FAZ und alte Rechtschreibung

Von: , Frage gestellt am Fr, 28. Jul 2000

Sicher haben es die meisten gelesen, die FAZ hat die Nase voll von der neuen Rechtschreibung und kehrt wieder zur alten zurück.
Da sag ich nur: BRAVO!
Gruss
Rainer

23 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 2 Stunden hilfreich
    Re: FAZ und alte Rechtschreibung

    Sicher haben es die meisten gelesen, die FAZ hat die Nase voll
    von der neuen Rechtschreibung und kehrt wieder zur alten
    zurück.
    Da sag ich nur: BRAVO!
    Bravo würde ich nicht unbedingt rufen, da die FAZ vor einem Jahr den selben Fehler gemacht hat wie so viele deutsche Blätter. Die Reform wurde, obwohl niemand wusste, ob sie je akzeptiert werden würde, einfach mal übernommen. Jetzt wird versucht, nachträglich das zu tun, was eigentlich sowieso hätte geschehen müssen: die Reform links liegen zu lassen. Die Entscheidung ist zwar in Ordnung, aber mein Bravo gilt den wenigen Verlagen, Zeitungen und Zeitschriften, die die Reform bisher komplett ablehnen. Denn sollten die neuen Regeln doch irgendwann von der breiten Masse akzeptiert werden und sich in der Praxis bewähren, kann man ja immer noch wechseln.

    Falls jetzt jemand sagen will: Du schreibst, dass man die neuen Regeln am besten ignorieren sollte und benutzt sie selbst. Das ist mir klar, allerdings mache ich das nur, weil es mir zu schwierig ist in der Schule und im privaten Bereich zwei verschiedene Rechtschreibungen zu benutzen. Ich habe das zur Einführung der neuen Regeln ein paar Wochen versucht, aber heraus kam das allerletzte Mischmasch und dann lieber neu, aber richtig :o)!

    Liebe Grüße!
    Chris

    • Antwort von nach 4 Stunden hilfreich
      Re^2: FAZ und alte Rechtschreibung

      Hallo Chris,
      Mir geht das auch so! Wenn man beruflich mit Sprache etc. zu tun hat, dann kommt im Wechsel zwichen Privat-Schreibe und Berufs-Schreibe nix als Quatsch dabei herum. Aber ehrlich gesagt: Ich kann das ganze Gezanke nicht immer verstehen: Nach einer recht kurzen Zeit merkt man gar nicht mehr, dass alles ja soooo komisch ist bei der neuen Schreibung. Ich glaube, jedeR ( R nicht gedeckt durch das Regelwerk, denke ich!!!) macht das mit der Anpassung an die neuen Regeln nach eigener Geschwindigkeit.

      Ich würde mich mal dafür interessieren, ob in anderen Ländern/Sprachen auch ein derart festes Regelwerk besteht wie bei uns? Vielleicht könnte man dann eine etwas größere Gelassenheit ins Spiel bringen? Nicht jeder, der die Alt- oder Neuregeln des Duden verletzt, muss ja gleich verhaftet werden! (kleiner Scherz!) Nach ein paar Jährchen hat sich dann auch bestimmt bei allen (oder den meisten) deutschsprachigen Schreibern ein Regelkonsens herausgestellt - und dann hat die liebe Seele vielleicht auch endlich Ruh!!!????

      viele liebe Grüße
      Anne
      PS: Hoffentlich habe ich jetzt keine Tippfehler o.ä. gemacht, sonst lachen se ja alle! [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

      • Antwort von nach 3 Tagen hilfreich
        Re^3: FAZ und alte Rechtschreibung


        Ich würde mich mal dafür interessieren, ob in anderen
        Ländern/Sprachen auch ein derart festes Regelwerk besteht wie
        bei uns? Vielleicht könnte man dann eine etwas größere
        In Japan ist die Rechtschreibung vom Kultusministerium sehr genau geregelt. Nach dem Krieg hat es eine sehr durchgreifende Rechtschreibreform gegeben. U.a. wurde die Schreibrichtung quer nach links abgeschafft, und es wurden sehr viele Schriftzeichen kraeftig vereinfacht und viele auch offiziell abgeschafft.

        Es hat lautstarke Opposition gegen diese Rechtschreibreform gegeben, aber hauptsaechlich von Nationalkonservativen, die wegen des verlorenen Krieges diskreditiert waren.


        Im Vergleich mit der Veränderung der Rechtschreibregeln in Deutschland erscheint mir besonders interessant, daß gerade die Wortabschaffung bis heute nicht "voll ständig" akzeptiert wurde. Man hat ca. 2000 Schriftzeichen als zu verwenden definiert. In der Schule werden nur diese unterrichtet, und die Zeitungsverlage benutzen keine anderen. Auch mehr als 50 Jahre nach der Reform ist es aber bei weitem nicht genug, nur diese offizielen Schriftzeichen zu kennen, weil tatsaechlich immer noch knapp 5000 verwendet werden.

