Arbeitslosengeld 2 *grr* oder: will ich auch haben

Hallo alle zusammen,

nachdem ich hier so einige nette Postings zum Thema Arbeitslosengeld 2 gelesen habe - meist musste ich weiter klicken, um mich nicht all zu sehr aufzuregen - habe ich mir mal einen Bescheid kopiert (natürlich habe ich alle Angaben geschwärzt) und mit nach Hause genommen. Eine Bekannte meinte, dass es allen Hartz 4-Empfängern richtig schlecht ginge - kein Geld etc.

Der Bescheid ist von einem asiatischem Einwohner meiner Stadt, 52 Jahre alt, Ehefrau 47 Jahre alt, zwei Kinder 16 und 17 Jahre alt.
Sie wohnen in einer weniger guten Wohnlage - aber nicht so ghetto-mäßig = mehr oder weniger günstiger Wohnraum (ca. 80/85 qm) in einer mittelgroßen Stadt.

Als ich diesen Bescheid das erste Mal gesehen habe, stockte mir schon etwas der Atem.

Leistungen zur Sicherung der Lebensunterhaltes
(Leistungen der Agentur für Arbeit)
----->>>>>>>> 1174,00 Euro

  • Angemessene Kosten für Unterkunft und Heizung
    (Leistungen des kommunalen Trägers)
    ----->>>>>>>> 454,03 Euro

Gesamtbetrag: >>>1628,03 Euro

Auf Neid ist mehr Verlass als auf Solidarität
Hallo!

Der Bescheid ist von einem asiatischem Einwohner

Wenn Du das extra erwähnst, hast Du sicherlich einen Grund dafür. Also warum ist es so bedeutend, dass es sich dabei um einen Asiaten handelt? Die Untertöne verraten doch manchmal schon, in welche Richtung die Reise - unter anderem - geht.

hmmm: 1628,03 Euro für vier Personen … da würd ich auch
nicht arbeiten gehen … Unsere Stadt ist klein, man kennt
viele vom Sehen: 1628,03 Euro zum Lebensunterhalt und einen
schönen ganz neuen Golf als Auto … nein, da würde ich auch
nicht arbeiten gehen.

Nun mal ehrlich - wozu soll das dienen, was Du hier schreibst? Ist irgendwem damit geholfen, dass sich nun alle echauffieren ob dieser Ungerechtigkeit? Ich weiß genauso wenig wie Du, warum diese Menschen nicht arbeiten, ob sie nicht vielleicht einen 1-Euro Job haben oder bald mal einen annehmen müssen, ob 1600 Euro für eine vierköpfige Familie wirklich so unheimlich viel Geld ist…das führt doch zu nichts. Natürlich gibt es immer mal wieder Menschen, die die angebotene staatliche Hilfe ausnutzen. Aber dann investigativ den eignen Mitmenschen auszuforschen und sich schwarz zu ärgern hilft doch auch nicht weiter, oder? Ich finde ein System, auf das sich der Bedürftige im Ernstfall Verlassen kann, das aber auch mal missbraucht werden kann, immer noch besser, als dieses ewige Denunziantentum und mit dem finger auf Einzelpersonen gezeige. Das Problem ist nicht, dass fünf Millionen Menschen gern den Staat betrügen wollen, sondern das wirkliche Problem ist, dass so viele Menschen keine Arbeit finden. Sich über Personen aufzuregen, die nicht wollen, finde ich weniger angebracht, als sich mal über die Tatsache aufzuregen, dass die übrigen, die wollen, nicht können.

Bekommen die eigentlich zusätzlich noch Kindergeld? Im
Berechnungsbogen finde ich keine Einkommensanrechnung.

Davon ist auszugehen, das wird aber bei der Berechnung der Unterstützung angerechnet.

Gruß,Frank.

Neid - ne, Wut!

Hallo Frank!

Der Bescheid ist von einem asiatischem Einwohner

Wenn Du das extra erwähnst, hast Du sicherlich einen Grund
dafür. Also warum ist es so bedeutend, dass es sich dabei um
einen Asiaten handelt?

Das schrieb ich aus dem Grund, weil ich davon ausgehe, dass ein ausländischer Mensch, der nach eigenen Angaben über 16 Jahre nicht gearbeitet hat meiner Meinung nach weniger Geld verdienen würde, wenn er arbeiten ginge, da meist eine in Deutschland anerkannte Ausbildung fehlt.

Die Untertöne verraten doch manchmal
schon, in welche Richtung die Reise - unter anderem - geht.

Der Unterton meines Postings war nicht in Richtung Rassismus gedacht sondern eien kritische Anmerkung zum Thema „Sozialstaat“.

