Verkauf einer Benefiz-CD über das Internet

Ich produziere zusammen mit einigen Musikern einer Internet-Community eine CD, die über unsere Website http://www.thebeardedsproject.de verkauft werden soll. Die CD wird aus Spenden und Vorverkäufen der Community-Mitglieder finanziert und ihr Erlös kommt voll und ganz der Kinderhilfe Afghanistan zugute (http://www.kinderhilfe-afghanistan.de).
Es handelt sich also nicht um ein Gewerbe, sondern um eine Sammelaktion. Dennoch: wir sind kein eingetragener Verein und sammeln auch nicht im Auftrag der Hilfsorganisation. Wir werden zuerst einmal Einnahmen erzielen, die irgendwann auch (hoffentlich) die Kosten übersteigen. Ab dann werden wir das Geld auf das Konto der Kinderhilfe Afghanistan überweisen.

Dazu folgende Fragen:

  1. Müssen wir für den Verkauf ein Gewerbe anmelden?

  2. Wie sieht das steuerlich aus? Müssen die Einnahmen versteuert und dann bei der Steuererklärung mit den Spenden aufgerechnet werden? Sind wir umsatzsteuerpflichtig?

  3. Wie muss die Website rechtlich gestaltet werden? Braucht man AGBs, muss man wie jeder Webshop ein 14-tägiges Rücktritssrecht einräumen?

Danke im Voraus

Roland

Hi Roland,
ich betrachte eure Aktion mal extrem skeptisch (wie sie von Finaznfachleuten und allen, die euch was anhaben wollen auch gesehen werden kann).

negative Hinterfragung der Aktion:

  1. Wer gewährleistet, dass es später auch einmal eine Spende geben wird ?
  2. Wer garantiert, dass sich keiner die eigene Tasche vollstecken will`?
  3. Wer garantiert mir, dass sich auf dieser CD keine Schadsoftware enthält, wenn ich sie im PC abspielen will ?

Mein Tipp:

  1. einen eV gründen. Ist einfach und wenn man sich an die gültigen Auflagen hält auch kein Problem.
    Man muss nur einen gemeinnützigen Zweck nachweisen (wenn du Spenden „sammelst“ ist das ja gemeinnützig)

  2. Zum „Spendensammeln“ brauchst du eine Erlaubnis. Die ist mit mehr Auflagen/Anforderungen als eine eV-Gründung verbunden.

  3. Denke dran: Ihr müsst Gebühren an die GEMA bezahlen, wenn ihr Musik aufnehmt, die ihr nicht selbst komponiert habt.

  4. Wenn ihr was im Internet verkauft, müsst ihr euch an die Regeln halten. Auch ohne Verein sind es keine „Privatverkäufe“ mehr.
    Privat kann nicht x-mal die gleiche CD verkaufen, weil es unüblich ist, soviele identische CDs zu besitzen. Finanzamt wierd also auf jeden Fall aufmerksam werden. „Abmahnvereine“ auch.

  5. AGB. Wenn ihr keine oder keine gültigen AGBs habt, geht alles ganz genau nach Gesetz. Die Einschränkungen des gesetzes (Nachbesserung etc.) könnt ihr also nicht beanspruchen, sondern müsst euch darauf verlassen, dass der Kunde einen solchen Wunsch eurerseits auch akzeptiert.
    Wie schnell kann es passieren, dass eine CD einen Kratzer hat ? Seh schnell. Normalerweise schickt man dann eine neue und beide sind zufrieden. Jetzt könnte ein Kunde einfach das Geld zurück fordern… ohne dass du neu liefern darfst. Mit AGB kannst du auf Nachbesserung bestehen.

  6. Rücktrittsrecht:
    Wenn du nicht darüber aufklärst, hat der Kunde bis zu 6 Monate nach Lieferung noch die Möglichkeit, die CD zurück zu schicken und Geld zurück zu verlangen… weil du ihn nicht darüber informiert hast. Das Rücktrittsrecht muss übrigens dem Kunden auch schriftlich erklärt werden. (Auf rechnung erwähnen ist am einfachsten)

  7. Impresum der Seite
    An wen soll sich der Kunde denn wenden, wenn es Probleme mit der CD gibt ? Impressum muss also sein.

