Beeinflussen Windräder das (regionale) Wetter?

Von: , Frage gestellt am So, 13. Mai 2012
Das was wir als Wind wahrnehmen ist ja eigentlich nichts weiter als Bewegungen der Luft um, neben weiteren Abhängigkeiten hauptsächlich temperaturabhängige Druckunterschiede auszugleichen?
Wenn wir nun, wie bereits praktiziert, exzessiv Windräder aufstellen, entziehen wir diesem "Ausgleichssystem" vermeintlich kosten- und nebenwirkungsfreie Energie. Meine Annahme hierzu:
Dieser Eingriff in ein natürliches, sich selbst regulierendes System, könnte eine Radikalisierung des Regulierungsaufwandes zur Folge haben, sprich: Es wäre eine Zunahme von Wetterextremen die Folge.

Wie sehen das die Wetter- und Klimeexperten?

Danke im Voraus für die Antworten

26 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von (abgemeldet) nach 22 Minuten 1 hilfreich
    Re: Beeinflussen Windräder das (regionale) Wetter?
    Hallo!

    Hast Du mal einen Windpark aus dem Flugzeug gesehen, und zwar aus Reiseflughöhe? Wenn ja, dann ist Dir hoffentlich klar, wie winzig klein ein Windrad im Verhältnis zum Wetter als Ganzes ist. Und wenn es nicht eins ist sondern hundert, dann ändert das nicht viel. Dieser Eingriff in ein natürliches, sich selbst regulierendes
    System, könnte eine Radikalisierung des Regulierungsaufwandes
    zur Folge haben, sprich: Es wäre eine Zunahme von
    Wetterextremen die Folge.
    Wieso eine Zunahme? Windräder entziehen der Atmosphäre Energie. Wenn also überhaupt eine Auswirkung bemerkbar sein sollte, dann doch vermutlich eher eine Abschwächung von Wetterextremen.

    Übrigens ist das Wetter meines Wissens kein selbstregulierendes System sondern ein chaotisches System.

    Michael
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    • Antwort von nach 59 Minuten 1 hilfreich
      Re^2: Beeinflussen Windräder das (regionale) Wette
      Hallo Michael,

      das Wetter ist ein chaotisches System, da hast Du zweifelsfrei Recht. Jedoch sehe bei der Betrachtung eines regionalen Wetterprozesses zur Vereinfachung feststehende Ausgangs- und Endzustände deren Änderungsprozess aus meiner Sicht durchaus selbstregulierend ist.

      Beispiel eines typischen Wettermodells: Meeresküste (Wasser-Land) Die Sonne erwärmt indirekt über die Landfläche die Luft (aufsteigende Luftströumung, mit der Folge von Unterdruck). Zum Ausgleich dieses Unterdruckes strömt Luft vom Meer zum Land (tagsüber, Nacht umgekehrt), dass was wir als Wind wahrnehmen.

      Zitat: "Wenn also überhaupt eine Auswirkung bemerkbar sein sollte, dann doch vermutlich eher eine Abschwächung von Wetterextremen."

      Eben das denke ich eben nicht! Der Ausgleichsprozess verschiedener Luftdrucke findet in jedem Fall statt. Wenn ich diesen nun durch Energieenzug beeinflusse (die Folgen sind gerade in chaotischen Modellen kaum vorhersehbar) wird sich der Ausgleichsprozess ausweichend etablieren, vereinfacht gesagt woanders oder in anderem Zeitablauf stattfinden.

      das zumindest sind meine Überlegungen.

      VG Uwe
  2. Antwort von nach 50 Minuten 0 hilfreich
    Re: Beeinflussen Windräder das (regionale) Wetter?
    Hallo, Dieser Eingriff in ein natürliches, sich selbst regulierendes
    System, könnte eine Radikalisierung des Regulierungsaufwandes
    zur Folge haben, sprich: Es wäre eine Zunahme von
    Wetterextremen die Folge.
    so ist es. Dazu gibt es auch Studien:
    http://www.n-tv.de/wissen/Windfarmen-beeinflussen-We...
    http://web.mit.edu/newsoffice/2010/climate-wind-0312...

