Schwangerschaft ist keine Lösung!
Hallo Candy,
rechtlich gesehen, kann ich Dir keine ausreichende Antwort geben.
Aufgrund Deiner emotionalen Schilderung ist mein Eindruck, dass Deine Frage in der gewählten Formulierung eventuell auch in einem anderen Brett besser aufgehoben gewesen.
Trotzdem möchte ich Stellung beziehen.
Und zwar hierzu:
Manchmal denke ich wirklich, es gäbe für A nur die Möglichkeit, schwanger zu werden – oder sie kommt dort nie raus…
Und genau darauf muss ich „A“ antworten:
Das ist in keinem Fall eine Lösung!
Ein Kind darf nicht als Lösungsweg missbraucht werden, es löst nicht „As“ Problem, sondern es schafft einen neuen Teufelskreis!
Viele junge Frauen und Mädchen in ähnlichen Lebenssituationen, wie Du es beschreibst, werden schwanger.
Sie sehen das als Möglichkeit, endlich aus den belasteten Lebensverhältnissen herauszukommen, unter denen sie sehr leiden.
Diese Entscheidung, ob bewusst oder eher unbewusst getroffen, löst aber nicht das bestehende Problem, sondern schafft mehrere neue:
Wie wird eine gute Versorgung des Kindes gewährleistet?
Wie soll dieses Kind sich bei einer derart psychisch belasteten Mutter gesund entwickeln können?
Was ist mit dem zukünftigen Vater des Kindes?
Wird er nur zur Zeugung benutzt (?) - da findet sich ja schnell jemand - und was ist dann?
Damit übernimmt die werdende Mutter eine Verantwortung, die sie aufgrund ihrer momentanen Überforderungssituation nicht überblicken kann.
Ein Kind sollte gewollt in die Welt gesetzt werden, möglichst mit Mutter und Vater, die sich gemeinsam für ein Kind und eine gemeinsame Zukunft als Eltern entscheiden, und nicht als vermeintlicher Rettungsanker für die Notsituation einer jungen Frau.
„A“ täte sich selbst und dem Kind keinen Gefallen.
Kinder, die aus solchen Überlegungen in die Welt gesetzt werden, haben in der Regel kaum eine Chance.
Pflegefamilie, Kinderheim ist dann in der Regel die tatsächliche „Lösung“, die das Wohl des Kindes (zumindest halbwegs) sichern kann.
Aber:
Bis ein Kind das Glück hat, dort aufgenommen zu werden, hat es in der Regel in einer Familiensituation, die Du beschreibst, derart viel ertragen müssen, dass es für sein Leben geprägt ist.
Dies aufzufangen und zu heilen zu versuchen, ist ein steiniger Weg.
Wie man sich in solchen Situationen fühlt, weiß „A“ nur zu gut aus eigener Erfahrung…
Deshalb würde ich „A“ dringlich bitten, sich ein Kind als Lösung IHRER Probleme bitte ganz schnell aus dem Kopf zu schlagen.
„A“ würde später sicher ein sehr schlechtes Gewissen gegenüber dem Kind haben, und damit ginge es „A“ nicht besser, sondern schlechter.
Ich kann „A“ nur Folgendes raten:
Leider weiß ich nicht, aus welchem Bundesland „A“ hier kommen könnte, aber es gibt überall Beratungsstellen der Kirchen, Caritas, AWO, Pro Familia, Diakonisches Werk, etc.
Dort bekäme „A“ Hilfe (o.g. Angebote sind kostenlos), oft ist auch anonyme Hilfe möglich.
Auch wenn „A“ schon dort war, würde ich „A“ raten, bitte erneut zum Amt zu gehen.
Vorher sollte „A“ sachlich und einigermaßen geordnet aufschreiben, was zu Hause wirklich los ist, und evtl. jemand Vertrauten mitnehmen.
Am besten eine erwachsene Person, z.B. einen Lehrer, der „A“ kennt und von der geschilderten Familienproblematik wirklich Kenntnis hat.
Sowohl zum Sozi, als auch - und das hielte ich im Fall von „A“ noch für viel dringender - zum Jugendamt.
(Notfalls zu mehreren Sachbearbeitern)
Das Jugendamt ist auch bei 19-Jährigen noch Ansprechpartner, auch wenn es für eine kostenpflichtige Hilfe oft die Zuständigkeit ablehnt.
Es gibt aber auch Hilfen für junge Volljährige (hier mal ein Gesetzesauszug: http://www.blja.bayern.de/Aufgaben/HilfenzurErziehun…).
„A“ könnte sich übrigens auch an den Pflegekinderdienst wenden, dort um eine Beratung bitten, dann wird der vermeintliche und vermeidbare „Lösungsweg Kind“ sicher ganz schnell verschwinden…
Ich wünsche der fiktiven „A“ viel Mut und Kraft; es wird sich eine echte Lösung finden, dessen bin ich mir sicher.
Gruß, Finjen
MOD: Titel und Text aus Archiv- und „gewissen FAQ-“Gründen abgeändert.