Der eine findet das System ungerecht, dass man mit Hartz 4 genau so viel Geld bekommt, wie ein Durchschnittsverdiener, der andere nett es Neid … damit kann ich leben!

Aber was man hier teilweise liest, lassen einem die Haare zu Berge stehen:

  • Hartz 4 und Hausbau
  • Hartz 4 und … können nicht zusammen ziehen, weil Geld gekürzt/gestrichen wird …
  • Hartz 4 und „unzumutbare“ oder „ungerechtfertigte“ Kürzungen

So was kotzt mich total an und wenn man dann immer wieder präsentiert bekommt, dass es ja doch nicht so wenig Geld ist, wie es immer im Allgemeinen heißt, dann fragt man sich, warum man überhaupt seit seiner Schulentlassung arbeiten geht … oder muss ich auch noch mit der Aussage vorsichtig sein?

Gruß
Molika

5 „Gefällt mir“

Empfundene Ungerechtigkeit
Hallo Molika,

Hartz4 oder Sozialhilfe dient dazu den Menschen in deisem Land ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. Wegen der Gleichbehandlung aller Bürger darf dabei nicht unterschieden werden, warum jemand seinen Lebensunterhalt nicht selber bestreiten kann.
Es wird nicht unterschieden ob jemand lieber am Wasserhäuschen abhängt oder ob jemand seit Jahren verzweifelt eine Arbeit sucht.
Es wird nicht unterschieden, ob es sich jemand mit ALG2 und Schwarzarbeit gutgehen lässt, oder ob es ein behinderter Mensch ist, der zwar theoretisch Vollzeit arbeiten könnte, wenn es Arbeit für gäbe. Bedenke, dass auch der „fitte“ Blinde oder Querschnittsgelähmte ALG2 erhält.

Stell dir vor, du hast irgendwann eine schwere Krebserkrankung. Du überlebst, bist danach nur noch eingeschränkt arbeitsfähig. Deine bisherige Arbeit kannst du nicht mehr machen, aber die Ämter sind der Meinung, dass du täglich 4 Stunden an einer passenden Stelle arbeiten könntest (die du natürlich nicht findest). Du bekommst als eine halbe Erwebsunfähigkeitsrente von z.B. 500€. Eine BU-Versicherung hast du, wie die Meisten nicht.
Also brauchst du vom Sozialamt Hilfe zu Leben. Aber vorher muss du alles, was du in deinem Leben erarbeitet hast, inkl. Lebensversicherungen, bis auf einen kleinen Freibetrag verleben.
Dann bekommst du soviel, dass du wie Hartz4-Empfänger da stehst.
In einem solchen Fall wird dir dieser Betrag gar nicht mehr so üppig erscheinen.
Ein Auto kannst du kaum unterhalten und Urlaubsreisen sind auch passé.
Der Betrag in deinem vorgetragen Fall ist deshalb relativ hoch, weil hier vier Personen unterhalten werden. Je größer die Familie, desto einfacher.

Das Problem ist die empfundene Ungerechtigkeit, die du immer haben wirst. Du hast auf der einen Seite Menschen für die Hartz4 ein bequemes Leben bedeutet. Und du hast Menschen, für die Hartz4 ein gnadenloser Absturz bedeutet.

Was würdest du vorschlagen? Hartz4 kürzen?

Gruß
Carlos

Hallo Charlos,
meine Nachbarin - die, die immer pauschal sagt, dass es den ALG2-Empfängern zu schlecht geht - war heute abend noch ein Stündchen bei mir.
Wir hatten uns kurz über Silvester-Pläne unterhalten und dann kamen wir auf das Thema zu sprechen.
Sie hatte dann Abrechnungen Ihres Mannes geholt. Ihr Mann (arbeitet bei einer Leihfirma) verdient durchschnittlich 1530/1580 Euro im Monat (brutto), abzüglich Abgaben bleiben ihm und seiner ebenfalls 4-köpfigen Familie so +/- 1200 Euro, zzgl. Kindergeld. Erziehungsgeld wird das letzte Mal im Januar gezahlt, sagte sie.

Diese Familie hat bis Januar einschließlich also mehr Geld zur Verfügung, dank des Erziehungsgeldes. Ab Februar sollte man sie zur Arge jagen - immerhin gibt es ja Freibeträge, wenn man arbeitet …
Allerdings sagte sie, dass sie lieber ein paar Stunden arbeiten gehen wolle, um das Defizit wieder abzuarbeiten. Sie wolle sich niemanden offenbaren.

