Hallo,
überall ist nun zu lesen, dass der Umsatz im Internet immer
größer wird. Auch privat könne man sich mit der entspechenden
Idee und dem passenden Know-how ein bisschen nebenbei
verdienen.
Das ist nicht so einfach, wie du es dir vielleicht vorstellst.
Vor allem nicht als Privatmensch.
Als Privatmensch musst du keine Garantie und kein Rückgaberecht anbieten bzw. so eindeutig ist das nicht geregelt.
Aber wenn du es nicht machst, wird das deine Kunden zumindest mal vorsichtig stimmen.
Dazu kommt, dass du für Marketing immense Summen ausgeben musst, da es für das Internet kein einheitliches Verzeichnis wie z.B. das Telefonbuch gibt.
Und irgendwie musst du die Leute ja anlocken.
Von alleine und per Zufall kommen die Leute nur, wenn du eine Domain wie „einkaufen.de“ oder sowas hast.
Bei Google bezahlst du für einen Klick mindestens 5 Cent - tauchst dann aber bei quasi allen Suchwörtern entweder zu weit unten oder gar nicht auf, da hier gilt: wer pro Klick mehr bereit ist, zu bezahlen, wird weiter oben angezeigt. Und bei Schlagworten wie „Immobilien“ und Co. musst du dann schonmal 20-30 Euro pro Klick bezahlen, wenn du ganz oben stehen willst.
Aber selbst bei Wörtern wie „Werkzeug“ u.ä. bist du mit 80 Cent bis 1 Euro gerade mal unter den ersten 5…
Und das, wo du im Normalfall maximal 1% Bestellquote der Klicks hast.
Wie auch immer: Du brauchst ein sehr großes Werbebudget, da du sonst keine Kunden und somit auch keine Bestellungen hast.
Dazu kommt dann z.B. noch, dass du ganz genau abgestimmte AGB brauchst.
Und es empfiehlt sich hierbei sehr stark, dass du die von einem Anwalt verfassen lässt.
Diese irgendwo abzukopieren kann extrem teuer werden.
Nicht nur, weil dich der eigentliche Urheber dieser AGB verklagen kann, sondern auch, weil es alle paar Wochen/Monate Gesetzesänderungen gibt, die du beachten musst. Und es gibt sehr viele Leute, die sich ihr Geld durch Abmahnungen verdienen.
Die schicken dir dann eine Abmahnung mit der Forderung auf Unterlassung oder Änderung und verlangen dann mal eben so pi mal Daumen 200 Euro oder 500 Euro oder 1000 Euro.
Und ohne Anwalt resp. ohne Rechtsschutzversicherung resp. ohne AGB vom Anwalt - denn für diese muss er haften, wenn er Sie verfasst hat - schaust du dann plötzlich ganz dumm aus der Wäsche.
Aber das ist nicht der einzige Fallstrick an der Sache.
Nochmal zur Garantie und zu den Rechnungen.
Du kannst zwar als Privatmensch Rechnungen schreiben, aber das nur bis zu einem bestimmten Betrag im Jahr.
Wenns darüber hinaus geht, musst du ein Gewerbe anmelden und Rechnungen mit MwSt. schreiben.
Und dann musst du deine Einkünfte versteuern.
Und dann brauchst du eine Buchhaltung und jemanden, der dir deine Steuererklärung schreibt usw. usf.
Und dann kommen, wenn du das dann gewerblich machst, die ganzen Rücksendungen, die du bearbeiten musst, bei denen du das Geld zurückzahlen musst usw.
Also, es ist nicht so einfach, wie du dir das vielleicht vorstellst.
Außerdem, wenn ich mir deinen Benutzernamen so ansehe, sieht es so aus, als wärst du erst 17 - da kannst du noch kein Gewerbe eröffnen bzw. nur, wenn beide Elternteile zustimmen.
Ich habe nun gewagt, diese Sache mal anzugehen.
Was hast du denn schon gemacht?
Ich will auch keine miese Abzockerseite betreiben, bei
dem das Impressum genauso unersichtlich ist wie die oft kaum
verständliche AGB. Davon gibt es ja auch genug.
Naja, das Problem ist, dass es so viele Vorschriften und Regelungen für die AGB gibt, dass man sie gar nicht mehr allgemeinverständlich formulieren kann.
Die müssen so in „Juristendeutsch“ geschrieben werden.
Wie kann ich dem
Besucher meiner Internetseite „ernsthaft“ glaubhaft machen,
dass ich seriös und nich zu der oft zitierten Verbrecherbande
gehöre?
Nunja, wenn du einen Shop hast, kannst du dir ein Shop-Prüf-Zertifikat von div. Prüfstellen holen.
Die Prüfen nicht nur deine Authentizität, sondern prüfen auch die Funktionalität und Verständlichkeit deines Shops und geben auch teilweise eine Garantie für den Endkunden, dass Sie dem Endkunden das Geld zurückbezahlen, wenn du nicht lieferst oder pleite gehst etc.
Diese Siegel kosten je nach Leistung so ab 200 € im Jahr und du kannst sie dann als Grafik mit Link zum Siegelanbietung für die Echtheitsprüfung frei auf jeder Seite deines Shops einbinden.
Nach oben hin - besonders, bei hohen Umsätzen, ist natürlich keine Grenze in Sicht. Ein Kunde von mir bezahlt monatlich 30.000 € an einen Zertifikatsanbieter.
Solche Siegel/Zertifizierungen gibt es z.B. bei TrustedShops, xonio, EuroLabel (vom europäischen Handelsinstitut) oder auch vom TÜV.
Einfacher ist es, was jedoch sehr „popelig“ rüberkommt, wenn du deinen Gewerbeschein oder deinen Ausweis hochlädst.
Auch andere Dokumente, wie z.B. einen Handelsregisterauszug, sind denkbar, wenn du dort eingetragen bist.
Ansonsten kannst du die Lieferung per Nachnahme anbieten, sofern du Waren verschickst, oder auch per Lastschrift.
Wobei ich bei den meisten meiner Kunden nichts gutes über Lastschrift gehört habe.
Da gehen so viele wieder zurück, nachdem die Ware schon raus ist, dass du entweder viel Kapital haben oder eine hohe Marge auf deine Ware draufschlagen musst, um die Ausfälle dadurch zu decken.
Natürlich kann man das Geld nachträglich einklagen, die Kunden, die dann wirklich insolvent sind und von denen man wirklich kein Geld mehr bekommt, sind sehr selten, bei den meisten ist einfach das Konto nicht gedeckt gewesen und sie bezahlen nach der 1. Mahnung, aber auch Mahnungen schreiben und überwachen ist keine Sache, die man mal einfach so nebenher macht.
Was du auch machen kannst, ist, dass du schaust, dass du in irgendwelchen Medien auftauchst.
Nicht im Internet, das bringt nicht allzuviel, aber z.B. in einer Zeitung, und wenn es nur die Regionalzeitung ist.
So ein kleiner Bericht im Stil von „ein neuer Onlineshop in Hinderdupfingen“ reicht da schon.
Dann kannst du den Zeitungsabschnitt einscannen und hochladen, das erweckt auch Vertrauen.
Ich hoffe, dir geholfen zu haben und deinem Anspruch auf eine ausführliche Antwort gerecht geworden zu sein.
Gruß, Nick.