Jungenstreich oder eine Frage des Prinzips?

Von: , Frage gestellt am Mo, 20. Jun 2005

Hallo,

ein Junge (13 Jahre alt) hat seine Klassenkameradin mit dem Fotohandy unter ihrem Rock fotografiert und die Aufnahme mit Namensnennung an Freunde weitergeleitet. Der Lehrer hat den Jungen aufgefordert das Foto von seinem Handy zu löschen (ob er von dem "Versand" des Fotos etwas wußte ist unklar), und sich schriftlich bei dem Mädchen zu entschuldigen. Die Eltern wurden seitens der Schule nicht informiert. Die Mutter des Mädchens hat das alles durch Gerüchte erfahren, und die Mutter des Jungens darauf angesprochen, die bislang nichts davon wußte. Der Junge behauptet die Bilder nicht weitergeleitet zu haben, obwohl diese nachweislich im Umlauf sind.
Was würdet Ihr tun, wenn Ihr Eltern des Mädchens, des Jungens, bzw. der Klassenlehrer wäret?
Danke vorab für Eure Meinung
viele Grüße
claren

25 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 2 Stunden 5 hilfreich
    Re: Jungenstreich oder eine Frage des Prinzips?

    Wenn ich der Klassenlehrer wäre würde ich zunächst einen Verweis durch den Schulleiter erwirken ( das ist in RLP die unterste Disziplinarstrafe). Damit würden selbstverständlich würden die Eltern des Jungen informiert, ebenso selbstverständlich würde ich auf einer Entschuldigung bei dem Mädchen bestehen. Davon abgesehen würde der Knabe vermutlich eine längere Abhandlung über Sachverhalte wie "Verletzung des Schamgefühls". "Beleidigung" und "Intimsphäre" abzufassen haben.

    • Antwort von nach 3 Stunden 3 hilfreich
      können Schule da etwas generell tun?

      Hallo orchidee,

      an der Geschichte, die der Tochter unserer Freunde passiert ist, überrascht uns die Tatsache, dass die Mädchen im Umfeld der Geschädigten das nicht schlimm finden. Sie könnten theoretisch doch auch empört sein; dass der Klassenlehrer nicht auf die Idee kommt, dass der Junge schon öfters solche Aufnahmen gemacht hat (da ist Gefahr in Verzug, finde ich); und dass es wenige Leute gibt, die unsere Freunde ermutigen die Schulleitung auf diese Geschichte aufmerksam zu machen, aber sehr viele die Meinung vertreten, lieber zu schweigen um der Familie des Jungens keinen Schaden zu zufügen, dem Mädchen sei schließlich nichts passiert.
      Ich teile deine Einstellung wie du sie in deinem Posting beschrieben hast. Aber darüber hinaus habe ich den Eindruck, dass den Teenagern in diesem Gymnasium (es scheint nicht anders zu sein wie in der Realschule meiner großen Tochter) von keinem Erwachsenen beigebracht wird, dass es irgendwann Zeit wird Respekt vor der Intimsphäre eines anderen zu haben weil das kein Kavaliersdelikt von einem Kind mehr ist bzw. Anspruch auf diesen Respekt zu haben.
      Gibt es da etwas, was die Schulen einer Klassengemeinschaft außer der Reihe beibringen sollten, oder sehe ich zu einseitig, und das ist eine Sache der Eltern bzw. der Familie?

      viele Grüße
      claren

      • Antwort von nach 4 Stunden 5 hilfreich
        Re: können Schule da etwas generell tun?

        Hallo, claren, Gibt es da etwas, was die Schulen einer Klassengemeinschaft
        außer der Reihe beibringen sollten, oder sehe ich zu
        einseitig, und das ist eine Sache der Eltern bzw. der Familie?
        eine viel diskutierte Frage! Nach meiner Erfahrung kann "die Schule" nur solchen Kindern diese Werte vermitteln bzw. sie vertiefen, bei denen im Elternhaus schon ein gewisser Grundstock dafür gelegt wurde. Wem aber Respekt, Toleranz, Fairness etc. nicht zu Hause beigebracht und vorgelebt werden, der wird diese Eigenschaften und Verhaltensweisen auch in der Schule nicht lernen (zumal es in der Pubertät vielen an Selbskritik und Einsicht fehlt).