Gruß
Molika

Hallo Molika,

Sie hatte dann Abrechnungen Ihres Mannes geholt. Ihr Mann
(arbeitet bei einer Leihfirma) verdient durchschnittlich
1530/1580 Euro im Monat (brutto), abzüglich Abgaben bleiben
ihm und seiner ebenfalls 4-köpfigen Familie so +/- 1200 Euro,

Nach den Maßstäben dieser Gesellschaft ist diese Familie arm. Jede Ausgabe muss sorgsam überdacht werden. Viele „Selbstverständlichkeiten“ sind finanziell nicht möglich. Und das, obwohl der Familienvater vollzeit arbeitet.
Auf der anderen Seite verdienen viele Singles ein Mehrfaches ohne mehr oder härter arbeiten zu müssen. Unser Gesellschaftssystem IST ungerecht.

Gruß
Carlos

Die 1628,03 Euro sind incl kindergeld, das wird nämlich verrechnet…

ich bekomme selber Alg2 und es ist garantiert nicht einfach mit dem Geld.
Wenn ich mal so rechne…
…ich 311€
…Frau 311€
…kind 53€ + Kindergeld
Abzüglich strom 80€
Zusätzliche heizkosten 40€ (werden bei mir nur zu ~50% übernommen)
abzüglich medikamente 40€ (es sind nur allein die sachen, die nicht von der KK übernommen werden)
abzüglich fahrtkosten 160€ (haben krankes kind was viele therapien machen muss, unteranderem auch in anderen städten)
Abzüglich diverser sachen 50€ (Kindergarten, praxisgebühren* *auf einen monat umgerechnet, WIndeln* *mein sohn ist fast 4 und nicht trocken zu bekommen ect…

…macht unterm Strich: 459€, also pro person 153€ zum Leben, abzüglich Telefon, Kabelfernsehn ect.

Mensch habe ich ein Luxusleben, muss mir morgen erstmal ein neues Auto kaufen

und…
…ich kann ja mal eben zur Bank rennen und mir einen Kredit holen, weil meine Waschmaschine kaputt ist oder weil mein Sohn eine neues Kinderbett braucht oder weil wir nicht kochen können, weil der Herd kaputt ist…

Wenn Du das extra erwähnst, hast Du sicherlich einen Grund
dafür.

Als Grund dafür wäre denkbar die Vorstellung, wie es denn umgekehrt wäre, für eine in ein asiatisches Land gewanderte deutsche Familie.

Mfg

Epicanthus

1 „Gefällt mir“

und noch…
…Du hast geschrieben:
Sie wohnen in einer weniger guten Wohnlage - aber nicht so ghetto-mäßig = mehr oder weniger günstiger Wohnraum (ca. 80/85 qm) in einer mittelgroßen Stadt.

das hört sich für mich so an als wenn du damit sagen willst…
…aber nicht so Ghettho-Mässig: Warum wohnen die nicht in einem Ghetto, unverschämtheit!!!
…boah 85m², reicht da keine Wellblechhütte?
…in einer mittleren Stadt: Kann man für die nicht Lager einrichten, ausserhalb jeglicher Zivilisation?

2 „Gefällt mir“

Hallo

Das schrieb ich aus dem Grund, weil ich davon ausgehe, dass
ein ausländischer Mensch, der nach eigenen Angaben über 16
Jahre nicht gearbeitet hat meiner Meinung nach weniger Geld
verdienen würde, wenn er arbeiten ginge, da meist eine in
Deutschland anerkannte Ausbildung fehlt.

Ein Deutscher, der seit 16 Jahre nicht arbeitet, würde bestimmt überhaupt keine Arbeit bekommen, auch wenn er eine anerkannte Ausbildung hätte, ebenso wie der ausländische Mensch ohne anerkannte Ausbildung, daher ist es müßig, sich darüber den Kopf zu zerbrechen, wieviel er dann verdienen würde, falls er irgendwie doch arbeiten würde.

Ansonsten handelt es sich nicht um einen, sondern um 4 ausländische Menschen, von denen du hier sprichst. Davon sind 2 erwachsen und von daher soweit arbeitsfähig. Du müsstest also - wenn überhaupt - dich fragen, ob sie ggf. jeder ca. 800,- Euro im Monat verdienen würden, falls sie arbeiten gehen würden, als Langzeitarbeitslose ohne Qualifikation.

Der eine findet das System ungerecht, dass man mit Hartz 4
genau so viel Geld bekommt, wie ein Durchschnittsverdiener, …

Wie gesagt, es handelt sich um zwei erwachsene Leute, von den Kindern einmal abgesehen.

Aber was man hier teilweise liest, lassen einem die Haare zu
Berge stehen:

  • Hartz 4 und Hausbau

Das sind doch nur Wunschträume.

