Re: Privatunis und mehr, ...
Hallo Falckus,
ich glaube kaum, dass man objektiv bewerten kann, ob die eine oder andere Uni anspruchsvoller ist. Sicher ist die eine oder andere Prüfung an einer anderen Uni wesentlich leichter zu bestehen. Ich möchte mir nicht anmaßen zu sagen, dass man an einigen Unis sein Diplom vergleichsweise geschenkt bekommt.
Allerdings gibt es, wenn man den Uni-Rankings glauben darf, signifikante Unterschiede was den Ruf der Unis betrifft.
Mag sein, dass ich mit meiner Uni einen "Griff ins Klo" gemacht habe, aber das kann bzw. möchte ich nun nicht mehr ändern.
Wenn einige FHs in den Rankings besser abschneiden, als manche Unis, dann liegt das wohl eher an der Philosophie des FH-Studiums. Das die Ausbildung an einigen FHs schwieriger als an Universitäten ist, mag ich mal bezweifeln. Schließlich ist es wie ich finde wesentlich einfacher praxisrelevanten Stoff einfach nur zu reproduzieren, als wissenschaftliche Methoden auf einen Einzelfall anzupassen und anzuwenden. FH und Uni haben vollkommen andere Ansprüche an das, was vermittelt werden soll.
Und wenn ich dann etwas von fauler Uni (=faule u. dumme Studenten oder was soll das heißen?) lese dreht sich mir der Magen um.
Schonmal darüber nachgedacht, dass es unterschiedliche Regionen in Deutschland gibt, in denen bestimmte soziale Verhältnisse überwiegen.
Wenn jemand von Papa gesponsert wird oder ein Stipendium erhält ist es klar, dass sich diese Person voll auf das Studium konzentrieren kann. Obwohl ich Heute z.B. lieber gelernt hätte musste ich bis gerade eben arbeiten. Gelernt wird bei mir in der Nacht und von Freizeit ist z.Z. keine Spur. Frag lieber nicht, wann ich zum letzten Mal im Urlaub war.
Es ist wohl klar, dass man sich in einem solchen Fall die Prüfungen aufteilen muss, und nicht das Leistungsspektrum eines ausgeruhten Studierenden (der nicht Arbeiten muss) besitzt. Klar könnte ich alle Prüfungen auf einmal erledigen, allerdings sollen auch vernünftige Noten dabei rausspringen. Mit einem 3er Diplom kann ich nichts anfangen.
Und wenn in einigen Studiengängen die durchschnittliche Studiendauer extrem hoch ist, liegt das nicht selten an zu wenigen potentiellen Prüfern (in meinem Studiengang werden jetzt auf einen Schlag 3-4 Profs pensioniert) und an begrenzten Seminarplätzen, in denen nicht jeder einen Platz bekommen kann.
Ich weiss ja nicht, ob Du Dich schonmal um 18:00 Uhr des Vortages einer Anmeldung (9:00 Morgends) angestellt hast, um einen Platz im heiss begehrten Seminar zu bekommen? Klar das sind einzelne wenige Veranstaltungen, aber wenn man auf diese nicht verzichten kann oder möchte? Schließlich möchte ich mein Studium mit den von mir gewählten Schwerpunkten durchführen und nicht irgendwas machen, um einfach nur schnell fertig zu werden.
Wenn man nicht das Geld oder Glück (welches man außerdem braucht um ein Stipendium zu erhalten) hat und deswegen nicht an einer sehr gut ausgestatteten und gut organisierten Privat-Uni studieren kann hat man halt pech. Man darf sich dann nicht nur mit dem Lernstoff sondern auch noch mit den nicht angemessenen Rahmenbedingungen rumschlagen.
Das viele Studienanfänger nicht für ein Hochschulstudium geeignet sind ist klar. Nicht weil sie zu dumm sind, sondern weil ihnen einfach die Disziplin fehlt. Klar ist auch, dass nicht jeder eine wissenschaftliche Ausbildung braucht.
Von den Kommilitonen, mit denen ich mein Studium begann, sind max. 20% übrig geblieben. Diese werden ihr Studium auch erfolgreich abschliessen, wenn sie es nicht schon abgeschlossen haben. Unter 10 Semestern lag davon allerdings keiner.
Ein weiteres Problem bei uns ist, dass es teilweise Wartezeiten von bis zu einem Jahr gibt, bis man einen Betreuer für eine Diplom-Arbeit bekommt. Die meisten Lehrstühle sind bei uns, vor allem durch Nebenfächler, vollkommen überlastet.
Wie gut, dass ich diesen Mist bald nicht mehr ertragen muss.
MfG
Stephan