hochdeutsch-dialekt usw.

Von: , Frage gestellt am Do, 18. Dez 2003

hallo,

welche frage mich "beschäftigt":

z.b. "München" ist "München" für die Münchner und Hochdeutsch sprechenden allgemein.

Für die ländliche Bevölkerung Oberbayerns ist München "Minga".
Hat sich dieser Ausdruck entwickelt, oder ist es einfach nur die verkürzte schlampige Version?

Wiederrum ist München für die englisch sprechenden "Munich"
Augsburg bleibt Augsburg, Nordrhein-Westfalen wird zu "Nortrhine-...."
Aber wie zum Teufel kommen die Engländer z.B auf "Munich" ???

Genau diesselbe Frage wäre es, wie wir deutschen auf manche Namen und Bezeichnungen kommen, obwohl der Original-Name im jeweiligen Land sich stark von "unserer" Bezeichnung entfernt??

Viele Grüße


Rasta

13 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 58 Minuten 1 hilfreich
    Re: Eigennamen 'übersetzt'

    Servus Rasta,

    Vorschlag hierzu:

    Entwicklung eigener Namen betreffend Orte, die in einer anderssprachigen Gegend liegen, abhängig von (a) Häufigkeit des Gebrauchs, (b) getrennter Entwicklung von gemeinsamer - in der Regel lateinischer - Quelle (c) Grad der Schwierigkeit, den autochthonen Namen auszusprechen.

    Zu (a): Deutsch Genf, Mailand, Florenz, Nanzig (letzteres allerdings großdeutsch-artifiziell), Prag, Moskau. Hier würde Minga reingehören (wird das in der Stadt schon immer nicht gebraucht, oder ist das eine neue Entwicklung?). Zu (b) Französisch Aix-la-Chapelle (Aachen), Cologne (Köln), Ratisbonne (Regensburg), Trèves (Trier), Rhénanie-Palatinat (RHP). Zu (c) Japanisch Kobelesi (Koblenz), Französisch Habsbourg, (nicht: Ravensbourg, weshalb ich hie und da in Ravensburg Franzosen gesehen habe, die es nicht schön fanden, dass es dort keine KZ-Gedenkstätte gibt, aber auch nicht extra bis Ravensbrück weiterfahren wollten), Sarreguemines. Hier würde "Northrhine-" hingehören.

    Dieses sind mögliche Wege der Entwicklung, die aber keine Gegenprobe ertragen, im Sinn der Frage: "Warum in diesem Fall ja, in jenem Fall nicht?"

    Schöne Grüße



    MM

    • Antwort von nach einer Stunde 1 hilfreich
      Re^2: Eigennamen 'übersetzt'

      Hallo Martin, (b) getrennter Entwicklung von gemeinsamer - in
      der Regel lateinischer - Quelle
      Zu (b)
      [...] Ratisbonne (Regensburg),
      Zumindest für den Spezialfall Regensburg muss ich dir widersprechen.
      Da gibt es bereits seit dem Altertum mindestens zwei parallele Ortsnamen:
      keltisch "Radaspona" und
      lateinisch "Castra Regina"
      Der deutsche Name "Regensburg" hingegen leitet sich wohl eher vom Fluß "Regen" ab, der dort in die Donau mündet.

      http://www.uni-regensburg.de/Universitaet/RUZ/archiv...

      Grüße
      Wolfgang

      • Antwort von nach 2 Stunden 1 hilfreich
        Re^3: Eigennamen 'übersetzt'

        Hallo Wolfgang,

        schönen Dank für den Link mit der systematischen Darstellung der Namen von Dorf und Lager. Damit haben wir den in Castra Regina latinisierten möglicherweise vor-keltischen Regen im deutschen Regensburg, und das keltische Ratisbona ausgerechnet bei den heutigen Romanen im Spanischen, Italienischen und Französischen erhalten.

        Also keine gemeinsame Quelle, und umso kurioser der Bezug der Ratisbona-Namen auf die keltische Siedlung und des deutschen Regensburg auf das Legionslager daneben: "International" das Lager weniger bedeutend als die Siedlung?

