Re^3: Unvermögen ≠ Unmöglichkeit
Mesdames,
wenn ich das hier lese, wird mir ganz anders. Ich erlaube mir, die letzten Postings hier zusammenfassend zu beantworten:
[helena, 28.11.2007 18:36]
Weiter geht es mit der Flamme: Hierzulande sagt man "Das ist meine (neue) Flamme:
Kerstin" o.Ä. Wenn ich das auf Spanisch so übersetzen würde, ("Esta es mi llama:
Kerstin") werden die meisten einen riesen Fragezeichen im Gesicht bekommen.
An dieser Stelle habe ich bereits die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, weil sich zeigt, dass es nicht funktionieren kann, einen Text von einer Sprache in die andere zu transportieren, wenn man ihn nicht (richtig) verstanden hat. Eine Übersetzung verlangt, dass man nicht nur die Sprache, in die man übersetzt, im Idealfall die eigene Muttersprache, sondern auch die Sprache, aus der man übersetzt, richtig gut beherrscht. Letzteres scheint mir nicht der Fall – auch wenn mir klar ist, dass man das von jemandem, der in einem Forum kostenlos ein paar kurze Texte übersetzt, schwerlich verlangen kann. Nichtsdestoweniger ist es bedauerlich, Aussagen wie die folgenden lesen zu müssen.
[ana, 29.11.2007 01:29]
da die Kerze redet, sehe ich keinen sinn auf Spanisch.
Mit diesem Argument erklärt man es für undenkbar, zahlreiche Märchen, Fantasyromane, im Grunde alle Texte, die sich des Anthropomorphismus bzw. der Personifikation bedienen, ins Spanische zu übersetzen. Unsinn. Um es noch einmal zu erklären: Ein existierendes Paar bekommt bei der real stattfindenden Hochzeit eine gegenständliche Kerze in die Hand gedrückt; diese Kerze brennt, wenn man ihren Docht anzündet. Auch für die meisten Deutschen – für mich jedenfalls – ist es auf den ersten Blick ungewöhnlich, dass die Kerze, ein unbelebter Gegenstand, spricht; ich kannte nicht einmal den Brauch, eine Traukerze zu verschenken. Dennoch wird sofort alles klar, wenn man sich an den wortwörtlichen Sinn des Textes hält: Eine Kerze sorgt, ganz praktisch, beim Anzünden für Wärme und Licht. Die Assoziationen zu Wärme – nämlich menschliche Nähe und Zärtlichkeit – sowie Licht – nämlich Klarheit und Sichtbarmachung – scheinen mir nichts spezifisch Deutsches zu sein. Kurz: Der Text von Brina funktioniert anstandslos in den meisten Sprachen, die Kerzen kennen und in die man ihn wortwörtlich übersetzt. Es ist in manch anderen Fällen sicher notwendig, von Anfang an knietief im Metaphorischen zu waten – hier nicht! Allenfalls ein einleitender Satz à la »Ich bin eine Kerze, die euch – wie es in Deutschland üblich ist – zu eurer Trauung geschenkt wurde und euch in der Ehe begleiten möchte« scheint mir sinnvoll sowie für den etwas schwülstigen, aber irgendwie poetischen Ton des Textes unschädlich. Dahinter steckt auch im Deutschen keine Redensart oder Ähnliches.
[helena, 29.11.2007 10:28]
In der Tat ist es: Sowohl unmöglich (wenn man den Sinn beibehalten
will), als auch schade (weil der Text tatsächlich sehr schön ist)
Hier wird eigenes Unvermögen als Unmöglichkeit verkauft. Das finde ich nicht sauber, weil es diejenige, die anfragt, womöglich daran hindert, mit einem professionellen Übersetzer Kontakt aufzunehmen, der dem Text gewachsen ist. Der angefragte Text ist lexikalisch und syntaktisch simpel. Er funktioniert anstandslos, wenn man ihn nicht von vornherein mit Metaphern, Symbolen, Allegorien überfrachtet. Man übersetzt – so man es kann, ins Spanische könnte ich es nicht – ganz stumpfsinnig einen Text über eine Kerze, das ein Ehepaar beim Öffnen des Päckchens aus Deutschland in der Hand hält und die es anzünden kann, wenn es kalt oder dunkel ist. Die Assoziationen, die ich weiter oben genannt habe, werden einem halbwegs fantasiebegabten Menschen von selbst kommen – spätestens, wenn die Kerze brennt. Die Tradition, eine Hochzeitskerze zu verschenken, mag etwas typisch Deutsches sein; dass Kerzen warm und hell machen, scheint mir eine Gesetzmäßigkeit zu sein, die auch in Spanien nicht außer Kraft ist.
Nichts für ungut. Vielleicht findet sich noch ein Spanier ein, der Zeit und Lust hat, den Text in diesem Sinne zu übersetzen.
Gruß
Christopher