Soll d. 'anonymisierte' Bewerb. eingeführt werden?

Fördert das Gleichbehandlungsgesetz in Deutschland die Einführung der
‚anonymisierten‘ Bewerbung? In der Schweiz ging Genf mit Versuchen
voran, weil die Chancengleichheit der Stellenbewerbenden in Frankreich
gesetzlich werden soll. Auf den Lebensläufen der Job-Suchenden in Genf
klebte weder eine Passfotografie noch enthielten diese Angaben über
Adresse und Alter. Bekommen so ältere Menschen, alleinerziehende Frauen
und Ausländer tatsächlich bessere Job-Chancen? Ist das erwünscht?

Mit Gruss & Dank
Rolf

Hallo erstmal.

Fördert das Gleichbehandlungsgesetz in Deutschland die
Einführung der ‚anonymisierten‘ Bewerbung?

Vielleicht. Dennoch kann man sich damit nicht auf eine Stelle einklagen: dazu müsste man um den Umgang mit weiteren Bewerbern wissen sowie Informationen über die Personalstruktur der Firma haben. Und erfolgreiche Kläger werden mit der Zeit bei den Gerichten bekannt…
So gesehen bringt dieses AGB-Gesetz nicht viel :wink:

Bekommen so ältere Menschen, alleinerziehende Frauen
und Ausländer tatsächlich bessere Job-Chancen? Ist das
erwünscht?

Also es ist zumindest nichts Schlechtes daran zu erkennen: http://www.sueddeutsche.de/,jkm2/jobkarriere/erfolgg…

HTH
mfg M.L.

Hallo,

Fördert das Gleichbehandlungsgesetz in Deutschland die
Einführung der ‚anonymisierten‘ Bewerbung?

Kommt auf den Job an.

Bekommen so ältere Menschen, alleinerziehende Frauen
und Ausländer tatsächlich bessere Job-Chancen?

Höchstens in Einzelfällen.

Ist das erwünscht?

Von wem?

Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ein Spitzenmanager nur aufgrund eines anonymen Formulars eingestellt wird. Ebensowenig der neue Geselle oder Angestellte im Kleinbetrieb. Überall gibt es als zweite Stufe einer Bewerbung das persönliche Vorstellungsgespräch. Soll das auch anonym verlaufen?

Des weiteren ist eine Bewerbung auch eine Arbeitsprobe. Ein Formular, das man mit ein paar Daten füllt, mag vielleicht für eine Stelle am Band oder für niedrig bezahlte Dienstleistungen, jeweils im Großbetrieb, interessant sein. Und da macht man das per Internet- oder Arge-formular auch heute schon. Für alles andere nicht.

Ich halte das für puren Unsinn.

Btw., durch irgendwelche Formalitäten bei Bewerbungen ist noch nie eine Stelle geschaffen worden.

Gruß
loderunner

Hallo, hallo,

ich finde das gar nicht schlecht!

Evt. hat man so eher eine Einladung für ein Vorstellungsgespräch im Briefkasten und kann dann aufgrund seiner Persönlichkeit im Gespräch überzeugen als aufgrund seines Aussehens, Alters oder der Lebenssituation.

LG, Elke

Hallo an dieser Stelle.

ich finde das gar nicht schlecht!

Sagt ja keiner. Trotzdem sollte die Bewerbung die
personalverantwortliche(n) Person(en) überzeugen.
Und wenn sich das auf das Ausgangsposting bezogen hat, sollte
man die Antwort auch dort posten :wink:

mfg M.L.

Hallo M.L.

ja Du hast Recht, ich wollte Bezug auf die ursprüngliche Mail nehmen.
Ich bitte um Entschuldigung ;O)

Ich finde, dass die Qualifikation und der Werdegang ausschlaggebend ist und nicht wie alt man ist, wie das Bild aussieht ect. Leider wird immer noch viel zu sehr nach diesen Aüsserlichkeiten ausgesiebt und das ist nicht in Ordnung.

LG, Elke

Hallo

Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ein
Spitzenmanager nur aufgrund eines anonymen Formulars
eingestellt wird.

