Warum bis zur Räumungsklage kommen lassen?

Hallo,

wenn ich hier mitlese oder es im Bekanntenkreis höre, das Mieter es öfters bis zur Räumungsklage kommen lassen, kann ich sowas nicht nachvollziehen. Da gehen die Streitigkeiten von Mieter und Vermieter nur noch über Anwälte, so geredet wird gar nicht mehr miteinander, für jeden Driss wird ne Anzeige gegeneinander gemacht usw. räumungsklage kostet doch Mieter und Vermieter auch ne Menge Kohle. Warum lassen es dann die Mieter immer öfter drauf ankommen?

Ist doch doof, wenn in der Nachbarschaft keiner mehr mit einem redet und man gemieden wird, weil man sich wie ein Idiot verhält und um jeden Preis in einer bestimmten Wohnung bleiben will, wo man doch immer wieder liest, das viele Wohnungen leerstehen, teilweise sogar welche in Neubaugebieten mit Balkon, Garten oder sonstigen Sachen. Wäre es dann nicht einfacher und auch billiger, ne Kündigung zu akzeptieren und sich ne andere Bude zu suchen?? Welche Gründe haben denn Mieter, sowas nicht zu tun??

LG Erika

Hallo,

wenn ich hier mitlese oder es im Bekanntenkreis höre, das
Mieter es öfters bis zur Räumungsklage kommen lassen, kann ich
sowas nicht nachvollziehen. Da gehen die Streitigkeiten von
Mieter und Vermieter nur noch über Anwälte, so geredet wird
gar nicht mehr miteinander, für jeden Driss wird ne Anzeige
gegeneinander gemacht usw. räumungsklage kostet doch Mieter
und Vermieter auch ne Menge Kohle. Warum lassen es dann die
Mieter immer öfter drauf ankommen?

Ist doch doof, wenn in der Nachbarschaft keiner mehr mit einem
redet und man gemieden wird, weil man sich wie ein Idiot
verhält und um jeden Preis in einer bestimmten Wohnung bleiben
will, wo man doch immer wieder liest, das viele Wohnungen
leerstehen, teilweise sogar welche in Neubaugebieten mit
Balkon, Garten oder sonstigen Sachen. Wäre es dann nicht
einfacher und auch billiger, ne Kündigung zu akzeptieren und
sich ne andere Bude zu suchen?? Welche Gründe haben denn
Mieter, sowas nicht zu tun??

Hallo Erika,

die nachfolgenden Bemerkungen betreffen einzelne Fälle und sind nicht für Mieter und Vermieter üblich. Zu Bedauern ist aber jeder, der in dieser Lage ist.

Hier muss man natürlich zuerst einmal prüfen, ob eine Kündigung gerechtfertigt ist. Und mancher Vermieter kündigt auch nur, weil der Mieter nicht überzogenen Mietforderungen nachkommt oder sich gar als Untertan erweist. Sehr oft ist die Räumungsklage nicht gerechtfertigt. Im Übrigen kommt es in solchen Fällen auch nur bei unbelehrbaren Mandanten soweit. Meist kann man sich einigen.

Doch gibt es auch die heillos zerstrittenen Parteien. Aus der Praxis: Da wird das Treppenhaus gereinigt, der Dreck wird dem Mieter/Vermieter unter den Fussabstreifer vor die Türe gewischt. Da fallen zufällig die Reste von Speisen von oben genau dann herab, wenn unten der andere sitzt und Kaffee trinkt. Wenn der andere auf dem Balkon/Terrasse sitzt muss der andere natürlich seinen Teppich unter dem Fenster ausschütteln. Versehentlich fällt die Tasse ( oft bei Balkonen mit Zwischenräumen ) um und der Kaffee tropft genau auf den Mittagstisch des anderen. Der eine hat hellrote Geranien, der andere dunklerote. Nun streitet man über die Farbe. Im Garten ist das Gras - der Mitmieter/Vermeiter hat nachgemessen - höher als drei Zentimeter. Der Nachbar putzt das Treppenhaus nicht um 14.00 sondern um 14.05. Die Heizung wird abgestellt, dann werden Sicherungen herausgedreht, in den Briefkasten wird Müll geworfen usw… Und da beteiligen sich Mieter wie Vermieter. Dann kannst Du nicht erwarten, dass eine Partei in einem Rechtsstreit ohne Urteil nachgibt. Teilweise egal was es kostet. Und wehe, die Räumung klappt nicht, das Gericht weist die Räumung zurück. Nun geht es erst richtig los. Im Winter wird dann das Fenster im Treppenhaus geöffnet, dass der, der oben wohnt es richtig kalt hat.

