Zu Texten bei Stadtführungen, die eigentlich Witze
sind.
Guten Morgen, Eckard!
Und Dank und frohe Ostern, falls wir uns nicht mehr treffen.
Fritz
Guten Morgen, Christian!
Da kannst du mal sehen, was für ein Witz manchmal Stadtführungen sind.
Dieses Zitat wurde auszugsweise während einer Stadtführung, die ich neulicherweise machte, dargeboten.
Ich habe mit Eckards Hilfe die Stelle gefunden; mit deinem Link konnte ich es nicht, da ich nicht weiß, was Javascript ist, geschweige denn, wie man Javascript ausschaltet.
Und da steht im Original:
Er redete den Dialekt Hannovers, wo, wie auch in der südlichen Nachbarschaft dieser Stadt, das Deutsche am besten ausgesprochen wird. Das war ein großer Vorteil für mich, daß solchermaßen schon in der Kindheit durch meinen Vater mein Ohr an eine gute Aussprache des Deutschen gewöhnt wurde, während in unserer Stadt selbst jenes fatale Kauderwelsch des Niederrheins gesprochen wird, das zu Düsseldorf noch einigermaßen erträglich, aber in dem nachbarlichen Köln wahrhaft ekelhaft wird. Köln ist das Toskana einer klassisch schlechten Aussprache des Deutschen, und Kobes klüngelt mit Marizzebill in einer Mundart, die wie faule Eier klingt, fast riecht.
In der Sprache der Düsseldorfer merkt man schon einen Übergang in das Froschgequäke der holländischen Sümpfe. Ich will der holländischen Sprache beileibe nicht ihre eigentümlichen Schönheiten absprechen, nur gestehe ich, daß ich kein Ohr dafür habe. Es mag sogar wahr sein, daß unsere eigene deutsche Sprache, wie patriotische Linguisten in den Niederlanden behauptet haben, nur ein verdorbenes Holländisch sei. Es ist möglich.
Dieses erinnert mich an die Behauptung eines kosmopolitischen Zoologen, welcher den Affen für den Ahnherrn des Menschengeschlechts erklärt; die Menschen sind nach seiner Meinung nur ausgebildete, ja überbildete Affen. Wenn die Affen sprechen könnten, sie würden wahrscheinlich behaupten, daß die Menschen nur ausgeartete Affen seien, daß die Menschheit ein verdorbenes Affentum, wie nach der Meinung der Holländer die deutsche Sprache ein verdorbenes Holländisch ist.
H. H., Memoiren, nach Heines Werke in fünf Bänden, Aufbau-Verlag Berlin und Weimar, 1978; Bd. 5, S. 429f.
Und nun vergleiche mit dem Text aus der Stadtführung:
»Es war mir durch den Vater ein Vorteil, mein Ohr an die gute Aussprache des Deutschen zu gewöhnen. Bei uns in der Stadt wird jenes fatale Kauderwelsch des Niederrheins gesprochen, das in Köln wahrhaft ekelhaft wird; es ist das Toskana einer klassisch schlechten Aussprache, eine Mundart, die wie faule Eier klingt, fast riecht… In Düsseldorf merkt man schon den Übergang in das Froschgequake der holländischen Sümpfe. Ich will den Holländern nicht ihre eigentümlichen Sprachschönheiten absprechen, nur, ich habe kein Ohr dafür. Es mag sein, daß unsere Sprache, wie patriotische Linguisten in den Niederlanden behaupten, nur ein verdorbenes Holländisch sei, es ist möglich…
Derartige Beschönigungen, wenn man sie nicht Verfälschungen nennen will, fallen mir immer wieder auf.
Und dann schau dir die bösen Blicke des Fremdenführers an, wenn du sie auf solche Dinge hinweist!
Und die deiner Mittouristen! Die sind oft noch wütender, weil du sie aus ihren vertrauten und angenehmen, rückwärts gewandten Träumen holst.
Sprich mal bei einer Führung durch Neuschwanstein darüber, woher Ludwig, der schwule Luigi, das Geld für die Bauten hatte; oder erzähle, wie er wirklich aussah, nachdem er die 30 hinter sich hatte!
Oder weise in Aachen, wo ich die letzte offizielle Stadtführung mitmachte, auf einige, von der Führerin nicht erwähnte Details aus dem Leben des großen Karle hin!
Aber noch lebe ich.
Schönen Tag noch, Fritz