Babelfisch wird Realität - oder doch nicht?

Von: , Frage gestellt am Sa, 26. Aug 2006

Hallo!

Ich bin bei der Installation der Googlebar auf folgende Seite gestoßen:

http://blog.outer-court.com/archive/2005-05-22-n83.html

Das würde ich gerne zur Dikussion stellen, natürlich inbesondere bei den geübten und professionellen Übersetzern hier.

Die Übersetzungsmaschinen werden immer menschlicher und arbeiten statt mit starren Regeln mit lernenden, weichen Methoden, und berufen sich auf ein "Gedächtnis" - eben genau wie ein Mensch.

Haltet ihr es für möglich, daß der Übersetzer und Dolmetscher irgendwann überflüssig wird?

Oder werden sie auch dann noch einen Zweck haben, wenn die Maschine sprachlich dasselbe Ergebnis liefert wie der Mensch, da Sprache mehr ist als nur Worte?

Viele Grüße
datafox

15 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 5 Stunden 1 hilfreich
    Re: Babelfisch wird Realität - oder doch nicht?

    interessantes konzept... nicht unbedingt neu, erinnert mich an vieles, was ich für meine diplomarbeit über algorithmische komposition recherchiert habe, da gibt es auch ansätze, die große datenbanken von existenter musik in muster zerlegen und bei bedarf anders zusammensetzen (und vieles, worauf in der gelesenen literatur hingewiesen wurde, handelte von sprache im weitesten sinne). Haltet ihr es für möglich, daß der Übersetzer und Dolmetscher
    irgendwann überflüssig wird?
    jein. die sache ist die: solch ein ansatz kann zwar vieles erreichen, wird aber nie eine kreative, künstlerisch hochwertige übersetzung liefern können, weil es nur vorhandenes wiederverwertet, aber nicht neues erschafft. wahrscheinlich wird es, wenn sich so etwas durchsetzt, weniger übersetzer und dolmetscher geben, aber es wird immer eine marktnische für menschen mit besonderen fähigkeiten geben.

    ich glaube eher, daß relativ bald die diskussion aufkommen wird, daß man auch übersetzungen urheberrechtlich schützen sollte, damit die arbeit der übersetzer nicht ausgeschlachtet und sie dadurch überflüssig werden. ich halte nicht viel von urheberrechtsdebatten, aber das könnte ein realistisches szenario sein...

    • Antwort von nach 7 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Babelfisch wird Realität - oder doch nicht?

      Sevus Gyuri, das könnte ein realistisches Szenario sein...
      die Diskussion darüber, was sich ein weltweit agierender Anbieter von Übersetzungen davon verspricht, den Anbieter einer sehr verbreiteten TM-Software zu übernehmen, ist bereits heftig im Gang. Es gibt Leute, die befürchten, dieses diene nicht bloß dafür, den Zugang der Arbeiter am Ende der Auftragskette zu einem weltweit einheitlichen Tool zu vereinfachen, sondern in naher Zukunft wären ihre persönlichen Trados-Dateien eventuell nicht mehr sehr persönlich.

      Wobei dieses natürlich auch eine Artikulierung des generellen Unbehagens des Webers angesichts des Vollautomaten sein kann, die keinen konkreten Gegenstand hat.


      Schöne Grüße



      MM

    • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
      Re^2: Babelfisch wird Realität - oder doch nicht?

      daß man auch übersetzungen urheberrechtlich schützen
      sollte
      AFAIK sind sie das ohnehin.

      Viele Grüße
      datafox

  2. Antwort von nach 5 Stunden 2 hilfreich
    Re: Babelfisch wird Realität - oder doch nicht?

    Servus Data :-),

    kein Profi in dieser Materie, aber in ständigem Kontakt mit einer Professionellen, die hie und da inhaltliche, stilistische und technische Kontextfragen mit mir diskutiert:

    Die hier beschriebenen Ansätze sind rund zehn Jahre alt, und in diesem Zeitraum haben sie allenfalls dazu geführt, daß die Zielgenauigkeit ein bissel besser geworden ist. Die vielen Mitte der 1990er Jahre in dieser Richtung begonnenen Projekte sind praktisch alle sang- und klanglos wieder verschwunden. Wahrscheinlich nicht aus technischer Unmöglichkeit, sondern wegen eines ungünstigen Verhältnisses Aufwand/Nutzen.

