[FYI] Anfaenger gegen Linux

Hallo, G’sundsneus,

hier gibt es keine Frage.

Ich beziehe mich auf die kuerzlich von mir angestossene Diskussion[1], ob ich meinem Onkel (bzw. Tante: totaler Computer-Anfaenger) Linux oder Windows auf den neuen (alten) Rechner spiele. Der damaligen Anfrage, doch kurz ueber den Erfolg zu berichten, moechte ich hiermit erstmals nachkommen.

Objekt ist ein celeron mit 333MHz, irgendeiner (gar nicht mal so schlechten) GraKa von nVidia, 256MB RAM, einer 80GB HDD mit 7200rpm von (IIRC) Maxtor, ein 16x CDROM, ein Drucker HP 3500 irgendwas am USB. Gequaelt wird diese hardware von einer SuSE 9.0 personal (Original, wegen Handbuch, ~50EUR).

Zielgruppe: meine Tante (~40), deren grosse Tochter (~12), deren Sohn (~10), deren kleine Tochter (~8).

Zusammenbau und Installation (komplett) verliefen soweit erfolgreich (klar, hab ja auch ich gemacht :wink:, haette ich aber meiner Tante nicht zumuten wollen (insbesondere wegen dem ausgefallenen Partitions-Layout, was ich bevorzuge). Nicht so toll fand ich ein defektes Paket: acroread. Kann leider nicht sagen, ob es an meinem alten CD-Laufwerk liegt oder wirklich am Medium. Hab’s weglassen muessen, pdfs kommen da vielleicht auch nicht so schnell vorbei.

Alle hardware wurde von der SuSE korrekt erkannt und ins System eingebunden. Besonders froh war ich ueber den sofort erkannten Drucker, weil ich von sowas selbst auch keine Ahnung hab (CUPS und so Zeugs?), aber nach zwei Minuten hat er froehlich die Testseiten ausgeworfen. Klarer Pluspunkt fuer SuSE.

Der erste Kontakt meiner Tante mit KDE (braucht ~1min zum starten) war lustig: Maus bedienen, point and click, Fenster verschieben, minimieren, Bildlaufleisten… Doppelklick ist ein echtes Problem, braucht man unter KDE gluecklicherweise nicht so haeufig, wie unter Windows. Und das eine um $winkel gedrehte Maus nicht zu den gewuenschten Ergebnissen fuehrt, konnten die Leute von SuSE wohl auch nicht beruecksichtigen.

Kurz erklaert, was Verzeichnisse sind (sehr grob, was /proc oder /dev ist muss sie am Anfang nicht wirklich wissen), wo ihre Dateien gespeichert werden, die Rechte-Separation betont und das die Kids immer ihren eigenen account nutzen sollen. Hat sie wohl verstanden.

Hauptsaechlich will meine Tante damit Bueroarbeiten erledigen. OpenOffice wurde von der grossen Tochter sofort mit „Das kenn ich.“ begruesst. Dicker Pluspunkt fuer SuSE, denn ich bin mir sehr sicher, dass sie das nicht kennt. Etwas entaeuscht war ich, dass selbst SuSE das Eindeutschen der Programme noch nicht durchgehend auf die Reihe gekriegt hat: in irgendeinem Menue fand ich doch tatsaechlich „Neu, Open, Speicher, Save as…“ Das wird wegen der mangelnden Englischkenntnisse gelegentlich ein kleines Problem. AFAIK haben das die Leute von MS schon besser raus.

Die Grosse hat wohl sehr wenig Anforderungen, manchmal was tippen, ein Lemmings-Clone mit Pinguinen hatte es ihr und ihrer Freundin sehr angetan.

Der Sohn: „Gibt’s da Spiele fuer? Need for speed 2? Kann man da welche installieren?“ „Fuck off, verpiss Dich.“ Wuerde auf der Hardware unter Windows auch nicht laufen. Trotzdem einen Minuspunkt. Gluecklicherweise befuerwortet meine Tante, dass es auf dem Rechner keine/wenig Spiele gibt.

Die Juengste: „Ich will malen.“ Mit Gimp war sie gluecklich. Dass es keine gute Idee ist, Zeichenflaechen der Groesse 1m x 1m mit dem Rechner zu bearbeiten, lernt sie schon noch. Die kleinen Spielchen darauf haben ihr auch gefallen. Das ihr komisches Pony-Spiel nicht laufen will, hat sie etwas entaeuscht. Ich wollte wine bemuehen, aber anscheinend kann das CDROM keine multisessions lesen (und die CD schien so eine zu sein). Das ich das Ding aber auch auf meinem laptop mit XP nicht zum Rennen brachte, ueberzeugte mich, dass das es sowieso Schrott ist.

