Neue Schlechtschreibung: Nur eine Modewelle!

Von: , Frage gestellt am Do, 9. Mär 2000

Hallo!
Als freier Übersetzer für Wirtschaft, Industrie, Justiz und Verlage boykottiere ich hiermit die Neue Schlechtschreibung, denn die "alte" Rechtschreibung ist und bleibt die einzig richtige, wie ich immer wieder feststellen muß. Ich wehre mich dagegen, Verben auseinanderzuschreiben, weil es dadurch mitunter zu lachhaften Verwechslungen und mehrdeutig-merkwürdigen Konstellationen kommt. Ich habe mich schon gegen die uns aufgezwungene Erhöhung der MwSt auf 16% und gegen die uns aufgezwungene Einführung des EURO gewehrt (wer will, kann jetzt ruhig mit dem Argument kommen, daß die Einführung des EURO ja auf demokratisch erfolgten Entscheidungen beruhe, bitteschön), doch was die Neue Schlechtschreibung betrifft, werde ich meinen Boykott konsequent durchziehen, auch auf die Gefahr hin, Kunden zu verlieren. Weder als privater/beruflicher "Sprachkünstler" noch mittels gesundem Menschenverstand ist es mir bislang gelungen, die angeblichen "Vorteile" der Neuen Schlechtschreibung zu erkennen, geschweige denn sie zu verinnerlichen. Vielleicht bin ich zu blöd dafür. Wenn ja, dann bin ich's gerne und stehe dazu. Ihr könnt Euch ruhig alle den bigbrother-mäßigen Entscheidungen sogenannter Sprachwissenschaftler unterordnen. Ich bin schon immer meinen eigenen Weg gegangen und werde das auch weiterhin tun, liebe Lemminge da draußen. Wer sich angesprochen fühlt, möge mich nun bombardieren. Ich sehe den vernichtenden Antworten gelassen entgegen.
Euer Donovan

10 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 3 Stunden hilfreich
    Ich fürchte nicht...

    Hi Donovan!

    Damit Du Dich für die vernichtenden Antworten besser wappnen kannst: Ich bin, was die neue Ottografie betrifft, ganz auf Deiner Seite.

    Ich fürchte allerdings, daß sie trotz allem keine Modewelle ist, sondern sich durchsetzen wird.

    Ich werde sie aber erst zur Kenntnis nehmen, wenn ich muß (weil meine Kinder in der Schule gezwungen werden, sie zu benutzen).

    Eine meiner Lieblingszeitschriften, die Spektrum der Wissenschaft, ist mir übrigens jetzt noch lieber: Es ist die einzige, die ich kenne, die noch die alte Rechtschreibung benutzt!

    Mit unterstützendem Gruß,

    Kubi

  2. Antwort von nach 15 Stunden hilfreich
    Re: Neue Schlechtschreibung: Nur eine Modewelle!

    Hi there,
    ich hasse die neue Rechtschreibung sicher mindestens genau so sehr wie Du - lebe zusaetzlich seit 10 Jahren im Ausland, und werde damit NIE lernen, wie man jetzt in Deutschland offiziell 'rechtschreibt'.
    Andererseits ueberleg' Dir doch mal, wie's waere, wenn wir jetzt noch wie Goethe Deutsch, oder wie Shakespeare Englisch schreiben und sprechen wuerden! Sprache ist halt lebendig, veraendert sich. Nur wenn da ein paar Leute herkommen, und eben nicht ueber lange Zeit hinweg, sondern 'ploetzlich' diese Veraenderungen auch offiziell machen wollen, dann kriegen wir halt das Problem der ploetzlichen Umstellung (und der Tatsache, dass einem ziemlich viele der Aenderungen wie reiner Bloedsinn vorkommen...)
    Gruss, Isabel [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

    • Antwort von nach einem Tag hilfreich
      Re^2: Neue Schlechtschreibung: Nur eine Modewelle!

      Hallo Isabel, Sprache ist halt lebendig, veraendert
      sich. Nur wenn da ein paar Leute
      herkommen, und eben nicht ueber lange
      Zeit hinweg, sondern 'ploetzlich' diese
      Veraenderungen auch offiziell machen
      wollen, dann kriegen wir halt das Problem
      der ploetzlichen Umstellung (und der
      Tatsache, dass einem ziemlich viele der
      Aenderungen wie reiner Bloedsinn
      vorkommen...)
      Das mag daran liegen, daß hier nicht ohnehin schon gängige Sprachmuster einfach nur offiziell gemacht wurden (wird ja ohnehin von der Duden-Redaktion laufend gemacht), sondern eine Menge von Änderungen quasi "aus dem nichts" auf die Leute losgelassen wurden. Und die angeblich dahinterstehende Logik ist auch ein Witz. Erstens sind manche Änderungen eben nicht logisch, zweitens war das Ganze nicht konsequent.

