ein Kinderspiel

Von: , Frage gestellt am Fr, 14. Mai 2004

Liebe Wissende
Heute hörte ich meinen Grossbuben(5) von Fangis sprechen. Ich erschrak ordentlich, da dieser Ausdruck für meine Ohren 'züridütsch' tönt, ich würde ihn nie verwenden; meine Bezeichnung fürs Fangen-spiel hiess und heisst 'tschinggele' und/od. 'tschiggele'. Wie halten es all die grossgewordenen Kinder im WWW denn so, d.h. wie nennt/nanntet Ihr dieses Spiel? Wie nennen es Eure Kinder resp. Grosskinder?
Hasch mich oder ich fang dich!
Susette

22 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 12 Stunden 0 hilfreich
    Re: ein Kinderspiel

    Salli Susette,
    ich nehme mal an, du meinst nicht nur CH-WWWler bei
    deiner Frage.
    Bei uns (Weinheim a.d.B., bei Heidelberg/Mannheim)
    heisst es:
    Nochmacherles

    Gruesse, Elke

    • Antwort von nach 23 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Nochmacherles

      Servus Elke,

      kommt man auf diese Weise zum Theater?

      "Machen" für um eine Bewegung auszudrücken ist mir sonst bloß im nordhessisch/thüringschen Machtlos begegnet, dazu noch reflexiv: "Nu Ihr Kinner, wer ich mich mol heemmach'" Und Nôchmache = Nachlaufen, das ist ja noch eine Klasse extra.

      (Das Rätsel, das Du mir vor Wochen aufgegeben hast, warum Monnem Monnem heiße, harrt noch seiner Erlösung - ich habe es jetzt erst wiedergefunden, war einstweilen mit der Frage beschäftigt, warum einige hundert Meter Monnemer Kanalisation ausgerechnet "Filsbach" heißen).

      Allaa denn



      MM

      • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
        Mannem vorne (off topic)

        Hallo Martin,
        kommt man auf diese Weise zum Theater?
        Das waer eine Erklaerung... persoenlich tendiere ich
        mehr zu einer individuellen Erklaerung. Mein Vater war
        47 als ich geboren wurde, ich war somit drei, als er anfing,
        die "Fahrten ins Blaue" fuer seinen Jahrgang zu organisieren.
        Auf den langen Busfahrten wurde auch das Schmettern von
        "Tief im Odenwald" und "Ich hab mein Herz in Heidelberg ver-
        loren" irgendwann langweilig. WEshalb man dann dem 3-Kaese-hoch
        ein Mikrophon in die Hand drueckte und sie Witze erzaehlen lies.
        The rest, as they say, is history... (Das Rätsel, das Du mir vor Wochen aufgegeben hast, warum
        Monnem Monnem heiße, harrt noch seiner Erlösung --
        Es ging nicht um Monnem an sich, sondern um 'Monnem vorne'.
        Das liegt an der komischen Streckenfuehrung der Bundesbahn.
        Von Weinheim aus faehrt die DB naemlich nicht direkt nach
        Mannheim, sondern auf Umwegen und unterwegs wurde der Zug
        geteilt: die Wagen nach Mannheim waren die vorderen Wagen
        gleich hinter der Lok, weshalb auf der Strecke von den
        Bahnhofsvorstehern immer 'Monnem vorne' gebruellt.

        Und weil dies ein Expertenforum ist, hab ich meine Erklaerung
        gecheckt und diese Geschichte im "Weinheimer Woerterbuch" gefunden:
        "Die aelteste badische Eisenbahn zwischen Mannheim und
        Heidelberg wurde 1840 eroeffnet. Einige Jahre spaeter baute
        man die Main-Neckar-Bahn von Frankfurt nach Heidelberg, d.h. man
        wollte sie bauen, denn es erhob sich ein maechtiger Streit zwischen
        Mannheim und Heidelberg, weil auch Mannheim gerne Endstation
        der Bahn geworden waere. Schliesslich einigte man sich auf
        den faulen Kompromiss, die neue Bahn genau in der Mitte
        der Strecke Mannheim-Heidelberg muenden zu lassen. Seit 1846
        ist die Bahnlinie in Betrieb, die in Weinheim von der Bergstrasse
        weg zum Friedrichsfelder Kreuz fuehrt. Heute noch muessen
        die Reisend nach Mannheim meistens umsteigen. Frueher fuehrten
        die Heidelberger Zuege Kurswagen nach Mannheim, die das Zugende
        bildeten. Damit die Fahrgaeste richtig einstieen, riefen
        die Schaffner: Mannem hinne! Dieser Ausdruck wurde zum
        gefluegelten Wort, doch wandelten es die selbstbewussten Mannheimer
        in <I>Mannem vorne!<I> um.

