Mal angenommen, jemand beendet gerade sein Studium und kennt wie üblich den Termin, an dem er fertig sein wird. Und wie das bei den meisten Studenten so ist, wurde man nicht von der Uni weggeshoppt, sondern wäre dann ab dem Zeitpunkt erstmal arbeitslos.
Der Student hatte normale studentische Jobs, bei denen mann ja nicht in die Arbeitslosenverischerung einzahlt.
Soweit also alles normal und vermutlich der handlesübliche Ablauf.
Nur habe ich jetzt von diversen Leute, die das alles schon hinter sich haben gehört, dass das Arbeitsamt für Akademiker nicht unbedingt hilfreich ist. Dass sie sich und ihre Lebengefährten „nackig machen mussten“, also alle Ersparnisse, Konten, Lebensversicherungen usw vorlegen mussten und verdammt viel Zeit da verbracht haben, im Endeffekt aber weder einen Job vermittelt bekommen haben, noch irgendwie Unterstützung erhalten hätten, abgesehen von unsinnigen Seminaren. Aber eben kein Geld, weil man ja entweder nicht eingezahlt hätte oder der Lebensgefährte einen doch bitte finanzieren soll, oder man seine Lebensversicherung auflösen…
Daher meine Frage, ob es sich für den normalen Student der in einer Lebens-und Wirtschaftgemeinschaft mit einem Wenig- bis Normalverdiener lebt, überhaupt lohnen kann sich den ganzen Stress zu geben, vor allem wenn der Student davon ausgeht, dass er nicht lange nach Studiumsende einen Job finden wird.
Ist es dann sinnvoller, die möglicherweise bevorstehenden Monate irgendwie zu überbrücken und sich vom Arbeitsamt fernzuhalten, oder lohnt sich der Stress doch, weil das Arbeitamt dann zumindestens sowas wie die Krankenversicherung übernehmen würde?
ein gehöriges Maß an Entwürdigung gehört schon dazu, wenn man ALGII beantragt und dann in die Mühlen des Amtes gerät. Bei der Jobsuche helfen sie dir nicht wirklich, sie können dir höchstens vorlesen, was du sowieso auf deren Internetseite nachlesen kannst.
Ein Überbrückungsjob bis zur Aufnahme der angestrebten Tätigkeit ist da imho vorzuziehen, wenn man denn einen hat oder findet.
Andererseits ist es für einen ehemaligen Bafögempfänger ein leichtes, die erforderlichen Anträge auszufüllen, und das mit der Bedarfsgemeinschaft ist nicht so eindeutig, wie es das Amt glauben machen will.(Einfach mal ins Archiv hier schauen.)
Für die Nichtbafögempfänger sollte es auch ohne Amt und Vollzeitjob nicht so schwer sein, ein paar Monate zu überbrücken. Die freiwillige Krankenversicherung kostet nicht die Welt, und die Geldgeber fürs Studium können sicher auch noch ein bischen weiterzahlen.
Vom Amt rate ich eindeutig ab, ausser, es geht überhaupt nicht anders. Es ist keineswegs so bequem, wie es vielleicht scheint. Die Zeit, in der man sich mit der Bewältigung berechtigter Ansprüche und bloßer Schikane von Seiten des Amtes beschäftigt, kann man viel sinnvoller in irgendeine schmutzige Arbeit stecken.
ein gehöriges Maß an Entwürdigung gehört schon dazu, wenn man
ALGII beantragt und dann in die Mühlen des Amtes gerät.
Ja, das hatte ich vermutet…
Die freiwillige Krankenversicherung kostet nicht
die Welt, und die Geldgeber fürs Studium können sicher auch
noch ein bischen weiterzahlen.
Das mit der Krankenversicherung ist eigentlich noch die grösste Frage… wenn man bisher im Studententarif der GKV war… wie kann man sich dann weiterversichern? Da müsste ich mich in der Tat nochmal schlau machen.
Vom Amt rate ich eindeutig ab, ausser, es geht überhaupt nicht
anders. Es ist keineswegs so bequem, wie es vielleicht
scheint. Die Zeit, in der man sich mit der Bewältigung
berechtigter Ansprüche und bloßer Schikane von Seiten des
Amtes beschäftigt, kann man viel sinnvoller in irgendeine
schmutzige Arbeit stecken.
Seh ich auch so, vielen Dank für die klare Meinung
Hallo bei der GKV wird sich der Sex-Student freiwillig versichern, sofern er kein ALGII beantragt. Da gibt es einen Tarif für Einkommen =0, der allerdings trotzdem an die 130 Eu im Monat kostet.