        Ich frage mich, ob es parallele Fälle gibt. Kann das mit örtlichen Gegebenheiten zu tun haben, etwa die mittelalterliche Siedlung nicht wie "üblich" am Standort des Lagers weitergeführt? Wie liegt das Lager C. Regina im Verhältnis zur mittelalterlichen Stadt?

        Schöne Grüße


        MM

        • Antwort von nach 3 Stunden 1 hilfreich
          Re^4: Eigennamen 'übersetzt'

          Hallo, Wie liegt das Lager C. Regina im
          Verhältnis zur mittelalterlichen Stadt?

          Hier gibts mal eine kurze Zeittafel:
          http://www.regensburg.de/tourismus/stadtinfos/zeitta...

          Neben dem Legionslager, gab es vorher schon ein Kohorten-Kastell. Die mittelalterliche Stadt umfasst das Legionslager, ein Teil der Umfassungsmauern des Lagers fungierten auch als Stadtmauer. Heute noch wird die ursprüngliche "Porta Praetoria" als Tor zur Gaststätte "Bischofshof" genutzt.

          Hier kann man ein Luftbild sehen:
          http://www.uni-regensburg.de/Fakultaeten/phil_Fak_II...

          -rechts auf "Römer" klicken
          -mit der Maus über das Bild fahren und klicken

          gerhard

      • Antwort von nach einem Tag 1 hilfreich
        Re^3: Eigennamen 'übersetzt'


        Hallo Wolfgang. Zumindest für den Spezialfall Regensburg muss ich dir
        widersprechen.
        Da gibt es bereits seit dem Altertum mindestens zwei parallele
        Ortsnamen:
        keltisch "Radaspona" und
        lateinisch "Castra Regina"
        Der deutsche Name "Regensburg" hingegen leitet sich wohl eher
        vom Fluß "Regen" ab, der dort in die Donau mündet.

        Auch nicht außer Acht lassen sollte man, daß Regensburg im frühen Mittelalter Hauptstadt des agilolfingischen Baierns war und als 'civitas regia' in der Historiographie verzeichnet ist, weil von hier aus u.a. Karl der Große, Ludwig der Deutsche und Arnulf von Kärnten ihre Regierungsaktivitäten besorgten ( gegen Awaren, Pannonier Böhmen und Mähren). 'Regia' bezieht sich hier bestimmt nicht auf das Flüßchen 'Regen'.
        Mit freundlichen Grüßen
        Alexander Berresheim

    • Antwort von nach 3 Stunden 1 hilfreich
      Re^2: Eigennamen 'übersetzt'

      Tachchen Martin,
      Deine Beispiele zu c) leuchten mir noch nicht so ganz ein:
      Zu (c) Japanisch Kobelesi (Koblenz),
      Bist Du da sicher? Eigentlich müßte das "Koburentsu" sein... Französisch
      Habsbourg,
      Das ist doch kein anderer Name, weil das Original nicht aussprechbar ist, sondern nur eine Adaptation des Schriftbildes an die französische Orthographie, unter möglichst getreuer Beibehaltung der Aussprache.

      Ansonsten finde ich Deinen Ansatz allerdings recht vielversprechend.

      Grüße Kubi

      • Antwort von nach 3 Stunden 1 hilfreich
        Re^3: Eigennamen 'übersetzt'

