhoehen der Massenkonzentration. Es erfolgt ein
            Gravitationskollaps, der mit der Bildung eines Schwarzen Loches
            endet. Die Energie wird durch die Gravitation "geliefert".
            Das heisst auch, dass die Masse des Gesamtsystems nicht gleich
            der Massensumme der Einzelkomponenten sein wird. Die Massen-
            differenz wird gemaess E=mc^2 in den Raum "geblasen". Und
            es handelt sich hier um Betraege, die mit der Masse der Sonne
            vergleichbar sind.

            MEB

            • Antwort von nach einem Tag hilfreich
              Re^5: Gravitationswellen

              Die Pulsare ruecken enger zusammen und vereinigen sich
              schliesslich. Bei diesem Knall (um Groessenordnungen groesser
              als eine Supernova), so meinen einige Modelle, werden die
              ueber ein viertel Jahrhundert raetselhaften Gamma-Ray-Burst
              freigesetzt.
              Wieso eigentlich mit einem Knall ? Wo kommt denn da plötzlich
              so viel Energie her ?

              Pulsare (Neutronensterne) koennen nur bis zu einer oberen
              Massengrenze existieren. Die Lage dieser Grenze (2-5
              Sonnenmassen) haengt davon ab, mit welchem Modell man das
              entartete Neutronengas eines solchen Sterns beschreibt
              (Zustandsgleichungen).
              Saugt ein Neutronenstern Materie und erhoeht damit seine
              Masse,
              dann kommt irgendwann der Punkt des Ueberschreitens der
              Massen-
              grenze. Eine Vereinigung zweier Neutronensterne ist ein sehr
              abruptes Erhoehen der Massenkonzentration. Es erfolgt ein
              Gravitationskollaps, der mit der Bildung eines Schwarzen
              Loches
              endet. Die Energie wird durch die Gravitation "geliefert".
              Das heisst auch, dass die Masse des Gesamtsystems nicht gleich
              der Massensumme der Einzelkomponenten sein wird. Die Massen-
              differenz wird gemaess E=mc^2 in den Raum "geblasen". Und
              es handelt sich hier um Betraege, die mit der Masse der Sonne
              vergleichbar sind.

              Das Problem ist nur, warum das so plötzlich passieren soll. Immerhin wirken ja auch erhebliche Fliehkräfte, die den Zusammenprall der Sterne noch bis kurz vor der Vereinigung verhindern. Diese müßten dann ja auch den Gravitationskollaps für lange Zeit hinauszögern. Ich stelle mir das etwa wie eine rotierende Hantel vor, die sich ganz langsam zu einer stark abgeplatteten rotierenden Kugel formt.

              Jörg

            • Antwort von nach einem Tag hilfreich
              Re^6: Gravitationswellen

              Das Problem ist nur, warum das so plötzlich passieren soll.
              Immerhin wirken ja auch erhebliche Fliehkräfte, die den
              Zusammenprall der Sterne noch bis kurz vor der Vereinigung
              verhindern.
              Wenn der Gravitationskollaps einsetz, dann gibt es nichts mehr, was ihn aufhalten kann. Im Schwarzschildradius wirkt die Zentrifugalkraft sogar nach innen. Alles, was sich dann noch außerhalb des Schwarzschildradius befindet rotiert mit nahezu Lichtgewschwindigkeit um das entstehede schwarze Loch herum, wobei die Masse mit hohem Wirkungsgrad in Strahlung umgewandelt wird.

            • Antwort von nach einem Tag hilfreich
              am Rande

              Im Schwarzschildradius wirkt die
              Zentrifugalkraft sogar nach innen.
              Die wirkt auch außerhalb zwischen 1R und 2R bereits nach innen...

          • Antwort von nach einem Tag hilfreich
            Re^4: Gravitationswellen

            Mit anderen Worten, das Modell der Gravitationswellen
            beschreibt
            den beobachteten Effekt besser als die Gezeitenwechselwirkung.

            Kann man daraus umgekehrt schließen, daß die Gezeitenkräfte
            keine Rolle spielen oder daß sie so stark sind, daß sich
            bereits eine orbitale Resonanz eingestellt hat ?
            Ich dachte nicht daran, dass solche Binaerpulsare synchron
            rotieren, pardon. Die Gezeitenbremse wirkt nur, wenn die Rotation
            der Koerper schneller erfolgt als der Umlauf. Dann wirken die
            Gezeiten als Bremse auf die Rotation der Einzelkoerper. Infolge-
            dessen erweitern beide Koerper ihren Abstand zueinander (Dreh-
            impulserhaltung). Bei Binaerpulsaren sind Rotation und Umlauf
            synchronisiert. "In erster Naeherung" kann man also sagen, dass
            es fuer die Gezeiten nichts mehr zu veraendern gibt, sie haben
            ja schon Umlauf und Rotation "gleichgemacht". Bei genauerer
            Rechnung wird aber die Umlaufperiode durch Gravitationswellen-
            abstrahlung verkuerzt. Es entsteht wieder eine kleine Differenz
            zwischen Umlaufperiode und Rotation, die Gezeiten wirken und
            versuchen das auszugleichen. Der Umlauf ist schneller, die
            Rotation wuerde durch die Gezeiten erhoeht werden, infolge
            Drehimpulserhaltung muesste der Abstand wieder wachsen. In dem
            Sinne wirken die Gezeiten der Gravitationswellenabstrahlung
            "entgegen". Ich habe aber keine Vorstellung ueber die Groessen-
            verhaeltnisse beider Effekte. Moeglicherweise ist die Gezeiten-
            wirkung (die ja erst "in zweiter Naeherung" wirksam ist), ver-
            nachlaessigbar klein.

            MEB



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