      Lebendige Sprache und diktierte neue Rechtschreibung sind eben nicht dasselbe.

      Gruß, Kubi

  3. Antwort von nach einem Tag hilfreich
    Re: Neue Schlechtschreibung: Nur eine Modewelle!

    Manches an der neuen Rechtschreibung ist ziemlich seltsam, anderes wie z.B. die Groß- und Kleinschreibung hat man dafür leider ausgelassen. Grundsätzlich sehe ich aber nicht ein, warum die Regeln, die inzwischen 100 Jahre alt sind und schon immer ziemlich willkürlich waren, nicht durch Regeln ersetzt werden sollten, die leichter nachvollziehbar sind. Es gibt nur ein Argument für die alten Regeln: Gewohnheit. Das ist für faule Menschen wie mich ein guter Grund, sich mit dem ganzen neuen Kram einfach erstmal nicht zu beschäftigen. Grundsätzlich bin für neue Regeln in Kombination mit etwas mehr schöpferischer Freiheit.

    Meint Volker

    • Antwort von nach einem Tag hilfreich
      Re^2: Nachvollziehbar?

      Hi Volker, Grundsätzlich sehe
      ich aber nicht ein, warum die Regeln, die
      inzwischen 100 Jahre alt sind und schon
      immer ziemlich willkürlich waren, nicht
      durch Regeln ersetzt werden sollten, die
      leichter nachvollziehbar sind.
      Es macht überhaupt keinen Sinn, nicht nachvollziehbare Regeln durch neue, ebensowenig nachvollziebare zu ersetzen. Das Problem ist: Sprache folgt nur bedingt den Gesetzen der Logik. Warum ein Wort so oder anders geschrieben wird, hat mit der Herkunft der Wörter zu tun, und manchmal überlappen sich mehrere Herleitungsregeln. Die 100jährige Tradition ist auch eine Zeit der Übereinstimmung, über unscharfe Definitionen hinwegzusehen; ich wäre bei jeder Reform, die mir ein scharfes Regelwerk liefern könnte. Nur, diese schafft es nicht.

      Ein dummes Beispiel: Aufwendig-> aufwändig. Argumentiert wird mit dem Wort Aufwand, so daß es "logisch" erscheint, "aufwändig" zu schreiben. Eigentlich ist es umgekehrt: aus dem Verb aufwenden entsteht der Aufwand, und daher "aufwendig". Beläßt man es beim ä, so hat man plötzlich eine neue, unlogische Differenz zu vielen ähnlichen Wörtern wie Zuwendung, abwenden, auswendig, usw. Und der Shüler darf sich damit plagen.

      Ich habe lange gebraucht, um Deutsch in der alten Form zu lernen, das war zum Teil eine Vergewaltigung des "gesunden Menschenverstands", und ich glaube nicht, daß ich es nochmal schaffen werde...

      Gruß
      J.

  4. Antwort von nach einem Tag hilfreich
    Re: Jetzt spreche ich, aber mit deinen Worten

    Hallo!

    "Als freier Schüler der 9. Klasse eines Gymnasiums boykottiere
    ich hiermit die "alte" Schlechtschreibung,
    denn die Neue Rechtschreibung ist und
    bleibt die einzig richtige, wie ich immer
    wieder feststellen muss. Ich wehre mich
    dagegen, Verben zusammen zu schreiben,
    weil es dadurch mitunter zu lachhaften
    Verwechslungen und
    mehrdeutig-merkwürdigen Konstellationen
    kommt. Ich habe mich schon gegen die uns
    aufgezwungene Erhöhung der Ökosteuer
    gewehrt (wer will,
    kann jetzt ruhig mit dem Argument kommen,
    daß die Erhöhung de Öko-Steuer ja auf
    demokratisch erfolgten Entscheidungen
    beruhe, bitteschön), doch was die "alte"
    Schlechtschreibung betrifft, werde ich
    meinen Boykott konsequent durchziehen,
    auch auf die Gefahr hin, Sechsen zu kriegen. Weder als privater/beruflicher
    "Sprachkünstler" (Aufsätze, Klausuren, Diktate) noch mittels gesundem
    Menschenverstand ist es mir bislang
    gelungen, die angeblichen "Vorteile" der
    "alten" Schlechtschreibung zu erkennen,
    geschweige denn sie zu verinnerlichen.
    Vielleicht bin ich zu blöd dafür. Wenn
    ja, dann bin ich's gerne und stehe dazu.
    Ihr könnt Euch ruhig alle den
    superindividuellen Entscheidungen
    sogenannter Reformgegner
    unterordnen. Ich bin schon immer meinen
    eigenen Weg gegangen und werde das auch
    weiterhin tun, liebe Elephanten da drinne."

