erziehung und schule in der ddr

Von: , Frage gestellt am Di, 31. Mai 2005

hallo liebe wissenden. ich komme aus der ehemaligen ddr und muss mir nun
von verschiedensten leuten und fachtexten anhören lassen, dass die erziehung und das schulsystem (in der ddr) sehr fehlerhaft gewesen sein soll. So z.B. die autorität, oder massenabfertigung in den kindergärten. das kann ich aber eigentlich nicht bestätigen, zudem meiner meinung nach auch das schulsystem in schweden (welches relativ erfolgreich bei pisa abgeschnitten hat) übernommen worden ist.
wisst ihr ob diese information wirklich stimmt und wie das bildungssystem damals aufgebaut war. ich war ehrlich gesagt damals noch zu klein um es komplett mitzubekommen. mfg

21 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 24 Minuten 0 hilfreich
    Re: Erziehung und Schule in der DDR

    Hallo (von einem 'Wessie') von verschiedensten leuten und fachtexten anhören lassen, dass
    die erziehung und das schulsystem (in der ddr) sehr fehlerhaft
    gewesen sein soll. So z.B. die autorität, oder
    Kommt drauf an. Wg. des Scheiterns des Sozialismus wird u.a. die Erziehung der Kinder als Sündenbock herangezogen. Nach dem Motto: Sozialismus schlecht, Erziehung schlecht.
    Auf der anderen Seite waren die Leute beschäftigt und waren Mitglied organisierter Strukturen. Und was die Propaganda angeht: das war 'drüben' genauso, siehe das Motto. Halt nur mit anderen Begriffen belegt. massenabfertigung in den kindergärten. das kann ich aber
    eigentlich nicht bestätigen, zudem meiner meinung nach auch
    das schulsystem in schweden (welches relativ erfolgreich bei
    pisa abgeschnitten hat) übernommen worden ist.
    wisst ihr ob diese information wirklich stimmt und wie das
    bildungssystem damals aufgebaut war. ich war ehrlich gesagt
    damals noch zu klein um es komplett mitzubekommen. mfg
    Das was in der DDR der Staat organisiert hatte war hierzulande teilweise in privater Hand organisiert. So das denn der Fall war... Meines Wissens nach nahm der Staat die Kindererziehung in die Hand und brachte diese auch in Kindergärten unter.

    Soviel von meiner Seite
    mfg M.L.

    • Antwort von nach 23 Stunden 0 hilfreich
      vielen dank

      vielen dank für die vielen antworten und guten argumente. ich hab auch das problem, dass meine prof's die ddr-erziehungseinrichtungen madig machen wollen und auch nachfrage darauf ausweichen: es sei ein gutes thema für eine hausarbeit :p
      wisst ihr inwiefern und wo überall das system der staatlichen unterstützung übernommen worden ist?
      gruß

  2. Antwort von nach 29 Minuten 3 hilfreich
    Re: erziehung und schule in der ddr

    Hi,
    ich hab solche Äußerungen meist von leuten gehört
    1. die nie in der DDR gelebt haben und nur in der Bildzeitung gelesenes nachplappern
    2. die nichts vernünftiges geworden sind und jetzt dafür einen Schuldigen suchen (nicht alle selbsternannten DDR- Opfer sind tatsächlich welche)
    3. die Fehler im derzeitigen Schulsystem dadurch verdecken suchen, dass als Kontrast aufgeführt wird, wie schlecht doch die DDR war = jetzt ist es zumindest nicht ganz so schlimm.
    4. die es aus politischen Einstellungen heraus behaupten, ohne es selber erlebt zu haben


    Autorität? na ja zumindest etwas mehr als haute. Aber das war in den früheren Jahren der BRD auch nicht anders. Jedenfalls ist heute eher zu sehen, was "antiautoritäre" Erziehung ohne dass dem Kind auch Grenzen gesetz werden für Folgen hat.

    Massenabfertigung im Kiga? Na ja vieleicht meint man damit, dass damals die Mehrzahl der berufstätigen Frauen auch eine Kiga-Platz bekam. im Gegensatz zu den wenigen % gerade hier in Bayern. Oder das für die Eltern weniger Möglichkeiten bestanden, wenn sie genug Geld haben, ihr Kind an einen konfessionellen, oder wie auch imer geprägten Kiga gehen zu lassen. Oder dass die Kinder sich damals noch etwas selbständiger beschäftigten, und die Gruppen etwas größer sind. Ich hab 25 Jahre neben einem Kiga gewohnt und nie was von Massenabfertigung gesehen.