        Seitdem gibt es kleine Rechtschreibreförmchen im Jahresrhytmus.
        Da nimmt der Minister mal das eine oder andere Schriftzeichen aus dem Kanon heraus, erlaubt vielleicht ein anderes nur für die Verwendung in Eigennamen, oder es wird bei einzelnen Wörtern die Schreibweise einer seit langer Zeit üblich gewordenen, geänderten Sprechweise angepaßt.
        Die Japaner sind mit ihren Rechtschreibregeln vertraut und zufrieden. Im privaten Schriftverkehr ismada alladings recht locka, mea vüleicht sogar wie in Amerika.

        Die durchgreifende Rechtschreibreform Japans hat die Schrift erheblich schneller gemacht. Aufgrund dieses praktischen Aspekts ist sie zu großen Teilen schnell von den Leuten in Japan angenommen worden. Die deutsche Rechtschreibreform macht deutsche Sätze jedoch nicht kürzer, sondern länger. Niemand aber hatte je darunter gelitten, daß Deutsch zu kurz liefe.
        Bestehende Wörter sind für die Leute ein Besitzstand. Man verzichtet nicht einfach so auf wichtige Wörter.

        Die Aussprache mancher Wörter verändert sich im Laufe der Zeit, aber nicht, weil die Kultusministerkonferenz z.B. sagt, daß man das "e" in "aufwendig" jetzt wie ein "ä" zu sprechen habe, sondern auf andere Art und aus anderen Gründen. Veränderungen in der Aussprache muß die Rechtschreibung in gebührendem Abstand folgen, und nicht von sich aus welche befehlen.
        Ich meine, allmählich wäre es z.B. an der Zeit, die Schreibweise "fümunzwanzig" zu erlauben, denn wenn man heutzutage tatsächlich sagt "fünfundzwanzig", dann ist das doch schon bayrischer Dialekt.

        Fazit
        Viel mehr vernünftiges als der "Delfin" ist in der ganzen deutschen Rechtschreibreform nicht drin und wird sich auch nicht durchsetzen.

        • Antwort von nach 3 Tagen hilfreich
          echt spannend

          Hallo Wolfgang,

          das war ja echt spannend, viel gelernt!

          Anne

  2. Antwort von nach 2 Stunden hilfreich
    Re: FAZ und alte Rechtschreibung

    Dem kann ich mich nur voll und ganz anschließen. George Orwell hat das 1964 für 1984 vorausgesagt, mit der Gedankenpolizei. Sprechen, Schreiben --> Denken.
    Es beruhigt mich, daß fast 80 Prozent der Bevölkerung (siehe Umfrage unter www.t-online.de) nicht bereit sind, sich ihre Schreibweise und letztlich ihre Denkweise von oben vorschreiben zu lassen. Jetzt noch vielleicht ein Jahr Beständigkeit und Widerstand, vielleicht auch nur drei Monate, dann ist der ganze Spuk vorbei, natürlich auf unser aller Kosten.
    Vorbeugend zum Argument mit den armen Schulkindern: Meine Kinder (11 und 13, bis 1999 in Deutschland) und ihre Mitschüler/innen hassen diese RSR aus vollem Herzen. Ebenso die Lehrer, die aber sagen, daß sie sich lieber bedeckt halten.
    Ich lebe im Ausland, und wenn ich die Aussies frage, was sie dazu meinen - Does this still happen in Germany? F*ck the government, forget that bullsh*t
    Gunter [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

    • Antwort von nach 3 Stunden hilfreich
      Re^2: FAZ und alte Rechtschreibung

      Jetzt noch vielleicht ein Jahr
      Beständigkeit und Widerstand, vielleicht auch nur drei Monate,
      hallo,

      das ist ja schön und gut, aber wer sollte verhindern, daß dies nur der Lückenfüller fürs Sommertheater ist?

