Ein harmloses Beispiel...

Von: , Frage gestellt am Mi, 23. Aug 2000

Hallo,

auf der Suche nach Informationen über technische Möglichkeiten und Dienstleistungen stoße ich häufig auf eine Mischung aus Anglizismen und Trivialbezeichnungen, die es schwer macht, Kernaussagen zu erkennen. Das Ganze garniert mit nirgends erklärten Abkürzungen. Ich bin keineswegs ein sprachlicher Purist, bin durchaus mehrsprachig, besitze einen technischen Hochschulabschluß und trotzdem vergeht mir die Lust, mich durch solch ein Kauderwelsch zu quälen. Eigentlich - so dachte ich bisher - möchten die Werbetexter verkaufsfördernd tätig sein. Mein Eindruck ist aber eher, daß hier Barrieren aufgebaut werden, ungewollt natürlich. Wer eine kurze und dennoch erschöpfende Information sucht und mit solchen an eitle Selbstdarstellung erinnernde Texte abgespeist wird, kann nur verärgert reagieren. Hier ein kleines Beispiel von T-online:
"Die innovative Zugangstechnologie T-DSL ist die ideale
Ergänzung für Ihren T-Net oder T-ISDN Anschluss. Denn T-DSL
erschließt Ihnen als High-Speed-Zugang ins Internet neue
Online-Welten und das mit einer Übertragungsgeschwindigkeit
von bis zu 768 kbit/s downstream und 128 kbit/s upstream".
Gibt es noch mehr Leute, die Lustlosigkeit beim Anblick derartiger Texte spüren?

Gruß
Wolfgang

21 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach einer Stunde hilfreich
    Re: Ein harmloses Beispiel...

    Gibt es noch mehr Leute, die Lustlosigkeit beim Anblick
    derartiger Texte spüren?
    Ja, im Verein für Deutsche Sprache.

    http://www.vwds.de/

    Gruß,
    Andreas

    • Antwort von nach 4 Stunden hilfreich
      Re^2: Ein harmloses Beispiel...

      Andreas, besten Dank für den Hinweis.
      Dann ist ja doch noch nicht Hopfen und Malz verloren. Die Leute von http://www.vwds.de/ sprechen mir aus der Seele. Die Internetadresse sollte Pflichtlektüre für sämtliche Werbefritzen werden. Aber nicht nur für die. Es gibt inzwischen einige Unarten, die ach so internationale Firmen mit ihren Lieferanten zelebrieren. Zwei (sehr große) deutsche Firmen schickten mir plötzlich ihren Schriftverkehr in englischer Sprache. Wohlgemerkt, Firmen hier am Ort, ein paar Kilometer Luftlinie entfernt. Man kann sich schon in der Muttersprache über die Interpretation von Feinheiten trefflich streiten. Ohne Not fremdsprachlich abgefasst, fährt sowas beinahe zwangsläufig an die Wand. Nachdem ich mich weigerte, diesen Unfug zu bearbeiten, bekam ich heraus, daß auch andere Lieferanten bockig geworden sind. Seitdem spricht und schreibt man in beiden Firmen wieder Deutsch.

      Gruß
      Wolfgang

    • Antwort von nach 20 Stunden hilfreich
      Re^2: Ein harmloses Beispiel...

      Nun ja, wenn man sich folgende Passage durchliest (Ausschnitt einer Laudatio für den Sprachpanscher des Jahres 1999), kommt mir der Verdacht, daß deren Sprache auch ein wenig gebläht daherkommt.

      Gandalf

      Durch die unkritische Anpassung
      an das moderne pseudokosmopolitische Imponiergehabe, mit dem viele Deutsche sich
      heutzutage den Anschein von Weltläufigkeit zu geben suchen, hat die Deutsche Telekom
      eine Spitzenstellung an Illoyalität gegenüber unserer Sprache eingenommen.

      • Antwort von nach 21 Stunden hilfreich
        Re^3: Ein harmloses Beispiel...

