verwortageln

Von: , Frage gestellt am So, 22. Feb 2004

Seid gegrüsst, Wissende:-)

ich verwende, selten, aber doch das wort *verwortageln*, wenn ich etwas misslungenes, schiefgelaufenes, verwirrtes meine. Der Kluge sagt mir darüber gar nichts, Wehle zitiert dazu Jacob und bringt das wort in beziehung zu *tag* und *teig*, und zum schwedischen *för varje dag*. Duden hab ich im moment keinen zur hand. Alle diese erklärungen leuchten mir nicht wirklich ein - nun kam mir der gedanke, dass es überhaupt nichts mit *tag* und *teig* zu tun haben könnte sondern sich ev. *verworrtakeln* schreibt - und dann - über diverse umwege - aus der seemannssprache kommt. Eine völlig verwor(r)tag(k)elte Idee?
liebe grüsse aus wien:-)
jenny

17 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 30 Minuten 1 hilfreich
    Re: verwortageln

    Seid gegrüsst, Wissende:-)
    - auch du, Fragende, sei gegrüßt! :-) ich verwende, selten, aber doch das wort *verwortageln*, wenn
    Duden hab ich im moment keinen zur hand.
    In dem hab ich's auch nicht gefunden, wohl aber im ÖWB: verwordagelt, verwordakelt - verunstaltet, aus der Form gebracht

    Mein Salzburger Mundartwörterbuch verrät Folgendes:
    verwoadageln - unvorteilhaft verändern, verderben, verdrehen; zu "verwandeln", Iterativ hiezu; mhd.'verwandeln' - umwenden, verändern, in das Gegenteil verwandeln; es ist möglich, dass dahinter auch 'dageln' (klecksen, malen) steckt; das W. wird ähnlich wie "verhoadageln" gebraucht, ist aber nicht dasselbe.
    verhoadageln - verderben, verdrehen, verspotten, entstellen; wörtl. "verhohnekeln" verhöhnen;

    Ein bisschen klarer, oder eine vawoadaggelte Antwort?

    Grüße aus dem Pinzgau!
    Helene

    @MOD: Verschieben ins Dialektbrett?

    • Antwort von nach 45 Minuten 2 hilfreich
      Re^2: verwortageln

      So, Helene,
      bist mal wieder schneller und besser!

      Ich habe nur das gefunden und geschrieben:

      Hallo, liebe Jenny aus Wien?

      Was hast du denn verwortakelt?

      In dieser Form, also: verwortakeln, aber auch so wie du es schreiberst, also: verwordageln, taucht diese Wort im kleinen Wörterbuch „Auf gut Österreichesch, Ein Wörterbuch der Alltagssprache" von Herbert Fussy auf.

      Leider gibt es dort keine etymologischen Erklärungen, aber in der ersten Form könnte man, so wie du schon vermutet hast, die Wörter „wirr“ und „takeln“ erkennen.

      Letzteres kennt man aus der Schifffahrt und die Takelung kann durch Ungeschicklichkeit verwirrt werden und dann kann man nicht mehr segeln.

      Vermutlich ist das Wort über die KuK-Gebirgsmarine in den Wortschatz der Leute eingedrungen. ;-)

      Ich hoffe, diese Spekulation kommt dir nicht zu wild vor.

      Herzliche Grüße nach Wien. Die Mail, vor der zu zittern nicht nötig ist, ist fast fertig.
      Fritz

      Was sagst du dazu? @MOD: Verschieben ins Dialektbrett?
      Werde ich beantragen.

      • Antwort von nach 55 Minuten 0 hilfreich
        Re^3: verwortageln


        Lieber Fritz:-)
        auch dir danke für die schnelle antwort. Letzteres kennt man aus der Schifffahrt und die Takelung kann
        durch Ungeschicklichkeit verwirrt werden und dann kann man
        nicht mehr segeln.
        wie gut ich das weiss!!!!! Vermutlich ist das Wort über die KuK-Gebirgsmarine in den
        Wortschatz der Leute eingedrungen. ;-)
        unterschätzt du die österreichische marine da nicht ein bisschen?
        immerhin hatten wir mit triest einen richtig schönen grossen (gebirgs?)hafen und tegetthoff und die schlacht bei lissa kennt heute noch jedes Ösi-kind...jawollja!!!
        Ich grüsse dich - in erwartung:-)
        jenny

      • Antwort von nach 3 Tagen 0 hilfreich
        Re^3: verwortageln


        Danke Fritz,

        Du bringst Licht ins Dunkel.

        Mir scheints nun logisch, daß das Wort von verworren und takeln
        kommt.

        Oder?