  • Hartz 4 und … können nicht zusammen ziehen, weil Geld
    gekürzt/gestrichen wird …

Kannst du dir vorstellen, dass in einer Partnerschaft derjenige, der kein Hartz 4 bekommt, eventuell nicht mit seinem Hartz-4-Empfänger-Partner zusammen ziehen will? Oder dass es für einen Hartz-4-Empfänger unmöglich erscheinen könnte, mit seinem geliebten Partner zusammen wohnen zu wollen, wenn er genau weiß, dass der andere dann ganz erhebliche Einkommenseinbußen haben würde?

Überleg dir mal, das könnte einer sein, der 1800 Euro mtl. verdient, und wenn er mit seinem Partner zusammenzieht, hat er plötzlich 500 Euro weniger (incl. teurerer Miete). Besonders motivierend ist das jedenfalls nicht.

  • Hartz 4 und „unzumutbare“ oder „ungerechtfertigte“ Kürzungen

So was kotzt mich total an und wenn man dann immer wieder
präsentiert bekommt, dass es ja doch nicht so wenig Geld ist,
wie es immer im Allgemeinen heißt, …

Hartz 4 sind ca. 350 Euro für einen Erwachsenen. Davon müssen - außer Nahrung und Körperpflege auch Kleidung, Geräte wie Waschmaschinen und deren Reparatur, schlicht alles außer Miete, Krankenkasse und Heizung bezahlt werden. Das ist nun wirklich nicht allzu viel.
Natürlich hat ein Arbeiter aus einer der unteren Lohngruppen, der alleine eine 4-köpfige Familie ernährt, auch nicht unbedingt mehr. Aber deswegen geht da ja meistens der Ehepartner auch arbeiten.

dann fragt man sich, warum
man überhaupt seit seiner Schulentlassung arbeiten geht …

Und zu welchem Schluss bist du gekommen? Besser kündigen und Hartz 4 beziehen?

Viele Grüße
Thea

2 „Gefällt mir“

Hallo Molika,

nachdem ich hier so einige nette Postings zum Thema
Arbeitslosengeld 2 gelesen habe - meist musste ich weiter
klicken, um mich nicht all zu sehr aufzuregen - habe ich mir
mal einen Bescheid kopiert (natürlich habe ich alle Angaben
geschwärzt) und mit nach Hause genommen.

Also in meinem alten Unternehmen wärst Du dafür (trotz Schwärzung) umgehend gefeuert worden!

Eine Bekannte meinte,
dass es allen Hartz 4-Empfängern richtig schlecht ginge - kein
Geld etc.

Allen sicherlich nicht.

Der Bescheid ist von einem asiatischem Einwohner meiner Stadt,

Eine enstprechede Anmerkung zur Relevanz der Nationalität wurde Dir hier ja bereits gegeben.

Als Antwort auf eine meiner Fragen auf der Arbeit sagte er:
„nein (…) immer so gewesen (…) meine Frau und ich nicht
gearbeitet haben seit Kinder da sind …“

Kennst Du die genauen Gründe? Für Dich scheint jedoch klar zu sein, dass Sie wegen der sozialen Hängematte seit Geburt der Kinder nicht mehr arbeiten. Schon einmal daran gedacht, dass es für den Mann lediglich eine Zeitbestimmung war?

1628,03 Euro zum Lebensunterhalt und einen
schönen ganz neuen Golf als Auto …

Neuer Golf? Finde ich schon seltsam. Entweder kennst Du die Bestimmungen bezüglich des Pkw nicht oder irgend etwas anderes passt hier nicht.

Bekommen die eigentlich zusätzlich noch Kindergeld? Im
Berechnungsbogen finde ich keine Einkommensanrechnung.

Dann werden sie wohl auch keines bekommen.

Vielleicht geht es einer Menge Menschen durch das
Arbeitslosengeld 2 finanziell schlechter, aber eine Menge
Leute leben wohl ganz gut davon und damit.
(Wie es in anderen
Städten - insbesondere Großstädten - aussieht, lasse ich außen
vor, ad ich mich mit den Lebenshaltungskosten meiner Gegend
auskenne - das ist eher ländlich und günstig.)

In die Gegend will ich auch ziehen. Ehrlich gesagt muss Du mir sagen, wo es hier in good old Germany noch günstig zu leben ist.

Ich kenne hier in der mehr oder weniger ländlichen Gegend eher Leute denen es mit ALG II ziemlich schlecht geht. Da werden die Mietzuschüsse gnadenlos zusammengestrichen, weil Quadratmeterpreise angesetzt werden, die fern jeder Realität sind. Von den angeblich angemessenen Heizkostenzuschüssen einmal ganz abgesehen. Die Realitätsfernen Quadratmeterpreise und Heizkosten scheinen aber sogar ein Probem in sehr vielen Regionen Deutschlands zu sein.