    Leider nur aus der Erinnerung kann ich noch ergänzen, daß bereits in den 80er Jahren Veränderungen des Mikroklimas östlich der großen Windparks im Westen der USA festgestellt wurden.

    Gruß
    Christian
    • Antwort von (abgemeldet) nach 2 Stunden 2 hilfreich
      Re^2: Beeinflussen Windräder das (regionale) Wette
      Hallo!

      Wenn Du schon schreibst ... so ist es. Dazu gibt es auch Studien:
      ... dann würde mich interessieren, wo Du das hier: ... Es wäre eine Zunahme von
      Wetterextremen die Folge.
      ... aus den verlinkten Artikeln herausliest. Dort ist von einer Veränderung des (Mikro-)Klimas, nicht von einer Zunahme von Wetterextremen die Rede.

      Außerdem halte ich den MIT-Artikel für hochspekulativ.

      Michael
      • Antwort von nach 2 Stunden 0 hilfreich
        Re^3: Beeinflussen Windräder das (regionale) Wette
        Hallo, ... dann würde mich interessieren, wo Du das hier: ... Es wäre eine Zunahme von
        Wetterextremen die Folge.
        ich habe falsch zitiert. Mein "so ist es" bezog sich auf die Frage im Titel: "Beeinflussen Windräder das (regionale) Wetter?"

        Gruß
        C.
  3. Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
    Re: Beeinflussen Windräder das (regionale) Wetter?
    Hallo, Dieser Eingriff in ein natürliches, sich selbst regulierendes
    System, könnte eine Radikalisierung des Regulierungsaufwandes
    zur Folge haben, sprich: Es wäre eine Zunahme von
    Wetterextremen die Folge.
    Das verstehe ich nicht. Windräder entziehen (wie übrigens Bäume oder andere Dinge auch) dem Wind Energie. Wenn wir mal von deiner Annahme ausgehen, dass dieser Effekt relevant ist um merkbare Änderungen zu begründen, dann würde das doch zu einer Abnahme der Windgeschwindigkeiten führen. Woraus schließt du nun, dass dies zu einer Zunahme von Wetterextremen führen würde?

    Davon abgesehen:
    Ich denke, dass du hier die Größenordnungen völlig verkennst. Alle derzeit (2010) installierten Windkraftwerke weltweit bringen es im Jahresschnitt auf eine Leistung von gerade mal 0,04 TW. Die globale Windleistung in 100 m Höhe beträgt Größenordnungsmäßig etwa 1700 TW. Das ist mehr als 40.000 mal soviel! Ob die globale Windleistung nun 1700 TW oder 1699,96 TW beträgt, spielt für das globale Wettergeschehen keine Rolle. Andere Faktoren schwanken hier um Größenordnungen stärker. Du müsstest die Anzahl der Windräder schon um mehrere Größenordnungen erhöhen, damit das überhaupt einen merkbaren Effekt hätte, der über das Mikroklima (und dort werden keine Extremwetterlagen geboren) in direkter Nähe des Windparks hinausgeht. Und selbst wenn du die Anzahl der Windkraftanlagen weltweit verhundertfachst und das dann vielleicht einen Effekt auf das regionale Klima hätte, dann ist damit noch lange nicht gesagt, dass dies zu einer Zunahme von Wetterextremen führt. Ganz davon abgesehen, dass wir weit davon entfernt sind, Windkraftanlagen in diesem Umfang zu nutzen.

    Also dass die derzeit bestehenden oder in den kommenden paar Jahren errichteten Windkraftanlagen eine Zunahme von Wetterextremen verursachen würden, kann man IMO ausschließen.