        Hallo Kubi Zu (c) Japanisch Kobelesi (Koblenz),
        Bist Du da sicher? Eigentlich müßte das "Koburentsu" sein...
        Ob dieses eine "offizielle" Version ist, oder nur von einem Reiseführer verwendet wird, um sich dem Klang von Koblenz möglichst weit anzunähern, weiß ich nicht zu sagen. Gehört habe ich ihn mehrfach, wenn Touristen im Frankfurt-Mainzer Eilzug wissen wollten, ob sie da richtig sind "Richtung Loreley". Beim zweiten Mal hab ich dann gewusst, wer oder was damit gemeint ist. Französisch
        Habsbourg,
        Das ist doch kein anderer Name, weil das Original nicht
        aussprechbar ist, sondern nur eine Adaptation des
        Schriftbildes an die französische Orthographie, unter
        möglichst getreuer Beibehaltung der Aussprache.
        Ja, hier gehts natürlich los mit der Differenzierung: Wo fängt die Änderung an? Analog wäre im Deutschen Pari, Budapescht, Edinbera (oder so ähnlich) - sind diese Namen jetzt die gleichen (weil phonetisch angepasst) oder andere (weil schriftlich anders als das Original)?

        Für -bourg entspricht die Schreibweise dem französischen Wort "Flecken, Ortschaft, Dorf", das zwar sprachlich mit -burg identisch, aber in der Bedeutung geringfügig verschoben ist. Vom Fort in den bourg hinuntergehen wie Brels Kommandant Zangra kann man auf Deutsch nicht ;-).

        Schöne Grüße



        MM

        • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
          Re^4: Eigennamen 'übersetzt'

          Hallo Martin, Zu (c) Japanisch Kobelesi (Koblenz),
          Bist Du da sicher? Eigentlich müßte das "Koburentsu" sein...
          Ob dieses eine "offizielle" Version ist, oder nur von einem
          Reiseführer verwendet wird, um sich dem Klang von Koblenz
          möglichst weit anzunähern, weiß ich nicht zu sagen. Gehört
          habe ich ihn mehrfach, wenn Touristen im Frankfurt-Mainzer
          Eilzug wissen wollten, ob sie da richtig sind "Richtung
          Loreley".
          Hmm...hast Du das jetzt so gelesen oder gehört? Was mich irritiert, ist, daß es ein "l" in der japanischen Transkription nicht gibt, der Laut wird als "r" transkribiert. Andererseits gibt es die Aussprache "si" im Japanischen nicht, das wäre dort "schi". Von daher bin ich jetzt ein bißchen irritiert... Französisch
          Habsbourg,
          Ja, hier gehts natürlich los mit der Differenzierung: Wo fängt
          die Änderung an? Analog wäre im Deutschen Pari, Budapescht,
          Edinbera (oder so ähnlich) - sind diese Namen jetzt die
          gleichen (weil phonetisch angepasst) oder andere (weil
          schriftlich anders als das Original)?
          Gure Frage. Die taucht besonders auf bei der Transkription von Sprachen mit anderen Schriftsystemen (siehe oben). Ist es nun korrekter, die Aussprache oder die Graphie zu übernehmen? Stichwort "Jelzin" oder "Eltsin". Ich denke, das kann man nicht entscheiden.
          Vom Fort in den bourg hinuntergehen wie Brels Kommandant
          Zangra kann man auf Deutsch nicht ;-).
          Schon klar :-)

          Gruß Kubi

          • Antwort von nach 4 Tagen 1 hilfreich
            Re^5: Eigennamen 'übersetzt'

            Hallo nochmal, Zu (c) Japanisch Kobelesi (Koblenz),
            Bist Du da sicher? Eigentlich müßte das "Koburentsu" sein...
            Ob dieses eine "offizielle" Version ist, oder nur von einem
            Reiseführer verwendet wird, um sich dem Klang von Koblenz
            möglichst weit anzunähern, weiß ich nicht zu sagen. Gehört
            habe ich ihn mehrfach, wenn Touristen im Frankfurt-Mainzer
            Eilzug wissen wollten, ob sie da richtig sind "Richtung
            Loreley".
            Hmm...hast Du das jetzt so gelesen oder gehört?
            Es klang so, gesehen (in welcher Umschrift auch immer) hab ichs nicht: Kann also nicht sagen, ob dahinter möglicherweise etwas stand, was den Versuchen von deutschen Führern entspricht, ihren Lesern das tschechische "r-Hadjek" nahezubringen.

            Schöne Grüße



            MM



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