Hast Du eigentlich eine Ahnung woher die Höhe des Regelsatzes kommt? „Der Regelsatz wird aus dem Ausgabeverhalten der unteren 20 % der Verbrauchergruppen der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe von 1998 abgeleitet.“ Nun erzähle mir bitte nicht, dass Du in den letzten Jahren nicht über die Preiserhöhungen gejammert hast? Dieser Regelsatz ist doch nicht monatlich zum verbraten. Davon müssen alle zusätzlichen Kosten eines ganzen Jahres gezahlt oder herausgespart werden. (Versicherungen, Telefon, Bewerbungskosten, Auto-Kosten - wenn das überhaupt noch zu halten ist - usw)

Weisst Du was aber für viele meiner Bekannten mit ALG II das schlimmste ist? Wie sie auf den Behörden behandelt werden. Die müssen ihr komplettes Leben (regelmäßig alle Kontoauszüge, alle habe Jahr alle möglichen Bescheinigungen von Einwohnermeldeamt bis Vermieter) ausbreiten um dann von den zuständigen Mitarbeitern wie der letzte dreck behandelt zu werden. Scheinbar hat sich dort eine Denkweise etabliert, dass man hier zum größten Teil doch sowieso nur Sozialschmarotzer und Betrüger verwalten würde.

Leute wie Du können sich das offensichtlich nicht vorstellen.

Ich bin selber kein „Hartz IV - Kunde“. Mich interessiert letztlich auch nicht, ob das ALG II nur eine freiwillige Sozialleistung des Staates ist, über die man sich in anderen Ländern freuen würde. Fakt ist nun einmal, wir seit Jahrzehnten ein ziemlich vorbildliches Sozialsystem mit enormen Leistungen hatten. Fakt ist ebenso, dass aus wirtschaftlichen Gründen hier Änderungen und Streichungen notwendig wurden. Aber wie kann man erwarten, dass die Masse solch gravierenden Einschnitte klaglos hinnimmt und so schnell umdenken kann?

Ich kann nur hoffen, dass Du nie in die Verlegenheit kommst einmal ALG II- Empfängerin zu werden und dann von Leuten wie Du heute bist, verwaltet zu werden.

Grüße von einem nicht weniger nachdenklichen
Steffen B.

PS: Ich streite nicht ab, dass es sicherlich auch Sozialschmarotzer bzw. Betrüger gibt. Doch das ist zweifellos nicht die Masse. Wer das glaubt, bei dem hat die Regierungspropaganda der letzten Monate bereits das Gehirn abgeschaltet…

Hallo!

Als Grund dafür wäre denkbar die Vorstellung, wie es denn
umgekehrt wäre, für eine in ein asiatisches Land gewanderte
deutsche Familie.

Ich denke, dass es in Thailand oder wo auch immer sicherlich weder für den Deutschen noch für den Thailänder eine angemessene soziale Sicherung gibt. Der einzige Grund, so etwas zu erwähnen liegt darin, dass man sich aufregt, dass jemand so viel Geld für’s nichtstun bekommt, und dann ist das auch noch ein Ausländer, der hier sowieso nichts verloren hat.

Frank.

Ich nochmal…

was ich gestern ganz zu fragen vergaß: Wie kommst Du an einen Bescheid von einem fremden Menschen?

Frank

Was sollen wir nun mit Deinen Infos tun?
Was sollen wir nun mit Deinen Infos tun?
Das ALG II noch ein bisschen kürzen?
Oder lieber den geringen Lohn des Leiharbeiters langfristig anheben ? Über das WIE könnten wir gelegentlich reden…

Was bringen uns Deine Postings hier? Letzten Endes schüren Sie Neid…
Du vertrittst exakt das Niveau eines RTL-Beitrages, der einen Sozialhilfeempfänger auf Mallorca zeigt.
Mein Bruder ist Fall-Manager in einer Arbeitsagentur und berät ALG II - Empfänger…
Weiter unten hier im Brett beschreibe ich die Situation eines Freundes, der ALG II bekommt. Ich darf Dir sagen, daß ich auch ohne geschwärzte Anträge anderer Menschen evtl. mehr Einblick in die Materie habe als Du. Daher würde es mich freuen, wenn Du auf solche Neid und Mißgunst streuende Beiträge verzichten würdest. Ließ meinen Beitrag zur Finanzierung eines Hauses für einen ALG II-Empfänger. Versuch mal Deinen Neid über Bord zu werfen und denk mal ganz nüchtern nach. Vielleicht kommt ja Licht ins Dunkel. Das schlimmste, was einer Gesellschaft passieren kann ist, daß zu allgemein schwierigen Lagen auch noch sozialer Unfrieden kommt.
Grüße ILAY

3 „Gefällt mir“

Rückendeckung für Monika
Hallo an alle,

nun muss ich Monika mal den Rücken stärken.