    Was es geben kann, ist, dass große Windparks einen Einfluss auf das Mikroklima in der direkten Nähe haben können. Das ist aber auch nichts neues, weil auch große Städte, Landwirtschaft oder andere Dinge haben einen Einfluss auf das Mikroklima. Und damit leben wir schließlich auch. So gibt es Hinweise, dass z.B. die nächtlichen Bodentemperaturen innerhalb von großen Windparks um etwa 0,7°C höher liegen als außerhalb der Windparks. Man vermutet, dass dies dadurch verursacht ist, dass die Windräder wärmere Luft von oben nach unten umwälzen. Allerdings ist das ein vorläufiges Ergebnis, dass sich anderswo noch bestätigen muss, um eine belastbare Aussage treffen zu können. Aber wie gesagt: Auch Städte, landwirtschaftliche Flächen, Stauseen oder andere Dinge haben einen Einfluss in dieser Größenordnung. Ganz zu schweigen von den Auswirkungen die das Verbrennen fossiler Brennstoffe bewirken würde, die durch diese Windkraftanlagen vermieden werden können.

    Also kurz und knapp:
    Nein, ich halte es nicht für plausibel, dass Windkraftanlagen in dem heute vorliegenden und für die nächsten Jahrzehnte erwartbaren Umfang, zu einer Zunahme von Extremwetterlagen führen oder einen anderweitigen nennenswerten Einfluss auf das Klima haben, der über das Mikroklima direkt vor Ort oder über die Effekte von anderen Dingen wie Städten, Landwirtschaft, Stauseen oder ähnliche hinaus geht.

    vg,
    d.
  4. Antwort von nach 2 Tagen 4 hilfreich
    Re: Beeinflussen Windräder das (regionale) Wetter?
    Dieser Eingriff in ein natürliches, sich selbst regulierendes
    System, könnte eine Radikalisierung des Regulierungsaufwandes
    zur Folge haben, sprich: Es wäre eine Zunahme von
    Wetterextremen die Folge.
    Ich denke deiner Aussage liegt ein weit verbreitetes Problem zugrunde. Nämlich die Romantisierung der Welt und der Natur. Der Mensch tendiert dazu nach Mustern zu suchen und glaubt an Zyklen. Wir definieren einen 'positiven' Zustand und glauben, es stellte einen Wert dar, diesen Zustand herbeiführen zu müssen.

    Bezogen auf dein Problem meine ich:

    Das globale Klima ist kein selbstregulierendes System. Es reguliert sich nichts - es ist einfach nur. Das Klima weiss nicht, was Extremwetterlagen sind und es weiss auch nichts von ariden Regionen. Das Klima ist das Produkt vieler, vieler Einflussgrößen. Es gibt keinen stabilen Ist-Zustand in den wir Menschen eingreifen, wir steuern vielmehr weitere Einflussgrößen bei (wie deconstruct so schön zeigte, ist der Einfluss den wir über die Windkraft nehmen können aber vernachlässigbar).

