Nochmal Router und der Weg des Pakets zum Ziel

Moin,

danke an bisherige Lösungsansätze, dennoch:
Weiterer Versuch zu erfahren, woher der Router weiß, wohin er die Pakete schicken soll…

Zitat Wikipedia bei „Routing“:

Routing-Protokolle sorgen für den Austausch von Routing-Informationen zwischen den Netzen und erlauben es den Routern, ihre Routing-Tabellen dynamisch aufzubauen. Traditionelles IP-Routing bleibt einfach, da Next-Hop-Routing benutzt wird: Der Router sendet das Paket an denjenigen Nachbar-Router, von dem er glaubt, dass er am günstigsten zum Zielnetz liegt. Um den weiteren Weg des Pakets braucht sich der Router nicht zu kümmern. Selbst wenn er falsch lag und das Paket nicht an den „optimalen“ Nachbarn gesendet hat, sollte das Paket trotzdem früher oder später am Ziel ankommen.

…Router sendet das Paket an denjenigen Nachbar-Router, von dem er glaubt, dass er am günstigsten zum Zielnetz liegt…

Wie kommt der Router drauf, welcher Nachbar-Router günstig liegt oder nicht? Er hat ja schließlich keine „Landkarte“ und weiß wohl auch nicht, ob Router xy in Taiwan oder in Niederbayern steht?!

thx
moe.

Hallo,

Wie kommt der Router drauf, welcher Nachbar-Router günstig
liegt oder nicht? Er hat ja schließlich keine „Landkarte“ und
weiß wohl auch nicht, ob Router xy in Taiwan oder in
Niederbayern steht?!

Ob der Nachbarrouter („next hop“) in Taiwan oder Niederbayern steht, ist dem Router auch ziemlich latte. Ihn interessiert lediglich, welches der netzwerktechnisch nächstgelegene Hop ist – das muß nicht gleichbedeutend mit geographischer Nähe sein und ist es meistens auch nicht.

Was genau er als „nah“ betrachtet und wie er das herausfindet, wird unter http://de.wikipedia.org/wiki/Routing#Routing-Algorit… kurz angerissen (Du musst den Artikel schon ganz lesen, bitte!), weitere Erklärungen zu den Protokollen sind dort auch verlinkt. Wenn’s Dich noch genauer interessiert, kauf Dir ein gutes Buch über das Thema – hier „mal eben“ Routing vollumfassend zu erklären, ist nicht möglich.

Gruß,

Malte

Hallo,

Wie kommt der Router drauf, welcher Nachbar-Router günstig
liegt oder nicht? Er hat ja schließlich keine „Landkarte“ und
weiß wohl auch nicht, ob Router xy in Taiwan oder in
Niederbayern steht?!

Ob der Nachbarrouter („next hop“) in Taiwan oder Niederbayern
steht, ist dem Router auch ziemlich latte. Ihn interessiert
lediglich, welches der netzwerktechnisch nächstgelegene
Hop ist – das muß nicht gleichbedeutend mit geographischer
Nähe sein und ist es meistens auch nicht.

Was genau er als „nah“ betrachtet und wie er das herausfindet,
wird unter
http://de.wikipedia.org/wiki/Routing#Routing-Algorit… kurz
angerissen (Du musst den Artikel schon ganz lesen, bitte!),
weitere Erklärungen zu den Protokollen sind dort auch
verlinkt. Wenn’s Dich noch genauer interessiert, kauf
Dir ein gutes Buch über das Thema – hier „mal eben“ Routing
vollumfassend zu erklären, ist nicht möglich.

Danke, das:

„Link-State-Routing-Protokolle (z. B. OSPF) sorgen dafür, dass nach einiger Zeit jeder Router die vollständige Topologie des Netzwerkes kennt und sich die kürzesten Wege darin selbst ausrechnen kann.“

hatte ich gesucht.

moe.

Doch noch ein Versuch einer bildlichen Erklärung
Also,

ich probier’s mal…

Beachte: Meine folgende Erklärung ist sehr schematisiert und vereinfacht. Sie hat nicht den Tweck, technische Realitäten oder ein bestimmtes Routingprotokoll darzustellen, sondern Dir die Prinzipien begreiflich zu machen.

Also, los geht’s mit den Voraussetzungen:

  • Jeder Router hat eine Art Routingtabelle.
    Diese wird vom Administrator erstmal nur mit einem „default gateway“ gefüttert, welches bedeutet „Wenn Du nicht weißt, was Du mit einem Paket anfangen sollst, schicke es dorthin.“

  • Der Router sucht sich nun selbständig seine Nachbarn. Er schaut also an jeder seiner Schnittstellen „Hallo, wer ist denn da der nächste?“

  • Weiters kann der Admin den Schnittstellen verschiedene Werte zuordnen („Metrik“ – kleinerer Wert = bessere Metrik).
    Er kann z.B. sagen:
    „Die Schnittstelle bri0 ist eine ISDN-Leitung, für die müssen wir teuer Geld bezahlen. Ich gebe ihr also den Wert 50.
    „Die Schnittstelle eth0 ist eine Ethernetleitung mit 10 MiBit/s, die wir von einem Provider gemietet haben – kostet auch Geld, ist aber billiger und schneller als bri0. Ich gebe ihr also den Wert 20.“
    „Die Schnittstelle eth1 ist eine 100 MiBit/s-Ethernetleitung, die uns selbst gehört – klasse, schnell und billig! Ich gebe ihr also den Wert 1.“

Soweit, so gut. Bis jetzt sind wir auf dem Stand, daß der Router alle Pakete über eth1 weiterleiten wird, da dies die günstigste Leitung ist.

