Guten Tag,
eine alleinerziehende Mutter von 2 Kindern hat vor einigen Jahren eine Umschulungsmaßnahme angefangen, da sich keine Arbeitsstelle in ihrem erlernten Beruf finden ließ, da sie seit 15 Jahren aus dem Beruf raus war. Kann es wirklich sein, dass diese Mutter kein Geld bekommt während der Antrag auf Genehmigung läuft? Es gab keinerlei Geld außer dem Kindergeld, d. h. 3 Personen lebten von rund 300 € mtl. Natürlich konnte man damit keine Miete zahlen. Es dauerte fast 1,5 Jahre bis der Antrag abgelehnt wurde. Sogar die Frauenbeauftrage die eingeschaltet wurde, konnte das nicht fassen und drückte ihr Bedauern aus, was aber finanziell auch keine Erleichterung brachte. Die aus dieser Zeit resultierenden Schulden stehen heute bei der Schufa. Inzwischen hat sich die Situation gebessert und es gibt eine feste Arbeitsstelle und nun soll das ganze geklärt werden. Kann es wirklich sein, dass der Familie da nachträglich kein Geld zusteht um diese Schulden zu begleichen??? Ich kann das nicht glauben. Es gab nie zuvor Schulden in der Familie. Die Frau war in diesen 1,5 Jahren jeden Tag zur Umschulung und hat auch 2 Zwischenzeugnisse, sie hat also nicht gefaulenzt. Die Familie musste damals sogar aus dieser Wohnung ausziehen weil sie kein Geld bekam um die ausstehende Miete zurück zu zahlen. Kennt sich da evtl. jemand aus und kann helfen? Vielen Dank schon mal im Voraus, bitte antwortet mir. Die Familie hat sonst keinerlei schlechte Erfahrungen mit dem Arbeits- oder Sozialamt gemacht, aber das scheint mir doch sehr ungerecht! Die Frau hat sich doch selbst um etwas bemüht. Abgelehnt wurde der Antrag übrigens deshalb, weil vor Beginn der Umschulungsmaßnahme kein spezielles Gespräch hierüber beim Arbeitsamt geführt wurde. Stimmt aber so nur teilweise denn es gab ganz generelle Gespräche über Umschulungen, nur fing genau diese Umschulung total kurzfristig weil es einen letzten verbliebenen Restplatz dafür gab, der gleich 2 Tage nach der Anfrage an der Schule anfing. Es war also gar keine Zeit mehr noch einmal einen Termin beim Arbeitsamt zu machen. Noch in der ersten Woche der Umschulung wurde dann der Antrag gestellt. Also nochmal: wer kann da evtl. helfen? Vielen Dank nochmals…
Hi,
mit solchen Fragen/Problemen würde ich schlicht und ergreifend zum Anwalt gehen und den befragen. In der fiktiven Lage der fiktiven Betroffenen würde das nicht mal was kosten.
Gruß S
Hallo
Das heißt, die Umschulung wurde eigenmächtig aufgenommen, ohne daß das Arbeitsamt vorher zugestimmt und zum Beispiel einen Bildungsgutschein ausgestellt hat? Und nachträglich wurde der Antrag natürich abgelehnt. Und bis zur Ablehnung hat die Mutter abgewartet und nirgends sonst Gelder beantragt. Ricthig zusammengefasst?
Gruß,
LeoLo
Richtig. Die Entscheidung musste ganz schnell fallen. Es war eine Ausschreibung in der Zeitung worauf ein Anruf mit einem sofortigen Gespräch folgte und dann die Zusage gleich kommen zu können (da hatte der Kurs sogar schon 2 Tage begonnen, es war also ein Späteinstieg). Ansonsten hätte man 1/2 Jahr auf den nächsten Kurs warten müssen. Und auf dem Amt wurde dann gesagt, dass man kein Geld bekommen könne, während der Antrag lief. Auch nicht beim Sozialamt. Wo also hätte man sich melden können? Auch die Anfrage bei der Frauenbeauftragten des Kreises hat ja nichts gebracht…
Die fianzielle Lage bessert sich erst allmählich. Es besteht also derzeit noch kein Rechtsschutz. Daher würde eine Anfrage bei einem Anwalt wohl doch etwas kosten, denn inzwischen ist ja ein geregeltes Einkommen da, oder?
Hallo
Sei mir nicht böse, aber Du schilderst das Ganze natürlich verständlicherweise sehr emotional und zu Gunsten der Mutter. Natürlich sind die Beweggründe nicht unehrenhaft und die Bereitschaft, in späterem Alter noch einmal eine Weiterbildung durchzuziehen, erkenne ich hoch an.