    Man muss sich immer mal klarmachen, dass die Welt keinem Plan oder Muster folgt. Als 2010 der Eyjafjallajökull ausbrach, gab es keinen Grund anzunehmen, dass er nicht ein paar Jahre lang weitermacht und uns in eine Art vulkanischen Winter schickt. Es gibt also global gesehen kein gut oder schlecht, sondern nur 'anders'.
    • Antwort von nach 3 Tagen 0 hilfreich
      Re^2: Beeinflussen Windräder das (regionale) Wette
      Hallo, Man muss sich immer mal klarmachen, dass die Welt keinem Plan
      oder Muster folgt. Als 2010 der Eyjafjallajökull ausbrach, gab
      es keinen Grund anzunehmen, dass er nicht ein paar Jahre lang
      weitermacht und uns in eine Art vulkanischen Winter schickt.
      Es gibt also global gesehen kein gut oder schlecht, sondern
      nur 'anders'.
      Das ist zwar richtig, dass es kein gutes oder schlechtes Klima per se gibt, aber es gibt sehr wohl ein gutes oder schlechtes Klima für uns Menschen die wir hier und jetzt auf dieser Erde leben. Denn natürlich könnten wir theoretisch auf einer 2° wärmeren oder 2° kälteren Welt genauso gut leben, aber das Problem ist, dass unsere ganze Infrastruktur und unsere Gesellschaften auf das Klima ausgerichtet ist, dass wir derzeit haben. Denn der Hamburger Hafen liegt eben an dem Ort, der für den aktuellen Meeresspiegel ideal ist. Und der Meeresspiegel ist eben im wesentlichen von der globalem Mitteltemperatur abhängig. Unsere landwirtschaftlichen Flächen sind genauso eben dort, wo Temperatur und Regen ein gutes Pflanzenwachstum ermöglichen. Ändert sich das Klima stark (und zwar völlig egal in welche Richtung) dann ändern sich diese Rahmenbedingungen und wir müssen extrem viel Geld in die Hand nehmen, um unsere Infrastruktur an die neuen Gegebenheiten anzupassen. Genauso müssen Leute umsiedeln und das übt gewaltigen Stress auf die Gesellschaften verschiedener Länder aus, in die diese Leute dann ziehen würden.

      So einfach zu sagen, dass jedes Klima gleich gut für uns ist, ist es eben nicht. Optimal ist immer das Klima, an dass die Wirtschaft, Gesellschaft, Infrastruktur, Landwirtschaft usw eben angepasst sind. Und nachdem wir ziemlich massiv an den Stellschrauben unseres Klimas drehen, ist das nicht unbedingt ein sonderlich nachhaltiges Verhalten für uns selbst. Der Natur ist es völlig egal wie warm/kalt es ist, die arrangiert sich schon damit (wenngleich auch u.U. mit großen Opfern), aber das macht sie bereits seit Millionen von Jahren und die Natur ist eben weder gerecht, noch mitfühlend. Sie ist - und da stimme ich dir zu - eben völlig frei von solchen menschlichen Bewertungen. Aber wir sind es nicht, und daher gibt es für uns sehr wohl ein "gutes Klima".

      vg,
      d.
      • Antwort von nach 3 Tagen 2 hilfreich
        Re^3: Beeinflussen Windräder das (regionale) Wette
        Ich bin da ganz bei dir. Das meinte ich mit 'global gesehen'.

        Und ich denke dass ist auch dass was wir uns beim Thema Umweltschutz immer mal wieder klar machen müssen. Der Mensch kann den Planeten nicht zerstören und er kann die Natur nicht zerstören. Er kann aber sehr wohl seine eigene Lebensgrundlage nachhaltig beeinträchtigen. Die Klimaerwärmung wird dem Planeten und der Natur nicht schaden - dem Menschen aber auf jeden Fall (werden lokal auch Populationen von Flora und Fauna beeinträchtigt).

        Mir ging es eher darum dass diese Vorstellung vom stabilen Zustand herrscht, den es real aber einfach nicht gibt. Heraklit hatte schon vor 2500 Jahren recht - Panta Rhei (wobei das nur eine Verkürzung seiner Thesen ist).

        ---

        Davon mal abgesehen: Auch wenn es zweifellos einen anthropogenen Anteil am Klima und dessen Entwicklung gibt, muss man sich fragen wie groß dieser wirklich ist. Das Argument, dass alles CO2 das derzeit in Kohle, Öl und Karbonaten gebunden ist, irgendwann einmal in der Atmosphäre gewesen sein muss ist nämlich eigentlich gar nicht so schlecht. Aber darüber sollen sich die echten Klimatologen den Kopf zerbrechen. Das sich das Klima grade ändert steht wohl inzwischen relativ zweifelsfrei fest. Aber die Mechanismen dahinter sind weit schlechter erforscht als es uns recht sein kann.


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