Niemand wird nur aufgrund dessen eingestellt, auch eine Putzfrau nicht. Aber man kann aufgrund dessen ein Vorstellungsgespräch, und damit eine Chance bekommen.

Btw., durch irgendwelche Formalitäten bei Bewerbungen ist noch
nie eine Stelle geschaffen worden.

Davon ist nicht die Rede, sondern von Chancengleichheit.

Viele Grüße
Th.

Hallo!

Ich finde, dass die Qualifikation und der Werdegang
ausschlaggebend ist und nicht wie alt man ist, wie das Bild
aussieht ect.

Ich frage mich, ob es wirklich sinnvoll ist, wenn der 55jährige Bewerber nicht mehr in der Vorrunde, sondern erst nach dem Bewerbungsgespräch abgelehnt wird.

Gruß,

Florian.

Hallo Rolf!

Bekommen so ältere Menschen, alleinerziehende Frauen
und Ausländer tatsächlich bessere Job-Chancen?

Du gehst Einkaufen, brauchst Zucker, Backpulver und Tomaten. Im Interesse der Gleichbehandlung aller Waren sind sie neutral verpackt, so daß Du nicht sehen kannst, was Du kaufst. Du mußt die Sachen erst nach Hause schleppen, um dort Erbsen, Käse und Mehl zu finden. Das Spiel wiederholst Du, bis Du zufällig Zucker, Backpulver und Tomaten erwischst. Unsinnig? Und warum soll solche Vorgehensweise sinnvoll sein, wenn man Menschen mit bestimmten Kenntnissen und Eigenschaften sucht?

Stell Dir vor, Du hast einen Arbeitsplatz zu besetzen und es geht nicht darum, daß Du jemanden suchst, der den Hof fegt. Du beschäftigst Dich also mit einem Stapel Bewerbungsunterlagen. Manche Sachen kann man sofort beiseite legen, z. B. weil sich die Stelle im technischen Vertrieb nicht mit einem arbeitslosen Sozialpädagogen besetzen läßt. Oder weil man einen 20-jährigen unerfahrenen Grünschnabel nicht zum Vorgesetzten von Leuten macht, die seine Väter und Mütter sein könnten. Oder weil Irokesenschnitt und ein halbes Dutzend durchs Gesicht gepiercter Ringe nicht das sind, was man am Kundenempfang haben möchte. Nach erster Vorauswahl bleiben wenige Bewerbungen übrig, die passend erscheinen, u. a. auch deshalb, weil sie ein schlüssiges Gesamtbild des jeweiligen Bewerbers lieferten. Dann geht der Aufwand erst richtig los. Die in Betracht kommenden Bewerber werden eingeladen, mancher wird von weither anreisen. Vorstellungsgespräche, mehrere Kollegen werden eingeschaltet … der Aufwand für jeden Einzelnen ist beträchtlich. Der Bewerber/die Bewerberin muß nicht nur fachlich geeignet sein, sondern z. B. ins Team passen und letztlich auch den eigenen Vorstellungen entsprechen.

Es gibt Positionen, für die man einen gestandenen Fünfzigjährigen bevorzugt, während an anderer Stelle eine Berufsanfängerin geeigneter erscheint. Wenn man statt dessen aus Bewerbungsunterlagen Wundertüten macht, Geschlecht und Alter nicht kennt (damit auch keinen beruflichen Lebenslauf), werden Bewerbungsunterlagen überflüssig. Man müßte Hundertschaften Arbeitssuchender anmarschieren lassen. Schnapsidee!

Gruß
Wolfgang

Hallo,

vielleicht wird er aber auch nicht abgelehnt, sonder kann überzeugen!