Wenn abzusehen ist, dass ALGII -mässig nichts rausspringt, dann kann man sich den Antrag sparen, sollte aber dennoch zum AA gehen um sich ArbeitsLOS ohne Anspruch zu melden, dann bekommt man zwar kein Geld aber die Zeiten bei der Rentenversichwerung gutgeschireben (was einem irgendwann mal ein paar Cent mehr Rente einbringt) und man erwirbt Anspruch auf so unsinnige Seminare, sie bei Akademikern oft gar nicht so unsinnig sind. Manchmal wenn man einen hoffnungslosen Studiengang (zB. Geisteswissenschaftler) gewählt hatte kann sogar eine echte Weiterbildung dabei rausspringen, für die man sonst an die 10000 Eu bezahlen müsste.
Wenn der Lebensgefährte aber doch eher Wenigverdiener ist, dann kann evtl doch ein ALGII-Antrag lohnen, sofern die Joblose Zeit evtl doch anhalten könnte.
Hier bei uns haben sie z. B. einen arbeitslosen Matheprofessor in einen Lehrgang für die Grundrechenarten gesteckt. Eine andere Person(nachweislich fast hochbegabt; das entsprechende Gutachten wurde für das Arbeitsamt verfasst) hat zwar 3 oder viermal hintereinander Lehrgänge mit dem Inhalt: Office für Anfänger bekommen, aber etwas klein bisschen Qualifizierteres, womit man einen Job hätte kriegen können, wurde abgelehnt. -
oder man
seine Lebensversicherung auflösen…
Eine Lebenversicherung muss aufgelöst werden, wenn ihr Rückkaufwert 150 x Lebensjahr + 750 pro Person übersteigt.
Alles andere wurde schon gesagt.
Das Problem ist die KV, zumal die meisten Jobs, die man schnell mal eben so kriegt, Minijobs ohne SV sind. Aber davon könnte man ja vielleicht wenigstens die freiwillige KV finanzieren.
Wenn man nachweisen kann, wovon man lebt, was erst ab einem Einkommen von mindestens 80 % des Sozialhilfesatzes glaubhaft gemacht werden kann, oder mit einem Vermögen, das man verzehren kann, kann man auch Wohngeld beantragen.
Eine Arbeit kriegt ein Arbeitsloser in der Tat meistens trotz Arge, nicht etwa wegen der Arge, sie wirkt sich oft sehr hinderlich aus. Wer eine Arbeit sucht, sollte sich nach Möglichkeit nicht von denen dabei ‚helfen‘ lassen.
da die nachfolgenden Zeilen persönliche Erfahrungen sind, dürfte das auch nicht unters Rechtsberatungsverbot fallen…
Ich habe studiert, das Ende meiner Promotion nahte und ich wollte mich „pro forma“ arbeitslos melden. Ich hätte zwar Anspruch auf ALG I gehabt, war aber auch der festen Meinung, bald einen Job zu bekommen, so daß ich das Antragsgesumse nicht unbedingt auf mich nehmen wollte. Also habe ich mich telefonisch ca. 3 Monate vor Vertragsende gemeldet, einen Packen Formulare bekommen, eine knappe Stunde zum Ausfüllen gebraucht und bin dann zum Termin gedackelt. Dort wurde dann erstmal alles aufgenommen (unter anderem mit so hübschen Fragen wie ob ich glauben würde, je nochmals einen Job zu finden, ob ich gewillt wäre, auch selbst einen Job zu suchen oder ob die mir alles hinterhertragen sollen, ob ich auch ganztags arbeiten würde, ob ich unglaublicherweise auch bereit wäre umzuziehen usw., ich habe mich darüber doch ziemlich amüsiert…), und die wirklich sehr freundliche Sachbearbeiterin hat mir dann angeboten, mein Profil (wahlweise anonymisiert) online zu stellen. Den endgültigen Antrag für ALG I usw. habe ich nur mitbekommen und hätte ihn im Fall des Falles dann noch spätestens am ersten Tag, an dem ich Leistungen hätte haben wollen (oder am Tag davor?) einreichen müssen.
Langer Rede kurzer Sinn: darüber habe ich meinen neuen Job bekommen, heute um 13 Uhr gehts los. Mein neuer Chef schaut immer auch beim Arbeitsamt (oder wie auch immer das heute heißt) im Internet nach Profilen, damit hat er bisher immer allerbeste Erfahrungen gemacht. Einige andere Chefs/ Personaler haben mir mittlerweile auch gesagt, daß sie da gerne suchen. Nicht zu verwechseln mit den Leuten, die vom Amt „geschickt“ werden, denen standen alle kritisch gegenüber.
Sollte ich mal wieder arbeitslos werden, werde ich mich mit Sicherheit wieder beim Amt melden und das Profil online stellen lassen. Ob ich das ganze Spielchen mit Offenlegung des Finanzstatus usw. dann durchziehen würde, käme wohl drauf an, wie dringend ich das Geld bräuchte.