Oder die Räumung wird bewilligt. Bis zur Räumung müsste man in einigen Fällen eine Polizeieinheit zur Sicherung des Hausfriedens zur Verfügung stellen. Nicht nur Mieter, auch Vermieter zerstören das Eigentum, um den anderen nochmals wegen Sachbeschädigung vor Gericht zerren zu können.

Und dann gibt es natürlich auch jene, die sich schäden, weil sie die Miete nicht mehr zahlen können. Oft ältere Menschen. Zunehmend auch Familien. Käme manche Familie rechtzeitig in eine Beratung, könnten viele Kosten erspart werden.

Es gibt sie zwar, jene Vermieter, aber es sind nicht so viele - die bei unverschuldeter Notlage - kein Verständnis aufbringen. Überwiegend ist es möglich mit Ratenzahlungen und Hilfen über Ämter das Problem zu lösen. Dies heisst aber, dass der Mieter rechtzeitig Hilfe suchen muss. Wobei Aussenstehende dies natürlich gut so sagen können. Wer wirklich unverschuldet in solche Situationen kommt schämt sich wirklich.

Die andere Gruppe der säumigen Mieter - auch dies aus der Praxis - muss, bevor die Mietrückstände gezahlt werden in den Urlaub, den man verdient hat. Der hört dann bei uns - ohne Kinder - welchen Platz unter einer Donaubrücke man reservieren soll. jene mit Kinder müssen sich schon die Frage anhören, ob sie denn jemals an ihre Kinder denken und was ihre Kinder erleben, wenn durch Zwangseinweisung man in einer Wohnung in einem nicht besonders angesehenen Viertel wohnt. Doch diese Klientel weiss meist auch "nie, weshalb man eine Räumungsklage " bekommt, man hat doch die Beweise ( durch Überweisungsvordruck ) dass gezahlt ist. Danach darf man höchstens diskutieren, warum wir einen Bankauszug benötigen, wo doch alles auf der Überweisung steht. Wenn man Glück hat, kommt dieser Schuldner vorbei. Ansonsten kommt man eines Morgens zum Amtsgericht und auf dem Terminplan steht dann der Name dieses Mieters ( ohne Anwalt ) und des Vermieters (mit Anwalt). Der Mieter erscheint meist nicht. Nach dem Versäumnisurteil geht es dann so richtig zur Sache.

Also kann das System, dass sich beide ohne Gericht trennen, ohne eine Räumungsklage wohl nur dort funktionieren, wo zwei Parteien in der berechtigten Anerkennung der Gründe jeweils der anderen Partei mit der notwendigen Sorgfalt und dem Verständnis entgegen kommen.

Und dann gibt es noch eine Gruppe, jene, der es egal ist, was es kostet. Entweder hat man das Geld für den Prozess oder es gibt die Prozesskostenhilfe, wie man meint.

Es gibt aber für einen Räumungsrechtsstreit wegen Mietrückstände keine Prozesskostenhilfe.

Gruss Günter

Hallo Günter,

danke für die sehr ausführliche Antwort. ist ja echt interessant, was da manchmal zwischen den zerstrittenen Parteien so abgeht. Weitere Anmerkungen zwischen den Texten.

