Hi,
also was ich da so lese… Die Kosten explodieren ins Unermessliche… Tape Libary usw… also ein günstiges LTO Laufwerk schlägt schon einmal gemütlich mit 1500 € zu Buche (ja es gibt auch noch günstigere Varianten)
Ich betreue nebenberuflich einige Betriebe in ähnlicher Größenordnung. Ich hatte da z.B. einen Betrieb an dem 5 Clients hängen. Es wird nur einfache Büroarbeit gemacht. Das Datenaufkommen ist eher gering. Der vorherige Admin hat da eine völlig überdimensionierte Anlage hingestellt. Es gibt Gbit Switch, Dell PowderEdge 860 (32 Gb RAM, Quad Core usw), ein SAS mit 4 TB Plattenkapazität…
LTO 3 Laufwerk usw usw usw. Der ganze Spaß hat 15.000 € gekostet.
Jetzt sieht es so aus, dass eine leicht modifizierte IcyBox (eines der bösen NAS) (Kosten 150 € zzgl. 2 SATA Platten) 1,5 TB Platz in RAID 1 zur Verfügung stellt und ein normaler Mini PC (lüfterlos) stellt mit einer M0n0Wall die wichtigen Dienste wie VPN, Firewall, DHCP usw zur Verfügung.
Die Datensicherung habe ich vollautomatisiert. Die Bandsicherung ist unnötig. Es wird per ssh und rsync ein Backup auf ein FreeNas System beim Geschäftsführer zu Hause gefahren. Das ist so eingestellt, dass jeden Tag um 22 Uhr ein inkrementelles Backup fährt. Das dauert maximal 1 Minute (eher geringe Datenänderung). Man könnte hier auch eine höhere Sicherungsfrequenz an den Tag legen. Der Vorteil hier ist, dass man bei einem datenverlust sofort das NAS austauschen kann und alle daten wieder verfügbar sind.
Zusätzlich wird alle 2 Tage eine Vollsicherung auf ein anderes NAS bei einer leitenden Angestellten gemacht. Das geschieht ebenfalls per ssh und über das Netz.
Der Kostenansatz für das System liegt bei knapp 1200 €.
Das Beispiel ist eines. Ich betreue aber auch eine Firma aus dem Mittelstand. Es sind zwar auch nur 15 von Menschen bediente Clients im Einsatz, dafür aber irgendwas um die 60 Roboteranlagen. Hier sieht der Ansatz etwas anders aus.
Bei einem solchen System muß man sicher immer vorher überlegen, was da laufen soll.
Ein hadelsüblicher Server würde ausreichen. Allerdings würde ich nicht so massig viel in die teuren Serverfestplatten investieren. Die sind wirklich fies teuer. es ist auch fraglich ob man ein Raid 5 braucht…
Ich würde mir erst einmal ein paar Sachen überlegen:
- Wie viele Daten in GB liegen heute vor? -> Istzustand
- wie viele Daten kommen vorraussichtlich in den nächsten 3-5 Jahren hinzu? -> Ausrichtung auf Sollzustand
- Wie und wo sollen die Daten gesichert werden?
- Wie schnell sollen die daten nach einem Ausfall wieder zur Verfügung stehen?
- Was muß der Server eigentlich leisten? -> Wird das Teil „nur“ für die Datenablage und eventuell für Groupwarelösungen wie Exchange verwendet?
- Wie sieht die weitere Entwicklung des Betriebes aus? -> Kommen weitere Aufgaben auf das System zu, wie z.B. Zugang von Außen per VPN, Steuerung von Maschinen usw…
- wie teuer darf die Lösung sein?
Ich persönlich würde das System modular aufbauen. Also ein Server mit vielleicht 8 GB RAM, 160 Gb oder 300 GB Festplatte. Die Prozessoren sind (meist) ohnehin Quadcore und reichen für den beschriebenen Zweck aus.
Nun kann man sich überlegen, ob man Win 2008 direkt auf den Server baut, oder als Client in einem virtuellen System. Das ist teilweise Geschmackssache, macht aber auch so ordentlich Sinn.
Wenn ich jetzt z.B. ein Linux als Host nehme, dann kann ich hier schon das System relativ gut absichern. Ein weiterer Vorteil ist, dass man die Clients komplett sichern kann (ist nur ein Image) und nötigenfalls in kurzer Zeit auf einer anderen Hardware wieder in Betrieb setzen kann. Die Ausfallzeit bei einem Hardwarecrash ist damit wesentlich geringer. Hinzu kommt, dass man Tests und Spielereien erst einmal ungefährdet ausprobieren kann, ohne das laufende System zu gefährden. Als Beispiel: Ich hatte gestern bei einem Win2008 Server einen Bluescreen wegen einem defekten USB Dongle. Dem Linux Host ist das ziemlich egal, Windows war nicht mehr dazu zu bewegen ordentlich zu starten. Also die virtuelle Maschine abgeschaltet und die gesicherte Maschine hochgefahren. ausfallzeit des Systems lag bei 12 Minuten (Erkennen, mich anrufen, Fernwartung, schauen, umstellen). Die Systemplatte kann man gerne mit einem Hardwareraid auf Raid 1 fahren.
Als Datenspeicher würde ich ein NAS nehmen. Dafür braucht man aber nicht unbedingt diese kleinen Schuhkartonkisten mit der schwachen Hardware. Man kann auch einen vernünftigen Computer, z.B. Big Tower nehmen. Wenn man hier Sicherheit haben möchte, dann muß man halt ein redundantes Netzteil besorgen.
In dieses Gehäuse werden dann entsprechende Festplatten verbaut. man kann das ruhig die SATA Platten nehmen. Mittlerweile gibt es Platten die einen MTBF von 1,2 Mio Stunden haben. Ob man jetzt hier in ein Hardwareeraid oder nur in ein Softwareraid investiert ist wieder eine Geldfrage. Sicher ist, dass die meisten OnBoard raid Lösungen in handelsüblichen PCs sogenannte fake-raids sind (die arbeit macht dann doch die CPU vom Rechner). Meiner Meinung nach reicht Raid1, da z.B. Raid5 nicht unerheblich höhere Kosten verursacht.
Als Betriebssystem kann man jedes Linux nehmen, oder FreeNas (Installation ungelogen 5 Minuten) oder Openfiler o.ä.
Die Daten werden jetzt aber nicht mit einem langsamen smb oder ftp share freigegeben, sondern mit iSCSI. Die Einrichtung einer solchen Freigabe ist dekbar einfach (sind zwei Zeilen), die Geschwindigkeit ist richtig ordentlich, das System selber ist modular und beliebig erweiterbar.
Hier müßte man sich bei einer hohen Datenlast nur überlegen, ob man den iSCSI Verkehr in ein eigenes Netzwerk legt.
Die iSCSI-Targets werden auch in Raid1 gefahren.
Die Serverspeicherdaten werden komplett auf ein freigegebenes Target ausgelagert (Exchange Datenbank usw). damt benötigt man nicht so viel Platz auf der teuren Serverplatte.
Die Datensicherung kann man nun per Band, oder per rsync auf einen anderen Computer im Gebäude, auf eine externe USB Platte oder sonst wo auf der Welt laufen lassen.
Hier muß man sich halt wieder überlegen wie man es macht.
Gruß
Kuddenberg