Jiddisch/Judendeutsch

Von: , Frage gestellt am Mi, 28. Apr 2004

Hallo!

Ich weiss nicht so recht, wohin mit der Frage. Ich probier's
mal hier.
Ich hab gerade mal wieder in dem Woerterbuch meiner Heimatstadt
geblaetter (Weinheimer Wortschatz), angeregt durch die Verun-
glimpfung des Kurpfaelzischen hier untendran ;-)
Jedenfalls sind mir eine Reihe Woerter aufgefallen, die ihren
Ursprung im Jiddischen haben.
Allerdings wird in diesem Buch nicht vom Jiddischen geredet,
sondern vom "Judendeutschen".
Mir geht es um diesen Ausdruck. Ist Jiddisch mit Judendeutsch
gleichzusetzen? Und ist Judendeutsch ueberhaupt ein ge-
braeuchlicher Ausdruck (es klingt halt so nazi-maessig angehaucht),
oder bin ich da nur falsch informiert und gegebenenfalls ueber-
empfindlich?

Helft mir mal...

Gruesse, Elke

26 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 43 Minuten 2 hilfreich
    Re: Jiddisch/Judendeutsch

    Helft mir mal...
    Gern, Elke,

    ohne dem Herrn Schmitt zu nahe treten zu wollen, klingt die Bezeichnung "Juden-Deutsch, juden-deutsch" in der Tat faschistoid, jedenfalls für mich; nazistisch wäre vielleicht zu viel gesagt.

    Dagegen wird die Bezeichnung: "jüdisch-deutsch" sowohl im

    "Jiddischen Wörterbuch von Ronald Lötzsch, herausgegeben vom Dudenverlag, ISBN 3-411-06241-X [Buch anschauen],

    als auch im

    "Jiddischen Wörterbuch von Siegmund A. Wolf, erschienen im Buske-Verlag, ISBN 3-87548-084-8 [Buch anschauen]; dessen Untertitel lautet:
    Wortschatz des deutschen Grundbestandes der jiddischen (jüdischdeutschen) Sprache mit Leseproben;

    verwendet.
    Ich meine auch, Formulierungen wie "jüdisch-russische" und "jüdisch-englisch" gelesen zu haben. Dafür kann ich jetzt aber keinen Beleg nennen.

    Beste Grüße von Fritz,
    der Kurpfälzisch (Bruusla Vadda) besser nachmachen kann als andere Dialekte, aber deshalb nicht just als Fan dieser Mundart betrachtet werden will.

    Darf ich dir aber zum Trost anhängen, was ein gewaltiger Sprachkünstler zu denen Dialekten in teutschen Landen zu sagen wusste:

    CAPUT XI

    Wo das beste Teutsch zu finden

    Ich habe etwan einen groben Esel einen andern seines gleichen auf die Kürbe laden hören oder eine schandliche Arbeit, welche gleichwohl kein Herrn-Gebot ist, mit unflätigen Worten tun heißen, daran er henkte: Dies ist gut Teutsch! Ich kann aber solche garstige Zoten nicht loben, wann sie gleich noch so fein teutsch, so viel die Aussprach anlanget, klingen und herausfließen, als wann einem der Hals mit Speck geschmiert wäre; begehre auch hier nichts darvon zu melden, sondern nur zu sagen, wo und durch welche das beste und zierlichste Teutsch geredet werde.

