Re: Was bedeutet 'knitz'?
Lieber Christopher,
"knitz" - entstanden aus "keinnützig" - bedeutet so viel, dass ich es vorziehe, den Artikel aus dem Schwäbischen Handwörterbuch zu zitieren. Sollte es Nachfragen geben, nur zu!
knitz
kein-nütz(ig) Adj.: nichtsnutzig, schlecht, bös u.ä.; verstärkt boden-,
A. Form [hier kommen phonetische Varianten; diese phonetischen Zeichen kann mein PC nicht darstellen.]
B. Gebrauch. 1. physisch.
a. allgem.: untauglich, schlecht. Bes. von Gegenständen, die durch Alter, Krankheit o. a. untauglich geworden sind: verdorben, faul u. ä. Ein Baum, Balken, Brett, Strick, Kleiderstoff udgl. ist knitz.
Übtr.: K-er Strick abgeschlagener Mensch. Ebenso sind Äpfel, Birnen udgl. knitz, faul, fleckig; Nüsse, Bucheln udgl. sind knitz, taub.
Insbes. heißen die Kartoffeln knitz, infolge Regens oder der Kartoffelkrankheit verdorben. Fleisch ist knitz: wässerig, krank, verdorben. Auch eine schlechtbereitete Speise kann knitz heißen. Ebenso schlechtes, verdorbenes Getränke.
b. Geld ist knitz, gefälscht oder abgeschätzt.
c. von mangelhafter Gesundheit.
ca. obj. und habituell. Ein Mensch (auch ein Stück Vieh) ist knitz, inwendig knitz, ganz knitz: nicht an einer akuten Krankheit leidend, aber an einem schleichenden, unheilbaren Übel, z. B. Tuberkulose (knitz auf der Brust), Nierenleiden o. ä. In dieser Bedeutung nur knütz(ig), auch im Speziellen Sinn ist knütz (so überall) gebraucht von den Schafen, die die Leberegelkrankheit haben.
cb. mehr subjektiv. Es ist mir keinz(ig) S., keinzelig, knütz: es ist mir unwohl, insbes. von Übelkeit, Brechreiz. Arzneien, Speisen, Getränke sind knitz (verschiedene Formen) schmecken schlecht, sind einem zuwider.
2. moralisch, von Menschen und menschlichen Handlungen.
a. streng tadelnd: nichtsnutzig, schlecht, verdorben. Knitzer Strick; so knitz (knitzer) als Galgenholz o. ä. - Öfters sind speziellere Übersetzungen möglich. Boshaft, bösartig, heimtückisch, hinterlistig, träge, verdrießlich, unartig, unfolgsam, leichtfertig.
Speziell: verdorben, leichtfertig in geschlechtlicher Beziehung. Ein knitzes Mensch Mädchen), Geschwätz. In allen solchen Fällen genügt aber der Begriff "nichtsnutz", "nichtswürdig".
b. wie boshaft, schalkhaft u. a. ist auch knitz in milderem, kaum oder gar nicht tadelndem Sinn gebraucht: neckisch, mutwillig, spaßhaft. Besonders vom Blick. Die macht knütze/knitze Augen (Äuglein); hat ein knützes/knitzes Paar Augen im Kopf u. ä.
Vor allem in der letzten Bedeutung (b) kann es von einem Menschen gesagt werden, der moralisch wenig wählerisch ist, um sein Ziel zu errichen, der dabei aber gewissen Humor oder Spaß einsetzt und so auch die oft neidische Achtung seiner Mitmenschen gewinnt.
Fritz