    Es hat sich bewährt, bei solchen Behauptungen ganz konkret nachzufragen
    - woran machen Sie diese Behauptung konkret fest ?
    - Welche Beweise gibt es dafür ?
    - wo haben Sie diese Information her ?
    - Haben sie es selbst erlebt?
    etc.

    der Befragte wird in der Regel ausweichen oder neue unbewiesene Behauptungen aufstellen, die wiederum zu hinterfragen sind. Innerhalb kürzester Zeit hast du so jemand dann soweit, dass er mangels Argumenten je nach Veranlagung entweder aggressiv wird oder doch zugibt, dass er nur Behauptungen anderer nachgeschwätzt hat.

    A.

  3. Antwort von nach 8 Stunden 5 hilfreich
    Re: erziehung und schule in der ddr

    Hallo Felicidy,
    wenn ich die Aussagen meiner Enkelin (z.Z. 8.Klasse) über ihre Schulzeit mit meinen Erfahrungen vergleiche, glaube ich kaum, dass Schulsystem der DDR so fehlerhaft gewesen ist. Abgesehen von dem politischen Müll der vermittelt wurde. Zurück blickend war die Wahrung der Autorität der Lehrer sinnvoll, wohin ein unautoritäres Verhalten führt, können wir heute erleben. Meinen Lehrlingen brauchte ich nicht mehr lesen, rechnen und schreiben beizubringen. Dank des UTP Unterrichtes in den verschiedensten Firmen wurde man gut auf das Berufsleben vorbereitet. Mir hat dieser Unterricht nicht geschadet und habe gern dort „gearbeitet“. Sehr wichtig war auch das Wissen einer gesicherten Zukunft, wie soll man Kinder und Jugendliche zum lehren motivieren, ohne Aussicht auf eine gesicherte Zukunft. Das Schulsystem war einfach aufgebaut, POS, Oberschule und Uni – für die schwächeren die Hilfsschule. Jeglicher Schulbedarf war billig zu erwerben(z.B. Hefte 10 Pf).
    Meine drei Kinder waren im Kindergarten, von Massenabfertigung habe ich nichts erlebt, im Gegenteil, unsere Kindergärtnerinnen haben sich sehr verständnisvoll und lieb um unsere Kinder gekümmert. Soziales Verhalten kann man kaum als Einzelkind lernen. – Alles für ca. 20 DM im Monat, ab vier Kinder kostenlos.
    Felicidy, am besten können die über die DDR urteilen, die keinen Tag dort gelebt haben. Lasse diese Leute reden, im Osten hätten sie das gleiche über den Westen gelabert. Auch dieses System beweist immer mehr, das es sich überlebt hat. Bevor die über mich herfallen: Ich war dort ein „Kapitalistenkind“ und habe bestimmt eine Menge unschöner Dinge erleben müssen, die mich aber nicht dazu verleiten werden positives nicht zu erwähnen. Auch dem guten Schulsystem verdanken wir den Fall der Mauer, ein Haufen Dummis hätte die Politik weiter ertragen. Im übrigen pflichte ich Andreas bei.
    MbG shiny

  4. Antwort von nach 14 Stunden 0 hilfreich
    Wichtig ist was dabei rauskommt

    Hallo,
    ich bin immer wieder überrascht, wenn ich Bekannte oder Kollegen näher kennenlerne, die aus der ehemaligen DDR stammen und das dortige Bildungssystem genossen haben.
    Deren Allgemeinbildung ist im Vergleich zu gleichaltrigen Wessies wesentlich besser und umfangreicher. Vor allem im naturwissenschaftlichen Bereich.
    Auch die Annäherung an neue Themengebiete empfinde ich im Vergleich bei Ossies als effizienter und zielführender.
    Gruss D.K.

  5. Antwort von nach 16 Stunden 0 hilfreich
    Re: erziehung und schule in der ddr

    Hallo Felicidy!