    Den Ruhm dieser Ehr hat von langen Zeiten her zwar die Stadt Mainz gehabt, welches ich ihr als meiner lieben Landsmännin von Herzen gern gönnen möchte; aber ich sorge, daß solcher jetziger Zeit nicht ihr, sondern vor ihr und allen anderen Städten und Provinzen in ganz Teutschland der Stadt Speyer und ihrem nächsten Bezirk gebühre, dann da wird man einen guten Strich bis überhalb Durlach und Baden hinauf auch bei manchen Bauern besser Teutsch finden als in vielen vornehmen Städten, welches meines Davorhaltens das Kaiserlichen alldorten befindliche Kammer-Gericht, die Fürstlich Baden-Durlach und Baden-Baden, wie auch die Bischöflich-Speyerischen Hofhaltungen in der Nachbarschaft, und dann so viel Gelehrte, geistlich und weltliche, die sich immer in selbiger Stadt aufhalten, verursachen; dann dies ist gewiß: wer mehr liest und schreibt, als er mit Leuten, die nicht recht teutsch reden, mündlich conversiert, der lernet unvermerkt eins und anders also aussprechen, wie ers zu lesen und zu schreiben pflegt; wann dann zween oder mehr zierlich redende Literati von andern gehöret werden, die gleichwohl ungelehrt oder wohl gar nur Weiber oder Kinder sein, so öhmen sie jenen alsobalden entweder ohngefähr oder auch wohl mit Fleiß ihre Sprach nach; dahero es dann kommt, daß Speyer und seine Benachbarte wegen der vielen Gelehrten beständigen Beiwohnung je länger je besser Teutsch machen.

    Auf der kleinen Seiten zu Prag wird so gut teutsch geredet als irgendswo in ganz Teutschland; das macht, daß die Teutschredende keine baurische Nachbarn auf den um- liegenden Dörfern haben, die ihnen ihre Sprach verderben; dahingegen die Frankfurter von den Wetterauern, die Straßburger von den Kochersbergern, die Tübinger von den Schwaben, die Regensburger von den Bayern, die Marburger von den Hessen, die Leipziger von den Meißnern und also auch andere von ihren grobteutschredenden Nachbarn viel Unzierden an sich nehmen müssen, ob gleich ihrer viel ziemlich gelehrte Leut, ja gar Academien voller jungen Studenten haben, die sich alle eines zierlichen Teutschen befleißen; sintemal das Volk mehr mit denen Bauern als mit den Gelehrten zu handlen hat.

    Unter allen teutschen namhaften Städten aber bedunkt mich keine läppischer teutsch reden als das sonst majestätische Köln, deren Sprach. sonst niemand besser anstehet als dem Weibervolk; doch nur denen, die sonst auch schön sein.

    An den Schweizern scheinet, als ob sie ihre Wörter wie die welsche Hahnen hinten im Rachen oder oben im Gaumen formierten; die Schwaben, möcht einen bedunken, brauchen die Nase auch zu ihrer Aussprach; die Franken nehmen das Maul gar zu voll, wann sie reden; die Bayern und Ostreicher ziehen etliche Wörter länger als der Schuster das Leder, und etliche stutzen sie so kurz ab wie die Franzosen die Schwänz an ihren Pferden; die Niederländer, und was gut alt sächsisch teutsch oder westfalisch redet, verfertigen ihre Wörter gleichsam vornen im Mund zwischen den Lefzen und vordern Zähnen; die Meißner und ihre Nachbarn brauchen zuviel überflüssige Wörter und Buchstaben; und wann man aus jeder Art dieser Sprachen einen nähme und sie zusammen sperrete, so würden sie mit der Zeit entweder ein recht mittelmäßig Teutsch zusammen bringen oder allesammen dem jenigen nachöhmen, der eintweder die leichteste Aussprach hat, oder dem, der am allermehristen papplet.

    • Antwort von nach 8 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Jiddisch/Judendeutsch

      Hallo Fritz, ohne dem Herrn Schmitt zu nahe treten zu wollen, klingt die
      Bezeichnung "Juden-Deutsch, juden-deutsch" in der Tat
      faschistoid, jedenfalls für mich; nazistisch wäre vielleicht
      zu viel gesagt.
      Nun, eben diese Richtung.
      Manchmal frag ich mich halt, ob mein Sprachgefuehl (das halt
      nicht unbedingt dem neusten Deutsch entspricht) noch 'richtig'
      ist.

      Und danke fuer den Anhang. Kannte ich, aber eine Auffrischung
      tat gut.
      Um ehrlich zu sein, will ich mich gar nicht auf pro und anti
      Kurpfaelzisch / Pfaelzisch einschiessen.
      Wirklich scheusslich finde ich nur, jemand der krampfhaft
      versucht 'hochdeutsch zu pflaeudern' und es klappt nicht.
      Das klingt bei Pfaelzern wirklich schlimm.
      Da hat uns ein gewisser Politiker, moege er ungenannt bleiben,
      keinen grossen Dienst erwiesen.