Es geht ihr sicherlich nicht darum, Menschen, die Pech hatten im Leben (Krankheit, Kündigung…) noch mehr zu strafen durch noch weniger Geld, aber es gibt 2 „Sorten“ von Hartz IV-Empfängern.

In einer Schwarz-weiß-Darstellung nämlich diejenigen, die viele Jahre lang in die Kassen eingezahlt haben und nun aufgrund ihres Alters oder der ach so gern gehörten Überqualifikation keinen Job mehr finden und somit auf Hilfe angewiesen sind und auf der anderen Seite die, die mit Anfang 20 in „Rente“ gehen, noch nie etwas geleistet haben und sich auf Kosten des Staates ausruhen.

Warum macht man nich eine RICHTIGE Versicherung aus der Arbeitslosenversicherung!? Die Bezüge richten sich nach den Jahren, die eingezahlt/gearbeitet wurden.
Denjenigen, die schon im Teenie-Alter meinen, nicht arbeiten gehen zu müssen, steht eine Minimalversorgung zu in Form einer kleinen, möblierten Wohnung, Essensmarken und Kleidermarken.
Das, was ein Mensch eben WIRKLICH zum Leben braucht. Alles andere kann durch soziale Dienste dazuverdient werden (zum Beispiel einer alten Dame die Einkaufstüten nach Hause tragen, die Straße fegen u.v.m.)

Ich finde man müsste einfach individueller entscheiden, was jemandem zusteht. Wenn jemand ein Job-Angebot ohne wichtigen Grund ablehnt, wird eben gekürzt. Ich wüsste gerne, wieviel Eifer die 2. Gruppe dann bei der Job-Suche an den Tag legen würde.

Wenn ich sehe, was an Bewerbungen zur Rücksendung auf meinem Schreibtisch landet, bin ich entsetzt. Ein handgeschriebenes, fleckiges Stück Papier voller Rechtschreibfehler. Das Passfoto zusammen mit dem Anschreiben ohne festzukleben in eine schonmal zerknüllte Klarsichthülle geworfen etc…! (Ja, ich weiß, dass nicht jeder einen PC oder eine Schreibmaschine hat. Aber auch handschriftlich verfasste Schreiben können ordentlich gestaltet werden)
Ich gebe zu, es ist ein Extremfall, aber solche und ähnliche Fälle sehe ich öfter und da kann mir keiner erzählen, dass ein solcher Mensch Pech hat und ganz arm dran ist, weil er keine Arbeit findet. Für engagierte, interessierte Leute gibt es Hilfestellung beim Erstellen der Bewerbungsunterlagen. Warum nimmt man diese dann nach der X-ten Absage nicht in Anspruch!?

Es wird gejammert, wenn jemand „nur“ 350,-- € zum Leben im Monat zur Verfügung hat und davon auch noch diverse Luxusgüter selbst zahlen muss. Wieso reicht das nicht? Für Kleidung und Essen komme ich prima mit diesem Betrag aus. Klar kann man sich davon keine topaktuelle Markenkleidung kaufen, aber um ordentlich auszusehen reicht´s allemal.

Wie geht es denn einer Familie, in der der Vater nicht gerade einen Manager-Posten hat und von genauso viel/wenig Geld nach Abzug der Miete leben muss!? Wie fühlt sich jemand, der eine 40-Std.-Woche hat und nicht mehr zum Leben, als jemand der den ganzen Tag zu Hause ist und machen kann, was er will? Das hat mit Neid nichts zu tun. Dieser Mensch fühlt sich zurecht vera…!

Jetzt kommt sicher wieder das Neid-Argument und dass der Familienvater ja auch aufhören kann zu arbeiten und auf Kosten anderer leben soll, wenn´s so toll ist. Das hat aber damit nichts zu tun, denn es gibt Leute, die einfach nicht so dreist sind und ein solches Verhalten mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren können.

Ich bin sicher niemand, der andere verhungern lässt oder Menschen, die durch viel Pech in eine Notlage geraten sind einen Vorwurf macht.
Aber es gibt nunmal definitiv diejenigen, die sich auf den Schultern der Arbeitenden ausruhen (und leider nicht wenige davon). Genau diese Gruppe ist es, die Leute wie Monika und mich aus der Haut fahren lässt.

Viele Grüße und einen schönen Abend noch,
Selina

5 „Gefällt mir“

Hallo Selina,

100% Zustimmung und dafür ein Sternchen.