    Das ist eine interessante Frage. Ich bin auch noch sehr jung, und direkt als ich in die Schule kommen wollte, wurde die DDR abgeschafft. Sauerei ;o)
    Nein, also, wenn wir hier in der Uni (ich bin jetzt in Bayern) auf das Thema DDR kommen und dann vielleicht noch zum Bildungssystem rüberschwenken, höre ich mir solche Sachen auch immer an. Also beispielsweise, dass der Kindergarten komplett ideologisiert war und das ja ganz schrecklich ist.
    Ich selbst bin mit wenigen Wochen in eine Krippe gekommen und war bis zur Schuleinführung fast immer ganztags in der Einrichtung. Und ich kann heute nur sagen: geschadet hat es nicht. Ich denke, dass kleine Kinder eine Ideologie weder begreifen noch durchschauen oder sich aneignen können. Gut, wir mögen mal ein russisches Kinderlied gelernt haben oder am 1. Mai bastelten wir Friedenstauben, wir haben Rentnern vorgesungen oder rote Papierfähnchen gebastelt. Aber hat mir das geschadet? Heute lernen die Kinder im Kiga schon Englisch. Wenn das mal keine Ideologie ist ;o) (kleiner Scherz)
    Ich denke, für mich und viele andere war das als Kind einfach eine Beschäftigung. Wenn ein bayerisches Kind eine Laterne zum Martinstag bastelt, ist das ja auch nicht ganz wertfrei. Das heißt aber noch lange nicht, dass dieses Kind später mal der tiefste Christ auf Erden wird.
    Für den Kindergarten sehe ich da also überhaupt keine Probleme. Heute mögen die Möglichkeiten zur Förderung verschiedener "Problemkinder" besser sein (meine Mama "war" Kindergärtnerin, ist heute Erzieherin und Heilpädagogin und beschäftigt sich in ihrem Kiga mit drei bis vier "Problemfällen", von geistiger Rückschrittigkeit bis hin zu ADS oder anderen Verhaltensauffälligkeiten). Diese "Pädagogisierung" hat sich aber auch erst in den letzten Jahren sowohl in den NB als auch in den AB entwickelt.
    Im Übrigen finde ich auch immer diese Argumentation von Kindergartengegner so klasse, dass die armen Kiddies ja emotional total verstört wären und später oft Probleme verursachten. Ich denke, die DDR war (neben anderen heute noch praktizierenden) ein großes Labor, in dem eindrucksvoll bewiesen wurde, dass Fremdbetreuung wahrlich nicht schadet.

    LG
    die Lidscha,
    die mit DDR-Kindergartenerfahrung wunderbar durch das BRD-Schulsystem und die Unilandschaft kommt ;o)

    P.S.: Übrigens würde ich heute mein (noch nicht vorhandenes) Kind eher in einen "DDR-Kindergarten" stecken als in einen der vielgelobten kirchlichen hier in Bayern, wo meiner Meinung nach die Gehirnwäsche viel größer ist *undduckundweg*

    • Antwort von nach 18 Stunden 2 hilfreich
      off topic

      Hallo Lidscha,
      Und ich kann heute nur sagen: geschadet hat es
      nicht.
      Woher weisst du das?

      Ich will nicht in Frage stellen, ob du heute okay bist,
      mir geht es generell um diese Aussage. Man hoert ja
      auch oft: "Ich hab als Kind auch mal von meinen Eltern
      Abreibungen gekriegt - geschadet hat es mir nicht."
      Woher will man wissen, wie man geworden waere, wenn
      das oder jenes anders gewesen waere?
      Ich war als Baby 2 Monate im Krankenhaus total isoliert
      von meiner Familie (wegen einem Gips am Bein!) - ich
      habe heute weder Bindungsaengste noch andere groessere
      seelische Schaeden. Aber: woher will ich wissen,
      ob ich nicht anders (besser?) waere, ohne diese
      Zeit...

