alles schon gesehen..

Von: , Frage gestellt am Di, 2. Dez 2003

hallo!

so richtig, weiss ich nicht, warum ich schreibe. ist aber ne sache, die mich des öfteren beschäftigt. und zwar erging es mir in den letzten monaten in allen möglichen situationen so, dass ich der (gesprächs-)materie müde war. eine unterhaltung mit jemandem ist für mich langweilig geworden. bevor jetzt die ersten rufe laut werden: nein ich bin nicht in mich selbst verliebt, mir ist durchaus bewusst, dass ich nicht der hellste bin! der ein oder andere von euch wird wohl
Hermann Hesse - Der Steppenwolf
gelesen haben?! er schreibt da "Du hattest ein Bild vom Leben in dir, einen Glauben, eine Forderung, du warst zu Taten, Leiden und Opfern bereit - und dann merktest du allmählich, dass die Welt gar keine Taten und Opfer und der gleichen von dir verlangt, dass das Leben keine heroische Dichtung ist, mit Heldenrollen und dergleichen, sondern eine bürgerliche gute Stube, wo man mit Essen und Trinken, Kaffee und Strickstrumpf, Tarockspiel und Radiomusik vollkommen zufrieden ist. Und wer das andere nicht will und in sich hat, das Heldenhafte und Schöne, die Verehrung der großen Dichter oder die Verehrung der Heiligen, der ist ein Narr und ein Ritter Don Quichotte. Gut. << sagt Hermine.
mein problem is sicher eher psychologischer natur. interessiert mich trotzdem, wer so denkt oder wer mit diesem gedanken wie umgeht.

gruß, marcel

ps: mich langweilen schon jetzt die antworten, die ich in meinem kopf kurz durchgegangen bin.. vor allem wird einer schreiben "geh mal raus - verschaff dir nen besseren bezug zur realität, indem du mehr unternimmst" << daran liegts nich hab genug gesellschaft..

nein spaß bei seite, schreibt eure beiträge wie als wärt ihr die "relativen Konsolodisten"!

11 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach einer Stunde 1 hilfreich
    Re: alles schon gesehen..

    Gallo Marcel,

    irgendwie kommt mir das doch sehr bekannt vor. Ich glaube beinahe (hier brauchte ich einen Psychologen, der mir das bestätigt), dass dies doch eine Phase ist, die jeder einmal durchmacht.
    Den einzigen Weg, den ich gefunden habe, ist etwas zu tun, dass nicht schon durchgekaut ist, etwas zu bearbeiten, was die Postmoderne in Grund und Boden stampft *fg*, will heissen, etwas, das vielleicht die Chance hat nicht ein Zitat von vergangenen Zeiten zu sein.
    Was nun den Kontakt zu den Menschen angeht: nun, man muss sich einfach abfinden, dass sich die Masse selbst genügt. Und selbst Du wirst einen Weg finden müssen genauso zu sein. Ich meine in gewissen Belangen. Oder schon mal einen Skeptiker gesehen, der sein Auto nicht wäscht, weil es für ihn gar nicht da ist? Mit dieser Frage will ich eigentlich nur ausdrücken, dass egal wie selbstgerecht die Denker auch in ihrem Bereich sein mögen ("Hach, sind wir gut, wir durchschauen sie Manipulationen der Masse") muss man doch auch Konzessionen machen um nicht komplett den Bezug zur Welt zu verlieren. Ich sage zur Welt und nicht zu den Menschen, denn die Menschen sind von Natur aus grausam. Auch Du, wenn Du meinst, dass Du alles schon gesehen und gehört hast. Es stellt sich für Dich vielleicht einfach einmal die Frage: ich will ja auch, dass man mir zuhört, also nehme ich mir die Kraft auch den Anderen zuzuhören. Vielleicht wirst Du erstaunt und hörst Dinge, die Du nicht erwartest, wer weiss. Vielleicht auch nicht. Dann kannst Du Dich ja immernoch in Deinen hesseschen Elfenbeinturm zurückziehen und Dich über Deine Überlegenheit freuen und die Allgemeinheit ihrer Dummheit überlassen...

    Ambivalente Grüsse eines Perlenspielers

    Y.-

    NB: Nichts was ich sagen könnte, wäre ernst genug für Dich, darum vergiss lieber grad wieder was ich gesagt habe ;-)))

      • Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
        Re^3: alles schon gesehen..

        aha
        nehmen wir den lustigen spaß einmal bei seite. ha ha :)
        mit dem großen denken habe ich aufgegeben, ich beginne langsam wieder zu verdummen. schläfrig ist mein verstand geworden.. hab keine lust drüber zu schreiben, ich geh gleich auf ne feier - unrecht hast du nicht*: allerdings blieb es bei meinen eltern immer beim wollen ("man will, dass einem zugehört wird").. von "werden" war da nie die rede. will heissen: ich bin ein kleiner kafka.. nur hab ich nicht so abstehende ohren *g*
        auch hab ich eine mich tierisch langweilende tendenz in meinem freundeskreis beobachtet. nämlich dieses PERMANENTE analysieren: warum hat er das gesagt - wie schlecht war der einwurf - welche mimik zeigt er des öfteren ....es ist so zum töten langweilig: die leute freuen sich dann richtig, man könnte ihr gesicht 10 minuten bewegt so zeigen und es würde einem normal vorkommen.
        1. preis für das 100ste erzählen einer alten verletzungskamelle ..wer ihn gewinnt, darf all das tun, was ich von ihm erwarte.
        wie gesagt * die überraschung steckt im kleinen. den hang zum umarmen hatte ich allerdings schon immer :P

  2. Antwort von nach 3 Stunden 2 hilfreich
    Masslos?

    Hallo, Marcel,
    könnte man Dein Problem vielleicht auch so beschreiben?

