Frühjahrsdepressionen?

Hallo Experten,

ich versuche mal mein Problem zu schildern. Also, ich bin 28 Jahre alt, lebe sehr glücklich in einer Beziehung und habe einen tollen Job! Nun wird das Wetter draußen endlich wieder schöner und ich nutze das auch sportlich aus! Eigentlich hätte ich allen Grund glücklich zu sein! Aber, nein! Das Gegenteil ist der Fall. Ich bin super depressiv, könnte jeden Moment losheulen und habe einen dicken Klops im Hals. Nachts knirsche ich mit den Zähnen, so dass mir am nächsten Tag der Kiefer schmerzt. Meine Neurodermitis, die mich seit zwei Jahren verschont hat, gibt wieder Vollgas. Jetzt sprechen mich schon meine Kollegen auf meine Augenringe an, obwohl ich nur noch schlafe und Schokolade esse :frowning: Schon ein kleiner Kommentar kann mich zum Weinen bringen. Was ist nur los mit mir??? Gibt es Frühjahrsdepressionen? Vielleicht kennt einer dieses Problem und gibt mir ein paar Tipps.

Eure Jule

Hallo,
wieviel Sport machst Du ? Wenn Du Dich überforderst,
evtl. noch kombiniert mit einer Diät, wären solche
Effekte nicht verwunderlich.

Gruss
Enno

Hallo Experten,

ich versuche mal mein Problem zu schildern. Also, ich bin 28
Jahre alt, lebe sehr glücklich in einer Beziehung und habe
einen tollen Job! Nun wird das Wetter draußen endlich wieder
schöner und ich nutze das auch sportlich aus! Eigentlich hätte
ich allen Grund glücklich zu sein! Aber, nein! Das Gegenteil
ist der Fall. Ich bin super depressiv, könnte jeden Moment
losheulen und habe einen dicken Klops im Hals. Nachts knirsche
ich mit den Zähnen, so dass mir am nächsten Tag der Kiefer
schmerzt. Meine Neurodermitis, die mich seit zwei Jahren
verschont hat, gibt wieder Vollgas. Jetzt sprechen mich schon
meine Kollegen auf meine Augenringe an, obwohl ich nur noch
schlafe und Schokolade esse :frowning: Schon ein kleiner Kommentar
kann mich zum Weinen bringen. Was ist nur los mit mir???
Gibt es Frühjahrsdepressionen? Vielleicht kennt einer dieses
Problem und gibt mir ein paar Tipps.

Hallo Jule,
Ich denke nicht, dass deine Depression etwas mit dem Frühjahr zu tun hat, aber ich sehe einen Zusammenhang mit der Neurodermitis und deinem Hunger nach Schokolade.
Es gibt meistens einen Zusammenhang von Neurodermitis und geschädigter Darmflora / Darmschleimhaut. Der Schokohunger könnte auch ein Hinweis auf einen Hefepilzbefall des Darms sein.
Bei geschädigter Darmschleimhaut erhöht sich die Permeabilität (Durchlässigkeit) des Darms. Toxische Stoffwechselprodukte
und potentielle Allergene können so in deinen Organismus gelangen und auf diesem Wege Stimmungsschwankungen bis hin zur Depression auslösen.
Nun kann man auch sagen, dass die depressive Stimmungslage die Neurodermitis wieder aufblühen lässt.
Was in deinem Fall zutrifft kann ich dir aus der Ferne nicht sagen, aber Obengenanntes habe ich schon bei einigen meiner Patienten erlebt. Die hieraus abzuleitende Diagnostik und Therapie haben es dann bestätigt.
mit besten Genesungswünschen
Crotalus

Saisonale Depression und Winterdepression
Hallo Jule!

Shocking, daß ich Deinen Artikel erst jetzt entdeckt habe. Ich hätte Dir empfohlen, auch einen Querverweis im Psycho-Brett anzulegen, denn da halte ich Deinen Artikel für genauso gut aufgehoben wie hier im Medizinbrett.

Der Grund ist der: Du sprichst von Frühjahrsdepression. Na ja, den Begriff gibt es nämlich nicht. Aber es gibt zwei ähnliche Begriffe: die saisonal abhängige Depression und die Winterdepression , die eine Unterform der saisonal abhängigen Depression ist. Als saisonal abhängige Depression bezeichnet man die Depressionen, die fast immer während eines bestimmten Zeitraumes (+/- 2 Monate) auftritt. Die Winterdepression zeigt gewöhnlich ihre stärksten Symptome während der Monate Januar und Februar und schwächt sich mit Beginn des Frühlings langsam wieder ab. Im Sommer können auch richtig euphorische Zustände erreicht werden (frühestens im Mai / meistens im Juli).