      Nur mal so angedacht ---
      Gruesse
      Elke

      • Antwort von nach 19 Stunden 2 hilfreich
        Re: off topic

        Hallo Elke,

        natürlich hast du recht - wie es heute wäre, wenn ich nicht im Kiga gewesen wäre, weiß ich nicht, und ich werde es nie erfahren ;o)
        Ich beziehe dieses "nicht geschadet" auf die ideologische Seite: Durch den Kindergarten bin ich keineswegs zu einer sozialistischen Persönlichkeit geworden. Natürlich besteht die Gefahr bei "dusseligen" Eltern, dass eine Meinung 1:1 übernommen wird. Es ist kritisches Hinterfragen angesagt. Allerdings bezweifle ich (ohne statistische Werte dafür zu haben), dass es auch nur ein Kind in der DDR gab, welches im Kindergartenalter die Story hinter Erich und seinen Kumpanen verstanden hat. Nein, das war alles ganz 'nett', wie schon gesagt.
        Schwerwiegender sehe ich da eine Ideologisierung in der Schulzeit. Man konnte dem Versuch in der DDR kaum ausweichen, aber man kann auch hier (in Form der Eltern o.ä.) sensibilisiert und aufgeklärt werden. Nicht jeder, der mal ein rotes Halstuch trug, ist heute der erklärte Sozialist...
        Meine Mama war wie bereits gesagt auch schon zu DDR-Zeiten Kindergärtnerin und war, oh Graus, nicht einmal in der Partei. Die Erzieherinnen wollten mit Kindern arbeiten und sie begleiten und in den seltensten Fällen ein sozialistischen Gedankengut einpflanzen. Wenn ich heutzutage in einen konfessionellen Kindergarten gehe, wird gleiches getan wie in der DDR. Wenn ich als absoluter Atheist nun mein Kind in eine solche Einrichtung schicken müsste, würde ich halt mit ihm darüber reden, mit wem denn die Tanten vor dem Essen ständig reden oder warum die alle ein Kreuz um den Hals tragen. Deshalb gehe ich aber noch lange nicht mit meinem Kind in die Kirche und konvertiere sofort zum Christentum...

        Sollte deine Frage, ob mir der Kindergarten im Allgemeinen geschadet hat, gelautet haben, kann ich nur auf umfangreiche empirische Erhebungen hinweisen, die besagen, dass das bemuddeln mehr schadet als eine kompetente Fremdbetreuung. Aber das ist ein anderes Thema...

        LG
        Lidscha

        P.S.: Im Übrigen kann man köroerliche Züchtigung und die Kindergärten der DDR schwerlich miteinander vergleichen. Ersteres habe ich in letzterem nie erfahren müssen.

      • Antwort von nach 19 Stunden 0 hilfreich
        Re: off topic Erziehung und Doppelblindstudie

        Hallo Elke,
        Und ich kann heute nur sagen: geschadet hat es
        nicht.
        Woher weisst du das?
        ich verstand Lidscha durchaus auch von der global gesehenen Seite her. Sie schrieb ja auch von "Feldstudie". Und wenn frühe Fremdbetreuung von Kindern so schrecklich schädlich wäre, wie voll berufstätige Mütter leider immer noch vorgehalten bekommen, dann ließe sich das sicher auch in "Feldstudien" anderer Länder feststellen. Ich will nicht in Frage stellen, ob du heute okay bist,
        mir geht es generell um diese Aussage. Man hoert ja
        auch oft: "Ich hab als Kind auch mal von meinen Eltern
        Abreibungen gekriegt - geschadet hat es mir nicht."
        Dieses hier halte ich dagegen eher für einen Ausrutscher in der Argumentation. Alleine die Neigung, Gewalt als ein Erziehungsmittel anzusehen, wäre für mich schon ein erlittener Schaden. Den hat zwar auch nicht jedes geschlagene Kind, einzelne können sich (manchmal auch mit fremder Hilfe) von solchen Verhaltensweisen distanzieren, aber ein Problem scheint es in den mir bekannten Fällen trotzdem zu sein. Woher will man wissen, wie man geworden waere, wenn
        das oder jenes anders gewesen waere?
        Die sogenannten Doppelblindstudien sind nach meiner Meinung in der Erziehung ken gangbarer Weg, Methoden zu erforschen. Kein Mensch ist genauso wie ein anderer, selbst bei Zwillingsstudien sind sich die Experten nicht einig. Wie soll man dann vermuten, was wäre gewesen, wenn... Und so gesehen sagt der Satz: "Das hat mir auch nicht geschadet" per se nichts, wenn man nicht das gesamte Verhalten dessen, der da spricht, betrachtet.

        Gruß, Karin



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