Saisonale Depression und Winterdepression
Hallo Jule!
Shocking, daß ich Deinen Artikel erst jetzt entdeckt habe. Ich hätte Dir empfohlen, auch einen Querverweis im Psycho-Brett anzulegen, denn da halte ich Deinen Artikel für genauso gut aufgehoben wie hier im Medizinbrett.
Der Grund ist der: Du sprichst von Frühjahrsdepression. Na ja, den Begriff gibt es nämlich nicht. Aber es gibt zwei ähnliche Begriffe: die saisonal abhängige Depression und die Winterdepression , die eine Unterform der saisonal abhängigen Depression ist. Als saisonal abhängige Depression bezeichnet man die Depressionen, die fast immer während eines bestimmten Zeitraumes (+/- 2 Monate) auftritt. Die Winterdepression zeigt gewöhnlich ihre stärksten Symptome während der Monate Januar und Februar und schwächt sich mit Beginn des Frühlings langsam wieder ab. Im Sommer können auch richtig euphorische Zustände erreicht werden (frühestens im Mai / meistens im Juli).
Die saisonal abhängigen Depressionen unterscheiden sich meistens von den typischen Depressionen und können auch als Unterform der atypischen Depressionen angesehen werden. Also bei den atypischen Depressionen treten häufiger auf: Lustlosigkeit , Deprimiertheit , Müdigkeit , vermehrter Schlaf , gesteigerter Appetit , Gewichtszunahme , bleierne Schwere in Armen und Beinen , Lethargie und immer wieder auftretende schwerste depressive Verstimmungen. Bei der Winterdepression, die als Unterform der atypischen Depression angesehen werden kann, ist es halt ähnlich.
Wo Du von Schokolade essen sprichst: Es ist nämlich so, daß angenommen wird, daß die Winterdepression auf einen Überschuß eines „Winterschlafhormons“ (Melatonin) zurückgeführt wird, das gerade in der Winterzeit bei manchen Leuten vermehrt ausgeschüttet wird. Dadurch soll es dann zum vermehrten Schlaf und den anderen Symptomen kommen. Dagegen hilft z.B. Lichttherapie und … nach Meinung einiger auch Schokolade essen (Pollmer vermutet z.B., daß daher ursprünglich das ganze Schokoladeessen im Winter kommt, weil dadurch der Melatoninspiegel gesenkt werden kann und es den Leuten dann stimmungsmäßig besser geht … nur so´ne Vermutung von ihm).
Tja, also Du schreibst, daß Du Dich depressiv fühlst, daß Dir zum Weinen zumute ist, daß Du viel schläfst und trotzdem Augenringe hast, daß Du viel Schokolade ißt und Deine Neurodermitis wieder ausgebrochen ist und Du darunter stark leidest. Wenn das ganze schon seit mindestens 14 Tagen andauert, dann sieht´s ziemlich nach Depression aus (psychische Belastung kann - wie Du sicher weißt - die Neurodermitis wieder ausbrechen lassen). Natürlich kann nur ein Arzt / klinischer Psychologe eine Diagnose stellen und auch nur, nachdem er Dich untersucht hat (d.h. meistens, daß Du mit ihm sprichst, Deine Beschwerden nennst, vielleicht noch ´nen Fragebogen ausfüllst) - das ist klar.
Aber so weit ich mich auskenne, würde ich Dir empfehlen, mal zum Arzt zu gehen und ihm Dein Problem schildern. Der wird - nach dem zu urteilen, was Du schreibst - wahrscheinlich Ähnliches denken wie ich. Aber keine Sorge, wenn er meint, daß Du ´ne Depression hast: Die Störung ist ziemlich häufig und gut behandelbar. Bei Frauen beträgt das Risiko, einmal im Leben eine Depression zu bekommen, 20% (d.h. 20% aller Frauen leiden einmal im Leben an einer Depression). Nun ist aber mit der Störung nicht zu spaßen und deshalb solltest Du einmal zum Arzt gehen , damit es Dir bald besser geht.
Wünsche Dir, daß es bald wieder aufwärts geht,
Oliver