Das war alles am Silvestertag und zuversichtlich fuhr ich am Abend auf meine Party.

Nachdem ich am Neujahrstag endlich aus dem Koma erwachte wurde ein sehr abrupter Realitaetsabgleich durch den Anruf meines Onkels „Es gibt Probleme.“ hervorgerufen. Kurzes Gespraech und ziemlich schnell wurde klar, dass man es geschafft hatte, innerhalb von 24h das filesytem von / (ext2) zu schreddern, der Rechner wollte das root-pw und manuell gefixt werden. Im Nachhinein kann ich nur mutmaszen, dass der Rechner, ohne sauberes Runterfahren, ausgeschalten wurde (was aber wegen ATX auch eher unwahrscheinlich erscheint). Schlecht ist trotzdem, dass der Rechner danach nicht mehr von alleine auf die Beine kommt. Mit der manuellen Reparatur ist der Anfaenger (ohne Englisch) auf jeden Fall ueberfordert. Die Frage: was waere bei Windows passiert? Trotzdem besonders dicker Minuspunkt, weil ich nochmal hinmusste (>100km), und es fixen. Dabei hab ich alle moeglichen Dateisysteme (/, /boot, /usr, /opt) ro gemountet und nochmals das korrekte Runterfahren demonstriert, in der Hoffnung, sowas demnaechst verhindern zu koennen.

Fazit: es ist weiterhin kritisch. Mittlerweile bin ich etwa 500km weit weg, falls sowas nochmal passiert, habe ich ein echtes Problem, zumal die Kiste im Augenblick auch nicht am Netz ist (was dabei sowieso nicht helfen wuerde). Eigentlich muesste ich zwei Wochen daneben sitzen, die Kiste etwas beobachten und meine Tante anlernen. Weiterhin wird sie aus dem Umfeld permanent von MS-Juengern bearbeitet. Das waere ein echter Vorteil vom Windows gewesen: mit Linux kann ihr dort wirklich niemand helfen. Ich hab jetzt erstmal mit ihr ausgemacht, dass sie ein halbes Jahr mit der SuSE kaempft, falls in dieser Zeit eklatante Probleme auftreten, darf sie das andere OS ausprobieren.

Applaus denen, die durchgehalten haben. Bei Interesse, weitere Berichte.
Gruss vom Frank.
===footnotes===
[1] http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…

Hallo Frank

Der erste Kontakt meiner Tante mit KDE (braucht ~1min zum
starten) war lustig: Maus bedienen, point and click, Fenster
verschieben, minimieren, Bildlaufleisten… Doppelklick ist
ein echtes Problem, braucht man unter KDE gluecklicherweise
nicht so haeufig, wie unter Windows. Und das eine um $winkel
gedrehte Maus nicht zu den gewuenschten Ergebnissen fuehrt,
konnten die Leute von SuSE wohl auch nicht beruecksichtigen.

Bis hierhin sehe ich keinen nennenswerten Unterschied zu einem Windows-System. Maus bedienen etc. ist hüben wie drüben wohl ungefähr das selbe.

Etwas entaeuscht war
ich, dass selbst SuSE das Eindeutschen der Programme noch
nicht durchgehend auf die Reihe gekriegt hat: in irgendeinem
Menue fand ich doch tatsaechlich „Neu, Open, Speicher, Save
as…“ Das wird wegen der mangelnden Englischkenntnisse
gelegentlich ein kleines Problem. AFAIK haben das die Leute
von MS schon besser raus.

Wo ist nicht vollständig eingedeutscht? Beim System selber oder bei den Programmen? Wenn bei Programmen, bei welchen?

Unter Windows ist das nicht zwingend besser. Vielleicht sind die Programme jeweils vollständig eingedeutscht, so es eine deutsche Version gibt. Aber es gibt auch vieles eben nicht in deutsch. Und Mischmasch ist mir auch schon begegnet. Oder dann eingedeutscht, aber mit völlig falschen Begriffen…

…dass man es geschafft hatte,
innerhalb von 24h das filesytem von / (ext2) zu schreddern,

Das ist aber heftig. Da möchte ich gar nicht wissen, wie ein Windows-Rechner ausgesehen hätte…

Schlecht ist trotzdem,
dass der Rechner danach nicht mehr von alleine auf die Beine
kommt. Mit der manuellen Reparatur ist der Anfaenger (ohne
Englisch) auf jeden Fall ueberfordert. Die Frage: was waere
bei Windows passiert?

Mit Vorgängen, die ein Ext2 shreddern, dürfte eine Windows-Kiste ähnlich schlimm aussehen. Ich würde sogar vermuten, dass ein Linux ein nicht ordnungsgemässes Herunterfahren besser verkraftet als eine Windows-Kiste. Die müssen da eher versehentlich etwas ganz deftiges gemacht haben.

