'Loodsch' und 'rean'

Von: , Frage gestellt am So, 28. Dez 2003

hallo zusammen,

die anja hat mich draufgebracht mit ihrer "schiachn" frage :-)

wie ich vielleicht schon mal erwähnt habe bin ich gebürtige chiemgauerin; "bei uns" sind die beiden begriffe in der überschrift sehr gängig.

zur erklärung:

ein "Loodsch" (ich habe keine ahnung, wie ich das schreiben soll; ich hab es auch noch nie geschrieben!) ist ein depp, ein idiot, ein trottel; allerdings KANN es auch *fast* liebevoll gebraucht werden, eher in der bedeutung von "du dummerchen", dann aber immer(?) in wendungen wie "mei, du bist a so a loodsch...)

"rean" könnte evtl. von "greinen" kommen. auf alle fälle bedeutet es "weinen":
mia rearn z.b. auf beerdigungen... also echtes weinen!

"trenzn" auf der anderen seite ist eher abfällig: "trenz ned umanand!" (-> stell dich nicht so an!)

hmm... etwas wirr das ganze, muß ich feststellen :-)

meine frage geht vor allem an die österreicher:
kennt ihr diese wörter? und wenn ja, ist die bedeutung die gleiche?

meiner erfahrung nach können bereits münchner - ja, es gibt solche, die bairisch sprechen, äääh, verstehen ;-) - damit überhaupt nichts anfangen. die inzeller hingegen, die ja einen ganz eigenen dialekt sprechen, kennen das auch.

also nochmal: benutzt jemand diese wörter?
und: grade bei "loodsch" würde mich die herkunft interessieren.

danke
und sorry wegen des geschwafels :-)
und herzliche grüße,
miranda

34 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 33 Minuten 5 hilfreich
    Re: 'Loodsch' und 'rean'

    Hallo, Miranda, ein "Loodsch" [...] ist ein depp, ein
    möglicherweise leitet sich das von "Latsche" ab, was als "nachlässig gehender, ungeschickter Mensch " im dtv-Ethymologischen Wb steht. mit einem Hinweis auf Goethe "mit latschen Füßen" "rean" könnte evtl. von "greinen" kommen. auf alle fälle
    bedeutet es "weinen":
    obwohl "röhren" wohl näher kommt (ahd "reren" (8.Jh.)auch die Bedeutungen "brüllen, schreien, heulen, klagen" sind aufgeführt. "trenzn" auf der anderen seite ist eher abfällig: "trenz ned
    umanand!" (-> stell dich nicht so an!)
    Dazu vielleicht als Vorschlag "tränen" (mhd "trehenen" = weinen) hmm... etwas wirr das ganze, muß ich feststellen :-)
    Gar nicht so wirr :)
    Die drei Worte sind durchaus bekannt.

    Grüße
    Eckard.

      • Antwort von nach einer Stunde 1 hilfreich
        Re: Boooh! 1 in Worten eine Minute! (owT)

        Naja, mein Lieber,
        man muss ja Fuchs und Hase zugleich sein, um in diesen :FR-verseuchten Brettern noch das eine oder andere Sternchen abstauben zu können :)
        Grüße
        Eckard.

        • Antwort von nach einer Stunde 1 hilfreich
          Abstauben!

          Naja, mein Lieber! man muss ja Fuchs und Hase zugleich sein, um in diesen
          FR-verseuchten Brettern noch das eine oder andere Sternchen
          abstauben zu können :)
          Diesmal ist das Verhältnis 0:2 zu deinen Gunsten! ;-)

          Gruß Fritz

  2. Antwort von nach 34 Minuten 2 hilfreich
    Re: 'Loodsch' und 'rean'

    hallo, Miranda,

    im bayrischen Wörterbuch ist der "Loodsch" nicht zu finden, im österreichischen schon. Dort wird er "Latsch" geschrieben mit einen o über dem a.

    Als Bedeutung wird gutmütiger, meist ausgenützter Trottel angegeben.

    Dabei stehen noch latschen = schleppend, langsam gehen. Und in einer Klammer steht: daher vielleicht Latsch.

    Und dann gibt es noch lätschert = schlapp, welk, lommelig. "rean" könnte evtl. von "greinen" kommen. auf alle fälle
    bedeutet es "weinen":
    rearn / rern / röhren gehen zurück auf ein mhd "rêren" = blöken, so wie es die Schafe, aber auch die Hirsche tun.

    "trenzn / trensn" kann ebenfalls weinen bedeuten, aber so ein trieliges, friefiges Rotz und Wasser runterlaufenlassendes; auch die Bedeutung "sabbern" ist möglich. meine frage geht vor allem an die österreicher:
    Wieso die? Frag doch gleich mich! ;-)

    Gruß Fritz

    • Antwort von nach 53 Minuten 1 hilfreich
      Re^2: 'Loodsch' und 'rean'

      hi fritz,


      (lätschert ist mir durchaus geläufig: fad, langsam, unflexibel...) aber das nur am rande :-) Wieso die? Frag doch gleich mich! ;-)
      *lol*
      ich wußte nicht, daß du grad da bist!
      in diesem fall hätte ich mit "hallo fritz, bitte hilfe!" überschrieben ;-)

      m.

    • Antwort von nach einer Stunde 3 hilfreich
      Schaut in den Grimm!

      Liebe Dialektler, lieber MOD-Fritz,
      i tat sågn, das Grimmsche DWB khearat in der Brettbeschreibung gånz
      obm hi!

