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Re: Hauptgedanken Dürrenmatts?
Liebe Kathrin!
Einen der Hauptgedanken Dürrenmatts in Bezug auf seine Komödien finden Sie in seinem Aufsatz Theaterprobleme. Ich zitiere zur Dürrenmattschen Unterscheidung zwischen Komödie und Tragödie: "Die Tragödie setzt Schuld, Not, Maß, Übersicht, Verantwortung voraus. In der Wurstelei unseres Jahrhunderts, in diesem Kehraus der weißen Rasse, gibt es keine Schuldigen und auch keine Verantwortlichen mehr. Alle können nichts dafür und haben es nicht gewollt. [...]Wir sind zu kollektiv schuldig, zu kollektiv gebettet in die Sünden unsrer Väter und Vorväter. Wir sind nur noch Kindeskinder. Das ist unser Pech, nicht unsre Schuld: Schuld gibt es nur noch als persönliche Leistung, als religiöse Tat. Uns kommt nur noch die Komödie bei. Unsere Welt hat ebenso zur Groteske geführt wie zur Atombombe,[...].Doch die Groteske ist nur ein sinnlicher Ausdruck, ein sinnliches Paradox, die Gestalt nämlich einer Ungestalt, das Gesicht einer gesichtslosen Welt, und genau so wie unser Denken ohne den Begriff des Paradoxen nicht mehr auszukommen scheint, so auch die Kunst, unsere Welt, die nur noch ist, weil die Atombombe existiert: aus Furcht vor ihr.
Doch ist das Tragische immer noch möglich, auch wenn die reine Tragödie nicht mehr möglich ist. Wir können das Tragische aus der Komödie heraus erzielen, hervorbringen als einen schrecklichen Moment,[...] (Seite 122f.)
Das Paradoxe wird in der K. "Die Physiker" zum dramaturgischen Bauprinzip erhoben, weil das durchdachte, verantwortungsbewußte Vorgehen von Möbius an einer "verrückten" Irrenärztin scheitert.
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