In den Bluzer rumpeln

Von: , Frage gestellt am Mo, 25. Mär 2002

Meine Familie stammt aus dem Grenzgebiet Oesterreich/Tschechei
und lebte ca. 60 km noerdlich von Wien. In ihrer Sprache gab es
viele Eigentuemlichkeiten. Es war ein oesterreichischer Dialekt,
angereichert mit Vokabeln, die aus dem Tschechischen und wohl
auch dem Jiddischen eingewandert waren.

Eine Formulierung fand ich immer besonders seltsam: Anstelle von
"da waere ich am liebsten in den Erdboden versunken" - wenn
etwas besonders Peinliches geschehen war - sagten sie "Do waa i
am liabstn in' Bluzer grumpelt". Woertlich uebersetzt: "Da waere
ich am liebsten in den Kuerbis (ein-)gefahren".

Dieses Sprachbild kam mir immer geradezu orientalisch vor. Hat
irgend jemand eine Idee, was der Kuerbis mit Peinlichkeiten zu
tun hat? Oder ist er einfach nur annaehernd gross genug, dass
man sich im Peinlichkeitsfall dorthin verkruemeln koennte?

Wenn jemand eine Idee hat, bitte melden!
Schon jetzt schoenen Dank!
Edith

5 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 7 Stunden 0 hilfreich
    'Hupf in an Kirwis un zö:h de Keandl',

    liebe Edith,

    sagt man, so sagte man mir, in Wien, und

    "sunst schöl i di und häng di in d´Sölch!"

    wenn man jemanden sehr deutlich auffordert zu verschwinden. Die Kürbisse scheinen also einen Ort zu bezeichnen, wo man nicht sehr gern ist oder wohin man nicht gern geht.

    Ich habe aber bisher keinen Anhaltspunkt, wie der Kürbis zu einen solchen Image kam.

    Im Märchen wird ja mal ein Kürbis zu einer prachtvollen Kutsche. Wenn die sich um Mitternacht zurück verwandelt, ist man wieder in seinem glanzlosen Alltag als Aschenputtel, über das man sich ja eher schämt.

    Gruß Fritz

    • Antwort von nach 10 Stunden 0 hilfreich
      Übersetzung für unsere nicht-österr. Freunde

      ...dachte ich mir wäre hier vielleicht dann doch notwendig - hallo zusammen, übrigens - der Titel des vorigen Postings meint wörtlich:

      Spring' in einen Kürbis und zähl' die Kerne.

      Und das hier: "sunst schöl i di und häng di in d´Sölch!"
      heißt so viel wie "Sonst schäle ich Dich und hänge Dich in die Selche (Räucherkammer)"

      Gruß,

      TheBeast

    • Antwort von nach 19 Stunden 0 hilfreich
      Kuerbis mit Image-Problem

      Vielen Dank, Fritz, und auch dir, The Beast.

      Tja, offenbar hat der arme Kuerbis in dieser Region ein echtes
      Image-Problem. Wenn sich auch keiner von uns hier einen
      einleuchtenden Grund dafuer vorstellen kann. ;-)

      LG
      Edith

  2. Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
    Re: In den Bluzer rumpeln

    Hi Edith,

    hier in Wien ist ein Bluzer (oder Plutzer) eine Bezeichnung für runde, voluminöse Dinge. Zum Beispiel: (großer) Kopf, bauchiger Krug (die beiden kenn ich).
    Aber natürlich kann das vom Kübis, der ja auch groß und rund ist kommen.
    Vielleicht heiß das aber dann "im Krug versinken" oder ähnlich.

    LG
    Stefan

    • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
      Re^2: In den Bluzer rumpeln

      Hallo Stefan,

      ich hab's immer so verstanden, dass zumindest in der Region
      meiner Eltern der "Bluzer" - wie auch immer er sich schreibt -
      in der Erstbedeutung ein Kuerbis war. Im uebertragenen Sinne
      wurde der Ausdruck natuerlich auch weidlich gebraucht - fuer
      einen dicken Menschen und vieles, was rund, ggf. hohl und
      ziemlich voluminoes war. So wie du es beschrieben hast.

      Vermutlich kam der Spruch wirklich so zustande, dass ein
      "Bluzer" ... ein grosser Hohlraum ... eben ein geeigneter Ort
      zum Verstecken schien, wenn's peinlich wurde.

      LG
      Edith

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