Re: Übersäuerung - wirklich ein Problem?
Hallo Sina,
zwar sagt die Alternativmedizin ganz richtig, nicht alles zwischen Himmel und Erde sei meßbar, aber ich denke ja mal nicht, daß Puffersubstanzen und pH da auch dazugehören.
Bei einer stoffwechselbedingten Übersäuerung wird zunächst das Basenelement des Puffers (also Bicarbonat) aufgebraucht, erst danach sinkt der pH. Beides, Bicarbonat und pH, kann man mit einer einfachen Blutentnahme messen.
Warum empfiehlt das keiner der Säure-Basen-Jünger? Anders gefragt: Wie wäre es denn eigentlich mit einer Diagnose vor der Therapie? Vielliecht deshalb, weil man da bei einem jungen Menschen nichts findet - der Basenstatus ist bei nierengesunden praktisch immer normal. Das Pulver wäre damit unverkäuflich.
Das Säureelement unseres Puffers ist übrigens Kohlensäure, sprich: Wasser und Kohlendioxid. Letzteres kann man ganz einfach abatmen. Das ist ja auch der Grund, warum die Evolution ausgerechnet so ein Kohlesäure-Bikarbonat-Puffer eingerichtet hat: Ist der Körper kurzfristig übersäuert, so wird unmerklich die Atemtiefe erhöht, Säure wird abgeatmet. Das nennt sich dann eine "respiratorisch kompensierte metabolische Azidose".
Wer also meint, er sei übersäuert, kann ja mal ein paar Minuten tief durchatmen - daß das jedoch nicht besonders bekömmlich ist, weiß jeder, der schon einmal eine Luftmatratze aufgeblasen hat. Interessant auch, daß Säure-Basen-Jünger diesen Mechanismus gar nicht erst erklären. Naja, Atemtechniken lassen sich halt nicht so gut zu Geld machen wie Pülverchen.
Wenn man sich schon zur Verschlimmbesserung seines Säure-Basen-Haushaltes basische Substanzen zuführen will, anstatt einfach saure abzuatmen, so hilft hier - ganz banal - billige Zitronensäure. Sie wird im Körper zu basischen Substanzen verstoffwechselt. Allerdings wird dadurch auch der Harn basisch, wodurch sich Kristalle bilden, aus denen sich Nierensteine entwickeln können. Soll heißen: Solche "Therapien" können also durchaus auch negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Als Patient (und ich habe das schon - im schlimmeren Zusammenhang - mehr als einmal erlebt) ist man dann aufgeschmissen. Mit Strafanzeige und Schadensersatz ist nichts, da solche "Tips" aus juristischer Sicht dem Laiensystem entspringen. Die stellen sich da auf den Standpunkt, man dürfe solche Dinge als Patient eben einfach nicht glauben. Üblicherweise werden von heilsapostolischer Seite leider fachchinesische Blendgranaten verwendet, die für den Laien undurchsachbar sind (siehe weiter unten). Dem eingeweihten aber kräuseln sich ob des konzentrierten (und gefährlichen) Schwachsinnes oft alle Zehennägel. Leider gibt es aber sogar unter den Menschen, die in der Krankenversorgung tätig sind, immer wieder Leute, die nicht in der Lage sind, selbst einfach nachvollziehbare Tatsachen logisch zu fassen und damit schlicht nur noch glauben anstatt zu wissen. Das soll ja jedem ungenommen bleiben, für Patienten kann das aber schnell gefährlich werden.
Also: Selbst in der Intensivmedizin gilt zunehmend: Finger weg vom Säure-Basen-Haushalt, solange es noch irgendwie möglich ist. Der Körper kann das am besten ganz von alleine ;-)
viele Grüße,
Oliver