        Allerdings stellt die Schule Regeln für den Umgang miteinander auf, die von allen einzuhalten sind (auch von jenen, denen das Unrechtsbewusstsein fehlt). Und diese Regeln müssen auch durchgesetzt werden, z. B. mit Sanktionen bei Verstößen. Wie diese Sanktionen im Einzelnen aussehen, kann von Schule zu Schule differieren - das geht von Gesprächen, Klassenbucheinträgen, Mitteilungen an die Eltern, schriftlichen Verweisen bis hin zum Schulverweis - je nach Schwere des Vergehens.
        Diese Maßnahmen werden sicher nicht den Charakter der "ungezogenen" und uneinsichtigen Kinder ändern, aber in vielen Fällen dafür sorgen, dass sie sich wenigstens an die Regeln halten.

        In dem von dir beschrieben Fall sollte der Schüler, auch wenn er es nicht bös gemeint hat, durchaus die Erfahrung machen, dass derartige Verhaltensweisen - offiziell - mit negativen Konsequenzen verbunden sind. Da es sich um einen offensichtlichen Mangel an sozialer Kompetenz handelt, dürfte das von der Schule nicht ignoriert werden.

        Gruß
        Kreszenz

        • Antwort von nach 21 Stunden 0 hilfreich
          auch ein * von mir o.t.:-))

          [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

      • Antwort von nach 18 Stunden 3 hilfreich
        Re: können Schule da etwas generell tun?

        Gibt es da etwas, was die Schulen einer Klassengemeinschaft
        außer der Reihe beibringen sollten, oder sehe ich zu
        einseitig, und das ist eine Sache der Eltern bzw. der Familie?

        viele Grüße
        claren
        Ich muss mich doch sehr wundern...bist du selbst Elternteil? Wenn ja, wie hältst du es bei deinen Kindern?
        Schule ist kein Erziehungsheim. In der Schule geht es hauptsächlich um die Vermittlung von Wissen. Wenn nebenbei Zeit und Möglichkeit bleibt, den Kindern auch ein bisschen Anstand und gesunden Menschenverstand mit auf den Weg zu geben und das immer wieder mit in den Unterricht einfließen zu lassen, dann ist das prima, aber nicht Hauptauftrag der Schulen. Ist evtl. auch fachabhängig, inwieweit ethische etc. Themen in der Unterrichtsstunde Platz finden. Aber irgendwie scheint es heute Realität zu sein, dass Lehrer zunehmend die Funktion eines Sozialpädagogen übernehmen, weil sie sonst nicht mehr mit den Klassen zurechtkämen. Da müssen teilweise Probleme aufgeabreitet werden, mit denen eine Institution wie Schule eigentich überfordert ist. Wenn man aber bedenkt, dass gerade die ersten 6 Lebensjahre bei einem Kind so wichtig sind, wenn es um die Anlage von emotionalen Bindungen und Sozialisation etc. geht, wie soll die weiterführende Schule das Jahre später noch aufarbeiten? Ich weiß nicht, wenn ich einen Sohn hätte, der Mädchen unter den Rock fotografieren würde, würd ich mir erstmal Gedanken über mich selbst, meine Erziehung und mich als Vorbild, als `role model´ für meinen Sohn machen. Aber ich würde nicht hingehen und zur Schule sagen: "Warum habt ihr mein Kind nicht besser erzogen?". Das wäre doch eigentlich meine Sache gewesen...
        Dennoch: obwohl Schule nicht primär die Funktion hat, schlecht geratene Kinder wieder auf den rechten Weg zu bringen, wird jeder Lehrer, der seinen Beruf mit Liebe ausführt und gut in ihm ist, versuchen, auch auf die Persönlichkeit der Schüler einzuwirken (obwohl es hier sicher auch Ausnahmen gibt). Aber ich finde, Eltern ziehen sich zu sehr aus der eigenen Verantwortung, wenn sie der Schule die -wie soll ich es nennen- charakterlich-moralische Erziehung ihrer Kinder aufbürden.