      Ich hab darin schon sehr viele Erklärungen für Dialektwörter gefunden ("Dialektgoogle"), das hierher Kopierte ist nur ein Teil dessen, was zu "rehren" angeführt ist.
      "Rean" wird bei uns ausschließlich für 'weinen' verwendet (neben noch einigen anderen Ausdrücken dafür, je nach der Art des Weinens: schnupfetzn, bleggetzn, blehn ); das Wort 'weinen' gibt es in unserem Dialekt nicht.
      A 'Reabeidl' ist ein Mensch, der leicht weint, aus welchen Gründen auch immer...
      Den 'Låtsch' gibt's auch: a guater L. = ein gutmütiger (aber nicht dummer) Mann.

      Soviel aus dem Salzburger Land!
      Helene

      Grimm:
      REHREN, verb. brüllen, blöken, schreien; ein im westgermanischen verbreitetes wort, ahd. rêrên : rêrêntes balantis (hoedi) GRAFF 2, 533, mhd. rêren; ags. rârigean, mittelengl. rârin, neuengl. roar; nl. reeren, boare, mugire, et clamare instar cervi cervam appetentis KILIAN; die mnd. form ist raren SCHILLER-LÜBBEN 3, 422b, vergl. dazu rahren oben sp. 71, neund. rären WOESTE 211a, ostfries. reren, rären, seltener raren TEN DOORNKAAT-KOOLMAN 3, 32b. das wort mit der reduplication in seinem stamme ist wol nur intensiv lautmalend, vergleiche mit urverwanten wörtern bleiben ausgeschlossen. rehren gilt (mit der nebenform röhren, s. d.) zunächst vom thiergeschrei, vom esel, hirsch, rind, ziege, vgl. WACKERNAGEL voces var. anim. 61--68, von der gans 50; bair. rêren, schreien wie das rind SCHM. 3, 132 Fromm.; ebenso rearen in Tirol, aber auch vom hunde: toatnrearer sind heulende hunde, die baldigen tod anzeigen durch ihr rearn. SCHÖPF 549; baslerisch räre, knurren, von der zornigen katze. SEILER 235a; vom geschrei des groszviehs allgemein, in einer reimformel: daz man dem gotzhus sol geben ze val daz best houpt, das er het im hus. und were daz er nit bessers hetti da noch anderswa, weder blerents (blökendes) noch rerentz (brüllendes), so sol er gen 1 schilling pfenning. weisth. 4, 499 (St. Blasien, von 1373); und von thieren überhaupt:

      sô gêt daz vihe uf dem velde,
      daz tier ûz dem walde,
      vil loute si rêrent,
      sô si zesamen chêrent,
      mit loutem geschreie.
      fundgr. 1, 199, 7;


      vom weinen der frauen oder kinder schon ags.: seó dreórige môdor þâ ... rârigende hî astrehte ät þäs hâlgan apostoles fôtum. ÄLFRIC homil. 1, 66; im niederdeutschen in derber rede, aber ohne verächtlichen beisinn: he rerd as 'n ketelbeter, he rêrde ût fan pîn u. ähnl. TEN DOORNKAAT - KOOLMAN a. a. o.; westfäl. roeren, weinen, von kindern (sonst blöken, brüllen vom ochsen, schreien vom esel). WOESTE; schweiz. räre im zorn rauh krächzend, gurgelnd sprechen; schreien, kreischen, mit rauher stimme reden. SEILER; sonst, namentlich im bair. sprachgebiete mit dem nebenbegriff des kindischen oder feigen, daher tirol. der rearer, mensch der immer weint, schimpf gegen verzagte, mutlose. SCHÖPF a. a. o.; in Kärnten von heulenden kindern:

      rearen und lachen
      geat zamm in an kachel.
      kinderreim bei LEXER 207;

      endlich auch von dingen, knirschen, kreischen: denn wenn der pucks (der bock, wodurch die mühlstange geht) rehret, so ist er nicht verkeilet, rehret er aber nicht, so ist er wohl verkeilet. COLERUS hausb. (1640) 15; der rehrende stein ist bös zu schneiden. hausapoth. 199; in der Heanzen-mundart di tiar guikitzt oder rêrt, die thüre knarrt. FROMM. 6, 182; schweiz. rere, die schnarre, die in der heiligen woche statt der glocken in katholischen gegenden gebraucht wird, in bewegung setzen. HUNZIKER 204; rärren, rerren STALDER 2, 258. in Basel wird räre von einer unvollkommenen aussprache des r, einer dortigen eigenthümlichkeit, gebraucht. ebenda. SEILER 235b.

      • Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
        Re: Schaut in den Grimm!

        Liebe Dialektler, lieber MOD-Fritz,
        i tat sågn, das Grimmsche DWB khearat in der Brettbeschreibung
        gånz
        obm hi!
        Hallo, Helene,

        den Grimm habe ich im Deutschbrett verlinkt. Sollte ich ihn auch noch ins Dialektbrett stellen?

        Wäre keine Affäre.

        Fritz

        • Antwort von nach 11 Stunden 1 hilfreich
          Re^2: Schaut in den Grimm!


          Servus Fritz!
          den Grimm habe ich im Deutschbrett verlinkt.
          Ich weiß; von da hol ich ihn mir, wenn ich ihn fürs w-w-w brauche. Sollte ich ihn auch noch ins Dialektbrett stellen?
          Rein zwengs der Bequemlichkeit (fi mi...)
          Ich weiß nicht, wie's den andern geht - aber eine Fundgrube für den Dialekt ist er, der Grimm; Herkunft der Wörter, Zusammenhänge usw....
          Und wenn ich no gschaftig sei (=sich wichtig machen) derf: Steck ihn bitte nicht in die Linkliste, sondern pick ihn solo in die Brettbeschreibung, wie gesagt - zwengs der Bequemlichkeit ;-)

          An schen Tåg und a guate Zeit!
          Helene



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