LG Erika

Doch gibt es auch die heillos zerstrittenen Parteien. Aus der
Praxis: Da wird das Treppenhaus gereinigt, der Dreck wird dem
Mieter/Vermieter unter den Fussabstreifer vor die Türe
gewischt. Da fallen zufällig die Reste von Speisen von oben
genau dann herab, wenn unten der andere sitzt und Kaffee
trinkt. Wenn der andere auf dem Balkon/Terrasse sitzt muss der
andere natürlich seinen Teppich unter dem Fenster
ausschütteln. Versehentlich fällt die Tasse ( oft bei Balkonen
mit Zwischenräumen ) um und der Kaffee tropft genau auf den
Mittagstisch des anderen. Der eine hat hellrote Geranien, der
andere dunklerote. Nun streitet man über die Farbe. Im Garten
ist das Gras - der Mitmieter/Vermeiter hat nachgemessen -
höher als drei Zentimeter. Der Nachbar putzt das Treppenhaus
nicht um 14.00 sondern um 14.05. Die Heizung wird abgestellt,
dann werden Sicherungen herausgedreht, in den Briefkasten wird
Müll geworfen usw… Und da beteiligen sich Mieter wie
Vermieter. Dann kannst Du nicht erwarten, dass eine Partei in
einem Rechtsstreit ohne Urteil nachgibt. Teilweise egal was es
kostet. Und wehe, die Räumung klappt nicht, das Gericht weist
die Räumung zurück. Nun geht es erst richtig los. Im Winter
wird dann das Fenster im Treppenhaus geöffnet, dass der, der
oben wohnt es richtig kalt hat.

Oder die Räumung wird bewilligt. Bis zur Räumung müsste man in
einigen Fällen eine Polizeieinheit zur Sicherung des
Hausfriedens zur Verfügung stellen. Nicht nur Mieter, auch
Vermieter zerstören das Eigentum, um den anderen nochmals
wegen Sachbeschädigung vor Gericht zerren zu können.

Wie hiess doch mal ein Film, meine teuflischen Nachbarn oder so?? Gut, das nur meine Mum und mein Bruder über mir wohnen.

Überwiegend ist es möglich mit Ratenzahlungen und
Hilfen über Ämter das Problem zu lösen. Dies heisst aber, dass
der Mieter rechtzeitig Hilfe suchen muss. Wobei Aussenstehende
dies natürlich gut so sagen können. Wer wirklich unverschuldet
in solche Situationen kommt schämt sich wirklich.

Ich fands anfangs auch furchtbar und hab mich geschämt, das ich arbeitslos war. Aber da es betriebsbedingt war, konnte ich ja nix dafür.

Die andere Gruppe der säumigen Mieter - auch dies aus der
Praxis - muss, bevor die Mietrückstände gezahlt werden in den
Urlaub, den man verdient hat. Der hört dann bei uns - ohne
Kinder - welchen Platz unter einer Donaubrücke man reservieren
soll.

Notfalls haben wir an Rhein und Wupper auch noch Brücken. :wink:

Doch diese
Klientel weiss meist auch "nie, weshalb man eine Räumungsklage
" bekommt, man hat doch die Beweise ( durch
Überweisungsvordruck ) dass gezahlt ist. Danach darf man
höchstens diskutieren, warum wir einen Bankauszug benötigen,
wo doch alles auf der Überweisung steht.

Ein Überweisungsvordruck heisst ja nicht, das man die Überweisung zur Bank gebracht hat, logisch eigentlich, das dann der Bankbeleg gefordert wird.

Also kann das System, dass sich beide ohne Gericht trennen,
ohne eine Räumungsklage wohl nur dort funktionieren, wo zwei
Parteien in der berechtigten Anerkennung der Gründe jeweils
der anderen Partei mit der notwendigen Sorgfalt und dem
Verständnis entgegen kommen.

Was sicher selten der Fall sein wird.

[…]

Hallo Erika,
manchmal geht es auch nicht nur im die Kosten sondern den anderen
Schaden zuzufügen.