Als ich einer Arbeitslosen mal eine Stelle in einer benachbarten Stadt anbot (5 Kilometer Entfernung) meinte sie „Ach da muss ich ja mit der Straßenbahn jeden Tag rüber fahren - nene“. Diese Frau bekam vorher eine Bildungs-Maßnahme des Arbeitsamtes für weit über 10.000.- DM plus Unterhaltsgeld für 2 Jahre bezahlt (damals noch DM). Da kommt einem echt das Ko …

Hallo!

Warum macht man nich eine RICHTIGE Versicherung aus der
Arbeitslosenversicherung!? Die Bezüge richten sich nach den
Jahren, die eingezahlt/gearbeitet wurden.

Mal ganz abgesehen davon, dass ALG II gar nichts, aber auch wirklich nichts mit der Arbeitslosenversicherung zu tun hat…
Meine Haftpflichtversicherung zahlt bei Persönenschäden bis fünf Millionen Euro - soviel werde ich wohl nie einzahlen. Ist sie deswegen keine richtige Versicherung? Das Wesene einer Versicherung ist, dass sie die Beitragszahler gegen ein bestimmtest Risiko versichert, ganz gleich, wer seit wann Beiträge zahlt.

Es wird gejammert, wenn jemand „nur“ 350,-- € zum Leben im
Monat zur Verfügung hat und davon auch noch diverse Luxusgüter
selbst zahlen muss.

Also ich habe darüber noch nie gejammert, ganz einfach aus dem Grund, dass mir als Vollzeitstudent ohne Nebeneinkünfte und ohne vermögende Eltern knapp zwanzig Euro im Monat weniger zur Verfügung standen und ich auch klargekommen bin. Hätte ich mehr gewollt, hätte ich mich ja an die Arbeit machen können :smile:

Wie geht es denn einer Familie, in der der Vater nicht gerade
einen Manager-Posten hat und von genauso viel/wenig Geld nach
Abzug der Miete leben muss!? Wie fühlt sich jemand, der eine
40-Std.-Woche hat und nicht mehr zum Leben, als jemand der den
ganzen Tag zu Hause ist und machen kann, was er will? Das hat
mit Neid nichts zu tun. Dieser Mensch fühlt sich zurecht
vera…!

Daran zweifelt ja niemand. Nur: Wenn man sich mal einen Bescheid auf dubiosen Wegen besorgt, sich dann das Auto dieser Familie anschaut und sich fragt, warum diese Asiaten sechzehn Jahre lang nicht gearbeitet haben, bringt das nun auch niemanden weiter. Die Welt ist nuneinmal ungerecht.

Aber es gibt nunmal definitiv diejenigen, die sich auf den
Schultern der Arbeitenden ausruhen (und leider nicht wenige
davon). Genau diese Gruppe ist es, die Leute wie Monika und
mich aus der Haut fahren lässt.

Man sollte sich aber doch klar machen, dass diese gewisse Anzahl an Menschen, die das System missbrauchen, im Vergleich zu denen, die einfach aufgrund der Situation auf dem Arbeitsmarkt keine Gelegenheit haben, zu arbeiten, verschwindend gering ist. Selbstverständlich ist das nicht in Ordnung, aber wenn mich etwas aus der Haut fahren lässt, dann sind das Postings, die nichteinmal für die BILD niveauvoll genug sind und von irgendwelchen asiatischen Menschen in mittelguten Wohnlagen mit neuem VW-Golf handeln.

Gruß,

Florian.

2 „Gefällt mir“

Liebe Selina - danke für deine Worte.

Genau das was du schreibst meine ich unter anderem.

Auf diese ganzen Fragen die auf Rassismus anspielen gehe ich nicht ein - ich weiss, dass das nicht stimmt. Abgesehen davon ist mein Freund selber im Ausland geboren worden.
Es ging mir nur darum, dass ich Zweifel daran hatte, dass dieser Mensch ggf. genauso viel Geld durch Arbeit bekommen könnte (was mit der Ehefrau ist, sei mal dahingestellt).

Was mich stört ist dieses denken, dass der Staat für einen aufkommen MUSS - muss er das wirklich? Viele Leute machen es sich einfach zu leicht.

Gibt es echt keine Arbeit? Wie oft sieht man im Fernsehn, liest in der Tageszeitung etc. das in manchen Bereichen einfach kaum Leute da sind, die dort arbeiten möchten.
Warum werden in Deutschland so viele ausländische Erntehelfer eingesetzt? Klar, nicht jeder Mensch ohne Beschäftigung will sein Geld damit verdienen, Spagel zu stechen, Erdbeeren zu pflücken - das ist ja Arbeit, die unter unserer Würde liegt - gut, das es Osteuropäer gibt, die gerne Geld verdienen wollen, sonst hätten wir im Sommer Probleme, gepflückte frische Erdbeeren zu kaufen oder leckeren Spargel zu essen.