        Ist jetzt doch was länger geworden, aber das ist ein Thema, was mich echt aufregt. Ich sehe in letzter Zeit irgendwie den Trend, dass Eltern (natürlich nicht alle, es gibt ganz entzückende Eltern, die es schaffen, ihre Kinder zu charakterstarken, anstandsvollen, lieben Wesen zu erziehen) sich ihrer Verantwortung entziehen. Wenn die Kinder schwierig sind (weil man eben in der Erziehung einige Fehler gemacht haben könnte), dann werden sie von Therapeut zu Therapeut geschleppt, muss ja irgendwas am Kind falsch sein, nicht an der Erziehung. Und wenn das nicht hilft, wird die Supernanny von RTL angerufen. So wälzen manche Eltern immer wieder ihre eigene Handlungsverantwortung auf andere ab. Ich finde diese Entwicklung wirklich traurig.

        Gruß, Dine

        • Antwort von nach 21 Stunden 2 hilfreich
          Re^2: können Schule da etwas generell tun?

          Hallo Dine,

          du schießt mit deinen Gedanken über das Ziel hinaus. Ich passe bestimmt nicht ins Klischee von jenen Eltern die Kinder in der Schule abzugeben, in der Hoffnung, dass sie ab jetzt die Erziehung übernimmt.
          Aber auf der anderen Seite kann ich beobachten, wie sich zu wenige Lehrer um die Verbesserung des Klassenzusammenhalts bemühen (können). Gut, ich kennen den Lehrer in diesem konkreten Fall nicht, bin aber über seine sparsame Reaktion überrascht. In dem Alter erfahren Kinder über Prinzipie wie Rassendiskriminierung, demokratisches Miteinander, von Recht und Gesetz, und Einiges aus der Sexualkunde. Da würde es sich doch anbieten, die erworbenen Erkenntnisse in dem konkreten Fall durchzusprechen.
          Übrigens, ich habe gelesen, dass orchidee vom Beruf her Lehrerin ist, und sie eigentlich recht konkret gefragt, weil ich auf der einen Seite eine Wunschvorstellung habe (dass sich die Schule damit beschäftigt) und ich auf der anderen Seite nicht weiß was umsetzbar ist. Wie gesagt, es war eine Frage, keine unterschwelliger Vorwurf als Elternteil an die Lehrer.

          viele Grüße
          claren

          • Antwort von nach 22 Stunden 0 hilfreich
            Re^3: können Schule da etwas generell tun?

            Hallo Dine,

            du schießt mit deinen Gedanken über das Ziel hinaus. Ich passe
            bestimmt nicht ins Klischee von jenen Eltern die Kinder in der
            Schule abzugeben, in der Hoffnung, dass sie ab jetzt die
            Erziehung übernimmt.
            Das freut mich sehr ;)

            Allerdings hatte ich deinen Beitrag da auch anders verstanden. Kann jetzt an mir gelegen haben, wie gesagt, mich regt dieses Thema ein wenig auf.
            Ich hätte an Stelle des Lehrers gewiß mit beiden Parteien (also den Eltern UND den Kindern beider Seiten) gesprochen. Vielleicht gehört er zu dem Teil Lehrer, die pünktlicher als ihre Schüler am Ende des Schultages aus der Schule rennen. Vielleicht hat er aber auch als selbst Involvierter die Situation anders bewertet als Außenstehende. Wollte es nicht an die große Glocke hängen, weil er es vielleicht als zu peinliches Thema (speziell für das betroffene Mädel) angesehen. Ich glaube, ohne seine Meinung kommen wir in diesem Fall auch nicht unbedingt weiter...

            Allerdings sorry nochmal, wollte dich nicht irgendwie dumm anmachen...