      Gruß,
      Christian

    • Antwort von nach 6 Stunden hilfreich
      Re^2: FAZ und alte Rechtschreibung

      Es beruhigt mich, daß fast 80 Prozent der Bevölkerung (siehe
      Umfrage unter www.t-online.de) nicht bereit sind, sich ihre
      Schreibweise und letztlich ihre Denkweise von oben
      vorschreiben zu lassen
      Es mag ja sein, dass dich das beruhigt, aber zunächst einmal sind wohl von denjenigen, die dort gegen die RSR gestimmt haben, wiederum 80% überhaupt nicht betroffen! Solange Du nämlich nicht gerade in einer Schule (auf welcher Seite auch immer) oder einer Behörde sitzst, kannst Du immer noch schreiben wie Du willst. Dein Arbeitgeber wird zwar von Dir erwarten, dass Du so schreibst, dass keine Verständnisschwierigkeiten auftreten, allerdings kann er Dir nicht direkt vorschreiben, dass Du die alte oder neue Rechtschreibung verwendest. Die Ämtler und die Schüler sind also die Hauptbetroffenen (s.u.)! Vorbeugend zum Argument mit den armen Schulkindern: Meine
      Kinder (11 und 13, bis 1999 in Deutschland) und ihre
      Mitschüler/innen hassen diese RSR aus vollem Herzen. Ebenso
      die Lehrer, die aber sagen, daß sie sich lieber bedeckt
      halten.
      Du hast uneingeschränkt Recht (schreibt man ja jetzt auch groß), dass es für Kinder, oder Jugendliche, die die neue Rechtschreibung sieben oder acht Jahre gelernt haben, wirklich schwierig ist. Ob die Erstklässler jetzt leichter schreiben und lesen lernen, zweifle ich durchaus an. Vor allem wird es für sie sehr, sehr schwer, wenn ihnen eventuell nächstes Jahr in der zweiten Klasse gesagt wird, dass das, was sie in der ersten Klasse gelernt haben, nicht mehr gilt. Schon den älteren Schülern fällt dieses Hickhack wirklich schwer, da viele Lehrer in nicht-sprachlichen Fächern die neuen Regeln einfach ignorieren (aus eigener Unwissenheit).

      Ich bin kein Reformgegner, weil ich sinnvolle Änderungen ablehne, sondern, weil ich der Meinung bin, dass bei dieser Reform Änderungen durchgedrückt wurden, die einfach nicht hätten sein müssen. Ein paar behutsame Änderungen hätten sicher gereicht, und die wären ja auch angenommen worden. Sinnvolle, wohlüberlegte Änderungen hätten mich nicht gestört, aber worüber ich mich jetzt aufrege ist dieser Wirrwarr, dieses Hin und Her, das mich dazu bringt, dass ich in der Schule Spagetti schreibe und daheim Spaghetti esse! Guten Appetit! Chris

  3. Antwort von nach 5 Stunden hilfreich
    Re: Rechtschreibung

    Hallo,

    ganz ehrlich, ich kann die Reaktion der FAZ nicht verstehen. Hier wird so getan, als ob die deutsche Sprache und somit auch die Rechtschreibung eine statische Angelegenheit sei. Und natürlich auch eine heilige Kuh, die man ja nicht antasten darf.

    Dabei wird gerne vergessen, dass es sicher nicht die erste Reform der Rechtschreibung ist. Ab 1879 wurde die Rechtschreibung erstmals vereinheitlicht, 1902 reformiert, seitdem immer den Gegebenheiten angepasst. Seit 1997 eben mal wieder. Warum also die ganze Aufregung? Es spricht heute niemand mehr so wie vor hundert Jahren, warum also so schreiben?

    Ganz ehrlich: mittlerweile fällt es mir gar nicht mehr auf, ob irgendwas in neuer, alter oder gemischter Schreibweise verfasst ist. Ich schreibe so, wie es mir gerade richtig erscheint; beschwert hat sich noch keiner darüber.

    In ein paar Jahren hat sich die Sache eingespielt und ist wahrscheinlich nur noch für ein paar überspannte Autoren ein Thema.

    Ist doch komisch: sonst sind wir alle doch so sehr für Fortschritt und Wandel zu haben - und bei diesem Thema sollen wir 100jährige Tradition wahren?

    Gruss
    Peter

    • Antwort von nach 5 Stunden hilfreich
      Re^2: Rechtschreibung

      Hallo,

      ganz ehrlich, ich kann die Reaktion der FAZ nicht verstehen.
      Hier wird so getan, als ob die deutsche Sprache und somit auch
      die Rechtschreibung eine statische Angelegenheit sei. Und
      natürlich auch eine heilige Kuh, die man ja nicht antasten
      darf.

      Dabei wird gerne vergessen, dass es sicher nicht die erste
      Reform der Rechtschreibung ist. Ab 1879 wurde die
      Rechtschreibung erstmals vereinheitlicht, 1902 reformiert,
      seitdem immer den Gegebenheiten angepasst. Seit 1997 eben mal
      wieder. Warum also die ganze Aufregung? Es spricht heute
      niemand mehr so wie vor hundert Jahren, warum also so
      schreiben?

      Ganz ehrlich: mittlerweile fällt es mir gar nicht mehr auf, ob
      irgendwas in neuer, alter oder gemischter Schreibweise
      verfasst ist. Ich schreibe so, wie es mir gerade richtig
      erscheint; beschwert hat sich noch keiner darüber.

      In ein paar Jahren hat sich die Sache eingespielt und ist
      wahrscheinlich nur noch für ein paar überspannte Autoren ein
      Thema.

      Ist doch komisch: sonst sind wir alle doch so sehr für
      Fortschritt und Wandel zu haben - und bei diesem Thema sollen
      wir 100jährige Tradition wahren?

      Interessanterweise hat hier wohl der Bürger sich dem Staat verweigert, 90 % schreiben einfach weiter so wie vorher.
      Ich mach das auch, also ist es doch konsequent, was die FAZ macht, und kundenfreundlich.
      Gruss
      Rainer



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