      Liebe Gruesse, Elke

    • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
      Re^2: Jiddisch/Judendeutsch

      HAllo Fritz, ohne dem Herrn Schmitt zu nahe treten zu wollen, klingt die
      Bezeichnung "Juden-Deutsch, juden-deutsch" in der Tat
      faschistoid, jedenfalls für mich; nazistisch wäre vielleicht
      zu viel gesagt.
      Inzwischen hab ich noch mehr geblaettert und glaube, besagter
      Herr Schmitt macht das total unreflektiert. Ich habe inzwischen
      naemlich auch darin das Wort 'jiddisch' gefunden.
      Aber dir ist ja schon mal in einem anderen Zusammenhang aufgefallen,
      dass es fuer ein Buch in der dritten Auflage extrem
      schlecht redigiert und editiert zu sein scheint.

      Liebe Gruesse, Elke

      • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
        Re^3: Jiddisch/Judendeutsch

        hallo elke, ohne dem Herrn Schmitt zu nahe treten zu wollen, klingt die
        Bezeichnung "Juden-Deutsch, juden-deutsch" in der Tat
        faschistoid, jedenfalls für mich; nazistisch wäre vielleicht
        zu viel gesagt.
        Inzwischen hab ich noch mehr geblaettert und glaube, besagter
        Herr Schmitt macht das total unreflektiert. Ich habe
        inzwischen
        naemlich auch darin das Wort 'jiddisch' gefunden.
        Aber dir ist ja schon mal in einem anderen Zusammenhang
        aufgefallen,
        dass es fuer ein Buch in der dritten Auflage extrem
        schlecht redigiert und editiert zu sein scheint.

        könnte zwar sein, glaube ich aber auch nicht.
        nur im heutigen deutschland haben wir solche haarspalter-probleme --

        gruß & schönes wochenende

        rasta

        • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
          Re^4: Jiddisch/Judendeutsch

          Hallo Rasta, könnte zwar sein, glaube ich aber auch nicht.
          nur im heutigen deutschland haben wir solche
          haarspalter-probleme --
          Deine Bemerkung auf mein Posting versteh ich nicht
          ganz. Ich geb zu, es war speziell fuer Fritz gedacht.
          Wir haben uns naemlich schon mal ueber dieses spezielle
          Woerterbuch unterhalten und uns sind etliche Fehler darin
          aufgefallen (einfach Fehler, vom Vertippsler zu sachlich
          falschem) und das sollte bei einer 3. Ausgabe nun wirklich
          irgendjemand aufgefallen sein.

          Ganz allgemein: im englischen Sprachgebrauch ist es kein
          Problem von 'jewish language', 'jewish cemetry' usw. zu reden.
          Aber von 'the Jews' zu reden ist je nach Kontext auch nicht
          ganz akzeptabel, aus den gleichen Gruenden. Es gibt in anderen
          Laendern durchaus Gedanken, die auf richtige Sprachverwendung
          gehen. Befindlichkeiten sind allerdings je nach Geschichte,
          Kultur und Politik anders ausgerichtet.

          Gruesse und dir ein schoenes Wochenende (meins ist gleich
          vorbei)

          Elke

  2. Antwort von nach 45 Minuten 2 hilfreich
    Re: Jiddisch/Judendeutsch

    hallo,

    also "jiddisch" ist für mich einfach "jüdisch" im dialekt gesagt.
    weis nicht was da nazi-mässig sein soll -- es ist nun mal juden-deutsch bzw. jüdisches deutsch, genauso wie bayerisches deutsch.(oder was willst du für andere ausdrücke gebrauchen -- für jude oder deutsch? - ich kann da nichts schlimmes daran finden....)

    ich tippe auf etwas überempfindlich

    gruß

    rasta [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

    • Antwort von nach 4 Stunden 0 hilfreich
      Nicht so ganz ...

