Re: können Schule da etwas generell tun?
Gibt es da etwas, was die Schulen einer Klassengemeinschaft
außer der Reihe beibringen sollten, oder sehe ich zu
einseitig, und das ist eine Sache der Eltern bzw. der Familie?
viele Grüße
claren
Ich muss mich doch sehr wundern...bist du selbst Elternteil? Wenn ja, wie hältst du es bei deinen Kindern?
Schule ist kein Erziehungsheim. In der Schule geht es hauptsächlich um die Vermittlung von Wissen. Wenn nebenbei Zeit und Möglichkeit bleibt, den Kindern auch ein bisschen Anstand und gesunden Menschenverstand mit auf den Weg zu geben und das immer wieder mit in den Unterricht einfließen zu lassen, dann ist das prima, aber nicht Hauptauftrag der Schulen. Ist evtl. auch fachabhängig, inwieweit ethische etc. Themen in der Unterrichtsstunde Platz finden. Aber irgendwie scheint es heute Realität zu sein, dass Lehrer zunehmend die Funktion eines Sozialpädagogen übernehmen, weil sie sonst nicht mehr mit den Klassen zurechtkämen. Da müssen teilweise Probleme aufgeabreitet werden, mit denen eine Institution wie Schule eigentich überfordert ist. Wenn man aber bedenkt, dass gerade die ersten 6 Lebensjahre bei einem Kind so wichtig sind, wenn es um die Anlage von emotionalen Bindungen und Sozialisation etc. geht, wie soll die weiterführende Schule das Jahre später noch aufarbeiten? Ich weiß nicht, wenn ich einen Sohn hätte, der Mädchen unter den Rock fotografieren würde, würd ich mir erstmal Gedanken über mich selbst, meine Erziehung und mich als Vorbild, als `role model´ für meinen Sohn machen. Aber ich würde nicht hingehen und zur Schule sagen: "Warum habt ihr mein Kind nicht besser erzogen?". Das wäre doch eigentlich meine Sache gewesen...
Dennoch: obwohl Schule nicht primär die Funktion hat, schlecht geratene Kinder wieder auf den rechten Weg zu bringen, wird jeder Lehrer, der seinen Beruf mit Liebe ausführt und gut in ihm ist, versuchen, auch auf die Persönlichkeit der Schüler einzuwirken (obwohl es hier sicher auch Ausnahmen gibt). Aber ich finde, Eltern ziehen sich zu sehr aus der eigenen Verantwortung, wenn sie der Schule die -wie soll ich es nennen- charakterlich-moralische Erziehung ihrer Kinder aufbürden.
Ist jetzt doch was länger geworden, aber das ist ein Thema, was mich echt aufregt. Ich sehe in letzter Zeit irgendwie den Trend, dass Eltern (natürlich nicht alle, es gibt ganz entzückende Eltern, die es schaffen, ihre Kinder zu charakterstarken, anstandsvollen, lieben Wesen zu erziehen) sich ihrer Verantwortung entziehen. Wenn die Kinder schwierig sind (weil man eben in der Erziehung einige Fehler gemacht haben könnte), dann werden sie von Therapeut zu Therapeut geschleppt, muss ja irgendwas am Kind falsch sein, nicht an der Erziehung. Und wenn das nicht hilft, wird die Supernanny von RTL angerufen. So wälzen manche Eltern immer wieder ihre eigene Handlungsverantwortung auf andere ab. Ich finde diese Entwicklung wirklich traurig.
Gruß, Dine