Vorschlag wie vorzugehen wäre:

  • eV anmelden oder Genehmigung zum Spendensammeln einholen
  • AGB verfassen
  • GEMA kontaktieren. Villeicht gibts für Spenden oder Vereine auch Sondertarife.
  • Impressum erstellen
    ---- erst wenn alle Bürokratie erledigt ist, CD erstellen. Sonst habt ihr tausende an Silberlingen, die ihr nur noch verschenken dürft!----

Einer von euch muss sich bereit erklären, die Buchführung zu machen und auch die Verantwoertung dafür zu unternehmen. Spätestens am Ende des Jahres müssen Bücher vorgelegt werden.
Bei Vereinen: Ihr dürft privat KEINEN Vorteil aus dem Verein haben.
Allerhöchstens dürfen die entstandenen Kosten (z.B. Kilometzerkosten nach best. Pauschalen) ersetzt werden.
Machtr euch klar, dass ihr die Aktion notfalls wochen-, monate- oder Jahrelang durchziehen müsst und viel Freizeit investieren müsst… die nicht honoriert werden darf.

Für Idealisten kein Problem.

Alternative:
Gründet eine „Firma“… und spendet einfach Gelder nach eurem eigenen Ermessen.
Wenn ihr seht, dass die Arbeit „den Mann ernährt“ und noch zusätzlich Geld übrig bleibt, so könnt ihr eventuell sogar mehr für eure Zöglinge tun als mit einer einmaligen Aktion.
Es verbietet euch ja keiner, euren geasamten Gewinn zu verschenken…

Gruß
BJ
und viel Erfolg

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Vielen Dank für die ausführlichen Informationen und Hinweise.

Zu deinen Fragen:
„1. Wer gewährleistet, dass es später auch einmal eine Spende
geben wird ?
2. Wer garantiert, dass sich keiner die eigene Tasche
vollstecken will`?
3. Wer garantiert mir, dass sich auf dieser CD keine
Schadsoftware enthält, wenn ich sie im PC abspielen will ?“

Das kann natürlich keiner gewährleisten. Allerdings ist die gesamte Aktion auch dem späteren Spendenempfänger, der Kinderhilfe Afghanistan, bekannt und auf dessen Website als Unterstützungsaktion aufgeführt. Auf unserer Website steht ein Impressum mit den vorgeschriebenen Angaben.
Durchgeführt wird die Aktion von einer Community mit weit mehr als 300 Mitgliedern, die ausführlich über jeden Schritt, jede eingegangene Spende, jeden Vorverkauf informiert werden. Es ist doch undenkbar, dass sich alle diese Menschen zu einem Betrug verabreden. Manchmal finde ich es traurig, dass Aktionen, die anderen Menschen helfen sollen, auf solches Misstrauen stoßen, aber daran sind wohl die zunehmenden Betrügereien im Internet schuld. Ich trau mich auch kaum noch, etwas bei Ebay zu ersteigern oder einen Mailanhang zu öffnen.

„Einen eV gründen. Ist einfach und wenn man sich an die
gültigen Auflagen hält auch kein Problem.
Man muss nur einen gemeinnützigen Zweck nachweisen (wenn du
Spenden „sammelst“ ist das ja gemeinnützig)“

Ist es wirklich so einfach einen Verein zu gründen? Muss man da keine Satzung schreiben, jährliche Mitgliederversammlungen abhalten, Vorstand wählen und, und, und…?

„Zum „Spendensammeln“ brauchst du eine Erlaubnis. Die ist mit
mehr Auflagen/Anforderungen als eine eV-Gründung verbunden.“

