Cortison und asthmasprays

Hallo zusammen

Ich bins schon wieder… :smile:
Wir lernen im Moment aufs 2. Prope (wie heisst das wohl in Deutschland?) und deshalb tauchen in den Pausen immer wieder verschiedenste Fragen auf. Und weil man hier so kompetent beraten wird, frage ich halt wieder:

  1. Wie wirkt Cortison bei Asthma? Ich nehme mal an, die meisten Asthmasprays enthalten Cortison (gibts auch andere Wirkstoffe?) und ich habe mir notiert, dass Cortison die Histaminfreisetzung hemme. Stimmt das so, und wie genau tut es das?

  2. Cortison stimuliert bei Neu- und v.a. Frühgeborenen die Surfactantbildung. Wie wirkt es da und wie verabreicht man einem Baby das Cortison?

  3. Eine Kollegin hat gehört, dass Asthmasprays notfalls auch angewendet werden könnten, wenn eine schwangere Frau z.B. im Flugzeug Wehen kriegen würde; dass dann also die Wehen verzögert werden könnten. Falls das wahr ist: hängt das auch mit dem Cortison zusammen? Und wie?

Das wärs für den Moment - bis zur nächsten Pause! :smile:

Julia.

Was ne Riesenfrage
Hallo Julia,

es gibt wesentlich mehr Asthmaspray als nur Corticoishaltige.
Da wären zum Beispiel solche, die wie Adrenalin wirken, sogenannte Beta-Sympathomimetika. Der Wirkstoff endet meist auf-olol, daran kannst Du sie erkennen. Durch diese Sprays wird das sympathische Nervensystem angeregt, die Bronchiolen erweitern sich und man kriegt besser Luft. Der Gegenspieler des Sympathikus ist der Parasympathikus. Wenn man diesen hemmt, hat man einen ähnlichen Effekt. Daher gibt es auch sogenannte Parasympatholytika, also Wirkstoffe, die den Parasympathikus hemmen. Dann wäre da noch Theophyllin, ein Phosphodieserasehemmer (siehe unten bei Coffein). Dieser verstärkt die Wirkung des „natürlichen“ Adrenalins im Körper.

Die Cortisonwirkung selber ist ein seeeehr weites Feld, ich will nur sagen das es quasi die Immunabwehr des Körpers hemmt, daher muß man auch nach der Anwendung des Sprays den Mund spülen um einen Pilzbefall der Mundhöhle vorzubeugen.

Zur Cortisonwirkung selber siehe

http://www.martinpletscher.ch/allergologie/cortison…
und
http://www.martinpletscher.ch/allergologie/asthma.html

Übrigens ist inhaltiertes Cortison im Gegensatz zur Tablette oder Spritze sehr nebenwirkungsarm weil kaum etwas ins Blut geht.

Gruß
Michael

PS: Ach ja, die Schwangeren: Da weiß ich es nicht ganz sicher, aber ich glaube das Cortison wird nicht gegeben um die Wehen zu verhindern sondern um die Lungenreifung des Ungeborenen bei drohender Frühgeburt zu beschleunigen.

Hallo Michael!

Vielen Dank für deine Antwort!
Es ist mir klar, dass Cortison ein Riesengebiet ist - ich war deshalb auch bloss neugierig auf die Wirkungsweise in den drei beschriebenen Fällen.

Verstehe ich das jetzt richtig, dass Cortison in der Asthmabehandlung eher langfristig wirkt und gar nicht eine akute Bronchodilatation auslöst?

Gruss, Julia.

Hi Michael,

prima Antwort! Da ist ja nix mehr hinzuzufügen… :smile:

An Julia, zu Frage 3:

„Asthmaspray zur Wehenhemmung“ bezieht sich auf den Wirkstoff „Fenoterol“ (bekannter Handelsname „Berotec“-Spray). Dabei handelt es sich um ein Mittel, welches die Beta-Rezeptoren stimuliert und dadurch auf die glatte Muskulatur wirkt, welche nach Fenoterol-Gabe erschlafft.
Bei geringer Dosierung passiert das nur in der Atemmuskulatur, in höheren Dosen wirkt es auch auf den Uterus (Gebärmutter), was dann zur Wehenhemmung führt.
Beta-Rezeptoren finden sich auch am Herzen, das Mittel kann daher als unangenehme Nebenwirkung Tachykardien hervorrufen.

Schöne Grüße,

MecFleih

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So isset. owT

Hallo Michael, Hallo Julia

dass Cortison in der
Asthmabehandlung eher langfristig wirkt und gar nicht eine
akute Bronchodilatation auslöst?

Soviel ich weiß, hat Cortison, u.a. sehr wohl eine Wirkung auf die Bronchien. Ich selbst muß Cortison wegen M. Addinson nehmen
und eines meiner Symptome, bei aufretendem Cortisonmangel, sind Bronchialspasmen.
Ich weiß allerdings nicht genau , inwiefern, Asthmasprays von ihrer chemischen „Cortisonart“ anders sind, als reine Cortisonpräperate. Und mich würde interessieren, warum Cortison im Asthmaspray vorhanden ist, wenn es keine akute Wirkung zeigt.
Wer mag mir das erklären?
Gruß Natascha

Hallo Natascha,

Cortison natürlich eine Wirkung auf die Bronchiolen, weil es wichtige bronchiolenverengende Faktoren vermindert. Aber das funktioniert nur indirekt, daher dauert es auch einige Stunden bis ein Cortisonspray wirkt. Um eine schneller Wirkung zu haben, kann man Cortison mit anderen Wirkstoffen kombinieren, z. B. mit Salmeterol (Viani, atmadisc). Diese anderen Wirkstoffe wirken direkt auf die Bronchiolen und weiten diese.
Die „Cortisonarten“ unterscheiden sich übrigens kaum, was die Wirkung betrifft.

Gruß
Michael

Kleine Korrektur
": Der Wirkstoff endet meist

auf-olol, daran kannst Du sie erkennen."

Nee, das war genau falsch: Salmeterol und Fenoterol. Auf „olol“ endet das pharmakologische Gegenteil, die Beta-Blocker nämlich. Sorry.
Michael

Danke - sowohl für die Korrektur als natürlich auch fürs Beantworten der ursprünglichen Frage!

Julia.

Hallo Michael!
Esrtmal Dank für die Antwort.

Aber das
funktioniert nur indirekt,

Genau diese indirekte Funktionsweise interessiert mich. Wie geht das genau?

Die „Cortisonarten“ unterscheiden sich übrigens kaum, was die
Wirkung betrifft.

Was die Wirkung betrifft nicht, aber was den zeitlichen Eintritt der Wirkung betrifft. So hat mir das zumindest der Endokrinologe erklärt.Oder ist das falsch?
Sein Beispiel:
Cortisonacetat muß erst noch weiter verstoffwechselt werden, als Hydrocortison.
Ich weiß verstoffwechselt muß alles zuerst werden. Aber durch die unterschiedlichen Zusammensetzungen der Präperate, muß es zu den unterschiedlichen Eintrittszeiten der Wirkung kommen.
Ganz davon abgesehen, ob es nun Retard- Medikamente sind, oder nicht. Aber die gibt es bei Cortisonpräperaten glaub ich nicht…
Oder ist das kompletter Blödsinn?
Gruß Natascha