    Ob sich Automatisierung in diesem Zusammenhang weiter umsetzen lassen wird, halte ich für nicht ganz unwahrscheinlich, aber immerhin zweifelhaft, weil die Anzahl der möglichen und sinnvollen "Querverbindungen" so groß ist, daß man sie 1:1 maschinell wahrscheinlich bloß abbilden kann, wenn man annähernd ein ganzes Großhirn simuliert.

    Gleichzeitig ist in der "Handarbeit" noch ein erhebliches Rationalisierungspotential vorhanden - in den europäischen Ländern ist der Anteil der Übersetzer, die EDV-gestützt arbeiten (Stichwort translation memory, TM) mal grade rund 60 Prozent aus. Was der konkurrierenden Handarbeit noch etliche relativen Vorteile verschaffen wird, die noch nicht ausgereizt sind.

    Die Aufgaben der Übersetzer - auch außerhalb der relativ seltenen Literaturübersetzungen - haben sich geändert, aber ich glaube, daß das verbleibende notwendige Quäntchen Intelligenz auf Dauer zwar weiter verringerbar, aber allenfalls mit einem dramatischen Aufwand automatisierbar ist.

    Das berühmte Beispiel von der Maschine, die laut deutscher Montageanweisung "ins Wasser" gestellt werden sollte, worauf der japanische Kunde ein Wasserbecken extra für die teure deutsche Maschine betonierte, wäre zwar grundsätzlich maschinell zu bewältigen. Man kann aber an diesem Beispiel sehen, welche Kapazitäten hinsichtlich möglicher Bedeutungen nicht bloß von Worten, sondern von Wortverbindungen notwendig sind. Allein die technische Wortumgebung würde hier nicht ausreichen, weil es halt auch Konstruktionen gibt, die nicht präzise waagerecht, sondern im flüssigen Wasser aufgebaut werden. Man kann das, was hier den (ordentlichen) Übersetzer in einem Moment zur richtigen Bedeutung bringt, wahrscheinlich schon automatisieren. Ist aber eine Frage des dafür notwendigen Aufwandes, ob das eine pur akademische Spielerei oder eine tatsächlich zu erwartende Entwicklung ist.

    Unabhängig von der Maschine im Wasser gibts in fast allen, auch technischen, Texten eine Fülle von Konnotaten ("der böse Brief..."), die beim Lesen atmosphärisch sofort da sind und entsprechend wiedergegeben werden können. Wenn man die anfangen will, zu operationalisieren, sieht man erst, wie vieles gleichzeitig da "gedacht" wird - also auch dieses keine grundsätzliche Unmöglichkeit, aber eine Frage von gewaltigen Volumina an Teilschritten, die in "Synapsenlogik" viel leichter zu bewältigen sind als digital.

    Fazit: Gehen mag das schon, aber es ist sowas wie ein vollautomatisches Flugzeug...


    Schöne Grüße




    MM

  3. Antwort von nach 12 Stunden 1 hilfreich
    Re: Babelfisch wird Realität - oder doch nicht?

    Hallo Data!

    Meine ganz persönliche Meinung dazu:

    Ich denke, in ferner Zukunft kOEnnte evtl eine Maschine die Arbeit eines Übersetzers bzw. Dolmetscher unterstützen, aber ganz überflüssig machen? Also ich persönlich kann es mir nicht vorstellen.

    Denn es mag sein daß technischen Texten, für so eine Maschine "leichter" sind. Aber: Was ist mit kunstlerischen Texten (ZB Gedichte oder Theaterstücke)? Ich denke -und für mich ist es so- daß eine Sprache nicht nur eine Einreihung von Wörter sind, die gemeinsam enigermaßen einen Sinn geben, sondern drücken die "innere Welt" seines Verfassers aus. Das hat mit Gefühlen, Zwischendeutungen, Vergleichungen, Metaphern, usw. zu tun Und das kann eine Maschine nicht machen.

    Ich denke, erst wenn eine Maschine vollständig alleine ohne jegliche weitere menschliche Unterstützung in der Lage ist, selbst ein Theaterstück (mehr oder weniger anspruchsvoll) zu verfassen, erst dann werde ich meine Zweifeln ablegen. Bis dahin sei meine Skepsis bitte akzeptiert.

    Das ist meine Meinung dazu.

    Schöne Grüße,
    Helena

  4. Antwort von nach 14 Stunden 0 hilfreich
    Re: Babelfisch wird Realität - oder doch nicht?

    Hi ho,

    mit steigender Speicher- und Rechenkapazität wird irgendwann der Zeitpunkt kommen, an dem sämtliche Texte einschliesslich Metadaten digitalisiert und in Echtzeit zur Verfügung stehen. Ab diesem Zeitpunkt kann eine Maschine die gleichen oder bessere Ergebnisse liefern wie ein Mensch.
    Die Frage ist nur: Lassen wir das dann auch zu?