    Ein Mensch, der manches liebe Jahr
    Zufrieden mit dem Dasein war,
    Kriegt eines Tages einen Koller
    Und möchte alles wirkungsvoller.
    Auf einmal ist kein Mann ihm klug,
    Und keine Frau ihm schön genug.
    Die Träume sollten kühner sein,
    Die Bäume sollten grüner sein,
    Schal dünkt ihm jede Liebeswonne,
    Fahl scheint ihm schließlich gar die Sonne.
    Jedoch die Welt sich ihm verweigert,
    Je mehr er seine Wünsche steigert.
    Er gibt nicht nach und der rumort,
    Bis er die Daseinsschicht durchbohrt.
    Da ist es endlich ihm geglückt -
    Doch seitdem ist der Mensch verrückt.
    (Eugen Roth)

    Gruß (auch wenn es Dir unterhalb des Lendenwirbels vorbeigeht :)
    Eckard

    • Antwort von nach 9 Stunden 0 hilfreich
      Re: Masslos?

      Eugen Roth ist nen ganz feiner !!!!! und auch sehr pasend... aber...

      isn bischn idealtypisch was mein sog. problem angeht.. die genüsse des lebens bleiben mir immer noch offen. ich kann mich zum glück zur schnelllebigen truppe zählen.. oder.. hä?

      wahrscheinlich verrückt ;-)

  3. Antwort von nach 11 Tagen 1 hilfreich
    Re: alles schon gesehen..

    <<Wie hat es Ihnen in dieser Gesellschaft gefallen?>> <<Sehr gut, beynah so als auf meiner Kammer!>>
    ( Georg Christoph Lichtenberg )

    Hallo zusammen, Hallo Marcel!

    Ich denke nicht, daß man zwangsläufig schädlich selbstverliebt ist, wenn einem die Materie "nichts mehr gibt". Getreu der These, daß Denken einsam macht, wählen ( wohl recht viele ) Menschen bewußt oder unbewußt entweder den Nihilismus oder den Hedonismus als Grundlage ihres Empfindens. Soll heißen, man kommt entweder zu dem Schluß, daß alles wertlos ist oder man erhebt das Wertlose zum Erstrebenswerten. Beide Denkweisen vertragen sich nur untereinander, nie miteinander. Und das auch nur im Grundsatz, selten im Detail. Wer dies bemerkt, dem gibt das meiste tatsächlich nichts mehr und es langweilt.
    Will man Befriedigung abseits des Zynismus aus dem Leben ziehen, so muß man sich die Lücke bzw. einen Weg dazwischen suchen. Man kommt dabei zwangsläufig zur Erkenntnis ( wie meine Vorrednerin richtig bemerkte ), daß die Masse sich meist selbst genügt.
    Ich versuche dabei aber immer wieder zweierlei gern: 1) der Masse ihre Eigenheiten zu entlocken; nur wer forscht, kommt den wundersamen Kleinigkeiten, die das Leben ausmachen, auf die Spur. Allerdings ist das Trefferverhältnis nie besonders gut, davon lasse man sich nicht beeindrucken. Und 2) der Masse meine eigenen kleinen "Wunder" zu geben. Auch hier muß man immer damit rechnen, daß nicht zuviel dabei herauskommt. Wenn doch, dann allerdings umso nachhaltiger.
    Der Umgang mit der Außenwelt erinnert mich immer wieder ein wenig an den Bildhauer Glaucus aus "Harold and Maude", der wunderbare, aber leider höchst vergängliche Skuplturen aus Eis erschafft. Ihm ist gleichgültig, daß nur wenige seine absichtlich vergänglichen Werke rechtzeitig bewundern können und wollen, aber er ist nie gleichgültig genug, es nicht immer wieder neu anzufangen. Natürlich ist das eine reine Donquichotterie, aber, wie Anthony Cronin es mal gesagt hat, verleiht diese dem Leben auch eine gewisse Würde ;-)

    In diesem Sinne

    Gruß

    Fitzcarraldo

  4. Antwort von nach 14 Tagen 1 hilfreich
    Re: alles schon gesehen..

    Hallo Marcel,

    du hörst zuviel zu.
    Rede selbst.
    Wenn du redest gewinnst du neue Erkenntnisse.
    Nicht zuletzt die Erkenntnis welchen Unsinn du dabei verzapfst. ;-)

    gruss D.K.

  5. Antwort von nach 29 Tagen 0 hilfreich
    schliesse mich an

    hallo marcel,

    deine schilderung könnte auch auf mich zutreffen.

    tipp: betrachte das leben als spiel; handle abstrakt und freu dich
    auf den kuriosen widerhall - dann wird die tristesse ein wenig interessanter.

    gruss

    desperado

    p.s.: luftschlangen sind manchmal aus metall!



    (beispiel)



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