Jetzt kommen die Routingprotokolle ins Spiel:

Der Router findet nicht nur heraus, WER seine Nachbarn sind, sondern auch noch, wie deren Routingtabelle so aussieht. Er kennt also auch die Nachbarn seiner Nachbarn und die zugehörigen Metriken. Wenn er jetzt also ein bestimmtes Paket bekommt, kann eine Entscheidung z. B. so aussehen:

„Hm, okay, das Paket will also zu XYZ. Eigentlich würde ich es über eth1 schicken, aber ich weiß, daß es dann einen furchtbar weiten Weg über viele Hops nehmen würde, so dass die Summe aller Metriken insgesamt viel höher wäre, als wenn ich es über eth0 schicken würde, da kommt es nämlich fast direkt beim Ziel an! Gute Sache das, ab über eth0 – Hophop, Paket! Aber… was ist das? Moooooment! Mein Nachbar an eth0 sagt mir gerade, dass er die Verbindung zu seinem nächsten Nachbarn verloren hat. So ein Mist. Das muss ich grad mal ändern *rödelrödelseufz* Oooookay, dann eben nicht eth0. Was hab ich noch? Achja, bri0. Hm. Ist teuer für mich, aber wenn ich mir den Weg so anschaue – immer noch günstiger als eth1. Also, Paketchen, dann mal lso über bri0! Grüß schön! Und sag auf dem Weg allen Bescheid, dass eth0 Probleme hat!“

Weg ist das Paket. Auf dem nächsten Router geht dann das ganze Spiel von vorne los…

Gruß,

Malte

In etwa das, was ich befürchtet hatte: Der Router versucht sein Paket von Hamburg nach Bankok zu schicken, in dem er immer die breitesten, am wenigsten befahrenen und mautfreien Straßen wählt :wink:

Irgendwie absurd, dass es trotzdem schon Pakete gegeben haben soll, die ihr Ziel erreicht haben…

moe.

In etwa das, was ich befürchtet hatte: Der Router versucht
sein Paket von Hamburg nach Bankok zu schicken, in dem er
immer die breitesten, am wenigsten befahrenen und mautfreien
Straßen wählt :wink:

So ähnlich, ja. Wobei es einen Berliner Router, der auf dem Weg liegt, nicht für fünf Pfennig interessiert, welche Straßen in Russland gerade gesperrt sind oder wo in China welche Maut erhoben wird. Er schaut nur, dass er das Paket möglichst günstig zur Grenze bekommt – danach sind dann andere zuständig.

Irgendwie absurd, dass es trotzdem schon Pakete gegeben haben
soll, die ihr Ziel erreicht haben…

Das Internet ist ja aus einem Verteidigungsnetzwerk entstanden, dessen Anspruch es eben war, dezentralisiert zu funktionieren und auch „atombombensicher“ zu sein. Letztlich besteht dieser Anspruch immer noch, und das Konzept sieht zwar furchtbar chaotisch aus, ist aber vielmehr extrem anpassungsfähig und flexibel. Seine Struktur erlaubt es, dass jeder Provider für sich sein Netz planen und betreiben kann, wie es für ihn am günstigsten ist, ohne sich großartig mit anderen absprechen zu müssen.

Lediglich an den Übergabepunkten werden Absprachen getroffen und Informationen ausgetauscht, außerdem gibt Transportvereinbarungen, in denen die Provider übereinkommen, auch Verkehr zu transportieren, der gar nicht für ihr Netz bestimmt ist, sondern nur als Transit durchrauscht. Das tut man gegenseitig, und alles ist gut. Daran sollte sich die Politik mal ein Vorbild nehmen :wink:

Gelegentlich kommt es da allerdings auch zu Problemen, wenn bspw. ein Provider mehr Verkehr abgibt, als er selbst übernimmt. Dann sind Ausgleichszahlungen fällig, und wenn über die gestritten wird, dann kann es auch mal sein, dass so ein Übergabepunkt demonstrativ abgeschaltet wird.

Das ist dann so ähnlich wie damals, als die Russen Berlin abgeschottet haben und die Luftbrücke aufgebaut wurde und sieht bspw. so aus: http://www.heise.de/newsticker/meldung/64661

Gruß,

Malte