Re: Mehrere Götter in Bibel?
Lieber Fabian,
die Bibel, hier genauer: das Alte Testament, noch genauer die fünf Bücher Mose, ist bzw. sind eine Kompilation aus verschiedenen - wenigstens aber zwei - Quellen.
Diese beiden Hauptquellen kann man dadurch unterscheiden, dass der eine - vermutliche ältere - Text für Gott das Wort 'Jahwe' gebraucht. Deshalb wird diese Textschicht auch „Jahwist“ genannt. Da das alte Hebräische nur Konsonanten kennt und erst spätere Schriftgelehrte Vokalzeichen hinzufügten, und diese aus Ehrfurcht vor Gott "Adonai", d.h. mein Herr! lasen, fügten sie bei der Konsonantenkombination, die 'Jahwe' bedeutet, die Vokale für "Adonai" hinzu, wodurch die Bezeichnung "Jehova" entstand.
Die andere Textschicht, die als die jüngere betrachtet wird, weil die Exegeten annehmen, dass inzwischen eine Scheu vor der direkten Nennung des Namen Gottes aufgekommen war (s. o.), nennen Gott 'Elohim', was in der Tat der Plural von 'El' ist, was auch Gott bedeutet, und das man in hebräischen Namen findet: Daniel (Gott ist gerecht), Michael (Wer ist wie Gott?). Deshalb wird diese Quelle „Elohist“ genannt.
Es sei noch auf 'Sabaoth' oder 'Zebaoth' hingewiesen.
Es gibt also tatsächlich mehrere Namen für Gott in der Bibel. Allerdings ist eine deutliche Tendenz, Gott als einen und einzigen darzustellen, unverkennbar.
Es gibt aber auch Episoden in der Vätergeschichte, die einem die Vermutung nahelegen, dass der Gott Israels irgendwie als mehrere Personen gedacht wurde. Z. B. die Szene, wo dem Abraham die Geburt eines Sohnes angekündigt wird im 1. Buch Mose, Kapitel 18. Dort besuchen drei Männer Abraham. Er spricht sie aber mit. Mein Herr! an. Wenn diese drei Männer, die oft auch als Engel gedeutet werden, sprechen, heißt es einmal: Da sprachen sie zu ihm!, dann wieder: Da sprach er!
Es könnte also durchaus sein, dass eine „theologische Richtung“ im AT mit mehr als einer Person Gottes gerechnet hat, wenn denn „Person“ das richtige Wort in diesem Kontext ist.
Thomas Mann hat in seiner vierteiligen Trilogie „Joseph und seine Brüder“ im Kapitel „Wie Abraham Gott entdeckte“ und an anderen Stellen mit diesen Fakten wunderbar ironisch gespielt. Er hat dabei die erst viel später entwickelte Trinität schon in die Väterzeit zurück verlegt.
Dieses Buch sollte übrigens jeder, der kompetent und lustvoll über diese Dinge mitreden will, gelesen haben.
Ich bitte, den letzten Satz gutmütig zu lesen. Jeder, der den Hinweis aufnimmt, wird sein - fast tausendseitiges - Vergnügen haben.
Beste Grüße Fritz Ruppricht