      Hi Rasta! also "jiddisch" ist für mich einfach "jüdisch" im dialekt
      gesagt.
      Nicht ganz, da "jüdisch" kein die Sprache bezeichnendes Wort ist. Es gibt auch keine "jüdische Sprache" in dem Sinne. Dazu siehe auch einfach den Duden:

      jü|disch <Adj.> [mhd. jüdisch, ahd. judeis < lat. Iuda(e)icus < griech. Ioudaïkós]:

      a) die Juden, das Judentum (1) betreffend: das -e Volk; ein -es Unternehmen; eine -e Familie; er ist -er Abstammung;

      b) für die Juden charakteristisch; das Judentum (3) betreffend: die -e Kultur; -er Witz; eine typisch -e Frau;

      c) die Juden, den Judaismus (1) betreffend: die -e Religion; -e Studien.

      jid|disch <Adj.> [gek. aus jidd. jidisch daitsch, also eigtl.= jüdisches Deutsch, Bez. für das Deutsch der Juden Osteuropas]: das Jiddische betreffend: die -e Sprache.

      bzw.

      Jid|disch, das; -[s] u. <nur mit best. Art.:> Jid|di|sche, das; -n: von den Juden in Osteuropa gesprochene u. (mit hebräischen Schriftzeichen) geschriebene Sprache, deren Wortschatz sich hauptsächlich aus mittelhochdeutschen, hebräisch-aramäischen u. slawischen Elementen zusammensetzt.

      ALLE ZITATE:
      © Duden - Deutsches Universalwörterbuch, 5. Aufl. Mannheim 2003 [CD-ROM].

      Schönen Gruß,
      Christiane

    • Antwort von nach 8 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Jiddisch/Judendeutsch

      Hallo Rasta,

      erstmal hast du mich falsch verstanden. Mit 'jiddisch'
      habe ich ueberhaupt kein Problem. Auch im Englischen
      redet man von 'yiddish'. Probleme hab ich mit dem
      Juden-Deutsch und zwar genau diejenigen, die Fritz mir
      im Posting unter deinem bestaetigt hat.
      also "jiddisch" ist für mich einfach "jüdisch" im dialekt
      gesagt.
      Jiddisch ist aber nicht wirklich ein Dialekt, sondern eine
      eigenstaendige Sprache. Und "Jiddisch" ist die Selbst-
      bezeichnung dieser Sprache, weshalb ich auch schon mal kein
      Problem mit diesem Wort habe. weis nicht was da nazi-mässig sein soll -- es ist nun mal
      juden-deutsch bzw. jüdisches deutsch
      ohne hier semantisch Haare spalten zu wollen: fuer meine
      Ohren gibt es schon einen Unterschied zwischen Juden-Deutsch
      und juedisches Deutsch.

      Gruesse, Elke

      • Antwort von nach 19 Stunden 1 hilfreich
        Re^3: Jiddisch/Judendeutsch

        hallo elke,
        erstmal hast du mich falsch verstanden. Mit 'jiddisch'
        habe ich ueberhaupt kein Problem. Auch im Englischen
        redet man von 'yiddish'. Probleme hab ich mit dem
        Juden-Deutsch und zwar genau diejenigen, die Fritz mir
        im Posting unter deinem bestaetigt hat.
        das hab ich schon verstanden....
        also "jiddisch" ist für mich einfach "jüdisch" im dialekt
        gesagt.
        Jiddisch ist aber nicht wirklich ein Dialekt, sondern eine
        eigenstaendige Sprache. Und "Jiddisch" ist die Selbst-
        bezeichnung dieser Sprache, weshalb ich auch schon mal kein
        Problem mit diesem Wort habe.
        aha -- ich dachte bisher, das es ein eigener deutscher dialekt wäre... weis nicht was da nazi-mässig sein soll -- es ist nun mal
        juden-deutsch bzw. jüdisches deutsch
        ohne hier semantisch Haare spalten zu wollen: fuer meine
        Ohren gibt es schon einen Unterschied zwischen Juden-Deutsch
        und juedisches Deutsch.

        ich weis was du meinst. nur ist der sinn derselbe.

        gruß

        rasta



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