Viele Grüße
ich bin überrascht über die positive Rückmeldung.
Bisher hatte ich nur gehört, dass Unternehmen, die qualifizierte Arbeitskräfte suchen einen grossen Bogen um das Arbeitsamt machen.
Über das anonyme Profil werd ich mich mal informieren.
du warst aber bei der Arbeitsagentur, nicht bei der Arge, oder?
Ich denke, da besteht ein großer Unterschied. Von den Arbeitsagenturen hört man ja immer, dass sie mehr Geld einnehmen als sie ausgeben können, was bei den Argen ja etwas anders aussieht.
Eine Lebenversicherung muss aufgelöst werden, wenn ihr
Rückkaufwert 150 x Lebensjahr + 750 pro Person übersteigt.
wenn ich sie in eine RV mit nicht früherer Auzahlung als mit 60 umwandle,muss sie nicht aufgelöst werden,fällt dann praktisch unter die AV und da sind die Freibeträge noch höher
wie gesagt habe ich keine Ahnung, wie das hieß, wo ich war. Ich habe mich arbeitslos gemeldet, und da ich vorher Doktorandin mit BAT IIa/2-Stelle war (=versicherungspflichtig), hätte ich Anspruch auf ALG I gehabt. Bin halt dahin gegangen, wo sie mir nach telefonischer Arbeitslosmeldung einen Termin gemacht haben.
Im Internet steht das Ganze als Arbeitsagentur, allerdings war es in einer kleineren Umlandgemeinde von Freiburg/ Breisgau, so daß ich nicht weiß, was da wie verquickt ist, obwohl es offiziell AA heißt.
Aber ich hatte auch den Eindruck, daß die mal froh waren, einen leicht vermittelbaren Kandidaten zu haben, der vollauf der Meinung war, ohne Amtshilfe innerhalb weniger Monate einen neuen Job zu kriegen. Insofern wurde ich da eh total verhätschelt und von der Sachbearbeiterin zuallererst mal eine Viertelstunde über das Chemiestudium ausgefragt, weil ihr Sohn das auch machen will
Viele Grüße
die positive Einstellung zum Amt mag auch daran liegen, daß ich in einem recht gesuchten Bereich arbeite (Chemiker) und die Einstellenden daher alle Möglichkeiten nutzen, an Kräfte zu kommen. Und da ich nur Einstellende in dem Bereich kenne, ists nicht repräsentativ, mag in anderen Branchen ganz anders aussehen.
Wie bereits gesagt wird auch ganz stark unterschieden zwischen den Leuten, die beim Amt in der Datenbank stehen und denen, die vom Amt geschickt werden, damit sie sich pflichtgemäß bewerben. Um DIE machen „meine“ Personaler auch nen großen Bogen. Mein neuer Chef sucht aber nach eigener Aussage z.B. IMMER in der Amtsdatenbank, wenn er nen Posten zu besetzen hat.
Das Profil kann man auch mit Namen reinstellen lassen, wenn man will. Wollte ich aber nicht, obwohl ein halbwegs schlauer Personaler mit etwas googlen und meinen Lebenslaufparametern meinen Namen rausbekommen hätte (exotisches Arbeitsgebiet).
Das Profil war bei mir unabhängig vom Leistungsbezug, ich mußte nur den „kleinen“ Formblättersatz ausfüllen für die Arbeitslosmeldung. Und das meiste davon waren Lebenslaufsachen (= den braucht man ja sowieso oder hat ihn gar schon fertig) bzw. so Einstellungsfragen, ob man umziehen würde, halb- oder ganztags arbeiten will usw.
Insofern wäre es für Dich evtl. interessant, Dich erstmal zu melden (3 Monate Vorlauf! War bei mir ein Problem, da ich maximal Dreimonatsverträge bekam, aber eben die mündliche Zusage für weitere Beschäftigung hatte, hätte dann eben eine Begründung schreiben müssen), den ersten Termin wahrzunehmen, das mit dem Profil machen zu lassen, und wenns dann soweit ist, kannst Du Dir ja überlegen, ob Du Dich arbeitslos ohne Leistungsbezug (oder wie das heißt) melden willst. Das wäre bei mir eine Option gewesen, da ich bei späterem Arbeitsbeginn evtl. noch hätte Urlaub machen wollen, was mit Leistungsbezug wohl nur mit Genehmigung und maximal 2-3 Wochen geht. Aber die neue Firma wollte mich schneller haben, so daß ich jetzt noch nicht mal die Diss fertig habe…
Nach dem ersten Arbeitstag am Freitag scheint es aber eine absolut richtige Entscheidung gewesen zu sein.
Viele Grüße und viel Erfolg bei der Arbeitssuche