Leider kenne ich auch in meinem Bekanntenkreis viele Leute, die in meinem Alter sind und sich einen Sch*** darum künnern, arbeiten zu gehen.
Denen ist es sch***egal, wer denen die Miete zahlt, hautsache sie wird gezahlt. Mit 18 in eine eigene Wohnung und das Leben der Eltern nachleben, sprich nichts berufliches tun. Dann mal Kinder bekommen, … Klar, man muss ab und zu mal beim Amt vorbei, muss denen mitteilen, was man gemacht hat, um Arbeit zu finden - klar man hat hier mal nachgefragt und mal dort, … Aber ernsthaft arbeiten wollen die meisten net.
Unser Ort ist überschaubar. Wenn man als Kind in Bezirken mit hohem Kinderanteil gelebt hat, kennt man halt sehr viele Leute, die so ungefähr im selben Alter sind wie man selbst.
Ich weiss, wie die heute leben - siehe oben - man kennt sich halt. Es trifft in schätzungsweise mindestens 65% aller Fälle zu, dass die damaligen Spielgefährten eine derartige Einstellung haben.

Und das kotzt mich an - wahnsinnig sogar!!! Das es manche Menschen einfach zu leicht haben, mit so einer Einstellung durchs Leben zu kommen.

Aber das reicht mir jetzt dazu. Ich werde eh als neidische was-weiss-ich dargestellt.

Ja, ich bin neidisch auf meinen Onkel, der sich von seinem ALG2 einen Plasma Fernseher gekauft hat, der an seiner Wohnzimmerwand hängt. Und wenn ich so nachdenke - richtig gearbeitet hat mein Onkel trotz seiner knapp 40 Jahren noch nie wirklich. Aber er ist immer gut durchgekommen, samt super Urlauben, erstklassiger Wohnungseinrichtung, …
Naja in einem hat er sogar Glück - im Gegensatz zu mir muss er sich keine Gedanken um seine Altersvorsorge machen - er wird wohl, so lange der Staat zahlungskräftig ist, weiterhin Geld vom Staat bekommen.

Ach ja, mein Nachbar hat nach elf Tagen Arbeitslosigkeit einen Vertrag bei einer Leihfirma abgeschlossen, bei der er recht schlecht verdient - eben weil er unabhängig sein wollte.

Und zum Beitrag von Kaltenase: Ich bin auch nur Durchschnittsverdienerin, ziehe von meinem Einkommen auch meinen Freund mit durch. ALG2 und verdienender Partner ist ja nicht drinnen. Vielleicht sollte ich ihn rausschmeißen, damit er Geld bekommt. Naja ein bissl was verdient er dann bei seiner Ausbildung schon.
Und in diesem Jahr haben wir einen neuen Herd, eine neue Mikrowelle, eine neue Waschmaschine und einen Umzug finanzieren müssen - abgesehen von den beiden Autos, die ich noch unterhalte, wovon eins dieses Jahr ziemliche Kosten verursacht hat - und mein im Januar gekaufter Herd ist schon wieder kaputt - leider kein Garantieanspruch … War in diesem Jahr lange krank, musste viele Zuzahlungen leisten - bei Krankenhausaufenthalten schlägt es ziemlich in den Geldbeutel, …
Und das muss ich auch von meinem kärglichem Einkommen bestreiten … aber mit dem Jammern mag ich gar nicht erst beginnen.

Gruß
Molika

PS: Ich sollte erwähnen, dass ich nicht alle ALG2-Empfänger angreifen will - nur manche, die meinen, dass das Geld, dass sie ausgezahlt bekommen ja aus dem Geldautomat kommt - und der hat ja genug davon. Leider kenne ich persönlich viele, die so sind.

PPS: So, nun viel Spass beim weiter kritisieren …

2 „Gefällt mir“

Hallo!

Leider kenne ich auch in meinem Bekanntenkreis viele Leute,
die in meinem Alter sind und sich einen Sch*** darum künnern,
arbeiten zu gehen.

Statt Dich so dermaßen aufzuregen, sei doch einfach stolz, dass Du Dich für eine andere Art zu leben entschieden hast, eine weitaus ehrenvollere. Dann kannst Du nämlich Deine Wut gegen Stolz und damit ein gutes statt eines schlechten Gefühls tauschen. Das ist auch besser für den Blutdruck!

Gruß,

Florian.