Die saisonal abhängigen Depressionen unterscheiden sich meistens von den typischen Depressionen und können auch als Unterform der atypischen Depressionen angesehen werden. Also bei den atypischen Depressionen treten häufiger auf: Lustlosigkeit , Deprimiertheit , Müdigkeit , vermehrter Schlaf , gesteigerter Appetit , Gewichtszunahme , bleierne Schwere in Armen und Beinen , Lethargie und immer wieder auftretende schwerste depressive Verstimmungen. Bei der Winterdepression, die als Unterform der atypischen Depression angesehen werden kann, ist es halt ähnlich.

Wo Du von Schokolade essen sprichst: Es ist nämlich so, daß angenommen wird, daß die Winterdepression auf einen Überschuß eines „Winterschlafhormons“ (Melatonin) zurückgeführt wird, das gerade in der Winterzeit bei manchen Leuten vermehrt ausgeschüttet wird. Dadurch soll es dann zum vermehrten Schlaf und den anderen Symptomen kommen. Dagegen hilft z.B. Lichttherapie und … nach Meinung einiger auch Schokolade essen (Pollmer vermutet z.B., daß daher ursprünglich das ganze Schokoladeessen im Winter kommt, weil dadurch der Melatoninspiegel gesenkt werden kann und es den Leuten dann stimmungsmäßig besser geht … nur so´ne Vermutung von ihm).

Tja, also Du schreibst, daß Du Dich depressiv fühlst, daß Dir zum Weinen zumute ist, daß Du viel schläfst und trotzdem Augenringe hast, daß Du viel Schokolade ißt und Deine Neurodermitis wieder ausgebrochen ist und Du darunter stark leidest. Wenn das ganze schon seit mindestens 14 Tagen andauert, dann sieht´s ziemlich nach Depression aus (psychische Belastung kann - wie Du sicher weißt - die Neurodermitis wieder ausbrechen lassen). Natürlich kann nur ein Arzt / klinischer Psychologe eine Diagnose stellen und auch nur, nachdem er Dich untersucht hat (d.h. meistens, daß Du mit ihm sprichst, Deine Beschwerden nennst, vielleicht noch ´nen Fragebogen ausfüllst) - das ist klar.

Aber so weit ich mich auskenne, würde ich Dir empfehlen, mal zum Arzt zu gehen und ihm Dein Problem schildern. Der wird - nach dem zu urteilen, was Du schreibst - wahrscheinlich Ähnliches denken wie ich. Aber keine Sorge, wenn er meint, daß Du ´ne Depression hast: Die Störung ist ziemlich häufig und gut behandelbar. Bei Frauen beträgt das Risiko, einmal im Leben eine Depression zu bekommen, 20% (d.h. 20% aller Frauen leiden einmal im Leben an einer Depression). Nun ist aber mit der Störung nicht zu spaßen und deshalb solltest Du einmal zum Arzt gehen , damit es Dir bald besser geht.

Wünsche Dir, daß es bald wieder aufwärts geht,

Oliver

(Pollmer vermutet z.B., daß daher ursprünglich das ganze
Schokoladeessen im Winter kommt, weil dadurch der
Melatoninspiegel gesenkt werden kann und es den
Leuten dann stimmungsmäßig besser geht … nur so´ne
Vermutung von ihm).

Das ist intersessant. Meine bisherige Erklärung war das
durch Schokolade einfach mehr des Melatonin „Baustoffes“
Serotonin gebildet wird, also der winterliche Mehrbedarf
dadurch ausgeglichen wird. Eine andere Erklärung wäre
natürlich, daß der „Bauprozeß“ durch Substanzen gehemmt
wird, die in der Schokolade enthalten sind.
Bzgl. Depression & Melatonin, hat zumindest eine Bekannte
von mir die Erfahrung gemacht, daß die Einnahme von
Melatonin zu Depressionen führen kann. Meine Vermutung
war, daß der Melatoninüberschuß die Serotoninaufnahme
hemmt. Evtl. würde es einen weiterbringen mal zu unter-
suchen, wie bei künstlicher Substitution die Reaktion
auf Schokolade ist.

Gruss
Enno

Hallo Oliver, Crotalus und Enno!

Vielen Dank, für eure Antworten. Komisch, sie haben mich fast wieder zum Weinen gebracht. Ich werde jetzt Olivers Rat befolgen und zum Arzt gehen, weil dieser Kreislauf: „Schokolade essen - dick werden - unreine Haut bekommen - dann aus Frust wieder Schokolade essen - weil nun dick und pickelig“ ein Übriges zu meiner depressiven Stimmung beiträgt. Nun habe ich diesen Zustand erst seit einer Woche und ich warte mal das Wochenende ab!

Ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende und nochmals vielen lieben Dank für eure Beiträge!