        Gruß
        Gerald

        • Antwort von nach 4 Tagen 0 hilfreich
          Re^4: verwortageln

          Hallöchen:-)
          leider hat der liebe Fritz ausnahmsweise eben auch keine völlige klarheit in die sache gebracht...sondern nur mein seemannsgarn weitergesponnen...und die sache lässt mir auch immer noch keine ruhe..*g*
          wenn ich das englische *to tackle*, das ja den selben wortstamm hat, wie takeln..hernehme, neige ich wieder mehr zum *verworrtakeln*...lese ich die ausführungen der wissenden österreicher/innen, kommen mir wieder zweifel...
          noch immer neugierige grüsse aus wien
          jenny

          • Antwort von nach 4 Tagen 1 hilfreich
            Dåiggn - Dalken

            Servus Jenny! ...und die sache lässt mir auch immer noch keine ruhe..*g*
            Wie du siehst, mir auch nicht. ;-) lese ich die ausführungen der wissendenösterreicher/innen, kommen mir wieder zweifel...
            Kerbis Überlegungen auch in OÖ verwenden wir dageln = malen.
            Du bist heute audagelt = zu stark geschminkt, angemalt.
            Der hat de Wand audagelt = er hat eine Wand angemalt.
            Du malst kein Bild du tust nur rumdageln = du zeichnest nicht genau, du kleckst nur.
            Beim fotografieren, kann ein Bild vawoadageln = ein Bild unscharf sein.
            Man kann auch eine Situation vawoadagelt sehen = nicht klar
            sondern verschwommen, verdreht.
            scheinen mir näher an der Sache zu sein.
            Dazu noch meine ganz persönliche 'Betrachtung', bestätigt durch den (unvermeidlichen!) Grimm:
            Wir kennen das Wort "Dåiggn" für eine undefinierbare, breiige Masse, egal ob es sich um Hühnerfutter (Hennadåiggn)oder den Schlamm, durch den wir als Kinder (und auch heute noch!) gerne wateten und der sich dann so schön zwischen den Zehen durchquetschte, oder einen 'Dalken'-Teig handelt.
            Nun hab ich im Grimm nachgesehen und u.a. Folgendes gefunden:

            "...hier fällt der nebenbegriff des verächtlichen ganz weg, tritt aber in verdalken durch ungeschicklichkeit verderben, in dalk dalk, spottname eines dummen ungeschickten menschen in Baiern und östreich (SCHMELLER 1, 368. CASTELLI 104) hervor, ebenso in talk geschwätz Brem. wörterb. 5, 8.
            Ursprünglich scheint dalken so viel als schwerflüssig sein wie eine zähe materie, bildlich heiszt es daher mühsam oder schwerfällig reden, sich ungeschickt benehmen, dann ausführlich und umständlich erklären."

            Mehr noch unter :-) http://germa83.uni-trier.de/DWB/welcome.htm, Suchbegriff 'Dalken'

            Ein bissl Neugierde abgebaut?
            Hoff i do, waö: De Åntwort is gwiss nit dåiggat, gö? :-)
            A schen Gruaß ausn Pinzga!
            Helene

            • Antwort von nach 4 Tagen 0 hilfreich
              Re: a unendlich(e) dalkerte g*schicht

              Helene:-) Wie du siehst, mir auch nicht. ;-)
              dafür kriagst ung'schaut a busserl!!!..*lach* auch in OÖ verwenden wir dageln = malen.
              jaja...*dageln* ist ganz sicher auch an *der sache*...davon bin ich überzeugt...aber ist das der anfang vom ende ? Wir kennen das Wort "Dåiggn" für eine undefinierbare, breiige
              Masse, egal ob es sich um Hühnerfutter (Hennadåiggn)oder den
              Schlamm, durch den wir als Kinder (und auch heute noch!)
              gerne wateten
              natürlich kenne ich beides..das wort und das tun:-)
              und das *dalkerte* gibt es auch im wienerischen...schon nestroy sang:
              a dalkerte g'schicht!
              und ich verwende dalkert selbst...aber eben anders als verwortageln.
              (a dalkerte g'schicht* ist eine blöde geschichte, aber reparabel..
              a verwortakelte g'schicht ist unentwirrbar, nicht erklärlich....)
              und im *verwortag(k)eln* fehlt mir irgendwie das *L*...würden wir nicht sonst verwordalgen, verwordaiggen, und wie sie alle heissen, unsere schönen verformungen, sagen?

              Ich sehe, ich verenn' mich g'rad in eine intuitive g'schicht, aus der i nimmer aussi kumm...*lach* http://germa83.uni-trier.de/DWB/welcome.htm
              ein superlink, den ich kenne - aber danke:-) Ein bissl Neugierde abgebaut?
              eher noch angestachelt....aber ich bin ja auch unrettbar...*g* Hoff i do, waö: De Åntwort is gwiss nit dåiggat, gö? :-)
              naaa...des sicha ned, im gegenteil!!!!

              lieben gruss aus wien ausse inan pinzga:-)

              jenny

    • Antwort von nach 48 Minuten 0 hilfreich
      Re^2: verwortageln


      Liebe Helene:-)
      vielen dank für deine schnelle antwort, die insoferne nicht *verwortagelt* ist, als ich mir mein seemannsgarn dann doch eher wieder abschminke..*g*...scheint doch eine urösterreichische angelegenheit zu sein, das verwortagelte - auch wenn ich noch immer nicht 100% weiss, wo es genau herkommt...auch *dageln* empfinde ich persönlich nicht wirklich schlüssig..aber immerhin bin ich um eine erklärung reicher:-)
      lieben gruss ins salzburgische aus wien:-)
      jenny @MOD: Verschieben ins Dialektbrett?
      wär keine schlechte idee, jetzt, wo's österreichisch wird...*g*



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