        Also, nicht ganz, was mir als Kind erzaehlt wurde.
        Tatsache ist aber, dass es von Heidelberg aus noch immer
        die besseren Verbindungen nach Sueden gibt.

        Allah d'onn,
        Elke

        PS: mit deinem Filsbach kann ich dir aber leider nicht
        weiterhelfen

      • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
        on topic

        Hallo - nochmal,

        aus der gleichen Quelle wie weiter unten:

        "Das ueberall bekannte Fangspiel der Kinder (Fangen,
        Kriegen) heisst nur in Weinheim und vielleicht wenigen
        Nachbarorten so. Ein Kind muss soi. Wer is,
        wird durch Auszaehlen ermittelt [...] Man kann sich aber an
        einen festgelegten Platz retten, die Ausruhg . Sind
        alle Mitspieler in der der Ausruhg [gibt es einen
        Spruch, um die anderen dort weg zu zwingen:] Hute hute
        Stange, wer net springt, is g'fange!
        ."

        Gruesse, Elke

      • Antwort von nach 9 Tagen 1 hilfreich
        Fangels

        Hi Martin
        ausgerechnet "Filsbach" heißen).
        Aber klar doch: weil da das Cafe Filsbach ist ;-).
        Also ich nehme an, weil ein rechter Zufluß des Rheins da mal zugeschüttet wurde, weil er den Quadraten im Weg war.
        Aber aus Jugendzeiten kenne ich den Ausdruck "uff die 19er" (oder so ähnlich) wenn mann mal "iwwer die Brick", sprich zu den Damen den horizontalen Gewerbes gegangen ist.
        Allaa dann

        HylTox

  2. Antwort von nach 15 Stunden 0 hilfreich
    Re: Schwäbisch

    Hallo Susette,

    im Schwäbischen Raum = Fangerle, Fangerles

    etwas später und komplexer = Räuber und Bolle

    noch etwas später, von Heranwachsenden nicht gespielt, sondern eher ironisierend verwendet (in den siebzger Jahren): Mogadischules


    Schöne Grüße



    MM

    • Antwort von nach 3 Tagen 0 hilfreich
      Re^2: Schwäbisch

      Hallo alle, im Schwäbischen Raum = Fangerle, Fangerles
      auch auf der Alb: Fangerles oder Fango (nicht wie die Schlammpackung, wird ohne
      das "g" gesprochen) etwas später und komplexer = Räuber und Bolle
      hieß bei uns "Räuber und Schande" (im Bayerischen sagte man "Schandi", kommt von
      Gendarm) noch etwas später, von Heranwachsenden nicht gespielt, sondern
      eher ironisierend verwendet (in den siebzger Jahren):
      Mogadischules
      Das find ich besonders schön!

      Bei uns auf dem Schulhof der 50-er gab's noch eine Variante, die von
      "Reig'schmeckten" eingeführt wurde und den Namen "Freimann-Stehmann" hatte. Hab
      ich aber nie gespielt, fand ich zu blöd.

      Gruß
      Bolo2L

      • Antwort von nach 3 Tagen 0 hilfreich
        Re^3: Schwäbisch

        Hallo, alle, etwas später und komplexer = Räuber und Bolle
        hieß bei uns "Räuber und Schande" (im Bayerischen sagte man "Schandi", kommt von Gendarm)
        In extremer Mundfäulnis hieß das bei uns: Bolle ond Ai, wobei das "Ai" der letzte Rest von "Raibr" darstellt.

        Fritz

  3. Antwort von nach 18 Stunden 0 hilfreich
    Re: ein Kinderspiel

    Hi,
    also bei uns in Leipzig hieß das Spiel entweder einfach "Fangen", oder "Tippe". Wenn du mal im Archiv nachguckst, ich glaube, es gab schon relativ oft eine Anfrage danach, da neben "Brötchen" wohl das Fangespiel und der Punkt-wo-man-stehen-darf-um-nicht-abgetippt-werden-zu-können (hieß bei uns z.B. "Vogelfrei") eines der dialektal-unterschiedlichsten Wörter zu sein scheinen. Wurde schon oft bei WWW oder in der Newsgroup besprochen...

    - André



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