Re^3: tanistry auf deutsch
Nicht ganz einfach, Livia.
Das irische System der Nachfolge des Herrschers hat zwei, eigentlich drei Wurzeln
- zum einen die Blutlinie, denn man wählte den Herrscher möglichst aus einer Familie, die ihre Abstammung möglichst weit zurückverfolgen konnte. Insofern hat das durchaus Ähnlichkeit mit dem Primogenitur-Recht, das wir aus unserem Mittelalter kennen, wo der älteste Sohn dem Vater in Amt, Würden und Besitz nachfolgt, wie degeneriert er auch immer war.
- die zweite Wurzel der irischen Nachfolgeregelung liegt in den fortwährenden Kriegen und Gebietsauseinandersetzungen, die auf der Insel stattfanden. Da mußte rasch ein fähiger, erfahrener Kämpfer die Führung übernehmen, ein langes Interregnum wäre eine Einladung an die Feinde gewesen. Daher wurde nicht automatisch der Sohn der Nachfolger, sondern der fähigste Heerführer (möglichst) aus der Blutlinie des verstorbenen Herrschers, sei es Bruder, Neffe, Cousin.
- die dritte bestimmende Kraft war wohl die Tatsache, dass niemand automatisch zum Führer erhoben wurde, sondern sich in einer Wahl der Freien durchsetzen mußte - was weitgehende Loyalität der Geführten mit sich brachte und die Herrschaft absicherte.
Zudem führte Punkt zwei dazu, dass man den Nachfolger, den Tanaist, bereits zu Lebzeiten des Herrschers bestimmte, der auch in dieser Position bereits über eine gewisse Machtfülle verfügte. Dies erlaubte einen raschen Führungswechsel und sorgte für weitgehende Kontinuität in der Amtsführung.
Zu Deinem Übersetzungsproblem:
Tanaist würde ich ggf. mit einer Erklärung so beibehalten.
Tanistry auch, bestenfalls als "Tanaistenamt", "Tanaistenwürde", obwohl auch dies nicht unbedingt wiedergibt, dass zu dem Amt ja auch Besitz und Macht gehört. Notfalls wird man zu umfassenderen Beschreibungen Zuflucht nehmen müssen, um der Konzeption dieser Stellung gerecht zu werden.
Eine sehr interessante Abhandlung der sozialen Verhältnisse im alten Irland habe ich hier gefunden: http://socserv2.socsci.mcmaster.ca/~econ/ugcm/3ll3/m...
Grüße
Eckard