Aber : So hart es auch klingen mag, es entspricht absolut meiner Auffassung eines funktionierenden staatlichen Gefüges, daß jemand, der auf eigene Faust eine Maßnahme beginnt, deren Kostenübernahme nicht feststand, mit der Entscheidung leben muß, daß das so eben nicht geht. Zieht diejenige - obgleich sie merken muß, daß alles auf wackeligen Beinen steht - dann auch noch die Maßnahme bis zum Ende durch und pokert mit Widersprüchen, Klagen (was auch immer) darauf, daß irgendwann einmal die große Nachzahlung kommt, dann hält sich mein Mitleid in Grenzen. Tatsache ist, daß die Mutter keine 12 Jahre alt, sondern erwachsen war. Es muß ihr (spätestens nach der nachträgichen Meldung an die AfA) klar gewesen sein, daß eine Kostenübernahme nicht sicher ist. Aufgrund der familiären und finanziellen Verpflichtungen hätte sie daraufhin jederzeit die Notbremse ziehen und den Schaden minimieren können. Stattdessen hat sie einfach mal gehofft, daß irgendwann jemand entscheidet, sie sei im Recht. War sie aber nicht.
Das ist, als wenn ich erst ein Haus kaufe und dann bei der Bank nachfrage, ob die mir das finanzieren!
Und die Argumentation, daß man unbedingt sofort zusagen musste, weil… ist nichts anderes als Selbstschutz. Erstens wäre der Platz vermutlich auch drei Tage später noch da gewesen. Und wenn nicht, wäre - zweitens - 1/2 Jahr Warten sinnvoller gewesen, als 1 1/2 Jahre einen 3-Personen-Haushalt mit knapp 300 Euro zu ernähren und finanziell abzurutschen.
Wie gesagt, das persönliche Schicksal tut mir aufrichtig leid, denn die Motive sind durchaus anzuerkennen. Aber es ist nunmal ein funktionell wichtiger und auch nachvollziehbarer Standpunkt, daß es keinen Sinn macht, wenn jeder in Wild-West-Methode sich bei Maßnahmen selbst bedient, ohne dies vorab mit dem Kostenträger abzustimmen. Das mag hier im fiktiven Falle jemanden treffen, der das emotional-ethisch nicht „verdient“ hat. Aber eingebrockt hat er (sie) es sich. Und die Suppe muß sie eben dann auch auslöffeln.
Tut mir leid. Meines Erachtens ist für die Vergangenheit nichts ersatzweise zu holen. Vielleicht fällt jemandem ja noch etwas ein. Da wäre ich nicht traurig drum. Jedenfalls nicht in diesem Falle.
Gruß,
LeoLo
Vielen Dank für deine ehrliche Meinung. Wahrscheinlich hast du auch in einigen Dingen Recht und es war etwas blauäugig. Aber es war auch eine Notentscheidung. Die Arbeitslosigkeit bestand schon seit einigen Jahren und vom Arbeitsamt kamen keine Vorschläge (nicht einer!), wahrscheinlich weil die Kinder noch zu klein waren. Alles war Eigeninitiative und sie war so froh, endlich was gefunden zu haben und mal eine Zusage für etwas bekommen zu haben. Außerdem hat sie natürlich wirklich nicht gedacht, dass der Entscheid so lange dauern würde. Wenn es wirklich nur am Bildungsgutschein gelegen hat, wieso hat es dann so lange gedauert? Sie hat mehrfach versucht das zu beschleunigen (daher die Frauenbeauftragte) und immer wieder nachgefragt. Der Vermieter war auch geduldig, es sprach nichts dagegen, dass Sie eine Umschulungsmaßnahme machen kann. Nach den 1,5 Jahren Umschulung als Jugend- und Heimerzieher incl. absolviertem Praktikum (die sie dann ja abbrechen musste) bekam sie ein halbes Jahr später eine andere Umschulung (EDV-Auffrischung). Die hat aber leider nichts gebracht, denn bei Bewerbungsgesprächen bekam sie immer wieder gesagt, dass ihre Berufsausbildung einfach zu lange her ist (10 Jahre und nur 1 Jahr Berufserfahrung danach). Deshalb war es ja so wichtig irgend etwas Neues zu machen. Traurig finde ich eben, dass es bei ihrer Situation also so ist, dass sie, wenn sie zu Hause geblieben wäre und nicht jeden Tag zur Maßnahme gegangen wäre, dieses Geld bekommen hätte! Denn die Sozialhilfe, bzw. Geld vom Arbeitsamt, hätte ihr ja eigentlich zugestanden. Das motiviert andere nicht wirklich Eigeninitiative zu zeigen… Ich verstehe auch nicht wirklich, wieso es überhaupt so ist, dass man während eines Antrages kein Geld bekommt. Wenn ein Antrag abgelehnt wird, hat doch der Staat nicht zu viel gezahlt. Den Unterhalt für die Familie hätte er doch sowieso zahlen müssen, wenn die Frau nichts gemacht hätte und einfach faul zu Hause geblieben wäre. Wenn der Antrag angenommen wird, um so besser. Wo also liegt der Grund dafür? Es ging und geht ja nicht um die Kosten für die Maßnahme (die übrigens relativ gering waren), sondern nur um die Überlebenskosten, wie Miete, Essen usw.