            Gruß, Dine

      • Antwort von nach einem Tag 4 hilfreich
        Re: können Schule da etwas generell tun?

        Hallo Claren, Gibt es da etwas, was die Schulen einer Klassengemeinschaft
        außer der Reihe beibringen sollten, oder sehe ich zu
        einseitig, und das ist eine Sache der Eltern bzw. der Familie?
        Natürlich sollten Schulen das tun. Ich bin durchaus auch der Meinung, dass die Schule nicht die erste Erziehungsinstanz ist, das sollten schon die Eltern sein. Aber nachdem wir in der Schule ja relativ viel Zeit mit den Kindern - oder Jugendlichen - verbringen, haben wir notgedrungen auch einen Erziehungseinfluss und den müssen wir auch wahrnehmen. Verhalten in der Gruppe lernt man am besten in der Gruppe, und dass da mal was schief gehen kann ist keine Frage. Aber es ist wichtig, dass die Kinder lernen, wo die Grenze ist, hinter der man andere verletzt (auch wenn man vielleicht selbst durch ein ähnliches Verhalten nicht verletzt wäre weil man halt hartleibiger ist). Ich finde es bedenklich, wenn solche Dinge, die die Persönlichkeitsrechte des Einzelnen angehen (und dazu gehört nun mal der Bereich unter dem Rock bei einem 13jährigen Mädchen, denn sie ist halt auch kein Kleinkind mehr)so verharmlost werden, dass man das Ganze als Überempfindlichkeit hinstellt. Das Schlimme an dem Vorfall ist ja auch weniger das Foto selbst, da hätte ich vielleicht ein persönliches Gespräch mit dem Jungen mit (ernst gemeinter) Entschuldigung als ausreichend empfunden. Aber wenn er das Foto mit Namensnennung herumschickt muss man ihm klar machen, dass hier die Grenze überschritten ist. Und dass das Mädel es als Herabwürdigung ihrer Person empfindet wenn sich die Jungen in ihrer Klasse über ihren Slip amüsieren kann ich verstehen.
        Um noch mal sicherheitshalber klarzustellen: ein Verweis durch den Schulleiter ist kein Rausschmiss aus der Schule, sondern ein Brief an die Eltern, in dem geschildert wird was vorgefallen ist und ein Tadel ausgesprochen wird. Juristisch hat das keine weiteren Konsequenzen (außer dass die Verhaltensnote beeinträchtigt wird).
        Gruß Orchidee

    • Antwort von nach 16 Stunden 5 hilfreich
      Ich sehe kein Problem

      Hallo,

      vor langer Zeit wurde mir, vor der ganzen Klasse von einem Mädchen im Schwimmunterricht die Badehose runtergezogen...
      Sie hat sich nie bei mir entschuldigt...aber später lebten wir einige Jahre glücklich zusammen.

      Ich verstehe die bisherige Reaktion hier nicht...wo ist eigentlich das Problem?

      1. Lehrer und Eltern haben in der Regel keine Ahnung was für soziale Kompetenzen und Kommunikationsformen sich in einer Klassengemeinschaft abspielen. Mit Schulverweis und anderen Disziplinarmaßnahmen macht ihr aus einer Mücke einen Elefant, aus pubertärem Geschlechtergerangel eine verklemmte Scham- und Schuldgemeinschaft.

      2. Der Junge hat seine Lektion schon bekommen, er wird absolut nicht begeistert sein, dass seine Mutter von der Sache Wind bekommen hat.

      3. Wenn es darum geht junge Menschen weiter zu bringen, zu unterstützen in ihrer Persönlichkeitsbildung zieht sich Schule doch immer zurück mit dem Argument keinen Erziehungsauftrag zu haben. Aber wenn es darum geht junge Menschen zu behindern und ihnen jede Unbekümmertheit in Verklemmtheit umzuwandeln sieht Schaule auf einmal eine direkte Erziehungsaufgabe, selbst wenn der ganze Vorfall ausserhalb der Schule stattgefunden haben kann.

      Gruss
      D.K.



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