Pubis

Von: , Frage gestellt am So, 24. Mär 2002

Den hat eine liebe Bekannte verfasst und ich fand ihn so schön beschrieben, dass er einfach hierher gehört. Sorry falls er schon existiert.

Die oder der Pubertierende, kurz Pubi, ist ungefähr so einfach zu verstehen wie die Gebrauchsanweisung eines Dampfdruckkessels in japanischen Schriftzeichen. Viele von uns haben Pubis, andere hatten einen oder mehrere, einige werden vielleicht bald welche haben. Pubis treten meist in Horden auf, bis zu sechzehn an einem Tag und in einem Zimmer sind keine Seltenheit. Wenn ich dann die Tür öffne, zischt als erstes die Katze an mir vorbei, um in reinere Luft zu kommen. Denn Sauerstoff ist für Pubis fast tödlich.

Vom Aussehen sind sich alle sehr ähnlich. Die Haare fallen über die Augen ins pickelige Gesicht. Die Klamotten sind alle viel zu groß, besonders die Ärmel sind viel zu lang und reichen weit über die Hände. Das hat den Vorteil, dass man nichts tragen kann, vor allen Dingen keinen Mülleimer.
Die Schuhe sehen aus wie von der Postkleiderkasse, Marke "Sicherheit zu jeder Zeit", mit Stahlkappen ,vorne drin.
Die haben ihren Zweck, denn man kann bei dem Gewicht unmöglich die Füße beim Laufen heben und fällt sozusagen von einem Fuß auf den anderen oder schlurft wie Methusalem in den Riehler Heimstätten.

Alle Klamotten werden natürlich übereinander getragen, und das in Etagen. Über den zerrissenen Jeans, die selbst bei der Kleidersammlung zurückgelassen würden, ein T-Shirt, Größe ME (Mittlerer Elefant), darüber eine etwas kürzere Jeansweste und dann eine etwas knappe Jeansjacke. Die Jahreszeit spielt bei diesem Outfit keine Rolle, denn ein Pubi ist weder kälte- noch hitzeempfindlich.
Auch die Ernährung der Pubis ist einfach, wenn McDonalds zu ihrer unmittelbaren Nachbarschaft zählt. Zu den Mahlzeiten isst der Pubi grundsätzlich nichts. Egal was es gibt, das schmeckt ihm nicht. Entweder hat er schon vorher den Eisschrank geplündert, oder er steht nach dem Essen zehn Minuten vor der geöffneten Kühlschranktür um sich dann über alles Essbare herzumachen. In besonderen Fällen, das heißt, in den tagelangen Schmollphasen, kann sich der Pubi auch nur von Chips und Cola in seinem Zimmer ernähren.

Apropos Zimmer: Ein Pubi wohnt sehr umweltbewusst. Sein Zimmer ist eine Mischung aus Müllkippe, Altpapiersammlung, Flaschencontainer und Wäsche für eine Großwäscherei. Leider aber nicht nach den einzelnen Bereichen getrennt, sondern gut gemischt und besonders gut beschallt. Denn ohne Musik (wenn man das so nennen kann) läuft bei Pubis nichts. Auf die Lautstärke kann man sich mit Pubis nur unter Androhung der Todesstrafe einigen. Kopfhörer sind keine Alternative, denn damit lässt sich so schlecht telefonieren.
Die Pubertät fängt an, wenn Ihr Kind den Finger aus dem Mund und gleich darauf in die Wählscheibe des Telefons steckt. Ab da gibt es für Sie nur noch die Gelegenheit, morgens in aller Frühe (Pubis sind Langschläfer) oder nachts Telefonate zu erledigen. Für den Pubi ist das Telefon die einzige Verbindung zur Außenwelt, die einzige Möglichkeit zu kommunizieren Ferngespräche, die 85 Minuten dauern sind keine Seltenheit. Dazu gehört auch, sich am Telefon für 11.50 DM anzuschweigen. Meistens geht es um wichtige Dinge, zum Beispiel, wer mit wem geht und warum und wer was zu wem gesagt hat und jetzt echt ätzend ist. Völlig unwichtige Sachen, wie Hausaufgaben, werden nicht mehr abgeschrieben, sondern telefonisch durchgegeben oder eben mal rübergefaxt.

Mit dem Badezimmer ist es ähnlich wie mit dem Telefon. Manchmal fragt man sich: Wohnt unser Pubi jetzt da drin? Vor noch nicht allzu langer Zeit konnte dieses Kind innerhalb von 30 Sekunden duschen. Nun braucht es plötzlich vier Stunden, sich für eine Fete aufzustylen und erscheint dann genau so wie vorher. Nur das Gesicht ist stark geschwollen und gerötet, vom Pickelausquetschen. Sportverletzungen werden vom Pubi heldenhaft ertragen. Das gilt besonders für männliche Pubis. Wie ein altes Veteran stolziert er mit verbundenem Knöchel höchstens drei Tage einher, weil das nächste Spiel nicht auf ihn verzichten kann. Hat unser Pubi aber eine Erkältung, kränkelt er vier Wochen vor sich hin, und man muss froh sein, wenn man ihn durchkriegt.