LG

Jule

Hallo Jule,

wenn das weiter so geht solltest Du natürlich mal professionelle Hilfe in Anspruch nehmen,aber was mir auch noch dazu einfällt:vielleicht bist Du ja schwanger?Wäre zumindest eine (der erfreulichsten-oder doch nicht?) Erklärung.
Gruß Andersen

Winterdepression und Neurotransmitter
Hallo Enno!

Serotonin hat einen Einfluß auf die Aufnahme von Kohlenhydraten durch den Organismus. Die Aufnahme dieser Stoffe führt zu einer Anregung der Insulinproduktion. Das Insulin sorgt für die Aufnahme vieler Aminosäuren aus dem Verdauungssystem in das Gewebe, wobei jedoch die Substanz Tryptophan ausgespart bleibt. Aus Tryptophan wird in den Raphé-Kernen im Gehirn der Neurotransmitter Serotonin produziert. Die serotonergen Bahnen verlaufen u.a. zum Limbischen System (hier vermutet man wichtige Hirnstrukturen, die im Zusammenhang mit den Gefühlen stehen). Insgesamt gesehen steigert die Kohlenhydrataufnahme also die Produktion von Serotonin. Serotonin selbst dämpft wieder das Bedürfnis nach Kohlenhydraten. Es existiert nach diesen Erkenntnissen also ein Regelkreis mit Negativschleife aus Serotoninproduktion und Kohlenhydrataufnahme.

Wurtman & Wurtman (1989) vermuten nun, daß Störungen in diesem Regelkreis zu den Symptomen der saisonal abhängigen Depressionen , der CCO (carbohydrate-craving obesity, Kohlenhydrat-Fettleibigkeit) und des prämenstruellen Syndroms (PMS) führen können.

Die Serotoninproduktion ist aber nicht nur von der Tryptophanmenge, sondern auch vom Sonnenlicht abhängig. Statt Serotonin wird bei Dunkelheit in der Epiphyse Melatonin produziert. Nach Wurtman & Wurtman (1989) führt oral eingenommenes Melatonin zu Schläfrigkeit und Mattheit. In Zusammenhang mit der Helligkeit wird angenommen, daß die vermehrte Produktion von Melatonin unsere menschlichen Vorfahren schläfrig machte (daher Winterschlafhormon ). Bei der Winterdepression soll daher das Verhältnis der in der Epiphyse produzierten Substanzen Serotonin und Melatonin gestört sein. Diese Vermutung wird dadurch gestützt, daß in höheren Breiten die Winterdepression häufiger ist, weil die Zeit der Sonneneinstrahlung dort geringer ist, und daß eine dauerhafte Bestrahlung mit 2500 Lux Licht pro Tag ( Lichttherapie ) bei 50% der behandelten Personen zum vollständigen Verschwinden der saisonal abhängigen Depressionen führte. In den höheren Breiten findet man außerdem ein vermehrtes Bedürfnis nach Kohlenhydraten, z.B. Zucker, Alkohol und Koffein. In Skandinavien wird z.B. 4mal so häufig Kaffee getrunken wie am Mittelmeer. Dies wird als weiterer Beleg dafür angesehen, daß die Kohlenhydrataufnahme die Serotoninproduktion beeinflußt (Kohlenhydrate und Koffein in Form einer Steigerung, Alkohol in Form einer Reduzierung). Andererseits werden auch die niedrigen Temperaturen für das größere Bedürfnis nach diesen Substanzen verantwortlich gemacht. Pollmer (1991) vermutet nun, daß gerade die erwähnten Wirkungen der Kohlenhydrate und des Lichts auf die Serotoninproduktion zur Entwicklung des „Weihnachtszaubers“ führten: Mehr künstliches Licht und mehr Schokolade essen im Winter sollen halt die Serotoninproduktion steigern und damit die gedrückte Stimmung aufgrund des niedrigeren Serotonin- und des höheren Melatoninspiegels entgegenwirken.

Ich hoffe, daß Du die von mir angesprochenen vermuteten Zusammenhänge nun deutlicher siehst.

Gruß,

Oliver

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Danke,
ein Teil davon war mir bekannt, allerdings nicht in dem
Detailgrad. Trotzdem noch eine Frage:

Die Serotoninproduktion ist aber nicht nur von der
Tryptophanmenge, sondern auch vom Sonnenlicht abhängig.
Statt Serotonin wird bei Dunkelheit in der Epiphyse
Melatonin produziert.

Ließt sich für mich, als wenn Melatonin ohne den Umweg
über Serotonin gebildet werden kann - stimmt das ?
Meine bisherige Kenntnis war, daß Serotonin über zwei
Stufen enzymatisch in Melatonin gewandelt wird, wobei
dieser Prozeß lichtabhängig ist.

Gruss
Enno