Re: Konflikt zwischen Naturwissenschaften und Glau
Hallo!
Man spricht häufig von einem Konflikt zwischen
Naturwissenschaften und dem christlichen Glauben. Das spiegelt
sich zum Beispiel in den verschiedenen Weltbildern. DIe Bibel
vertritt das geozentrische, die Naturwissenschaften vertreten
das heliozentrische Weltblid. Ab dem Beginn der Neuzeit
machten sich Wissenschaftler auf die Wahrheit des Menschen und
der Erde herauszufinden. Zu nennen wären z. B. Galilei,
Kopernikus oder Darwin. Wie kam es zu diesem Konflikt zwischen
KIrche und den Wissenschaftlern, der in der Inquisition seinen
Höhepunkt fand?
Lieber Christian,
der Konflikt ist eigentlich darauf zurückzuführen, daß die Kirche (in damaliger Zeit) keine andere Rechtfertigung für ihren Einfluß hatte als die Unfehlbarkeit. In dessen Glanz sonnten sich dann auch die Herrscher "von Gottes Gnaden" die auch keine andere Legitimation hatten. Es bestand also ein gemeinsames Interesse von weltlicher und kirchlicher Herrschaft. Erst das führte zu den Exzessen der Inquisition als deutlichstes Zeichen dafür, daß Legislative, Exekutive und Jurisdiktive nicht getrennt waren wie wir es heute kennen.
Was war passiert ?
Nun, die Kirche machte den entscheidensten Fehler bereits, als sie die Bibel als unveränderliche und wörtliche Wahrheit proklamierte.
Das ganze natürlich erst, nachdem die Bibel oft genug umgeschrieben worden war und vor allem nur lateinisch verbreitet wurde, so daß der normale Mensch - so er überhaupt lesen konnte - ein Buch vorfand, dessen Sprache er nicht mehr verstand und dessen Inhalt den Religionsbegründer zum zweiten Tempelaufräumen veranlaßt hätte. Mit dieser "Wahrheit" ließ sich trefflich eine Weltdiktatur errichten, deren Reste noch heute von gesetzfreiem Gebiet mitten in Rom ihr Gift verspritzen.
Diese Bibel war also eine der Hauptstützen weltlicher UND kirchlicher Macht und mußte unbedingt verteidigt werden, und zwar so wie sie ist und wortwörtlich, in diese Falle hatte sich die Kirche selbt manövriert. Der Pferdefuß zeigte sich erst, als die ersten Widersprüche kaum mehr zu leugnen waren. Denn wenn auch nur ein Deut nachgegeben würde, so könnten mehr Punkte in Zweifel geraten und letztendlich die Macht der Kirche erodieren. Daher wurden Abweichler mit allen (un-)menschlichen Mitteln verfolgt und zum Schweigen gebracht (meist aber erst, nachdem sie in den Folterkellern der Machthaber um den Verstand gebracht worden waren).
Erinnert Dich das an etwas ?
Richtig, weder Stalin noch Hitler oder Pol Pot haben die Geschichtsfälschung, die Progrome und die Diktatur erfunden, sie haben nur statt Purpur braun oder rot verwendet.....
Auf Dauer ließ sich die Wahrheit aber nicht zum Schweigen bringen und dann machte die Wissenschaft einen ebenso menschlichen wie folgenschweren Fehler: Sie glaubte nun selbst im Besitz der einzigen Wahrheit zu sein und die Bibel wíderlegen zu müssen. Damit verließ sie aber oftmals ihre Basis und setzte ihre Legitimation aufs Spiel: Wissenschaft ist die Suche nach der Wahrheit, nicht nach dem Beweis / Gegenbeweis einer Weltanschauung. Es kann nicht Aufgabe der Wissenschaft sein, die Religion zu bekämpfen.
Höhepunkte dieser Fehlentwicklung finden sich bis in die Neuzeit z.B. der Größenwahn eines Jules Verne (der sein unbestreitbares Genie manchmal lächerlich aussehen ließ) und der Atomglaube der 50er und 60er Jahre, als man glaubte alles mit Strahlen und Atomkraft erreichen zu können.
Erst der Blick ins All und ins Atom bzw. in die Teilchenphysik führte uns unsere wirkliche Größe vor Augen. Bis auf einige Unbelehrbare (einer davon, in Rom, dämmert im Altersstarrsinn vor sich hin und erledigt sich hoffentlich bald von selbst...) ist dieser unsinnige Konflikt überwunden. Gott sei Dank, kann der Wissenschaftler nur sagen....
Gruß
Bernd