Wenn zum Beispiel ein Vertrag zwar erfüllt wurde, aber so dermassen
mies und abzockermässig usw. kann es schon vorkommen das man mit der
Gegenseite in Konflikt geht.
Hier kann man vorher leicht ausrechnen welche Kosten entstehen und ob
es einen Wert ist.
Dazu gibt es einige Masnahmen amit der Gegenseite richtig viele
Kosten an Verwaltung und Zeit entstehen die sie nicht geltend machen
kann.
Ich habe das ganze schon 2 mal so betrieben, einmal privat, einmal
beruflich. Beides mal als ich mich Betrogen fühlte aber halt nicht im
Recht war. Bei der provaten Aktion ging es damals mit der bekannten
Abzocke […], die Berufliche war etwas ähnliches.
So wurden bei der Privatangelegenheit aus 30 Euro 220 Euro, habe
ihnen aber bestimmt 1000 Euro Kosten verursacht. Nach 1,5 Jahren gab
es dann ein vergelichbares Gerichtsurteil eines Oberlandesgerichtes
das mir Recht gab.

Also hier geht es eigentlich nicht um Geld zu sparen sondern um sich
an jemanden für eine unsauberen Vertrag zu rächen.
ansonsten immer schauen das alles sauber abläuft, saubere Arbeit doer

Leistung müssen auch gleich bezahlt werden, wenn jemand Fair zu dir
ist sai niemals unfair zu ihn.

MFG Zoomi

Team: editiert

Hi!

Welche Gründe haben denn
Mieter, sowas nicht zu tun??

Günter hat ja bereits einiges aus seiner beruflichen Praxis erzählt.
Ich möchte hier jedoch noch etwas ergänzen:
wer arbeitslos wird, bekommt keine neue Wohnung. Ich hatte in meinem Leben 7-8 Mietwohnungen und bei jedem Vetragsabschluss wurde genauestens darauf geachet, dass auch die Miete kommen kann.
Heute vermiete ich selbst und bin ebenso akribisch beim Check meiner Mieter, hatte jedoch auch nur einmal ein massives Problem. Alle anderen sind ehrlich, einen wirklichen Mietausfall hatte ich noch nie.

Ähnlich sieht es bei Leuten aus, die schon sehr lange in ihrer Wohnung leben und somit eine sehr niedrige Miete bezahlen. Wenn nun ein Rentner seit 40 Jahren in seiner Wohnung wohnt und nun saniert werden soll, wird er sich die deutlich höhere Miete im sanierten Objekt kaum leisten können. Einen neue Wohnung zum selben Preis findet er natürlich auch nicht. Somit, alte Menschen neigen nun mal dazu, ignorieren viele das drohende Unheil, bis es zu spät ist.

Noch ein allgemeines Wort zum Schluß: in Deutschland ist die Wohnungseigentumsquote eine der niedrigsten in Europa. Durch hohe Steuern, vollkommen unrealistsche Grundstückspreise in den Einzugsgebieten der Großstädte und horrende Sozialversicherungskosten lassen den Menschen in Deutschland keine Luft mehr zum Atmen. Eine normale Familie mit einem durchschnittlichen einkommen von 30.000 € brutto p.a. kann die beispielsweise in München notwendigen 100.000 Euro Eingenkapital für die Finanzierung eines Reihenhauses für ca. 380.000 € inkl. Nebenkosten nicht mehr verdienen, geschweige denn die Tilgung leisten.
Wer nichts erbt, hat verloren.
In Italien oder Fankreich wäre man mit diesem Einkommen ganz locker Hausbesitzer bei Verona oder Lyon. In GB oder NL wäre noch nicht einmal großartig Eigenkapital notwendig, um sich ein durchschnittliches Haus für 180.000 Euro hinzustellen.
Das deutsche Bankensystem i.V.m. einer Politik, die bei höchster Belastung der Bürger immer am Rande des Abgrundes dreht, trägt, natürlich zusammen mit Grundstücks-Spekulanten, die Schuld daran, dass hierzulande, um auf die eigentliche Frage zurückzukommen, solche Notsituationen im Dutzend billiger entstehen.

Somit werden weiterhin über 70% der Deutschen zur Miete wohnen (Quelle: Spiegel-Bericht von vor ca. 1 Jahr) und im Not- oder Rentenfall sehr schnell auf der Straße sitzen.

Viele Grüße,

Mathias