Sie sehen, Pubertät ist, wenn die Eltern anfangen, schwierig zu werden.

4 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach einer Stunde hilfreich
    Woher kennst Du meinen Sohn???? 0.w.T.

    .

  2. Antwort von nach 6 Stunden hilfreich
    Alles voll korrekt! Ergänzung

    Hallo,
    unser Pubi, mit "Lebenseinstellung Border", gehört noch zu der
    besonderen Sorte, die mit heruntergelassener Hose herumlaufen
    und es dermaßen ätzend findet, wenn andere das nicht so machen.
    Mit engen Hosen, die auch noch bis übern Ar... gezogen sind
    würde er natürlich "niemals" herumlaufen.

    Das mit den Klamotten übereinander tragen ist allerdings noch
    etwas differenzierter:
    Bei Hitze und in der gut geheizten Wohnung werden natürlich
    lange Rollkragenpullover mit Weste und Glitzer-T-Shirt darüber
    getragen. Bein Verlassen des Hause wird dann auch noch eine
    Jacke angezogen, weil die gerade In ist.
    Bei Frost sieht das aber anders aus. Da kann es passieren, daß
    auf Pullover uns Jacken verzichtet wird und nur ein dünnes
    Shirt zum Einsatz kommt, weil man ja schon so schwitzt. Die
    Jacke hängt dann auf alle Fällr noch am Hacken.

    Das mit den 4 Stunden im Bad ist auch nicht ganz korrekt.
    Einerseits ist tägliches Waschen und Zähneputzen sowieso nur was
    für Spießer, es gibt doch schließlich Spays. Damit kann man
    übrigens stinkende Wäsche auch so behandeln werden, daß der
    überaus mühselige Transport der Wäsche bis zu Mutters
    Wäschekorb auf ein Minimum eingeschränkt werden kann, weil die Alte sich seit einiger Weit weigert immer unters Bett zu kriechen
    um die Lumpen einzusammeln.

    Wenn allerdings geduscht wird, dann nicht unter 45°C und mit
    mindestens 250l Wasser. Das Bad ist hinterher eine Sauna. Lüften
    wird natürlich ausgelassen, sonst kann sich der Schimmelpilz
    ja auch gar nicht richtig entwickeln.
    Gruß Uwi [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

    • Antwort von nach einem Tag hilfreich
      Re: Alles voll korrekt! Ergänzung

      hallo Uwi,
      die weiten Hosen, die am Knie stat auf den Hüften hängen hat sich mein ´sohn etwas abgewöhnt (etwas: nicht ganz). Als er mit seiner Freundin einkaufen war und sie ihn animierte, mal eine normalweite zu probieren, sagte sie nur einen Satz, aber der traf tief: "du bist ja gar nicht so fett, wie Du immer aussiehst!" Und das einem Sportler der stolz auf seine durchtrainierte Figur ist.
      Habe aber auch eine Ergänzung: Pubis schlafen Tags und leben nachts.
      Grüße
      Raimund

  3. Antwort von nach 9 Tagen hilfreich
    da stimmt was nicht

    Vom Aussehen sind sich alle sehr ähnlich. Die Haare fallen
    über die Augen ins pickelige Gesicht. Die Klamotten sind alle
    viel zu groß, besonders die Ärmel sind viel zu lang und
    reichen weit über die Hände. Das hat den Vorteil, dass man
    nichts tragen kann, vor allen Dingen keinen Mülleimer.
    Die Schuhe sehen aus wie von der Postkleiderkasse, Marke
    "Sicherheit zu jeder Zeit", mit Stahlkappen ,vorne drin.
    Die haben ihren Zweck, denn man kann bei dem Gewicht unmöglich
    die Füße beim Laufen heben und fällt sozusagen von einem Fuß
    auf den anderen oder schlurft wie Methusalem in den Riehler
    Heimstätten.
    Dem kann ich nicht vollständig zustimmen - das sind eher die Pubis der 80er Jahre. Heutzutage sind die Ärmel normal, und Stahlkappenschuhe tragen Pubis heutzutage überhaupt nicht mehr - eher durchlatschte Turnschuhe!
    Jugendliche mit anderen Schuhen als "Skaterschuhen" oder Sneakers werden ausgelacht oder verprügelt. *gg*


    Gruß,
    Ami666

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