        Ei, Gandalf,
        Du weißt doch sicher, dass man, um Gehör zu finden, sich in einer Laudatio einer besonders gehobenen Sprache befleißigen muß. Nur, dass halt "Sprachkenntnis" seit langem immer wieder mit "Bildung" verwechselt wird, führt dann zu solchen albernen, sich selbst widersprechenden Ausrutschern.
        In der Regel wirkt es doch ein wenig lächerlich, wenn man unnötigerweise gute, griffige und treffende deutsche Ausdrücke durch abgelutschte Fremdwörter ersetzt.
        Grüße
        Eckard.

    • Antwort von nach einem Tag hilfreich
      Re^2: Ein harmloses Beispiel...

      Gibt es noch mehr Leute, die Lustlosigkeit beim Anblick
      derartiger Texte spüren?
      Ja, im Verein für Deutsche Sprache.

      http://www.vwds.de/
      vwds? Verein wür Deutsche Sprache.
      ja, man hat's nich immer leicht.

      • Antwort von nach einem Tag hilfreich
        VWDS

        vwds? Verein wür Deutsche Sprache.
        ja, man hat's nich immer leicht.
        Der Verein hieß früher "Verein zur Wahrung der deutschen Sprache". Das klang aber so rückwärtsgewand. Das die Website www.vds.de schon vergeben ist, blieb es im Internet bei vwds.

        Andreas

  2. Antwort von nach 13 Stunden hilfreich
    Re: Ein harmloses Beispiel...

    Ich lebe seit 1962 im Ausland (engl.sprechenden Laendern)
    und wundere mich was da mit der deutschen Sprache vorgeht.
    Bald wird niemand mehr Englisch lernen muessen in der
    Schule, da unsere schoene Sprache immer mehr zu Englisch
    wird. Man hat den Eindruck von der Ferne, dass jeder
    schon perfekt Enlisch spricht. Ich habe mal gelesen,dass
    es in Frankreich verboten wurde engl. statt franz. Woertern
    zu verwenden, da sich dort auch dieses Problem einschlei-
    chen will. Nur so weiter Wolfgang!
    mfG
    Elisa










    R

    • Antwort von nach 16 Stunden hilfreich
      Re^2: Ein harmloses Beispiel...

      Hallo,
      nur kurz zu deiner Antwort, in der du schreibst, dass in Frankreich englische Worte verboten sind. Ich wohne in Frankreich und ganz so ist es noch nicht. Aber sobald ein englisches Wort z.B. in einer Werbung benutzt wird, muss dieses Wort uebersetzt werden. Also mit Sternchen am engl. Wort und dann in einer Ecke die dementsprechenende Uebersetzung. Ich finde es eine sehr gute Idee, vor allem, da mir aufgefallen ist, dass seitdem doch die engl. Worte bei der Werbung zurueckgehen.
      Bis dann
      Kerstin [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

      • Antwort von nach 18 Stunden hilfreich
        Re^3: eben...

        das ist die loi toubon (gesetz toubon, das einige witzbolde natürlich sofort mit "law allgood" übersetzt haben...)

        das besagt ausser den englischen ausdrücken, muss auch gesondert wert auf musik gelegt werden und die radiosender müssen einen gewissen prozentsatz französischer musik spielen. ich habe gemerkt, dass dadurch die französischen chansons wieder zu ansehen gelangen, was ich gut finde.

        was ich übertrieben finde ist dass viele anglizismen dann gewaltsam ins französische übersetzt werden und es ausdrücke wie "disque mou" und "dique dur" gibt, der marketingmensch zum homme du mercantilisme oder sowas wird... zum ablachen, es hält sich eh kaum einer dran.

        ich wohne ich in der französischen schweiz, da ist es zwar ähnlich mit den englischen ausdrücken aber wir haben noch das problem, dass in der werbung auch noch das deutsche berücksichtigt werden muss, was manchmal zu werbungen führt, die total daneben gehen, denn der deutsche und der französichen humor oder die bildliche sprache sind nun mal nicht gleich. also gibt es bei uns dann und wann werbungen, die ganz auf englisch sind...

        so viel zum thema.
        schönen tag.
        fred



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