PS: Falls das zu emotional ist entschuldige ich mich dafür, ich bin eben auch eine Frau
versuche es aber trotzdem auch von der Behördenseite zu verstehen…
Hi,
ich verstehe das Problem nicht. Bei der arbeitsagentur und der Arge gibt es immer alles nur auf Antragstellung. Also immer erst der Antrag, dann vielleicht die Maßnahme. Müssen wir uns alle dran halten. Das kann auch bedeuten, dass man mal ein halbes Jahr auf eine Umschulung warten muss. Wer eigenständig handelt, muss die Konsequenzen tragen.
Ist nicht böse gemeint, halte es nur für nur naiv etwas ohne Bewilligungsbescheid anzutreten.
Gruß anna
Da hast du natürlich Recht. Und ich verstehe ja auch, dass man, wenn man auf eigenes Risiko eine Maßnahme beginnt, evtl. auch damit rechnen muss, dass diese Maßnahme abgelehnt wird und die Kosten für die Maßnahme an einem selbst hängen bleiben.
Aber hier geht es mehr um die Frage, warum man kein Geld zum Leben bekommt während man diese Maßnahme macht. Der Staat müsste doch auch zahlen, wenn man faul zu Hause bleibt, da macht es doch keinen Unterschied. Wieso also wird kein Geld bezahlt während ein Antrag läuft? Wenn der Antrag angenommen wird hat man seinen normalen Unterhalt bekommen und bekommt dann noch die Kosten für die Maßnahme. Kein Nachteil für den Staat, nur die Kostenübernahme der Umschulung. Gut. Wird der Antrag abgelehnt, hat man das Geld bekommen, das man auch sonst bekommen hätte und bleibt auf den Kosten für die Maßnahme sitzen. Erst recht kein Nachteil für den Staat. Die Familie hat genau das bekommen, was sie sowieso bekommen hätte. Aber so ist der Familie ein Schaden entstanden weil sie ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten konnte. Womit lässt sich diese (in meinen Augen wirklich nicht nachvollziehbare) Ungerechtigkeit erklären? So hat der Staat doch einen Vorteil, denn jemand der versucht aus der Arbeitslosigkeit zu entkommen, macht in Eigeninitiative etwas und es geht auf einmal nicht mehr nur um die Kosten für die Maßnahme sondern das Geld zum Leben wird einem genommen. Warum werden diese Menschen bestraft???
Hallo
Ist natürlich schwer von außen, da zu mutmaßen. Man müßte die Anträge und Ablehnungsbescheide kennen. Bzgl des ALG beißt sich m.E. die Katze da in den Schwanz. Durch die übereilte Aufnahme der Weiterbildung entfällt die Förderung durch das AA. Da die Alose aber diese Weiterbildung aufnimmt und fortsetzt, steht sie m.E. dem Arbeitsmarkt nicht mehr ausreichend zur Verfügung (vgl §119 SGB III) und hat daher auch keinen weiteren Anspruch auf ALG. Allerdings ist hier auch §120 (3) SGB III zu beachten, was wieder für eine Vermittelbarkeit sprechen könnte. Bzgl der Sozialhilfe halte ich mich mal raus, da hier wirklich mehr Hintergrundinfos nötig sind.
Ich habe eher das Gefühl, daß die fiktive Mutter alles falsch gemacht hat, was man machen kann und alles nicht ge,acht hat, was man hätte initiieren können. Das mag ich der Person gar nicht anlasten, denn im Paragraphen-Dschungel findet man sich schwerlich zurecht. Vielleicht ist sie zudem auch einfach an die falschen „Berater/innen“ geraten, die zwar voll bemüht waren, aber die Möglichkeiten nicht kannten oder gesehen haben, die es sicherlich gab.
Gruß,
LeoLo
Hi,
„Aber hier geht es mehr um die Frage, warum man kein Geld zum Leben bekommt während man diese Maßnahme macht.“
Würde der korrekte Weg gegangen: Erst Antrag, dann eventuell Maßnahme.
Würde eventuell auch der Lebensunterhalt weiter finaziert. Dieser Weg könnte aber dauern und nicht in zwei Tagen geklärt werden. Wird nach dem: Ich muss das jetzt sofort in zwei Tagen machen, bleibt man eben auf den Kosten sitzen.
Gruß Anna
Moin
Was ich überhaupt nicht verstehe ist, WARUM BRAUCHT EINE BEHÖRDE 2 GANZE TAGE, UM EINE ENTSCHEIDUNG ZU TREFFEN???
Von mir werden Tag Täglich Entscheidungen abverlangt und die in sekunden schnelle.
Ich hoffe es gibt hier jemanden der der Frau helfen kann damit den Machtgierigen Behördenraistrokraten mal das Handwerk gelegt wird.
Munter bleiben