LG, Elke

Hallo erstmal,

ich sehe jetzt nicht unbedingt den Zusammenhang zwischen beiden Themen, weil bessere Gleichbehandlung auch ohne anonyme Bewerbung funktioniert. Es gibt aber durchaus Beispiele die zeigen, dass man auch mit anonymeren Bewerbungsverfahren durchaus arbeiten kann (was jetzt keine Wertung pro oder contra sein soll). Es gibt einige Länder, in denen Bilder und persönliche Angaben, die über rein fachliche Qualifikationen hinausgehen tabu oder einfach nicht üblich sind. Der Vorteil, dass ein Entscheider für die nächste Runde dann auf diese fachlichen Merkmale beschränkt ist, und nicht gleich die rassige Blonde trotz eher schlechterer fachlicher Eignung als Favoritin setzt, liegt natürlich auf der Hand. Gleiches gilt auch dafür, dass so auch der ggf. auf einem Foto nicht so positiv rüberkommende Behinderte die Chance bekommt, mit seinem Charme im Bewerbungsgespräch, diese Defizite in den Hintergrund drängen zu können und dann mit fachlichen Leistungen überzeugen kann.

Den Nachteil, sich so mit vollkommen ungeeigneten Kandidaten beschäftigen zu müssen, sehe ich eher weniger. Denn „optische Extremfälle“, die im Kundenkontakt ausscheiden sind glücklicherweise doch eher selten, Einladungen aufgrund persönlicher Sympathie nach Foto vermutlich eher häufig. Das Alter kann man z.B. auch gut anhand des beruflichen Werdegangs abschätzen. Wer für eine Führungsposition in Frage kommen soll, wird schon mehr als nur zwei Jahre Berufserfahrung, unabhängig vom konkreten Alter nachweisen müssen. Und wer viermal nach einigen Jahren erfolgreicher Tätigkeit mit einem 1er-Zeugnis lückenlos seine Karriere belegen kann, der muss in einem bestimmten Ausbildungsgang eben mindestens ein gewisses Alter haben und dann ist es auch egal ob das nun 40 oder 45 ist.

Gruß vom Wiz

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo,

Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ein
Spitzenmanager nur aufgrund eines anonymen Formulars
eingestellt wird.

Niemand wird nur aufgrund dessen eingestellt, auch eine
Putzfrau nicht.

Eben.

Aber man kann aufgrund dessen ein
Vorstellungsgespräch, und damit eine Chance bekommen.

Was soll denn da die Chancen verbessern?
Wenn’s nicht passt, passt es nicht.
Glaubst Du denn, man nimmt dann den 50Jährigen, weil er halt grad da ist, obwohl man einen Absolventen sucht?

Btw., durch irgendwelche Formalitäten bei Bewerbungen ist noch
nie eine Stelle geschaffen worden.

Davon ist nicht die Rede, sondern von Chancengleichheit.

Chancengleichheit von was und warum?
Chancengleichheit ist niemals gegeben und auch völlig unsinnig.
Gruß
loderunner

Hallo!

vielleicht wird er aber auch nicht abgelehnt, sonder kann
überzeugen!

Dass er plötzlich einen Arbeitgeber, der vorher alle Bewerbungen von Menschen jenseits der 40 ohne Prüfung in die Rundablage geworfen hat, überzeugt, halte ich für ziemlich abwegig.

Florian.

Anonyme Bewerbung: Viel Aufwand, wenig Wirkung
Guten Tag

Ich danke euch allen für eure ausführlichen Antworten. Ich lese daraus,
dass das Problem der ‚anonymisierten‘ Bewerbung vor allem darin
besteht, dass es sich dabei lediglich um die Bewerbung für ein
Vorstellungsgespräch handeln kann - um recht viel Aufwand für wenig
Wirkung also.

Wer einen Bewerber oder eine Bewerberin mit Namensendung -ic nicht zum
Vorstellungsgespräch einlädt, wird diesen oder diese auch mit anonymer
Bewerbung und Vorstellungsgespräch kaum einstellen.

Mit Gruss & Dank
Rolf

Hallo

Aber man kann aufgrund dessen ein
Vorstellungsgespräch, und damit eine Chance bekommen.

Was soll denn da die Chancen verbessern?
Wenn’s nicht passt, passt es nicht.

Manche Vorurteile kann man vielleicht im persönlichen Gespräch besser entkräften.

Gruß Th.