Phantomschmerz

Hallo

vor ca. 8 Wochen ist meinem Vater das rechte Bein bis zur Mitte des Oberschenkels amputiert worden und er hatte bereits wenige Tage nach der OP das erste mal Phantomschmerzen im Fuss und in der Wade, die teilweise an die Erträglichkeitsgrenze gehen. Ich habe bereits Literatur und Internet nach möglichen Therapien durchforscht und auch einige interessante Therapievorschläge gefunden. Nun hoffe ich, dass hier der eine oder andere Betroffene mir vielleicht seine Erfahrungen mit erfolgreichen Behandlungen mitteilen könnte. Vielen Dank schon mal im voraus.

Gruß Petra

hallo!!

bin zum glück kein betroffener-aber eine sache kann ich empfehlen:

das problem des phantomschmerz kommt vielleicht/wahrscheinlich daher dass aus sicht des gehirns das bein natürlich nach wie vor vorhanden ist, d.h. die zuständigen nerven im somatosensorischen cortex sind ja nicht mit entfernt worden.
http://www.23nlpeople.com/Sensory&Motor.htm

so sieht die repräsentation unseres körpers auf der gehirnrinde aus. und da bleibt der fuss/unterschenkel auch vorhanden. deshalb spüren die patienten ihn auch nach der op.

man hat festgestellt dass bereits eine stunde nach der op die benachbarten gebiete (in diesem fall oberschenkel und genitalbereich) in den bereich „einwandern“ aus dem keine signale mehr kommen, d.h. dass man wenn man den oberschenkel abtastet der patient angibt zu spüren dass man sein „phantombein“ berührt.

schön und gut-reine theorie. aber wie damit arbeiten??:
unser gehirn benutzt bei bewegungen den visuellen input (augen) als rückkopplungsmechanismus. beispiel: du greifts mit offenen und geschlossenen augen nach einem glas-wie gehts dosierter/leichter?? mit offenen augen.

jetzt ist aber kein input mehr vom amputierten bein da. und den muss man dem gehirn wieder geben!!

ausführung: im sitzen stellt man einen grossen spiegel zwischen die beine. die spiegelnde seite kommt auf die „gesunde“ seite. wenn man von der seite in den spiegel schaut sieht man plötzlich auf der amputierten seite auch wieder ein bein!! (das gespiegelte gesunde)-durch die verdrehung sieht es aber wie das amputierte aus. jetzt versucht man die gefühlte position des amputierten beines mit der sichtbaren position im spiegel „übereinanderzubringen“-d.h. das spiegelbild entspricht der gefühlten position. und dann bewegt man beide beine gleichzeitig.

was passiert?
der körper sendet bewegungssignale an das nicht-vorhandene bein - sieht aber im spiegel dass es sich bewegt. dadurch kann man oft eine sehr sehr schnelle besserung erzielen.

damit du nicht denkst ich will dich verarschen hier die quelle:
v.s. ramachandran „phantoms in the brain“ (ein neurowissenschaftler der diese methode v.a. mit armamputationen sehr erfolgreich getestet hat).

man kann dann natürlich dieses bein auch massieren, etc. als versuch eine entspannung zu erzielen. ist auf jeden fall die methode die am wenigsten eingriff bedeutet (im vergleich zu medikamenten, …).

ansonsten wirbelsäulenbehandlung (sympathisches nervensystem dämpfen) und die segmente aus denen der unterschenkel versorgt wird.

wenn ihr`s probiert bitte rückmeldung über erfolg/erfahrungen,…

tschüss

matthias

Hallo

vor ca. 8 Wochen ist meinem Vater das rechte Bein bis zur
Mitte des Oberschenkels amputiert worden und er hatte bereits
wenige Tage nach der OP das erste mal Phantomschmerzen im Fuss
und in der Wade, die teilweise an die Erträglichkeitsgrenze
gehen. Ich habe bereits Literatur und Internet nach möglichen
Therapien durchforscht und auch einige interessante
Therapievorschläge gefunden. Nun hoffe ich, dass hier der eine
oder andere Betroffene mir vielleicht seine Erfahrungen mit
erfolgreichen Behandlungen mitteilen könnte. Vielen Dank schon
mal im voraus.

Gruß Petra

Hallo Matthias,

erst mal ganz großes Dankeschön, dass du dir für mein Problem soviel Zeit genommen hast. Das ist übrigens eine Methode, die ich noch nirgends gefunden habe, die mir aber sehr logisch erscheint. Ich bin absolut kein Mediziner, aber auch ich denke, dass der eigentliche Schmerz, der da empfunden wird, sehr subjektiv ist und somit am ehesten psychologisch behandelt werden sollte. Schnelle Prothese geht bei meinem Vater leider nicht. Nach der Amputation musste er nochmals am Stumpf operiert werden und aus Gründen, die ich nicht genau kenne, wurde diese letzte Wunde nicht vernäht und soll von allein verheilen. Das kann bis zu einem Jahr dauern und bis dahin wird er keine Prothese bekommen können.

Ich werde Dich auf dem laufenden halten, ob deine Methode funktioniert hat.

Danke noch mal

Petra

hallo!!

würde mich sehr freuen wenn es hilft!!

muss aber noch eine bemerkung anbringen: der schmerz ist natürlich subjektiv-ist schliesslich jeder schmerz. aber mit „psychologisch“ ist da nix!!

ich sehe „uns“ menschen immer mehr so: „wir“ sind ein gehirn welches einen körper hat mit dem es mit seiner umgebung interagieren kann. und für dieses gehirn ist eben noch ein bein vorhanden weil es die entsprechenden nerven dafür noch hat. und wenn von aussen keine signale mehr kommen dann erzeugt es sie eben selber!! siehe träume-da ist ja von aussen auch nichts da und trotzdem fühlen wir etwas, …-unsere „alten und primitiven“ zentren im gehirn „spielen“ unserm grosshirn was vor. aussen ist zwar nichts mehr zu sehen-aber das ist dem gehirn oben egal. wie gesagt: das ist nichts psychisches-sondern was anatomisches. schwer zu erklären-hab selber lange gebraucht das zu verstehen! :wink:)

tschüss

matthias

p.s. oliver sacks hat bücher in der richtung geschrieben-gibts auch in deutsch. dann sieht man diese sachen mal ein bisschen klarer.