Trotzdem besonders dicker Minuspunkt,
weil ich nochmal hinmusste (>100km), und es fixen.

Da wäre Dir bei Windows vermutlich auch nichts anderes übrig geblieben.

Das waere
ein echter Vorteil vom Windows gewesen: mit Linux kann ihr
dort wirklich niemand helfen.

Gibt es dort keine Linux-Usergroup in der Nähe?

Ich hab jetzt erstmal mit ihr
ausgemacht, dass sie ein halbes Jahr mit der SuSE kaempft,
falls in dieser Zeit eklatante Probleme auftreten, darf sie
das andere OS ausprobieren.

Falls weitere Probleme auftauchen, aber auch wenn es gut läuft, bitte hier berichten.

CU
Peter

ich hab auf meinem alten PC (AMD 500 MHz, 64 MB RAM, 20 GB Festplatte) SuSE Linux 8.1 neben windows 98 installiert, weil mein Rechner bloss mit Linux absturzfrei lief (naja sehr langsamer weil er auch alt war aber stabil!!!). Mein Bruder und mein Vater (typische Windowsuser) haben es gerade 2 Tage mit Linux ausgehalten, und sind dann direkt zu Windows (auch die Systemabstürze mit inkauf genommen *g*) gewechselt. Nunja, Windows läuft jetzt wieder stabil, und Linux wird seither garnicht genutzt :frowning:

Aber ich geb linux nen 2. Versuch auf meinem neuen Rechner, wenn ich mir ne neue Festplatte kaufe, und Linux sich da schön ausdehnen und gemütlich machen kann. :wink: Dann kommt auch SuSe Linux 9.0 rauf :smile:

Schönen Abend euch allen und danke für die interessante Story, Frank!

Grüsse
Dimitrios

Hi Peter,

…dass man es geschafft hatte,
innerhalb von 24h das filesytem von / (ext2) zu schreddern,

Das ist aber heftig. Da möchte ich gar nicht wissen, wie ein
Windows-Rechner ausgesehen hätte…

Also ich habe es mit Windows (13 Jahre) noch nie geschafft, das filesystem so konsequent zu zerstören wie mit Linux nach zwei Tagen. (na ja, wenigstens war nach zwei Tagen noch nicht so viel drauf :wink:)

Cheers, Felix

Auch wenn´s nix hilft…

Hallo, G’sundsneus,

Dir auch!
Ein köstliches Posting, voll aus dem Leben gegriffen.
Amüsant zu lesen, und die Tante soll gefälligst lernen…
Linux oder Windows hin oder her, die Bluads verwandschaft will alles haben, und des zum Nulltarif

Grüße, Fritz

PS.: Laß Dich nicht unterkriegen…

Onkels „Es gibt Probleme.“ hervorgerufen. Kurzes Gespraech
und ziemlich schnell wurde klar, dass man es geschafft hatte,
innerhalb von 24h das filesytem von / (ext2) zu schreddern,
der Rechner wollte das root-pw und manuell gefixt werden. Im
Nachhinein kann ich nur mutmaszen, dass der Rechner, ohne
sauberes Runterfahren, ausgeschalten wurde (was aber wegen ATX
auch eher unwahrscheinlich erscheint).

DMA-Probleme? Wie auch immer: bei meinen Eltern steht auch eine Linux-Kiste mit ähnlichen Leistungsdaten. Die sind auch ziemlich Computer-unbeleckt, insbesondere mein Vater, der inzischen munter mailt, scannt und textverarbeitet (Die Einführung in LaTeX steht aus: der Mund ist – nicht wegen des guten Layouts – bereits wässrig.

Schlecht ist trotzdem,
dass der Rechner danach nicht mehr von alleine auf die Beine
kommt.

Ich habe meinen Eltern eingebimst, daß die Kiste heruntergefahren werden muß. Das haben sie verstanden und machen es auch. Zusätzlich läuft ein Journaling-FS (Reiser FS, ich persönlich hätte lieber Ext3 genommen, wegen meiner Abwesenheit wurde die Grund-Neu-Installation[1] aber dankenswerterweise von einem hilfreichen Geist der lokalen LUG vorgenommen).

Mit der manuellen Reparatur ist der Anfaenger (ohne
Englisch) auf jeden Fall ueberfordert. Die Frage: was waere
bei Windows passiert?

Ein automatisches Scandisk. Ausgang? Meist gut?