    Gruss,

    Herb

    • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
      Re^2: Babelfisch wird Realität - oder doch nicht?

      Hi ho auch,
      mit steigender Speicher- und Rechenkapazität wird irgendwann
      der Zeitpunkt kommen, an dem sämtliche Texte einschliesslich
      Metadaten digitalisiert und in Echtzeit zur Verfügung stehen.
      und was bringt uns das? Ab diesem Zeitpunkt kann eine Maschine die gleichen oder
      bessere Ergebnisse liefern wie ein Mensch.
      Imgünstigsten Fall (aber eher unwahrscheinlich) vergleichbar gut Texte, denn eine gute Übersetzung hängt von meha als nur Metadaten ab. Da ist Kreativität gefragt und die ist eher schlecht zu simulieren.

      Gandalf

      • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
        Re^3: Babelfisch wird Realität - oder doch nicht?

        Hi ho, mit steigender Speicher- und Rechenkapazität wird irgendwann
        der Zeitpunkt kommen, an dem sämtliche Texte einschliesslich
        Metadaten digitalisiert und in Echtzeit zur Verfügung stehen.
        und was bringt uns das?
        Naja, ohne zu wissen aus welcher Zeit, an welchem Ort und von wem ein Text stammt (um nur einige wenige Metadaten zu nennen), wird man den Text nur schwer richtig übersetzen können. Hilfreich ist zum Beispiel auch, was für eine Art Text man vor sich hat (Gedicht, Prosa etc), die Biografie, die politische Gesinnung und die Gesundheit des Autors (mit Bewertungskriterien für die Übersetzung) und so weiter und so fort. Je mehr man über den Text weiss, desto besser kann die Übersetzung werden.
        Und wenn man ewig auf diese Daten warten muss, dann strapaziert man nur die Geduld des Users. Ab diesem Zeitpunkt kann eine Maschine die gleichen oder
        bessere Ergebnisse liefern wie ein Mensch.
        Imgünstigsten Fall (aber eher unwahrscheinlich) vergleichbar
        gut Texte, denn eine gute Übersetzung hängt von meha als nur
        Metadaten ab. Da ist Kreativität gefragt und die ist eher
        schlecht zu simulieren.
        Eine gute Übersetzung hat den Sinn und Zweck des Quelltextes wiederzugeben. Inwiefern da Kreativität von nöten ist, und ob eine Maschine das leisten kann, da werden wir uns wohl nicht einigen. Müssen wir aber auch nicht ;)

        Gruss,

        Herb

  5. Antwort von nach 15 Stunden 1 hilfreich
    Re: Babelfisch wird Realität - oder doch nicht?

    Hallo datafox, Haltet ihr es für möglich, daß der Übersetzer und Dolmetscher
    irgendwann überflüssig wird?
    Ich halte es für möglich, dass potentielle Auftraggeber irgendwann glauben, Übersetzer und Dolmetscher seien überflüssig - vor allem für die 08/15-Kombination D-E, E-D. Wer z.B. Hebräisch kann, ist da fein raus. ;-) Oder werden sie auch dann noch einen Zweck haben, wenn die
    Maschine sprachlich dasselbe Ergebnis liefert wie der Mensch,
    da Sprache mehr ist als nur Worte?
    Eine Maschine wird so bald noch nicht dasselbe Ergebnis liefern können wie der Mensch. Vor allem im Englischen gibt es da zu viele Worte, die es sowohl als Adjektiv, Verb und Substantiv gibt, und die jeweils eine andere Bedeutung haben. Woher soll die Maschine genau wissen, was gemeint ist? ... Ich habe da starke Zweifel, dass man ihr so etwas eintrichtern kann.

    Trotzdem, ich bin schon dabei, mich nach einem anderen Beruf umzusehen und mache gerade erste Versuche als Reiseleiterin und Nachhilfelehrerin. :-( Mit dem Schreiben habe ich auch begonnen. Das mit der Übersetzerei hat ja doch keinen Sinn. Die Preise fallen ins Bodenlose, und Deutschland schmiert auch langsam ab - und wenn ein Land nicht mehr wichtig ist, wer will dann noch eine Übersetzung in diese Sprache? Oder anders gesagt, wer wird noch eine Übersetzung in diese Sprache bezahlen können und wollen?

    Schöne Grüße

    Petra



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