… und ich liebe seine Kolumnen über alles.
Bravo Helmuth Karasek und ich wünsche mir
sie noch recht lange auf der Titelseite
der Sonntagsausgabe der Berliner MOPO lesen zu dürfen.
ALLES ODER EHER NICHTS
Ein Freund, der seinen Freund 14 Tage nicht erreichen konnte,
weder am Telefon noch sonst, fragt ihn, als er ihn wiedersieht:
„Du warst ja wie verschwunden? Wo bist du gewesen?“
„Ich war auf Löwenjagd. In Afrika!“
„Auf Löwenjagd?! Toll!
Und wie viele Löwen hast du geschossen?“
„Keinen!“
„Keinen? Das ist aber nicht viel!“
Antwortet des Jägers: „Bei Löwen schon!“
Das war zu Zeiten der Großwildjäger à la Hemingway.
Jetzt, da mir auf einer Fotosafari in Südafrika im offenen Landrover zu acht plus Spurensucher und Rangerin mit Schießgewehr auf der Pirsch nach den „Big Five“ (Löwe, Leopard, Elefant, Rhinozeros und Büffel) die Löwen täglich vor die Kamera getrieben werden, man muss nur „Klick!“ machen im richtigen Moment, nehmen uns die Tiere überhaupt nicht zur Kenntnis. Im Jeep, auf zehn Meter Entfernung, sind wir für sie eine irreale Sache.
Nicht vorhanden, während wir sie digital, ohne Film schießen. Verlieren wir das Plättchen der elektronischen Kamera (wie einer Dame passiert), werden auch wir sie nie gesehen haben.
Ein virtuelles Leben! Wie es Uwe Tellkamp für den real verenden Sozialismus beschreibt, als Menschen um Ware in der falschen Schlange stehen:
"Sagen Sie, Betten haben Sie wohl nicht mehr?"
„Nee“, antwortet der Verkäufer:
„Hier gibt’s nur keine Winterreifen.
Keine Betten gibt’s im Möbelladen.“
„Sachense bloß. Und wieso?“
"Ganz einfach, nicht nötig!
(Volksarmee war sozusagen der Bund zu DDR - Zeiten)
Die Volksarmee steht auf Friedenswacht,
der Intellekt ist auf Rosen gebettet.
Die Politiker schlafen im Ausland,
die Rentner im Westen,
die Partei schläft nie - und der Rest sitzt."
Auch für das absterbende Bürgertum gibt es eine ähnliche Geschichte,
die in der Endzeit spielt.
Bei Buñuel im Film „Der diskrete Charme der Bourgeoisie“.
Da kommen Gäste in ein elegantes Pariser Café und bestellen:
Vier Tassen Kaffee! Ohne Sahne!
„Wir haben keine Sahne!“, sagt der Ober würdevoll.
"Darf es auch ohne Milch sein?"
Jetzt, da die virtuellen Milliarden im Nichts verschwinden,
als hätte es sie nie gegeben, gilt Tilmann Leidigs Satz:
"Heute raubt der Kapitalismus den Menschen einen Großteil dessen,
was sie im Sozialismus nie bekommen hätten!"
Alles oder nichts. Alles als nichts.
Noch einmal Löwen.
Tünnes, der Schäl erzählt, wie er sich in der Wüste vor einem ihn verfolgenden Löwen auf den Baum gerettet habe.
Schäl, skeptisch: „In der Wüste gibt’s doch keine Bäume!“
Darauf Tünnes: "Du, das war mir in der Not so was von egal!
Ich liebe ihn, der Mann ist so genial witzig!
meint Pipi
und Ihr?
)