Fazit: es ist weiterhin kritisch. Mittlerweile bin ich etwa
500km weit weg, falls sowas nochmal passiert, habe ich ein
echtes Problem, zumal die Kiste im Augenblick auch nicht am
Netz ist (was dabei sowieso nicht helfen wuerde). Eigentlich
muesste ich zwei Wochen daneben sitzen, die Kiste etwas
beobachten und meine Tante anlernen. Weiterhin wird sie aus
dem Umfeld permanent von MS-Juengern bearbeitet. Das waere
ein echter Vorteil vom Windows gewesen: mit Linux kann ihr
dort wirklich niemand helfen.

Solange die Kiste ans Netz geht, kann ich meinen Eltern per SSH was richten (ja, auch meine Eltern haben nur Modem…)

Anfangs haben meine Eltern von Freunden kleine Seitenhiebe bekommen ob ihres ungewöhnlichen Betriebssystems und da wegen meiner Abwesenheit der Support schwer war. Ich habe ihnen dringend zu Linux geraten.

Zwischendrin gab es dann die Phase wo mich mein Vater besorgt und ungläubig fragte, was an den „unglaublichen Geschichten“ dran sei, daß der Computer nach bestimmten Seiten teure Rufnummern anwählt (wie die Freunde mit Windows mit dem sensationsgruselig-verängstigtem Gesicht erzählten. Ich habe in beruhigt.

Ich hab jetzt erstmal mit ihr
ausgemacht, dass sie ein halbes Jahr mit der SuSE kaempft,
falls in dieser Zeit eklatante Probleme auftreten, darf sie
das andere OS ausprobieren.

Das ist ein guter Plan. Computerneulinge (wie mein Vater) tun sich erstmal einfach schwer mit uns ganz selbstverständlicen Dingen.

Meine Mutter hingegen hatte vorger schon mit Computern gearbeitet (Windows) und hatte ersteinmal weniger Probleme („achso, das ist ja etwa so wie auf Arbeit“).

Wie gesagt: inzwischen wird ganz selbstverständlich mit dem Rechner gearbeitet.

Für bestimte wichtige und wiederkehrende Aufgaben liegen ein paar Icons herum (Backup, Audio-CD-Brennen), hinter denen sich von mir zusammengestümperte Scriptoide befinden. Wer hat das schon unter Windows? :wink:

Applaus denen, die durchgehalten haben. Bei Interesse,
weitere Berichte.

Ja, bitte. Ich bin interessiert.

Gruß,

Sebastian

[1] nachdem die erste Rechnerhardware abgeraucht war, mußte einiges neu gemacht werden… :frowning:

Hallo,

Also ich habe es mit Windows (13 Jahre) noch nie geschafft,
das filesystem so konsequent zu zerstören wie mit Linux nach
zwei Tagen. (na ja, wenigstens war nach zwei Tagen noch nicht
so viel drauf :wink:)

Was macht ihr nur?

Ich habe durchaus auch schon eine Reihe harter Landungen hinter mir, auf meinem Desktop läuft normales ext2, aber wirklich kaputtgangen ist es bei mir noch nicht.

Naja, vielleicht habe ich da wirklich viel Glück gehabt…

Gruß,

Sebastian

Hallo,

ich hab auf meinem alten PC (AMD 500 MHz, 64 MB RAM, 20 GB
Festplatte) SuSE Linux 8.1 neben windows 98 installiert

Das ist für das, was unter SuSE-Linux per Default passiert, zu wenig RAM. KDE, YaST et al sind in dem Punkt sehr ungenügsam.

Wenn Du ordentlich RAM auf die Kiste wirfst, wirst Du über den Geschwindigkeitssprung staunen.

Mein Bruder
und mein Vater (typische Windowsuser) haben es gerade 2 Tage
mit Linux ausgehalten, und sind dann direkt zu Windows (auch
die Systemabstürze mit inkauf genommen *g*) gewechselt.

Nun, Linux ist letztlich auch nicht das bessere Windows. Wer bereits mit Windows zufrieden ist, sollte auch nicht unbedingt wechseln. Oder sich zumindet im Klaren sein, daß ein Wechsel mit Arbeit und Umlernen verbunden ist.

Aber ich geb linux nen 2. Versuch auf meinem neuen Rechner,
wenn ich mir ne neue Festplatte kaufe, und Linux sich da schön
ausdehnen und gemütlich machen kann. :wink: Dann kommt auch SuSe
Linux 9.0 rauf :smile:

Ja. Nimm Dir Zeit für Linux. Rom wurde nicht an einem Tag gebaut und Du solltest Schritt für Schritt das System konfigurieren und nicht alles auf einmal machen wollen. So bekommst Du einen allmählichen Ein- (und hoffentlich auch „Um-“)stieg hin.

Gruß,

Sebastian

Schönen Abend euch allen und danke für die interessante Story,
Frank!

Grüsse
Dimitrios