Da habe ich mich vielleicht missverständlich ausgedrückt: Wir sammeln keine Spenden, wir spenden selbst. Zur Erläuterung: Der Großteil der Produktionskosten wird durch Spenden unserer Mitglieder, ein kleinerer Teil durch Vorverkäufe und durch zinslosen Darlehen finanziert. Das heißt, diese Spenden werden nicht aus den möglichen Gewinnen am CD-Verkauf zurückgezahlt. Lediglich der sehr viel kleinere Darlehensanteil wird zurückerstattet. Alles was dann eingenommen wird, geht an die Kinderhilfe Afghanistan.
Der Käufer der CD spendet ja selbst nichts. Er erhält einen Gegenwert in Form einer Doppel-CD mit mehr als 3 Stunden Musik. Wir verkaufen also ein Produkt, dessen Herstellung wir selbst finanzieren, ohne jegliche Absicht, die Kosten beim Verkauf wieder hereinzuholen. Nicht der Gewinn, sondern die gesamten Einnahmen nach Abzug der Rückzahlung der Darlehen gehen an die Kinderhilfe. Jeder, der das nicht glaubt, kann dort anrufen und fragen, wie viel Geld wir gespendet haben (wenn es nicht sowieso auf deren Website veröffentlicht wird).

„Denke dran: Ihr müsst Gebühren an die GEMA bezahlen, wenn ihr
Musik aufnehmt, die ihr nicht selbst komponiert habt“

Das ist klar. Die Titel werden ordnungsgemäß bei der GEMA angemeldet. Ohne eine Freistestellungserklärung der GEMA produziert dir kein Presswerk eine CD. Die CD hat darüber hinaus eine Labelcode-Nummer und wird - außer über unsere Website - von einem renommierten CD-Label vertrieben. Alle Titel stammen übrigens von den beteiligten Musikern. Es ist keine Cover-Version darunter.

„Wenn ihr was im Internet verkauft, müsst ihr euch an die
Regeln halten. Auch ohne Verein sind es keine „Privatverkäufe“
mehr.
Privat kann nicht x-mal die gleiche CD verkaufen, weil es
unüblich ist, soviele identische CDs zu besitzen. Finanzamt
wierd also auf jeden Fall aufmerksam werden. „Abmahnvereine“
auch.“

Auf unserer Website steht ja, dass es sich nicht um einen Privatverkauf handelt. Sinn und Zweck des Verkaufs werden dort ausführlich erläutert.

„AGB. Wenn ihr keine oder keine gültigen AGBs habt, geht alles
ganz genau nach Gesetz. Die Einschränkungen des gesetzes
(Nachbesserung etc.) könnt ihr also nicht beanspruchen, sondern
müsst euch darauf verlassen, dass der Kunde einen solchen Wunsch
eurerseits auch akzeptiert.
Wie schnell kann es passieren, dass eine CD einen Kratzer hat ?
Seh schnell. Normalerweise schickt man dann eine neue und beide
sind zufrieden. Jetzt könnte ein Kunde einfach das Geld zurück
fordern… ohne dass du neu liefern darfst. Mit AGB kannst du auf
Nachbesserung bestehen.“

Das ist ein guter Punkt. AGBs sind also sinnvoll. Ich habe auch schon eine verfasst, die zu gegebener Zeit, sobald der Verkauf startet, auf die Website kommt. Diese informiert auch über das Rücktrittsrecht nach dem Fernabsatzgesetz.

„Impresum der Seite
An wen soll sich der Kunde denn wenden, wenn es Probleme mit der
CD gibt ? Impressum muss also sein.“

Versteht sich von selbst. Impressum ist längst drauf.

Zu deinen weiteren Vorschlägen: Für eine einmalige Aktion einen Verein zu gründen mit all den hohen Hürden, halte ich für übertrieben. Ich verwalte unsere Kasse selbst und habe dafür ein eigenes Konto eröffnet. Durch die Buchführung kann ich jederzeit nachweisen, dass wir keine Gewinne erzielen.

Was mir aber noch unklar ist:

  1. Brauche ich für den Internetverkauf einen Gewerbeschein?
  2. Wie sieht es mit Umsatzsteuer aus? Müssen wir welche abführen? Muss ich eine Umsatzsteuer-Voranmeldung machen?
  3. Am Ende des Jahres wird das Ganze für uns eine negative Bilanz haben. Ist es denn dann überhaupt nötig, das in die Steuererklärung aufzunehmen, wenn keine Gewinne, sondern (nach Abzug unserer Spenden) nur Verluste verbucht werden?

Nochmals vielen Dank für deine Tipps. eEinige (wie AGBs) werde ich umsetzen.