    "Klingt wie ein Blödsinn", sagst du, lieber Donovan. Ist es auch. Und das Copyright gehört nicht mir, sondern dir. Ich hab' nur "alte" und "neue" ausgetauscht.
    Aber hätte ja sein können, wenn ich mich durch diese Meckerei so aufregen würde. Mach ich nicht. Schließlich bin ich nicht derjenige, der 2005 seine Arbeit verliert wegen seiner Gewohnheiten. Statt mich aufzuregen, lerne ich die neue Rechtschreibung - erstens, weil das Gesetz mir das vorschreibt und zweitens, um 2005 nicht einfach da zu stehen.
    Außerdem: Das lernen trainiert Gehirn und Gedächtnis. Das Wissen an sich ist nicht schädlich ;-)

    MfG, Igor.

    • Antwort von nach einem Tag hilfreich
      Wessen Worte auch immer...

      Hallo!
      Schließlich bin ich nicht
      derjenige, der 2005 seine Arbeit verliert
      wegen seiner Gewohnheiten.
      Das ist noch gar nicht mal gesagt. Denke mal an etwas anderes: Die meisten der Leute, die 2005 Einstellungen durchführen, haben die alte Rechtschreibung gelernt und sind inzwischen mehr oder weniger erfolgreich in ihrer Firma geworden. Der größte Teil dieser Leute wird sich nicht auf die neue Rechtschreibung umgestellt haben (warum auch? Die meisten ihrer Kommunikationspartner haben ja auch noch die alte gelernt), und wenn man durch eine Rechtschreibung bei der Bewerbung Nachteile haben sollte, dann ist es eher durch die neue als durch die alte. Bis sich das ändert, vergehen bestimmt noch so 30 Jahre (wenn nämlich die jetzigen Schüler Personalchefs etc. geworden sind).

      Statt mich aufzuregen, lerne ich die neue
      Rechtschreibung - erstens, weil das
      Gesetz mir das vorschreibt und zweitens,
      um 2005 nicht einfach da zu stehen.
      Das erste Argument ist natürlich richtig. Zum zweiten: siehe oben. 2005 wird immer noch die Mehrheit der Leute nach der alten schreinben! Außerdem: Das lernen trainiert Gehirn und
      Gedächtnis. Das Wissen an sich ist nicht
      schädlich ;-)
      Stimme voll zu. Aber nicht nur nutzen Lernfaule "meine" und "Donovans" Argumente, um nicht umlernen zu müssen, sondern genügend davon nutzen "Deine" Argumente, um die alte nicht ordentlich lernen zu müssen - schließlich ist die neue ja scheinbar leichter.

      Gruß, Kubi

      • Antwort von nach einem Tag hilfreich
        Falsch.

        Statt mich aufzuregen, lerne ich die neue
        Rechtschreibung - erstens, weil das
        Gesetz mir das vorschreibt und zweitens,
        um 2005 nicht einfach da zu stehen.
        Das erste Argument ist natürlich richtig.
        Aha, "das Gesetz". Großer Irrtum - es gab und gibt kein derartiges Gesetz. Ich kann zwar nachvollziehen, daß man in Anbetracht der in Deutschland herrschenden Überreglementierung die Existenz einer derartigen Vorschrift für möglich hält, aber so weit sind wir zum Glück noch nicht! Es wäre auch absurd, der Bevölkerung per Gesetz zu verordnen, wie sie zu schreiben hat. Die neue Rechtschreibung ist (ab 2005) nur in den Bereichen verbindlich, in denen auch schon bisher der Duden galt: Ämter, Behörden, Schulen. Wie man privat schreibt, geht niemanden etwas an. Hier gilt die alte, die neue oder auch die ganz persönliche Rechtschreibung. Und wer beruflich mit Texten zu tun hat, der muß sich ohnehin nach dem Auftraggeber richten oder so schreiben, wie der Chef es für richtig hält.

        • Antwort von nach einem Tag hilfreich
          Hast ja recht...

          Aha, "das Gesetz". Großer Irrtum - es gab
          und gibt kein derartiges Gesetz...
          Stimmt natürlich. Hab' ich auch nicht dran gedacht. Aber davon ab: bei Igor klang's so, als meinte er in der Schule. Und dann stimmt's wieder.

          Gruß, Kubi



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